37+

 

Thesen für einen
„neuen Gesellschaftsvertrag“ *

 

im Frühsommer 2016  

 

oder

 

"Was würdest Du machen, wenn Du BundeskanzlerIn wärest?"

 

 

*

+ 4 Szenarien am Vorabend der Bundestagswahl 2025 vom Oktober 2015

Ziele (erster Entwurf einer + Synthese aus den 37+ Thesen) -
Vier Eckpfeiler für den Bau eines neuen europäischen Hauses

 

                                                                      Stefan Frischauf

 

 

 

 

4 Szenarien am Vorabend der Bundestagswahl 2025 

vom Oktober 2015 gegenübergestellt (S. 50)


Ziele (erster Entwurf einer + Synthese aus den 37+ Thesen) -
Vier Eckpfeiler für den Bau eines neuen europäischen Hauses

sind dabei mein Vorschlag, aus diesen Dilemmata herauszukommen (S. 59)

 

Demokratie lebt von Bewegung – von Veränderung – und dem Mut dazu, dies leisten zu wollen!
„Gute Arbeit leisten heißt neugierig sein, forschen und aus Unklarheiten lernen“ – sagt der US-Soziologe Richard Sennett.

WIR wollen etwas bewegen in Deutschland – und in Europa!
Zu diesem WIR jedoch können WIR nur kommen, wenn da wieder Ziele und Perspektiven auch für unsere Kinder (be-) greifbar werden. 

 

„Nichts ist beständiger als der Wandel.“
Dies sollte erst Recht für eine Demokratie gelten und ihre Möglichkeiten, sich zu entwickeln – zu lernen.

 

„37+ Thesen für einen neuen Gesellschaftsvertrag“, insbesondere die Ziele „Vier Eckpfeiler für den Bau eines neuen europäischen Hauses“ sollen Diskussionen – und Horizonte öffnen für eine Zukunft für alle, die da wollen von den rund 80 Mio. Bundesbürgern – und bald auch den rund 508 Mio. EU-Bürgern.

 

Die ARCHITEKTUR eines „neuen Europas“ wird so aufgebaut im Sinne einer „solidarischen Moderne“ – basierend auf einem „neuen Gesellschaftsvertrag“.
Dies entspricht einem europäischen „New Deal“ – einer zeitgemäßen Interpretation dessen, was der US-Präsident Franklin D. Roosevelt dort in den 1930er Jahren aufgebaut hat.

 

 

Geschrieben von einem Architekten – einem „Planer“ also - einem dreifachen Vater zudem, der sich in der gesellschaftlichen Mitte verortet, aber betont, dass das Herz eben links davon schlägt.  

 

 

Die 37Thesen folgen hier - weiter unten auf dieser Seite.

 

 

These 1:

Der Mangel an so genanntem "bezahlbarem Wohnraum" in Ballungsräumen / Städten und die so genannte "Flüchtlingskrise" werden über kurz oder lang zu weitergehenden Spannungen aufgrund von zunehmenden Versorgungsengpässen – Jobs, Sozialkassen der Kommunen etc. in Deutschland führen.

Es gibt jedoch viele Dinge, die Alles, was zur Integration der Flüchtlinge – der Neu-Ankömmlinge – aber auch zur Bewältigung dieser gewichtigen Aufgaben für alle nun erforderlich ist erschweren:

  • Der „Kampf der Kulturen“ – die Angst vor „dem Fremden“ per se,
  • die Tatsache, dass da viele essentiellen Elemente der „Daseinsvorsorge“ für die Mehrzahl der Menschen „lange liegen geblieben“ sind
  • und – dies bei gleichzeitig zunehmend prekarisierten Lebens- und Arbeitsbedingungen vielerorts.

Eine ganz wesentliche Herausforderung an Stadt- und Regionalplanung per se tut sich da auf. Diese Herausforderung stellt sich auf allen „Maßstabsebenen“ dar und – die Antworten darauf werden nicht nur für den „sozialen Frieden“ in Deutschland entscheidend sein.

 

 

These 2:

Auch die Themen "Strukturwandel" und - "Flächen- und Quartiersmanagement" bedürfen unter dem (Planungs- und Lösungs-) Druck der nun zu erfolgenden Erstellung von – und des Umbaus zu sog. "bezahlbarem Wohnraum"  vertiefter Neu-Ausrichtungen.
"Strukturwandel" betrifft da maßgeblich nicht nur den Um- und Weiterbau von der Industriegesellschaft zu einer Dienstleistungsgesellschaft, sondern auch im Zuge der „Digitalisierung“ zu einer Gesellschaft, die viele Veränderungen unserer physischen und medialen Umwelt auch in die Lebenswelten der Vielfalt der Menschen zu integrieren weiß.

Und – "Strukturwandel" betrifft auch eine neue, breit angelegte öffentliche Diskussion um die Themen „Baukultur“ und „Bestand“, „Sanierungsstau“ und „ökologische Erneuerung“, „Suffizienz“ und „Effizienz“, „Neubau“ und „Umbau“. All diese Themen sind vergleichbar gegenüberzustellen, um so wirklich gesamtgesellschaftlich „nachhaltige“ Weichenstellungen für eine lebenswerte Zukunft für alle zu ermöglichen.
Dafür bedarf es einer sehr pragmatisch agierenden Raumplanung, die bisher „liegen gebliebene Anknüpfungspunkte“ früherer Umbauphasen zeitnah – und am (gesamt-)gesellschaftlichen Bedarf orientiert umsetzen kann – und will. Es bedarf also gesetzgeberischer Vorgaben und – es bedarf breit aufgestellter – aber im gesamt-gesellschaftlichen Kontext „ziel-orientierter“ öffentlicher - kompetent geführter Diskussionen darüber im Vorfeld.

 

 

These 3:

„Flächenmanagement“ berührt dabei massiv Land- und Grundstücksrechte. Auch etwa das Thema der Haftung für Kontamination – sprich – im Zuge der Flächensanierung und Vorbereitung der Neuerschließung von Flächen der Beseitigung von Altlasten auf und in den Böden – der Rückstände primär aus der ersten industriellen Revolution gehört maßgeblich dazu.

Wer zahlt also die Beseitigung der ökologischen Folgen der Zeche? Diese Frage ist immer wieder ein Thema, das sämtliche Bau- und Planungsfortschritte lähmt und oft über Jahre hinauszögert.
„Innen- vor Außenentwicklung“ sollte insofern auch bedeuten, dass Anreize für beschleunigte Verfahrensweisen in dieser Hinsicht geboten sind – dass die Moderation dieser Flächenumnutzung zwischen Baubehörden und Bauherren / Investoren ganz essentiell ist und der Staat als derjenige, der maßgeblich am Fortbestand des „sozialen Friedens“ interessiert sein sollte nicht nur auf der legislativen Ebene beschleunigende Instrumente und die damit verbundenen Stellen schaffen sollte – im Dialog mit Ländern und Kommunen.

 

 

These 4:

Auch „Quartiersmanagement“ – also Sozialarbeit vor Ort ist dabei schon in der Vorplanung essentiell. Die Kommunen alleine können das nicht leisten.
Im Gegenteil – um „Ghettoisierung“ in jetzt schon bestehenden „sozialen Brennpunkten“ zu vermeiden und „Integration und Inklusion“ zu gewährleisten bedarf es nicht nur finanzieller Anreize durch den Bund, sondern vor allem der Einsetzung funktionaler Gesetzeshierarchien im Rahmen der föderal „konkurrierenden Gesetzgebung“ – der Legislative also zwischen Bund und Ländern. Programmatische Zielvorgaben, die eigentlich durch die vielen „liegen gebliebenen Mängel – gerade auch im Rahmen der Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum“ schon bestehen können nur durch zentrale Projektsteuerungs-Vorgaben und entsprechende dezentrale Umsetzungssteuerung erfüllt werden. Zu diesen Verantwortlichkeiten zu gelangen jedoch erfordert erst einmal intensivierte öffentliche Diskurse und – „frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit“ auch außerhalb der Bau- und Planungsbehörden – und wesentlich erweiterte Erfahrungsaustausche auf allen Ebenen.
Denn – es handelt sich eigentlich um ein recht riskantes Experiment hier – die Öffnung einer bisher eher im verschlossenen – eher nationalen Rahmen verlaufenden Gesellschafts- und „Marktentwicklung“ hin zu einem europäischen – einem insofern auch vielleicht „globalen Integrationsprozess“.
„Globalisierung von unten“ – „bottom up-top down“ – „Think global, act local“ – wie man es auch immer benennen mag. Eine Vielzahl von programmatischen Maßnahmen, die auch entsprechende Risikokalkulation – und kluge und erfahrene Steuerung – auch zum Schutz kleiner lokaler Marktteilnehmer – auch des „Mannes und der Frau von der Straße“ erforderlich machen.
Zeit zum Verzagen jedoch ist da nicht viele gegeben.   

 

 

These 5:

„Neoliberalismus“ wird von vielen Ökonomen u.a. Wissenschaftlern aus dem angloamerikanischen Raum als „nicht wissenschaftlicher Begriff“ eher gemieden. Die derzeitige global vorherrschende Gesellschaftsordnung weist indes drei vorherrschende Charakteristika auf.

Prämisse für alles ist dabei die bedingungslose „Besitzstandswahrung und -mehrung“ um jeden Preis – wer hat, dem wird gegeben – wer nichts hat, hat auch kaum Recht, an Gesellschafts- und Stadtentwicklung etc. teilzunehmen / teilzuhaben.

  1. Das durch vielfache (Macht- und Kontrollverlust-) Ängste motivierte Instrumentalisieren eigener „Identitätsmuster“ – Religion, Recht (eigenes Rechtsempfinden bzw. Recht nur im eigenen Fach-/ Rechtsbereich betrachtend), Nation, Stamm, Rasse, Wohlstand (Klasse / Stand) etc.
  2.  „Wahrheitsmuster“, die da stetig medial verkauft werden und kaum (noch) das abbilden können, was menschliche – „globale“ Bewegungen und die entsprechenden Daten- und eben auch Menschenströme bedingen und eben auch mit sich bringen , die somit eben auch per se bereits Ausschlusskriterien der öffentlichen Diskurse (prä-)definieren.
  3. Im Zuge der „Fragmentierung jeder Realität“ kann das nur in entsprechende „Klientelsmuster“ führen: Es gilt unbedingt, der eigenen Gruppe den größten Anteil vom Kuchen zu Gute kommen zu lassen. Alle anderen fallen durch das Raster. Von der groben über die mittlere zur feinen Körnung.


„Neoliberalismus“ verführt also die Akteure zu Selektion und Ausschluss vieler „anderer“ Gruppen und Individuen. Der Name irritiert mehr, als dass er wirklich die Dinge benennt.
Auf Dauer wird es da auf den Rängen und im Parkett recht unbequem.
Dann gilt es, ein neues Fass aufzumachen – oder aber – das Theater, in dem da das „Teile und Herrsche-Schauspiel“ aufgeführt wird endlich umzubauen, bevor es zusammenkracht.

 

 

These 6:

Die also als „Neoliberalismus“ bezeichnete Trias von gesellschaftlichen Zu- und Umständen unterscheidet sich da von anderen, vergangenen Formen der Selektion und Ausgrenzung in ihrer Totalität nur in der Hinsicht, dass diese Muster unglaublich subtil – ihre Opfer geradezu perfekt verdrängt – zumeist auch räumlich exportiert - „outgesourcet“ werden.
Die von vielen Wissenschaftlern also in ihrer Namensgebung gemiedene, geradezu global umfassende „Befreiung von Werten und Märkten“ – besser – ihre Protagonisten – die sog. „Eliten“ schafften es jedoch immer wieder, die sich heute darstellenden „Fließbewegungen von Wahrheits- und Identitätsmustern“ in ihrer auskristallisierten Erstarrung als „ultimativ“ und „alternativlos“ und insofern „im rechtsstaatlich demokratischen Rahmen platziert“ o.ä. darzustellen. Konzepte und Gedanken für eine „pluralistische“ und vielfältige Zukunftsgestaltung für Menschen aller sozialen und ethnischen Herkünfte wurden so in einer vermeintlich endlosen Gegenwart leider jedoch zwangsläufig stetig ausgeklammert.

 

 

These 7:

Ganz banal könnte man jetzt einwenden, dass der Nationalsozialismus mit seiner grausamen perfektionierten Tötungsmaschinerie  damals und der Kaderkommunismus am Ende des Warschauer Paktes – einmal mehr besonders perfekt mit der Stasi-(Selbst-) Bepitzelung auf der Ostseite der Mauer, deren Bauplanung noch am Vorabend „in Beton gegossener Realitäten“ geleugnet wurde dann ja auch „(Neo-) Liberalismus“ gewesen seien. Und – „Terrorismus“ – insbesondere in seiner medialen Zurschaustellung von Grausamkeiten durch den IS und andere solcher Gruppen nicht minder.

  

Ja – vielleicht entspricht „(Neo-)Liberalismus“ dieser Art eher einer Krankheit. Einer irgendwie „sich selbst legitimierenden „Befreiung“ von jeglicher humanistischer Ethik“ – von jeglichen, durchaus universellen Regeln der Menschen- oder Nächstenliebe. Diese Regeln dann gelten im Zuge der Ausklammerung von Komplexität nur noch für die eigenen „Klientelsmuster“ – im Rahmen der Gestaltung der eigenen „Wahrheits- und Identitätsmuster“.

Ein Vorgehen, das mit der so genannten „Flüchtlingskrise“ nun auf den Prüfstand gestellt wird: Öffnet das Land, von dessen Boden im 20. Jahrhundert zwei Weltkriege gestartet wurden sich nun also Europa und der Welt in heilsamer und „für alle integrativen Absicht“ und versucht es da wirklich, „etwas zu schaffen“ – Perspektiven abseits von Krieg und Zerstörung – hin zu Frieden und Menschenwürde für alle aufzubauen und – versucht man diesen Paradigmenwechsel auch wirklich und glaubhaft nach innen und außen voranzutreiben oder – werden wir immer mehr ein „bemüht demokratieähnliches Gebilde der zweiten Berliner Republik nach dem dritten Reich“?

 

 

 

 

Bilder oben: Die Kiefernstraße in Düsseldorf-Flingern - eine ehedem "besetzte Straße". Linker Hand überwiegend deutsche Bewohner mit "alternativen Lebensentwürfen" - rechterhand die "Migrantenseite" - "schmuddelige" Fassaden mit Satellitenschüsseln. Dennoch - die Straße als Lebensraum funktioniert durchaus.
Darunter eine Industriebrache unmittelbar daneben - zwischen den alten innenstadtnah suburban gelegenen Industrie- und Arbeitervierteln Düsseldorf-Flingern und Oberbilk - die Brache der "Vereinigten Kesselwerke" - vielleicht auch, nach einem alternativen Treffpunkt unmittelbar daneben eher - das "Niemandsland" zwischen Flingern und Oberbilk.

Rechts daneben: Ein Slum in Bandra, in der "suburbanen - kernnahen Peripherie" Bombays / Mumbais - wahrscheinlich bewohnt von "Wanderarbeitern", die die Bürogebäude im Hintergrund erstellt haben.
Darunter
 ein Bachlauf in Andheri-West, weiter zum Stadtrand der Agglomeration Bombay - ein "Wasserlauf", der vor lauter Müll kaum noch als solcher auszumachen ist.

 

 

 

These 8:

In ihrer Neujahrsansprache sprach die Bundeskanzlerin zum ersten Mal seit langem plötzlich wieder von der „sozialen Marktwirtschaft“. Gilt dies auch mit dem Terminus der „Massenkaufkraft“ von Mitbegründer und Parteikollege von Frau Dr. Merkel - Ludwig Erhard für alle 80 Mio. Bundesbürger?
 

Die Schauspieler auf der Bühne, wo das „Teile und Herrsche-Schauspiel“ hierzulande aufgeführt wurde sind am Ende. Die Zuschauer nicht minder. Aber – alle Köpfe im Orchestergraben sind abrasiert. Die Ränge schwanken – einige sind abgestürzt – viele sind bereits aus dem Parkett und den Logen geflüchtet. In den Trümmern suchen einige Musiker noch verzweifelt ihre Instrumente. Der letzte Ton ist immer auch eine Frage der (Berufs-)Ehre.

 

Die „Flüchtlingskrise“ hat gegenüber den anderen, größtenteils eher verdrängten als wirklich be- oder verarbeiteten Krisen der letzten Dekade(n) eine gewichtigere Dimension: Das im Vorfeld der Bundestagswahl 2013 von Jürgen Habermas diagnostizierte „Elitenversagen“ und „Dösen auf dem Vulkan“ Deutschlands jedoch ,

das da nun weitergehen soll birgt jetzt viel größere Sprengkräfte für die „kristallisierten Wahrheitsgetüme“, die uns – Gesellschaft da vorgesetzt werden – die uns aber letztlich auch ausmachen und bestimmen – zumal bei immer mehr verriegelten Notausgängen (auch der Brandschutz als wesentliches Element des Baurechts wird immer wieder gerne von mancher Seite den vorher genannten Prämissen untergeordnet und entsprechend instrumentalisiert).

 

 

These 9:

Habermas bezog das „Dösen auf dem Vulkan“ – letztlich den „Reformstau in Deutschland und Europa“ noch primär auf die sog. „Eurokrise“ und Deutschlands Verhalten gegenüber Südeuropa.
Unter dem lange eingeschliffenen Kodex des „Kampfes der Kulturen“ wird es nun mit der „Flüchtlingskrise“ heißer und unbequemer zwischen den ins Tal fließenden Lavaströmen. „Der Krieg gegen den Terror“, der letztlich seit bald 15 Jahren mehr Terror und mehr Unsicherheit überall in der Welt für die Mehrheiten der Menschen, die einfach ihr bescheidenes Leben in Frieden mit sich und ihrer Familie führen wollen gebracht hat – er kommt jetzt unweigerlich ins Land – und – neue (Verlust-) Ängste entstehen. Feige Anschläge wie zuletzt in Paris und Brüssel sind die Folge.
Wehrhaftigkeit gegenüber Terror kann jedoch in Europa nur entstehen, wenn wir uns endlich wieder der sozialen Errungenschaften nach den Schrecken des 2. Weltkriegs erinnern und dies in die heutige Zeit transformieren.
Denn – „Aussitzen“ – ein „Ausbremsen“ wollen auch der Flüchtlingskrise bedeutet auch, dass neue „Fronten“ im „Teile und Herrschen“-Schauspiel entstehen. Und das in einem mehr als baufälligen Theater.

 

Ignoranz und Ausgrenzung ist auch eine lange bewährte (behördlich institutionalisierte) Methode, um den Zugang in das zerschlissene Theater zu begrenzen. Genügend „Expertenmeinungen“ aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik bekommt man für entsprechende Maßnahmen immer schnell zusammen.
Peter Handkes „Angst des Tormanns beim Elfmeter“ wird im Zuge der „Fragmentierung von Realitäten“ – und damit der entsprechenden „rechtsstaatlichen Gewaltenteilung“ zur Angst vor „Totalität“ geschürt. Ein verständlicher Reflex in Anbetracht deutscher Geschichte des 20. Jahrhunderts: Deutschlands Rechtssystem – und seine Institutionen wurden nach dem zweiten Weltkrieg wohl weislich als weit verzweigte, feingliedrige flache Hierarchien wieder aufgebaut. Im Zuge des „Teilen und Herrschens“ jedoch haben sich genau dort wesentliche Schwachstellen hier aufgetan. Gewaltige Lücken in den Zwischenräumen des Status Quo Vadis.

Den nächsten Akt in dem "Teile und herrsche"-Schauspiel, den der Satz "Wir schaffen das!" einleiten sollte müssen WIR erst noch schreiben. Und - gleichzeitig inszenieren. Und - geeignete Spielstätten finden. "Reallaborversuche" sozusagen.

Aber - um diesen neuen Akt zu bestehen - ihn überhaupt anzugehen - dafür bedarf es etwas mehr Zusammenführung der zersplitterten Requisiten der vergangenen Akte. Sonst hauen uns viele andere draußen vor den Toren des zerschossenen Theaters die neuen Spielstätten des nächsten Aktes schon vorher kurz und klein. Und - die Mantras von "Wir schaffen das!" bis zur Beschwörung der "sozialen Marktwirtschaft" in der Neujahrsansprache der Kanzlerin werden zu Brandsätzen.

 

 

 

 

 

 

These 10:

Was hat das alles nun für „Architektur und Stadt– und Regionalplanung“ per se in diesem Moment hier und jetzt zu bedeuten?

Und – warum schreibe ich u.a. Ihnen das hier – die im föderalen System der Bundesrepublik meinen Beruf in den Ländern vertretenden Verbände?

Oder – warum wende ich mich eben nicht nur an die Kammer hier in Nordrhein-Westfalen als „meinen Zuständigkeitsbereich“?

Immerhin die Architektenkammer von einer der am dichtesten besiedelten Regionen Europas – dem bevölkerungsreichsten Bundesland, in dem bei derzeit ca. 17,7 Mio. Einwohnern genauso viele Architekten notiert sind wie bei unseren französischen Nachbarn insgesamt mit ca. 66,4 Mio. Einwohnern?

 

Nun – in NRW wurde vor kurzem die Kammer neu gewählt. Eine leicht gestiegene Wahlbeteiligung von knapp 40 % der Kammermitglieder wird allgemein als Erfolg verbucht.

Wie viele „prekarisierte“ oder gar – „verdrossene“ Kollegen ohne „Marktzugangsmöglichkeiten“ gibt es – nicht nur in NRW?

Gerade die Listen der beiden großen Berufsverbände hier – BDA und BDB stellten in ihren Programmen „Krisen“ geradezu als „Naturgesetzlichkeiten der Märkte“ dar. Nirgends war ein Hinweis auf „programmatische Initiativen“ zur Stärkung des Berufsstandes – auch zu „Integration“ oder gar „Inklusion“ von „prekarisierten“ oder gar – gänzlich von den „Märkten“ ausgeschlossenen Kollegen zu finden.


Die „Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI)“ – schön und gut, aber – für viele kaum wirklich als „Richtschnur“ in den Haifischbecken der Bau- und Planungsbranche zu betrachten. Von „Investoren“ und anderen „Bauherren“, die bisweilen kaum Ahnung von alle dem haben und die Thunfische unter den Kollegen im Becken, die sich keinen Anwalt (mehr) leisten können beliebig verzehren gar nicht zu sprechen.

Und – was zählen auf „hoch spezialisierten Märkten“, wo Stellenausschreibungen allzu häufig ein spezielles (CAD-)Programm für eine spezielle Leistungsphase auf einem speziellen Bausegment fordern noch „Erfahrung“ und „Überblick und Allgemeinbildung“?

Was macht also all das – zumal per definitionem ipsem ja jeder Mensch ein Architekt, Städtebauer und Ingenieur sein kann? Und – man zudem sagt, dass es sich mit Architekten wie mit gutem Wein verhält – bei entsprechender Lagerung wird er oder sie mit zunehmendem Alter und Erfahrung besser. Was ja auch auf die meisten anderen Berufsstände zutrifft.

 

 

These 11:

Auch in diesem Zusammenhang sei nochmals der Hinweis auf die geburtenstarken Jahrgänge der Mitte der 1960er Jahre geborenen „Baby-Boomer“, den auch der Präsident der Architektenkammer Baden-Württemberg Markus Müller in seinem Pamphlet zum programmatischen Wohnungsbau macht gestattet.
(
Link funktioniert nicht mehr - leider ist das Pamphlet nicht auffindbar).

 

Für viele von uns zeichnet sich jetzt schon mehr als deutlich ab, dass wir uns unter geg. Umständen z.B. über Zahnersatz im Alter kaum Sorgen machen müssen. 50-70 % von uns dürften bei derzeit anvisiertem und überall sich abzeichnendem linearen Fortlauf der Dinge ohnehin das „Rentnerdasein“ primär zwischen Suppenküchen und „Altenheimstätten“ als Sammelunterkünften fristen. Über die Perspektiven unserer Kinder darüber hinaus möchte ich hier jetzt eher schweigen. 

 

Auch insofern sollte das Thema der „Vermeidung von Altersarmut“ – besser – einem „verdienten und würdigen Altersdasein“ schon jetzt viel stärker in den gegenwärtigen Fokus gerade auch planerischer Berufe wie dem unseren rücken: die Generation meiner Eltern ff. haben auch ein Land mit Bildungs- und Chancengleichheit mit vielen fleißigen Händen und Köpfen (wieder-) aufgebaut. Die Herausforderungen an uns sind also viel größer als viele es lange Zeit wahr haben wollten. Und – die Arbeit, die da wirklich zu leisten ist, wenn man auch diese „Krise “ als Chancen wahrnimmt – das kann eine Volkswirtschaft bei kluger Gestaltung schon weit nach vorne bringen. Der Wille dazu, dies jedoch anzugehen – man findet ihn derzeit kaum. Die Signale, dass man nun verkrustete Strukturen aufbricht – wo bleiben sie?

 

„Altersarmut“ ist also (auch jetzt schon) eine gegenwärtige – keine zukünftige Herausforderung – gerade auch im Hinblick auf „bezahlbaren Wohnraum“ und die Würdigung von alten Menschen und ihrer Leistungen – ihrer Integration in die Gesellschaft.

Zumal bei steigender Lebenserwartung und damit auch steigendem Sicherheits- und Planbarkeitsbedarf unserer und kommender Generationen. Etwas, was auch ganz maßgeblich unsere Jobsituationen – „Suffizienz“ und „Effizienz“ und „Erfahrungswissen“ und seine Weitergabe betrifft.
 

 

These 12:

Insofern sei hier auch nochmals an die Neujahrsansprache der Kanzlerin erinnert, wo Frau Dr. Merkel plötzlich wieder von der „sozialen Marktwirtschaft“ sprach. Ein „Ideal“, das unter dem Paradigma der „freien Märkte“ lange Zeit verschüttet schien, und das u.a. auch auf den Terminus der „Massenkaufkraft“ von ihrem Parteikollegen Ludwig Erhard zurückgeht. Und – das hat nichts mit blindwütigem „Konsumismus“, sondern gerade heutzutage eher etwas mit Teilhabe und Angebote dafür zu tun. Mit Zukunftsperspektiven für alle.

 

Auch die Forderung, „Hilfe zur Selbsthilfe am Herkunftsort der Flüchtlinge“ zu leisten wird kaum noch wirklich erhoben. Dies kann nicht nur die kurzfristige Nothilfe – die bessere finanzielle Ausstattung von Flüchtlingslagern vor Europas Grenzen – oder gar im ohnehin arg gebeutelten Griechenland sein.
Um wirklich „nachhaltig“ die Ursachen anzugehen und gemeinsam Konzepte zu „Hilfe zur Selbsthilfe am Herkunftsort der Flüchtlinge“ zu erarbeiten bedarf es einer tieferen Analyse der derzeit – seit längerem sich ereignenden Kriege – gerade auch derjenigen mit deutscher Beteiligung.


Meines Wissens gibt es kaum Untersuchungen der UN oder anderer multinationaler Organisationen dazu, inwiefern die Sanktionspolitik des Westens gegenüber dem Irak dort tausende – Millionen von Menschen in die Armut getrieben hat oder – inwieweit der Bau des Atatürk-Staudamms und den anderen, kleineren 22 Staudämmen im türkischen Ostanatolien Mitte der 1990er Jahre Millionen von Kleinbauern und Fischern in Syrien und im Irak die vom Wasserstand von Euphrat und Tigris abhängige Existenzgrundlage geraubt.

– und damit grundlegend die Kriegsbereitschaft erhöht hat.

Und – zu Afghanistan und Südasien habe ich da selbst noch viel tiefer anhand meiner Arbeit dort recherchiert.

 

 

These 13:

Es handelt sich nicht um die „Kriege der Zukunft“, in denen es grundsätzlich um das Wasser, das da „manchem abgegraben wird“ geht.
Wasser und Grund und Boden – Landrechte – auch zum Bohren nach Rohstoffen etc. sind schon jetzt die großmaßstäblichen existenziellen Kriegsgründe auf dem Boden der Tatsachen. Überall. Damit aber auch die entsprechenden Konflikte beim Übergang - beim Umbruch von einer „unilateralen“ zu einer eher „multipolaren“ Weltordnung.

Um auch hier effizient planerisch tätig werden zu können und ein Austarieren „schwacher“, zumeist gemeinschaftlicher und „starker“ – zumeist eher „singulärer privater“ Interessen zu ermöglichen, bedarf es einer intensiven Analyse dessen und einer Aufarbeitung vergangener Versäumnisse. Die Schuldfrage sollte dabei anfänglich eher sekundär sein, um da endlich Lösungswege zu erschließen. Es gilt, überhaupt an den essentiellen Grundbedürfnissen der Menschen anzusetzen. Auch, um der vielerorts schwelenden Kriegsgefahr offensiv im Sinne einer Bekämpfung der Ursachen – Armut, Landflucht, mangelnder Zugang zu sauberem Wasser und zu Bildungschancen – allgemeine Perspektiv- und Hoffnungslosigkeit bei sich vielerorts verschärfendem Konfliktpotential entgegenzutreten.
Es bedarf zentraler programmatischer Überschriften für entsprechende Arbeit mit Gastgebern auf „fremdem Grund und Boden“ – und entsprechender Paradigmenwechsel für den „Vertrauensaufbau“ im kleinen „Nachbarschaftsmaßstab“ – im zentral gesteuerten – aber lokal, dezentral umgesetzten Verhelfen zum Gebrauch von „Grundrechten“ durch Architektur, Städtebau und Ingenieurswissenschaften vor Ort.

 

Bisweilen wird es erforderlich sein, die Themen Städtebau, „nachhaltige urbane Wasserwirtschaft“ und „Installation eines rudimentäres Baurechts“ zur Vermittlung zwischen starken privaten Interessen („Landlords“= Grundstückseigentümer und potenzielle „Warlords“) und schwachen Gemeinwohl-Interessen zusammenzuführen.

 

In einer Bewerbung bei der Bauaufsicht Düsseldorf hatte ich neben meinem Hinweis auf meine langjährigen Erfahrungen im Brandschutz dies auch als Kern meiner Arbeit in Kabul umrissen. Tatsächlich hat im Vorstellungsgespräch zum ersten Mal eine deutsche Behörde interessierte Fragen zu meiner Arbeit dort gestellt. Mit dem Hinweis auf „Verhandlungs- und Ermessensspielraum“ auch im Bau- und Planungsrecht hier jedoch betrat ich dort ein „verwaltungsjuristisches Minenfeld“, das natürlich einmal mehr zu „geschlossenen Türen“ nun auch 5 ½ - bald 6 Jahre nach meiner Rückkehr vom Hindukusch führte.

 

Der Transfer von Standards – die Bereitschaft zur Klärung von Begrifflichkeiten ist nicht nur im internationalen und interkulturellen Dialog essentiell und setzt gegenseitige – also zumindest bilaterale Flexibilität und Offenheit voraus.

Kein Standard oder Maßstab – keine Rechtsauslegung in diesem Sinne kann für sich gesehen als „absolut“ gelten. Vielmehr muss alles erst mühsam mit Menschen von dort dem jeweiligen Ort und den maßgeblichen primären Entwicklungszielen unter Voraussetzung der Gewährleistung angepasst werden.

Die Grundlage für all diese Arbeit ist – der Aufbau von VERTRAUEN.
Dafür muss man aber den „Kampf der Kulturen“ hinter sich lassen und das Theater des „Teile und Herrsche-Schauspiels“ umbauen wollen – zu einer würdigen Spielstätte für Komödien und Tragödien für alle.

 

 

These 14:

Zu Kriegs- und Fluchtgründen ist noch viel zu sagen:

  1. Die schleichende Aushöhlung staatlicher Bildungssysteme in Staaten mit vorwiegend Bürgern muslimischen Glaubens von Mauretanien und dem Senegal bis nach Indonesien verstärkte sich gerade in Folge der Anschläge auf die heiligen Stätten in Mekka 1979: Die nun forcierte flächendeckende Gründung von Koranschulen primär durch die finanzstarken saudischen Wahabiten und ihre überall herangezüchteten Gefolgsleute hat vielerorts die Menschen versucht, in Dummheit und blinder Gefolgschaft zu halten. Somit wurde auch der Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten maßgeblich in der Folge instrumentalisiert.
  2. Die iranische Revolution 1979 - im Kernland der Schia also warf letztlich auch die Schia weit zurück in ihren aufklärerischen Inhalten.
  3. Die US-Administration von Präsident Carter kündigte bereits zeitgleich mit diesen fatalen Entwicklungen der Sunna und der Schia jegliche Zusammenarbeit der US mit Diktaturen auf. Ein Dekret, das bei wechselnden Präsidentschaften und entsprechenden Mehrheiten in der einzigen verbleibenden Weltmacht des Kalten Krieges letztlich in der Folge gleichfalls immer mehr instrumentalisiert wurde. Bis zum heutigen Stand eines zunehmend destabilisierten „Mittleren Ostens“, der letztlich dort, wo unser „Nahe Osten“ lokalisiert ist – an den Brennpunkten Syrien, Lybien und Irak die schlimmsten Auswirkungen dieser Trias zeitigt.
    Aber – auch der „Mittlere Osten“ – Zentral- und Südasien – insbesondere Afghanistan, Pakistan, Bangladesch – aber auch viele Gebiete in Indien sind alles andere als stabile, sichere Regionen.

Und – insbesondere nach Ausrufen des NATO-Alarmfalles am 12. September 2001 haben alle NATO-Partner da irgendwie doch immer mitgezogen. Auch wenn der unter verlogenen Vorwänden geführte Angriffskrieg gegen den Irak 2003 zunächst ohne deutsche und französische Beteiligung erfolgte.
Und – auch die Folgeschäden des Einsatzes uran-angereicherter Munition schon im ersten, von den US geführten Golfkrieg 1991 – jenes Krieges, den der französische Architekt und Stadtplaner Paul Virilio in „Krieg und Fernsehen“ damals als „kleinen dritten Weltkrieg“ bezeichnete werden kaum thematisiert. In überwiegend städtischen Einsatzorten – MOUT  - also „militärische Operationen auf urbanem Terrain“ ist ja nicht nur im Pentagon eine der wichtigsten militärischen Einsatzdoktrinen.  

 

Über all das wird hier kaum in seinen Folgen für viele Menschen berichtet. Andererseits sind viele Menschen allerorten jedoch viel weiter. Das Diktat religiös instrumentalisierter Dogmatik – und die in schwelenden – oder offen kriegerischen Regionen stetig überwundenen Schranken zur alltäglichen gewaltsamen „Lösung“ aller Konflikte indes zermürbt sie. Das Diktat vordergründig religiös motivierter Gewalt besteht vielerorts immer noch fort. Die Schutzlosigkeit weiter Teile der Zivilgesellschaften an solchen Orten  wird zusätzlich maßgeblich befeuert durch Armut und Perspektiv- und Orientierungslosigkeit.
Etwas, dem auch die ehedem „erste Welt“ – der Westen im von ihm ausgerufenen „Kampf der Kulturen“ nichts wirklich Wegweisendes für viele Menschen auf dem diesen Verwerfungen ausgesetzten Boden der Tatsachen entgegenzusetzen vermag.


Aber – jeder – auch dieser stetig stärker schwelende „Weltkrieg“ geht irgendwann seinem Ende entgegen.

Und – ursächlich für unübersichtliche Überlagerungen und Durchdringungen verschiedenster Interessenslagen, die dann zu Kriegen und Fluchtbewegungen vieler Menschen führen sind viele Dinge. Die Frage nach der „Schuld“ – zumal meist einseitig gestellt – und eine daraus zumeist folgernde, genauso einseitige und statisch konstruierte „Täter-Opfer-Beziehung“ hilft da der großen Mehrheit der Menschen in ihrem fundamentalen Bedürfnis nach Sicherheit und einer menschenwürdigen Zukunftsperspektive nicht weiter – ist also auch nicht wirklich lösungsorientiert.
Insofern bedarf es pragmatischer Ansätze für den Aufbau von vertrauenswürdigen Ordnungssystemen – schon jetzt, wo die Flammen vielerorts noch hell auflodern. Bevor es zu wirklich weiter greifenden Flächenbränden kommt.
Und – Europa – WIR liegen da näher dran als unsere Partner auf der anderen Seite des Atlantik.

 

 

These 15:

China und die BRICS – die Weltbank verkündete vor kurzem noch eine Warnung zum „gleichzeitigen Wachstumseinbruch der Volkswirtschaften dieser Länder im Jahr 2016“. 


Nirgends jedoch wird darauf hingewiesen, dass „Chinas urbane Revolution“ gerade in der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts massiv durch den Aufkauf US-amerikanischer Staatsanleihen – eigentlich QE – Schulden, also das de-oder inflationäre Gelddrucken der US befeuert wurde. 2011 dann begann das Zerbrechen der gigantischen Immobilienblase im „Reich der Mitte“.

Trotz der geplanten harten Einschnitte des 12. Fünfjahresplans von 2011 scheint das Land spätestens nach dem "Putsch" des "Linksabweichlers" – und Bürgermeisters der größten Stadt der Welt – Chungking - des „Prinzlings“ von Maos Gnaden Bo Xilai im April 2012 wieder wesentlich autokratischer zu werden. Die (Verlust-) Angst der vielen „Superreichen“ – und mancher Technokraten in den Heeren konfuzianischer Beamter im Dienste der Partei der Volksrepublik scheinen einmal mehr das um seine Mitte ringende "Reich der Mitte" zu lähmen und viele Verwerfungen auszulösen, die man nur mit eiserner Hand in den Griff zu bekommen scheint.

 

Chinas Rolle nach der Subprime Krise 2008 und das massive westliche „Outsourcing von industrieller Produktion“ zu den damit verbundenen (billigeren) Arbeitskräften dort bewirken, dass wir schon lange in mancherlei Beziehung „im selben Boot sitzen“.
Jegliche „Marktschwankungen“ dort werden zu allererst etwa die Arbeiter in Wolfsburg bei VW am Band spüren. Schließlich ist China größter Absatz- und inzwischen auch einer der größten Produktionsmärkte für Autos weltweit. VW betreibt meines Wissens 20 Werke dort und – durch den „Abgasskandal“ ist der Konzern wesentlich geschwächt.


Es ist heute eben doch für viele Menschen recht wichtig, zu bemerken, dass ein Sack Reis in China umgefallen ist. Je komplexer ein System in seinen Zusammenhängen ist, umso anfälliger für allerhand Irritationen ist es eben auch. Und – das bekommen die einfachen Menschen eher zu spüren als „die Eliten“.

 

 

These 16:

Die Karte der Weltbank von 2014, in der die Einkommensverteilung der Volkswirtschaften – anhand also des Gini-Koeffizienten dargestellt ist, lässt viele Rückschlüsse zu.

 

Auch zur Angleichung vom größten Schuldner der 2000er Jahre – den US – und dem größten Gläubiger – China, was eben die „soziale Schere“ im „Reich, das da um seine Mitte ringt“ und dem „Kernland des Kapitalismus“ betrifft.
Aber – das ist nur ein spannender Aspekt der tieferen Analyse dieser Karte. Gerade etwa im Hinblick auf Deutschlands hier noch günstige Rolle und andere Länder „im grünen Bereich“ – zu denen auch Indien und Afghanistan gehören hält die Karte manche Überraschungen parat.
Überraschungen, die maßgeblich denn auch mit dem ökonomiegeschichtlichen Erfahrungswert, dass die Deflation die Phase mit der größten (Bürger-) Kriegsgefahr darstellt in Zusammenhang gebracht werden sollten.

 

Und – Bürgerkriege und – die Entwicklung dahin – das ist heute ein immer alltäglicheres Prinzip, wie da Kaskaden ausgelöst werden und entsprechend schnell die Dämme zu allen Formen der Gewalt brechen.
Gesellschaften, die sich im Lichte der Aufklärung wähnen bedürfen auch der staatlichen Formen, die solche Kaskaden und Dammbrüche verhindern können und wollen. Staatliche Formen und Institutionen, die dies auch perspektivisch im Sinne eines zu gewinnenden Vertrauens in eine zu gestaltende Zukunft – für alle, die da mitwirken wollen weiter bauen können.

 

Gerechte Verteilung – Chancengleichheit, Hoffnung – alles in allem also Perspektiven und – ein Interesse an meinem Nächsten, der eben nicht nur „Konkurrent“ sein sollte – das sind die Schlüssel zu friedlichen Entwicklungsmöglichkeiten für alle – in miteinander vernetzten Volkswirtschaften. In Volkswirtschaften also, deren Interesse auf klugen und fairen Handel gelenkt werden sollte. Handel, bei dem alle gewinnen können.

 

 

 

 

 

Zwischenbilanz nach 16 von 37 + Thesen:

Die bisherigen 16 Thesen wurden peu á peu täglich an die Bundesarchitektenkammer und die Architektenkammern der einzelnen Länder und an den Zentralverband deutsches Baugewerbe per e-Mail versandt.

Wie kaum anders zu erwarten, auch entsprechend jahrelanger Erfahrungen gab es keine Antworten – außer solchen, die in erster Linie auf die Schwierigkeiten auf „freien Märkten“ im Hinblick auf die Preisbildung beim Wohnungsbau gerade auch in „boomenden Städten“ hinwiesen oder einfach – dass man aus dem „Verteiler“ gelöscht werden wollte.

 

Es zeichnet sich insofern ganz deutlich ab, dass „alternativlos“ so weiter verfahren werden soll wie bisher – mit den bisherigen „Erfolgsmodellen“. Das heißt denn auch – wer jetzt seine „Marktposition“ inne hat, soll diese weiter behalten – wer keine inne hat, der soll weiter draußen – und unten bleiben. Auch die Art, wie gescheiterte Projekte und langwierige Planungsverfahren gehändelt werden – wie somit „schwarze Nullen“ bewahrt und weiter „vertieft“ werden – die Scheidung in solche Marktteilnehmer, die (noch) Bankenkredite bekommen und andere, die trotz Nullzins eben keine bekommen – alles bewährt – und das nicht erst seit der so „erfolgreich überwundenen Krise 2008“ in Deutschland. Gewinne werden also weiter privatisiert – Verluste weiter mittels „systemrelevanten“ – also immer wieder „alternativlos“ zu rettenden Banken werden so weiter „sozialisiert“.

 

„Wir schaffen das!“
Helmut Krause, selbständiger Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht in Puchheim bei München und Begründer des „Querdenkerforums“ – „Vereinigte Direktkandidaten der Zivilgesellschaft für den Bundestag“ garantiert im Falle seiner Wahl zum parteiunabhängigen Direktkandidaten die Einhaltung seiner Wahlversprechen mit einer Vertragsstrafe in Höhe von 10.000 € pro gebrochenem Wahlversprechen. 

 

„Kritische Bürger“ sagen schon länger, dass es „keinen Plan“ gäbe, „es wirklich zu schaffen“.

Der politische Wille scheint zu fehlen – auch bei den „Planern“ von Berufs wegen.
Überforderung oder – „böser Wille“ – die Gewohnheit oder - „kann man einfach nicht heraus aus seiner Haut“?
„Besorgte Bürger“ ist zum Feindbild für manchen geworden, der oder die da meint, wir – wer auch immer das noch sei in einem immer neu gegeneinander ausgespielten Gemeinwesen würden das alles so ohne Weiteres schaffen.

„Teile und Herrsche“ und die stetigen Tempuswechsel beim Ausbremsen der Realitäten des Scheiterns, das natürlich nicht sein darf. Das insofern auch unbedingt schon vorsorglich frühzeitig weitergereicht werden muss – zumindest die „Verantwortlichkeit“ – in der Regel dort, wo man ein unten empfindet, dem man sich überlegen wähnt. Mit allen Konsequenzen.

 

In Anbetracht der Tatsache, dass gute und zuverlässige Feuerwehrleute heutzutage schon befürchten müssen, als Erste am Brandort als Brandstifter denunziert zu werden - werden in zwei bis drei Jahren ganze Straßenzüge brennen und – keine Sicherheitskräfte für’s Löschen zuständig sein?
Vielleicht etwas überspitzt, diese Aussage, aber – wenn es keinen Plan zur Sanierung – zum Umbau des zerschossenen Theaters, in dem da die Aufführung von „Teile und Herrsche“ stetig weiter aufgeführt wird gibt, dann zeichnen sich doch immer deutlicher sehr unangenehme – sehr deutsche Vorzeichen einer „zweiten Berliner Republik nach dem dritten Reich“ am Horizont ab. Wenn der grundgesetzliche Souverän – das Volk – die Gesellschaft das zulässt.

 

Die Aufarbeitung des Duisburger "Love Parade"-Fanals und "German Angst" Anfang April 2016 - oder - wieso wundert man sich eigentlich noch über den Vertrauensverlust in "den Staat" - seine Behörden - seine "unabhängige Justiz" - über verdrossene Nicht- oder AFD-Wähler?
Deutsches Baurecht ist präzise wie vieles im Land der Richter und Denker - die Sicherheitsauflagen sind überall bei Bauen und Planung - hm - "nicht zu verachten". Wenn man sich nur die Zugangs - und Entfluchtungsmöglichkeiten am großen Stern in Berlin in den Tiergarten und beim Festivalgelände in Duisburg ansieht - irgendwie ist da sehr deutlich etwas durchgewunken worden, was nicht ganz "wasserdicht" war.
Spannend ist nun, dass man sich auf EIN GUTACHTEN aus dem UK und den Verfasser einschießt, ihm Befangenheit, schlampige Arbeit etc. vorwirft - eigentlich öffentlichen Rufmord begeht und man niemals im Laufe der letzten Jahre auf den Gedanken gekommen ist, ein zweites Gutachten - etwa von Sicherheitsingenieuren vom Lehrstuhl Wuppertal - also aus der Region anzufordern. 
Und - mancher Vertreter der „Rechtsstaatlichkeit“ redet schon davon, dass man ja nichts von "Verschwörungstheorien" halte, aber - vielleicht könnte man ja 'mal stattdessen von INTERESSENSKONFLIKTEN zwischen Behörden - Kommune, Staat - hier auch der Justiz - und den Bürgern sprechen?

 

Vom Djihad träumende radikale Vollidioten, die dann auch mal Bomben basteln sind eine Gefahr für Staat und Gesellschaft. Aber - Behörden - und - eine "unabhängige Justiz", die bei solch brisanten Themen so "aufklärerisch" arbeiten beseitigen den Staat - und seine Glaubwürdigkeit viel deutlicher. Aber – eben durch die Hintertür.
Wie weit ist man eigentlich bei der "Aufklärung" der Einsturzursache vom Stadtarchiv Köln - hat sich ja gerade zum 7.Mal verjährt – möchte man da fragen? Zumal – der Neubau des Stadtarchives ist ja bis auf weiteres erst einmal aufgeschoben. Eigentlich ein gewaltiger kultureller Verlust und – ein weiteres planungstechnisches, unter den Teppich gekehrtes Fiasko.

 

Der libanesische Filmregisseur Imad Karim, seit vielen Jahren in Deutschland lebend spricht wie so viele „Deutsche mit Migrationshintergrund“ voller Ehrfurcht und Bewunderung vom „Land der Dichter und Denker“. Aber – er warnt auch vor einer schleichenden, immer manifester werdenden Islamisierung des Landes – der Zerstörung des „friedlichen Multikulti“, das er bei seiner Ankunft hier in den 1970er Jahren erlebte – und liebte.

Ein scheinbar immer träger werdender „Rechtsdschungel“ mit vielen nebeneinander koexistierenden „Rechtsbereichen“ tendiert ohne den entsprechenden ethisch-moralischen Überbau dazu, zum „Rechtsvakuum“ zu werden. In unserem Falle ist dieser Überbau zu allererst das Grundgesetz – über allem stehend jener Passus, der ansonsten nur in der UN-Menschenrechtscharta – nicht aber in einer anderen Staatsverfassung zu finden ist:
„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

 

Das „Land der Dichter und Denker“ ist immer auch das „Land der Richter und Henker“. Nur in den knapp 13 düstersten Jahren – von 1933 bis 45 mussten die Dichter und Denker emigrieren – oder – sie wurden ermordet vom braunen Mob – auf Befehl von seinen grausamen Ideologen.
Auch in der DDR – der „ersten Berliner Republik nach dem Dritten Reich“ hatten die meisten „Dichter und Denker“ es alles andere als leicht. Die Selbstbespitzelung der Stasi – da wurde „deutsche Perfektion“ einmal mehr auf die Spitze getrieben. Und – im Anschluss kamen einmal mehr viele der hohen Befehlsgeber davon, während Soldaten mit Schießbefehl bestraft wurden.

 

In Kabul, wo ich 2009/ 10 in einer britisch-amerikanischen „Nicht-Regierungs-Organisation (NGO)“ arbeitete, hörte ich manches Freitagsgebet aus der benachbarten Moschee unserer Unterkunft, das eine einzige Tirade gegen „Ungläubige“ war. In Bangladesch lief ich fast in eine Kundgebung der mit wachsender Not im Land zunehmend radikaleren Hefajat e Islam hinein, wo „Ungläubige“ verflucht wurden. Die meisten Passanten und Freunde um mich herum lachten mich noch verlegen an. Noch.

 

Das junge und unerfahrene Management der „NGO“ in Kabul konnte die Anforderungen meinerseits für ein „gemeinwohl-orientiertes Pilotprojekt“ – „nachhaltige urbane Wasserwirtschaft“ für den ursprünglich schiitischen Altstadtteil nie erfüllen. Immer wieder sprach man abwiegelnd von einer „zersplitterten Nachbarschaft“, weil man an die Kernthemen nicht heran wollte und konnte. Immer wieder musste ich meine Strategie ändern. Am Ende stand ich irgendwann alleine mit dem stellvertretenden Chef-Ingenieur und dem Quartierssprecher vor den freigelegten Fundamenten von dessen, im Bürgerkrieg 1990-92 (96) zerstörten Elternhauses. Am dritten Tag der exemplarischen Verhandlungen, wo es darum ging, eine „Baulast“ zu ermöglichen, die dem eher grob gebildeten Mann eine Entschädigung zugestehen würde dafür, dass Abwasserrohre unter seinem Grundstück verlaufen sollten überließ ich den Rest der scheiternden, nie entsprechend von Seiten des Managements im Team vorbereiteten Verhandlungen dem stellvertretenden Chef-Ingenieur. Bald darauf erhielt ich einen wütenden Anruf, in dem mir vorgeworfen wurde, den „mächtigsten Mann dieses Altstadtteils“ beleidigt zu haben.
Die jungen „Vertreter der Elite“ dort im Management hatten den Kernkonflikt der Menschen dort nie im Geringsten verstanden. Das Scheitern vor Augen jedoch gilt es immer, früh die Verantwortlichkeiten weiterzugeben – in der Regel also „nach unten“. Letztlich musste ich immer wie der Hase und der Igel bei ihrem berühmten Rennen als einziger Deutscher in dieser „hilflosen Hilfsorganisation“ mir irgendwie die Freiräume zum (weiter) Arbeiten sichern. Einmal verblüffte ich die jungen, auch aufgrund meiner vielschichtigen, eben nicht nur auf eine Seite, „die Fassade“ konzentrierten Arbeits- und Herangehensweisen immer wieder irritierten und überforderten Kollegen von der Insel mit der Aussage: „Wir Deutschen waren immer die Präzisesten. Als Nazis waren wir die grausamsten Faschisten, als Stasi-Spitzel waren wir die linientreusten Kaderkommunisten und auch als „Neoliberale“ sind wir die Besten!“. Die jungen Leute von der Insel waren sichtlich geschockt und – ich konnte erst einmal für einige Zeit die nächste strategische Möglichkeit zur Bearbeitung des mir aufgetragenen komplizierten Projektes aushecken. Ich hatte einfach wieder etwas Luft zum Atmen und – um gute und hoffentlich erfolgreiche Arbeit zu leisten.

 

Inwiefern dies schon fast eine Art Prognose oder gar „Weissagung“ war indes –
das erschüttert mich noch heute, bald sieben Jahre später.

Wie an solchen Orten wie Kabul und Afghanistan zudem „die Dienste“ alles kontrollieren und entsprechend – wie weit „Nicht-Regierungs-Organisationen“ allzu häufig eben doch primär nationale Interessen der entsprechenden „Infiltratoren“ vertreten – der leitenden Mitarbeiter, die eben auch auf der Gehaltsliste eines, meist des „Heimatdienstes“ der „NGO“ stehen – davon haben die wenigsten Menschen im scheinbar „perfekt geregelten“, lange völlig abgeschotteten „wohl behüteten“ Deutschland nicht die geringste Vorstellung.

 

Abgesehen davon, dass meine Tätigkeit dort sicher die größte menschliche und berufliche Herausforderung meines Lebens war, war es auch in vielerlei anderer Hinsicht eine Erfahrung, die mir die Augen für manche Dinge weiter geöffnet hat. Nach 20 Jahren lebte ich nun zum ersten Mal wieder für längere Zeit in der „südlichen Hemisphäre“ unseres Planeten und – ich war entsetzt, wie verdreckt dieser inzwischen allerorten ist. Und – wie auch dies scheinbar als „Naturgesetz“ von vielen – gerade jüngeren westlichen Menschen – eigentlich Gästen dort hingenommen wurde. Als (latenter) Asthmatiker, der besonders gegen Verbrennungsgifte höchst allergisch reagiert indes habe ich selbst auch ein durchaus eigennütziges Interesse daran, die Um- und Mitwelt – die Lebensbedingungen der Menschen auch an solchen spannenden – und noch in ihrem hohen Zerstörungsgrad schönen Orten wie Kabul zu verbessern.  Und – China 2011/ 12, noch viel stärker aber Indien und Bangladesch 2012/ 13 – die Geschwindigkeiten dort der Entwicklungen – die Überlagerungen von erster und zweiter industrieller Revolution und denn auch von Wohlstand für die einen – aber eben auch weiterhin bitterer Armut für die vielen anderen – was sich denn gerade auch in den ökologischen Verhältnissen des Lebensraumes ausdrückt – als Mensch – als Ingenieur und Architekt mit einer westlichen Sozialisation ist man da gefordert, Alternativen zur stetigen Zerstörung – zu Raubbau und Krieg zu entwickeln.

WIR sollten es eigentlich besser wissen, hatten wir doch Ende der 1960er, Anfang der 1970er Jahre nach viel länger anhaltender Entwicklung als diese Orte in Zentral-, Süd- und Ostasien durchaus vergleichbare – aber eben zeitlich und räumlich viel kleinmaßstäblicher ähnliche Erfahrungen zu meistern.

 

„Respekt ist immer der Respekt vor der (Lebens-)Erfahrung des anderen“ – so könnte man Rosa Luxemburgs Satz von der „Freiheit des Andersdenkenden“ auch umdeuten. Erfahrung und der Austausch derselben – die Auswertung – das Zuhören – die Neugier – das bestimmt maßgeblich unsere Lernfähigkeit – unsere Möglichkeiten, uns zu entwickeln – zu wachsen – uns zu bilden.
„Bildung“ ist der größte Reichtum – und – es sollte auch das wichtigste Exportgut – die wichtigste „Handelsware“ überhaupt eines Landes ohne große materielle – also physisch abbaubare Rohstoffvorkommen sein.
Das „Land der Dichter und Denker“ sollte jedoch dabei maßgeblich endlich sich seiner eigenen tradierten Werte besinnen. Diese im Zuge einer „Renaissance“ – einer Wiedergeburt tief verschütteter Werte endlich wieder zum Leben erwecken wollen.

 

Die „Machtfrage“ – im eigentlichen Sinne – die Frage Hamlets nach „Sein oder Nicht-sein“ berührt da den Kern der Dinge. Es ist aber eben auch maßgeblich die Frage nach dem „Gestaltungswillen“, die da dem grundgesetzlichen Souverän zu stellen ist – also jedem Einzelnen der mehr als 80 Millionen Einwohner der Bundesrepublik:
"Was würdest Du machen, wenn Du BundeskanzlerIn wärest?"

Denn – es gilt, Auswege aus durchaus zu einem großen Teil selbst verschuldeter Unmündigkeit heraus zu finden. Auswege – eine Befreiung aus dem „Dilemma des Jammerns und Räsonierens auf hohem Niveau“, das lange Zeit die Augen, die Münder und Ohren vor den wirklichen Kernkonflikten, die sich da heute vielerorts darbieten verschließen half.
Es gilt, gemeinsam „Alternativen“ aus dem scheinbar unumstößlichen Dogma erstarrter Bewegungsabläufe heraus zu entwickeln. Damit verbunden selbstverständlich eben auch personelle Alternativen zu dem, von vielen Seiten doch kaum noch als fähig, die existenziellen Kernfragen anzugehenden derzeit herrschenden Personal der „Eliten“ aufzustellen.
Die „Macht- und Gestaltungsfrage“ sollte in diesem Zusammenhang in einer „sich in demokratischem Geiste“ selbst bewertenden Gesellschaft auch den Mut zu Zivilcourage wecken – bevor „der demokratische Geist“ von Oligarchen verdrängt der Tyrannis und der nicht mehr hinterfragbaren Willkür weicht.
Denn – in einem Punkt sind sich viele Kriegsreporter einig: der Ausbruch des (Bürger-) Krieges wird immer vom Gros der Bevölkerung an dem einen oder anderen Orte bis zum letzten Moment verdrängt. Man bemüht sich bis zuletzt, „sein ganz normales Leben“ zu führen. Erst, wenn dann die Dämme gebrochen sind, wenn dann durch den Flügelschlag eines Schmetterlings bedingt die Lawinen von den umliegenden Berghängen hinab ins dicht besiedelte Tal rollen und immer mehr Menschen dort unter sich begraben – erst dann realisieren viele die lange verdrängte Gefahr für Leib und Leben – erst dann, wenn es für Viele schon zu spät ist.
Erst dann, wenn, wie Bertolt Brecht „an die Nachgeborenen“ sagt, „die Untat kommt, wie der Regen fällt.“

 

WIR sollten es eigentlich viel besser wissen hier in diesem Lande in der Mitte Europas – des alten Kontinents und sollten nun fortan diese Kernfrage in den Raum stellen – an jeden Einzelnen – an jede Einzelne der Nachgeborenen hier:

"Was würdest Du machen, wenn Du BundeskanzlerIn wärest?"

Denn – dass es sehr schwer ist und höchstes Geschick erfordert, mehr als 80 Mio. Einzelwillen miteinander zu koordinieren – das sollte jedem schon recht klar einleuchten. 80 Mio. Einzelwillen zumal vor dem Hintergrund unseres alles andere als leichtfüßigen „kollektiven Gedächtnisses“. 80 Mio. Einzelwillen, die wiederum mehr als 7,3 Milliarden Einzelwillen der derzeitigen Weltbevölkerung gegenüberstehen und – die auf ein gemeinsames INTERESSE, also – ein gemeinsames Dazwischen – ein COESSE – ein Zusammensein gelenkt werden wollen. Die aber dabei nicht zerrieben und assimiliert werden sollen – deren Urangst vor Macht- und Identitätsverlust entsprechend Ernst genommen – deren Urangst eben auch mit entschiedener Wehrhaftigkeit – erhobenen Hauptes und – mit dem Herz am rechten Fleck – also links von der Mitte gegenübergetreten werden will.

 

 

 

 

These 17:

Armut ist also ein viel weiter greifendes Thema – im relativen wie im absoluten Sinne – also im jeweiligen Kontext oder Umfeld. Das „Wohnen“ oder – der Schutz und die Sicherheit, die durch eine „Behausung“ gewährt wird berührt dabei existenzielle Grund- und Menschenrechte.

 

Die Tatsache, dass der chilenische Architekt Alejandro Arravena, der sozialen Wohnungsbau - "bezahlbaren Wohnraum" bei „klammen kommunalen Kassen“ mit guter Architektur und klugen integrativen Nachbarschafts-Konzepten verbindet, den Pritzker Price, den „Nobelpreis für Architektur“ 2016 gewonnen hat, ist dabei ein gutes Signal! 
In einem Interview heißt es, dass "Architektur nun ein Instrument im Kampf gegen Armut" wird.
 

Auch bei uns gibt es viele Konzepte, dies anzugehen. Bisher jedoch mit eher mäßigem Erfolg. Der Druck, da zügiger die Dinge anzugehen ist aber gewaltig. Und – natürlich haben wir andere Rahmenbedingungen als Chile oder Mexiko – auch ein anders geprägtes „kollektives Gedächtnis“ mit anderen „Erfahrungswerten“.

 

Dennoch – oder – eben drum gilt es jetzt, viele Versäumnisse der Vergangenheit – gerade auch im Hinblick auf den „Sanierungsstau bei Stadt- und Regionalplanung“ pragmatisch anzugehen – und viele Instrumente, die dafür erforderlich sind, zu aktivieren.

Ghettobildung kann nur durch kluges „Quartiersmanagement“ schon in der Vorplanung vermieden werden.
Hartmut Häußermann, der „Altmeister der deutschen Stadtsoziologie“ hat diesen Begriff unermüdlich propagiert. Die Tatsache, dass er zwei Wochen vor seinem Tod mir noch auf meine Betreuungsanfrage für meine „Dissertation ohne Doktorvater“ – letztlich meine Aufarbeitung meines „post-traumatischen Belastungssyndroms“ nach Rückkehr aus einem „asymmetrischen Kriegsgeschehen“ in eine „post-heroische“ und auch zunehmend „post-demokratische“ Gesellschaft antwortete, ehrt ihn für mich persönlich noch mehr als sein unermüdlicher Kampf für Bürgerrechte.

Investoren sollten nicht nur durch Abschreibungsvergünstigungen oder andere Anreize dieser Art, sondern auch durch andere Formen der Partizipation – und der Beschleunigung von Planungs- und Bauprozessen gewonnen werden können. Letztlich geht es ganz maßgeblich um den „sozialen Frieden“ – in kurz-, mittel- und langfristiger Hinsicht.
Und – vielleicht – ja – höchst wahrscheinlich muss der Staat eben da auch bisweilen mancherorts selbst als Bauherr auftreten. In jedem Fall sollte er verantwortlich die Themen anstoßen und (mit-) gestalten wollen. Dazu muss er programmatisch deutlicher – und vielfältiger darstell- und wahrnehmbar vertrauensbildend für alle sein.

 

 

These 18:

Gerade in meinem letzten Buch „Fragmentierte Stadtentwicklung 201_“ habe ich viele solcher Instrumente angeregt und detailliert beschrieben. Die derzeit startende „Crowdfunding-Kampagne“ bei Startnext gilt auch maßgeblich Druck und Vertrieb dieses Buches.

 

Eine offene Gesellschaftsordnung und eine ebensolche Entwicklung sollte sich solchen Themen nicht verschließen. Sonst wird der Satz „Wir schaffen das!“ zu mehr als zum Verdrussfaktor – wie schon gesagt - eher zum Brandsatz – nicht nur für Deutschland – für ganz Europa.


In den Niederlanden, in einer Anfrage bei den Urbanisten an der TU Delft antwortete der Professor mir schnell, dass ihm das zu viel sei und ich mein Anliegen in 2-3 Sätzen darstellen solle. Als ich dem Folge leistete wurde mir zur Aufnahme ins dortige Ph.D. – also Doktoranden-Programm als Bedingung eine entsprechende „Funding-Sicherheit“  also ein nachzuweisendes Stipendium genannt. Auch dafür gilt nun die Crowd-funding-Kampagne.
Die Dissertation wäre also eine entsprechende Überarbeitung im Zuge der Übersetzung von
„Fragmentierte Stadtentwicklung 201_“ ins Englische von meiner Seite.

 

Ich persönlich wünsche mir mehr solcher klugen Rückfragen und Gesprächsangebote – endlich auch hier in Deutschland – nun 5 ½ - bald 6 Jahre nach meiner Rückkehr aus Afghanistan – und dem Scheitern meiner Arbeit dort.
Aber – was heißt das – der Westen insgesamt ist dort gescheitert – nicht ich alleine. Nur – keiner darf’s aussprechen. Also wird die Wiederholung der alten Fehler schon fast unvermeidlich.
Wenn nun feststellbar ist, dass in „akademischen Fürstentümern“ etwa von geographischen Fakultäten die Lehrstühle von „angewandter Geographie“ und von „Wirtschaftsgeographie“ ihre Forschungsprogramme und –ergebnisse etwa zu „Megacities“ hier und dort kaum miteinander erörtern und „die Politik“, in diesem Falle das Exekutivorgan des „Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ)“ – also die „Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ)“ sich nur selber „evaluiert“ und – im Falle von Afghanistan dann eben doch eine „externe Agentur“ beauftragt hat, dies zu tun, aber auch diese „Auswertung“ bald „verschwunden“ ist – was sagt uns dies dann über die „Effizienz“ im Austausch von Forschung und Politik?

Und – über das „Beharrungsvermögen“ von Institutionen?

Und – über die Gelder von Steuerzahlern und –
die Fragmentierung von Wissen und Erfahrung?

Und – die mangelnde Bereitschaft – die mangelnde Fähigkeit eines solchen „Systems“, die entscheidenden Themen zusammenzuführen und damit denn auch „gute Arbeit“ – insgesamt „Um- und Weiterbau“ zu ermöglichen?
 

Vertrauensaufbau ist dabei einmal mehr ein wesentliches Stichwort.

Auch dafür bedarf es erst einmal der Gesprächsbereitschaft – in und außerhalb der Systeme. Und – untereinander.
Wie gesagt – es geht um den „sozialen Frieden“ – nicht nur in Deutschland.

 

 

These 19:

Und – leider haben nicht nur zu Afghanistan – auch zum jüngsten Rechtsruck in Deutschland düstere Prognosen auch meinerseits sich immer wieder bewahrheitet. Diesen Themen kann und darf man nicht stetig mit Verdrängung und Ignoranz begegnen. Dafür sind sie zu akut. Gerade im Hinblick auf den schon erfolgten Rechtsruck in manchem europäischen Nachbar-/ Partnerland. Und – in Deutschland nicht minder.


Zudem liegen unsere beiden Länder – Deutschland und Afghanistan sehr viel näher beieinander, als viele Menschen in Deutschland es wahr haben wollen. Und – zur arabischen – generell zur „muslimischen Welt“ hatten wir vor dem „Kampf der Kulturen“ immer sehr gute Beziehungen.
Auch das ist nicht nur in „Fragmentierte Stadtentwicklung 201_“, sondern auch in den anderen Büchern, für die da die Crowdfunding-Kampagne 
gilt, „Die unsichtbaren Städte 201_“ und „Kabul, ein Wintermärchen“ deutlich dargestellt.

 

Insofern gibt es viele Dinge und Themen , auf die wir aufbauen – wo wir anknüpfen können. Wenn wir wirklich die Dinge bewegen wollen.

Und – das geht zudem weiter über die Vielfalt von Grundrissmöglichkeiten bei der Schaffung von „bezahlbaren Wohnraum“ auch für Migranten aus dem arabischen / muslimischen Raum und ihre Familien 
(siehe weiter oben
hier auf der Seite).

Letztlich geht es eben auch darum, endlich klug dem „demografischen Wandel“ auch bei den Sozialversicherungs-Systemen zu begegnen.
Offene Diskurse und eine entsprechende Steuerung sind dabei alle Male „nachhaltiger und zukunftstauglicher“ als eine stetige „Mängelverwaltung“ auf vordergründig „freien Märkten“.

Es bedarf also entsprechender programmatischer Inhalte, die vorher auszuarbeiten sind. Und – die ganz klar auf Bildungs- und Joboffensiven hinauslaufen – und kluge Integrationsprogramme ohne Aufweichung des Mindestlohns.

Letztlich geht es auch um den „Umbau vom globalen Dorf zur globalen Stadt“. Das geht nur mit den Menschen – ganz gleich, welcher sozialen und ethnischen Herkunft sie sind. Man muss sie eben – so paradox es klingt – zum Mitmachen wollen motivieren wollen. 

 

 

These 20:

Es gibt viel anzupacken. Wenn wir wirklich die Dinge lösen – und eine resiliente und insofern wehrhafte und integrative / inklusive – demokratische Gesellschafts- und Stadtentwicklung in Deutschland – und für die „Architektur eines ebensolches Europa“ planen und bauen wollen.

 

Denn – die Antwort auf Krieg und Terror sollte nicht unnachgiebige Härte und Verhärtung, sondern kluge Steuerung, Bestrafung von Tätern und Bildung und vielfältige Angebote für viele anderen Menschen und ihre Familien auf entsprechend flexibel agierenden Märkten sein.

Bildung ist da ohnehin das maßgebliche – das entscheidende Stichwort.


Ein Tag vor wenigen Wochen, der 18. Januar hat für mich persönlich da durchaus mehr als symbolischen Charakter: Ein Anschlag der Taliban vom 18. Januar 2010 stellte damals nicht nur für Kabul und Afghanistan einen markanten Wendepunkt dar.

 

Doch – Änderungen sollten eben nicht alleine in Folge von „Schockereignissen“ erfolgen. Wenn wir so weit sind, dann haben „die Terroristen“ gewonnen und Angst allein bestimmt unser Verhalten. Eine Angst aber, die uns eher lähmt als befreit. Eine Angst, die unsere Zukunft eher düster erscheinen lässt und uns vieler Möglichkeiten beraubt – die uns eher panisch reagieren lässt.
Die somit auf Dauer erzeugte Unfreiheit schränkt uns alle ein – Hiesige wie Neu-Ankömmlinge. Und – sie beseitigt so immer mehr Demokratie und Pluralismus. Und – Chancen auf eine friedliche Zukunft.

 

„Märkte“, die zu „scheinbar von selbst laufenden“ Maschinerien geworden sind, die nur noch auf „Schockereignisse“ reagieren – solche „freien Märkte“ sind alles andere als frei. Die immer weiter steigenden Profiterwartungen der einen erzeugen immer größere Unfreiheiten und Perspektivlosigkeiten der vielen anderen. Verlustängste jedoch betreffen uns alle.
Ein kluger Staat nun sollte – wenn man schon nun wieder das Erbe der „Sozialen Marktwirtschaft“ an- und ausspricht tätig werden: er sollte eben zum Beispiel auch reichen Unternehmern eher schmackhaft machen, in die Gemeinschaft – als in Body guards für ihre Kinder zu investieren.

 

„Nachhaltigkeit“ ist eben nicht auf kurze Abschreibungszyklen beschränkt.
Der Begriff sollte auch im Zuge einer allgemeinen Debatte zu den Themen „Suffizienz und Effizienz“ endlich auch im Sinne einer sozial-ökologischen Erneuerung bewertet werden.

„Klimaflüchtlinge“ sind oft bald auch „Kriegsflüchtlinge“ oder

„Wirtschaftsflüchtlinge“.
Um dies grundlegender zu erforschen jedoch bedarf es einer weiter gehenden Erforschung und Zusammenfügung der vielen Faktoren der Stadtentwicklung – heute und in früheren Zeiten.
Ähnlich wie bei der Klimaforschung bedarf es eines erweiterten Datenpools zum Thema der Stadt.


Kluge Sprecher von Versicherungsträgern sagen bereits, dass eine 2050 um vier Grad erwärmte Welt nicht zu versichern sei.
Werden bald gar sechs bis acht-Grad-Prognosen für 2050 anstehen?

Handelt es sich um Homo Sapiens sapiens da oder um einen Nachfahren der Dinosaurier, der letztlich für die eigene Spezies keine Verantwortung – und nur einen schleichenden Niedergang als Perspektive zu bieten vermag?

Und – kann man die Themen und Ressorts wirklich noch trennen, um also die vielen „Krisen“ wirklich als Chancen angehen zu können?

 
Der diesjährige Berlinale Gewinner Gianfranco Rosi („Fuocoammare“ – „brennendes Meer“) sagt, dass wir der Flüchtlingstragödie im Gegensatz zum "Holocaust" oder dem Völkermord in Ruanda auch mit der Kamera beiwohnen und nicht wegsehen können.

 

Er hat eben hingesehen bei dieser Tragödie - und nicht stetig den Blick abgewandt von der zwischen "Goethes Land, wo die Zitronen blühen" - Sizilien, "wo Christus ohnehin nie angekommen ist" (er kam ja nur bis Eboli - so Carlo  Levis großartiger Roman) und dem ersten Ort des "arabischen Frühlings", der bald ein unerbittlicher Winter wurde gelegenen Insel Lampedusa. 

"Das Leben ist schön" - Roberto Benigni. 

Ich hoffe mit Gianfranco Rosi und den Menschen auf Lampedusa und vielen anderen, dass (auch) das Mittelmeer bald wieder ein heitererer Ort wird. 

 

 

These 21:

Während also Deutschland – insbesondere weite Teile der Zivilgesellschaft hier eine Kursänderung wollen und hart – als ehrenamtliche Helfer größtenteils unentgeltlich daran arbeiten – während also die Abschottung Deutschlands und Europas gegen Kriege, Not und Elend endlich aufweicht und vielfältige neue Lösungen zur Beendigung des „Kampfes der Kulturen“ und der damit verbundenen Kriege gefunden werden müssen, sollte man sich nichts vormachen bezüglich nun bestehender Gefahren an manchen Orten. Gefahren, die in Form von mit Stacheldraht gesicherten Grenzen in Europa und in Angst dahinter gehaltenen Völkern schon präsent sind. Aber – hier soll es auch um weiter gehende Gefahren gehen, die im Zuge der allgegenwärtigen Abschottungstendenzen – und vielfacher Überforderung mit den Informationsflüssen bisweilen unterzugehen drohen.

 

In Nigeria haben multinationale Ölkonzerne – Shell und andere seit 1958 in einem der größten Flussdeltas der Welt nach Öl gebohrt und das Land mit Pipelines durchzogen. Die Umweltschäden in einem der bevorzugten Brutgebiete unserer Zugvögel im Niger-Delta wurden nie wirklich beseitigt. Am aus dem Ölreichtum zu erwartenden Wohlstand haben nur geringe Teile der Bevölkerung partizipiert. Einer kleinen reichen Oligarchie stehen Heere von verarmten Menschen gegenüber. Viele blicken auf zerstörte Fischgründe und sammeln und trennen vielerorts in einem „zur Hölle gewordenen Paradies“ Elektroschrott und anderes in verseuchten Gewässern.
Der US-Soziologe Richard Sennett spricht von heute vieles beherrschenden „Oligopolen mit maximaler Machtkonzentration und dezentralen Strukturen“.
Dies garantiert die Nicht-Angreifbarkeit solcher Bündnisse aus lokalen und internationalen Konglomeraten – und die Gewinnverteilung unter sich.

Terroristische Gruppen wie Boko Haram führen also eigentlich genauso „Stellvertreterkriege“ wie alle anderen auch.

 

In Bangladesch hat Chevron im größten Flussdelta der Welt 2010 die Ölbohrrechte im Ganges-Delta – im Inland, den riesigen Mangrovenwäldern der Sundarbans und offshore im Golf von Bengalen vor der Küste dort erhalten. Bangladesch – so etwas wie „die Niederlande in den Tropen“ – weite Teile des Deltas liegen unter Meeresniveau. Das Land gehört zu den am dichtesten besiedelten Ländern der Welt. Aufgrund des steigenden Meeresspiegels drängt der Golf von Bengalen immer mehr ins Landesinnere, die Grenze zwischen Salz- und Süßwasser verschiebt sich immer tiefer ins Land – und damit versalzen auch die Böden immer mehr.
Zudem konnte man sich weder zwischen Delhi und der West-bengalischen Staatsregierung in Kalkutta / Kolkata (Indien) einerseits und der (ost-) bengalischen Regierung in Dhaka andererseits auf vernünftige Wasserdurchlassquoten hinter drei Staustufen im Teesta River an der Grenze einigen.

 

Insofern sehen 6 – manchen Quellen gemäß gar 9 Mio. Bangladeschis mindestens neun Monate im Jahr in ein fast trockenes Flussbett. Im Monsun indes werden die Schleusen mit entsprechend großer Überschwemmungsgefahr geöffnet. Menschen, die eigentlich als Fischer und Kleinbauern gewiss waren, dass es immer reichlich Wasser in ihrem fruchtbarem Marschland geben würde sind so der Unfähigkeit von politischen Systemen wehrlos ausgesetzt. Menschen und Familien, deren Existenzgrundlage so vernichtet wird. Menschen, die somit in ihrer Ohnmacht höchst anfällig für irgendwelche instrumentalisierten Seelenverkäufer mit ihren Ideologien sind.
 

Zur Zeit des Einsturzes des Rana Plaza Komplexes mit über 1100 Toten am 24. April 2013 waren wir nach Dreharbeiten in Bombay und Kalkutta bei Schwiegereltern in Bangladesch. Eine Staatskrise, die das ohnehin äußerst fragile Ost-Bengalen einmal mehr erschütterte und bis heute nachwirkt - u.a. auch im Hinblick auf die Radikalisierung solcher Gruppen wie Hefajat e Islam. 

Die „Flüchtlingskrise“ der Rohyngias, Angehörige eines muslimischen Stammes, die im benachbarten buddhistischen Myanmar verfolgt und als „Boat-people“ nun zwischen Dhaka und Rangoon zerrieben werden – das erhöht auch nicht unbedingt die „innere Sicherheit“ der Menschen dort.

 

Da die Vermittlung zwischen westlichen und lokalen Standards im Hinblick auf Gewährleistung für Ingenieurbaumaßnahmen auch mein Thema in Afghanistan war, wo es ja um die Vereinigung von Städtebau, Wasserbau und Einrichtung von "rudimentärem Baurecht" mittels Fallstudien am Projekt selbst ging, kontaktierte ich bald GIZ und andere Organisationen - auch das "Netzwerk für saubere Kleidung", um ggf. mit einem befreundeten Brandschutz-Sachverständigen dort in BD ein ähnliches System aufzubauen - die Schulung von lokalen Ingenieuren und Architekten am Projekt zur Vermittlung der Bau-Sicherheitsstandards - und zur weiteren Wartung der baulichen Anlagen. Ein System, das natürlich maßgeblich Zusammenarbeit und Unterstützung auch der Textilunternehmen erforderte - aber eben auch einen wesentlichen Werbeeffekt für die beteiligten Unternehmen mit sich bringen sollte.
Selbstverständlich hat sich keiner da herangetraut. 
Am dritten Jahrestag der "Schande von Rana Plaza" im April 2016 scheint einmal mehr vieles verdrängt und vergessen. Die Karawane zieht weiter und produziert an anderen Orten - wie hier gesagt - in Myanmar - bald sicher auch vermehrt in afrikanischen Ländern. 
Und - die Phasen der "Betroffenheit" werden beim stetigen Verdrängen - "Outsourcen" der Ursachen kürzer - Kriege und Flüchtlinge indes rücken näher. 

 

Es bedarf dringendst endlich eines internationalen Gerichtshofes, um lokale Hegemonialstreitigkeiten um Wasser und Land – um Sicherheit allgemein fair und zeitnah regeln zu können. (Völker-) Rechtswege, bei denen fair auch die Interessen von großen Bevölkerungsgruppen ohne Lobbys – also auch besonders Kleinbauern und Fischern vertreten werden. Auch, damit es nicht zu noch mehr (Bürger-) Kriegen – gerade hier – und den entsprechenden Flüchtlingsbewegungen gen Westen kommt.  Damit die Menschen dort vor Ort ihre bescheidenen Existenzen bewahren können. Und – damit so auch Fortschritt möglich ist. Fortschritt im Hinblick auf die Beachtung der Menschenwürde aller.

 

 

These 22:

Die Frage stellt sich also unwillkürlich:
Ist der Mensch dem Menschen ein Wolf?
Ist er im Kern gut – ist er im Kern böse?
Ist er ein Raubtier – oder ein durchaus eigenwilliges zähmbares Herdentier?
Kommt er als „Terrorist“ und „Krieger“ zur Welt oder - wie wird er einer?

Thomas Hobbes hat den Plautus entlehnten „Naturzustand“ des „Krieges aller gegen alle“ in seinem „Leviathan“ vor dem Hintergrund des 1642-49 – also am Ende unseres 30-jährigen Krieges wütenden englischen Bürgerkrieges entworfen.

Charles Darwin hat sich immer wieder gegen eine 1:1 Übertragung seiner Evolutionstheorien auf die menschliche Gesellschaft gewehrt.

 

Nicht nur die alten persischen Mystiker Hafez, Rumi und andere – auch Goethe, der Hafez ja für den Westen wieder entdeckte definierten den Menschen als im Prinzip gut.
„Es gibt keine bösen Menschen – nur böse  Umstände“ – so könnte man es verkürzt auf einen Nenner bringen.

Wenn diese „bösen Umstände“ jedoch zu lange andauern, dann bedarf es in der Regel viel Kraft, ein „guter Mensch“ zu bleiben.

 

Die mehrfache Mutter und Bundeswehr-Stabsärztin Heike Groos war zwei Mal in Afghanistan.
Ein bemerkenswertes Interview, das Roger Willemsen 2009 aus Anlass der Veröffentlichung ihres Buches "Ein guter Tag zum Sterben" mit ihr 
führte trägt den Titel „"Die Mütter der Taliban heulen auch".

 

In Anbetracht von bald 37 Jahren Krieg und Unsicherheit ist die Art, wie der überwiegende Teil der Afghanen seine Würde und Menschlichkeit bewahrt hat dabei das Beeindruckendste. Obwohl sie mehrmals als Fußabtreter für totalitär gewordene, abgenutzte Ideologien dienten und lokale Eliten und Invasoren sie bitterlich ausnutzten.

In Deutschland schien man lange ja alles über das Land am Hindukusch und den Krieg dort zu wissen. Ulrich Ladurners ZEIT-online Artikel vom September 2010 – „Die können keine Demokratie! - Der Westen denunziert die Afghanen – und lenkt vom eigenen Versagen ab “ schien leider für die meisten zur Gewissheit geworden.
 

Dem widersprechen nur „Ehemalige“ – die offiziellen Darstellungen sind da eher „verhalten“ – das offenkundige Scheitern wird unter den Teppich gekehrt. So jedoch kann man nichts wirklich lernfähig verbessern.
 

„Hilfe zur Selbsthilfe am Herkunftsort der Flüchtlinge“ ist immer auch eine Frage des Stolzes beim Aufbau einer Beziehung, bei der von beiden Seiten die Bereitschaft zu Geben und Nehmen und Lernen voneinander erforderlich ist.
Die Wertschätzung füreinander ist unabdingbar.
Dies geht nur mit klarem und wachen Blick aufeinander.
Und – es kann durchaus zu "Wandel durch Annäherung und Handel 2.0" geführt und – für beide Seiten Sicherheit und auch Gewinn bringend organisiert werden. 

 

 

These 23:

Es ist nicht leicht in diesen Tagen, ein Sozialdemokrat zu sein. Das ist mir durchaus selber bewusst. Die Rochade der Kanzlerin in der so genannten „Flüchtlingskrise“, wo sie dann letztlich ihren kleineren Partner in der Großen Koalition links überholt hat, um sich dann wieder weiter rechts beim anderen Partner einzuordnen – das wirkt alles noch lange nach.
Aber – wie sie da „Gardez!“ – also die Dame selbst ins Kreuzfeuer gesetzt hat, bevor der König – die europäische Einheit matt gesetzt werden konnte – das verdient allergrößten Respekt.
Aber – letztlich hat man sich in Mitteleuropa – insbesondere in Berlin und Brüssel jahrelang kaum um die Flüchtlinge, die da etwa in Griechenland und Italien ankamen gekümmert. Besonders diese beiden Länder wurden alleine gelassen damit. Ganz im Gegenteil – man hackte gerade auf Griechenland als am tiefsten verschuldeten Staat stetig ein.
Handelt es sich also nur um einen Aufschub – ist der Niedergang Europas – in welcher Form auch immer unvermeidbar oder – wie können wir jetzt die Situation meistern?

 

Eines ist gewiss: In allen drei Punkten - Identität, Wahrheitsmuster - also Glaubwürdigkeit und - Klientelsmuster im Hinblick auf ihre eigenen Themen haben Sozialdemokraten zuletzt verloren - und - werden sie weiter verlieren. Da alle Themen der SPD ähnlich konzeptlos sind, auf Merkels Scharaden keine Strategie folgte, um wirklich die eigentlich sozialdemokratischen Themen anzugehen, die daraus resultierten und - leider im April 2016 gerade an der Spitze auch weiterhin jegliche Analysefähigkeit in dieser Hinsicht zu fehlen scheint ist die Wahl 2017 so schon gelaufen. Schwarz-Grün-Gelb. Die alte Tante SPD wird, so wie es sich immer deutlicher abzeichnet  erst dann bemerken, dass sie weder "Identitäts-" , noch "Wahrheits-" ,noch "Klientelsmuster" der Mitte noch trifft. Insofern kann sie dann mit 18 % zufrieden sein. So scheint wenigstens das weitere Auskommen einiger „Spitzenpolitiker“ noch gesichert. 

 

 

These 24:

Und – wo sind die Grenzen der Ressorts – auch zwischen „Innen“ und „Außen“ in diesen Tagen, wenn etwa der Innenminister Anfang März 2016 in den Maghreb reist, um dort über schnellere Rücknahmen von Flüchtlingen in die dortigen „sicheren Herkunftsländer“ zu verhandeln?

 

Nach dem „Handel“ der EU dann mit dem türkischen Premier Erdogan zwecks „Sicherung der europäischen Außengrenzen“ steht somit ein neuer „Deal“ ins Haus – ein „dreckiger Deal mit Marokko“, wie Bernd Eichner, Nothilfereferent der Hilfs- und Menschenrechtsorganisation medico international in Frankfurt sagt .

 

Alternativlos. Bedingungslos.
Afghanistan als "sicheres Herkunftsland" ist genauso eine traurige Farce. Man facht so mittel und langfristig die Kernkonflikte in solchen Regionen an - beseitigt so schleichend jegliches "Recht" der Mehrheiten, die, wie Bernd Eichner hier richtig bemerkt, gar kein Interesse daran haben, sich Sprengstoffgürtel umzuschnallen. Die selber - etwa als Rohyngias zwischen Myanmar und Bangladesch, als Hazaras in Afghanistan und Pakistan - aber auch als Mehrheit der Paschtunen oder Tajiken dort die meisten Opfer des "Krieges gegen den Terror" und "nationalistischer Abschottung"- und des Terrors selbst zu beklagen haben. Und - die – wie die Sahrauis aus der
West-Sahara, die in Algerien in Flüchtlingslagern seit mehr als 35 Jahren verharren und friedliche – geradezu staatliche Organisationsformen aufgebaut haben so zunehmend ausgehungert und in völliger Perspektivlosigkeit gefangen gehalten werden.
Nationalistische Abschottungspolitik letztlich, die bald dann auch im Hinblick auf 2017 die rechten Chimären der AfD innenpolitisch marginalisieren sollen. Bis dahin kann man ja auch dem Bürger vordergründige Erfolge weiterhin darstellen - "Die Renten sind sicher" etc. - besser - die Rentenkassen sind noch gefüllt - aber - wir müssen mehr Opfer für die Kriegskassen bringen. Das alte Spiel.
Im Zuge der Bekämpfung von Flüchtlingen, die da anstelle der „Bearbeitung der Fluchtursachen“ gesetzt werden, gilt es scheinbar „nationalistische Sicherheitsinteressen“ der Innenpolitik zur "Vorneverteidigung" einzusetzen. Und - bei solchen Themen ist plötzlich ressort-übergreifende Arbeit möglich.

 

Zur „Tragödie der europäischen Sozialdemokratie“, wie sie der irisch-stämmige US-Soziologe Mike Davis schon 2006 im „Planet der Slums“ und der slowenische Kulturkritiker und Psychoanalytiker Slavoj Zižek immer wieder neu beschreibt – zum „Dösen Deutschlands auf dem Vulkan“, wie Jürgen Habermas noch im Vorfeld der Bundestagswahlen 2013 konstatierte will ich mich hier jetzt gar nicht mehr äußern.

Planungstechnisch ist die Zukunft nur ein kleines Zeit- und Gelegenheitsfenster zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Gefangen in der alltäglichen "Realpolitik" können nirgends mehr "nachhaltige und zukunftsfähige Konzepte" ausgearbeitet und auch legislativ vorbereitet werden. Helmut Schmidts Satz von den Visionen wirkt da zudem nach - auch wenn der Gute diesen sicher in seiner "Altersgelassenheit" relativiert hätte.
Die klugen Rochaden und die Gardez-Position der Dame im Kanzleramt zuletzt, das war eben auch ein Schachzug, um sozialdemokratische - allgemein links von der Mitte angesiedelte Positionen zu vereinnahmen und dann das "Teile und Herrsche Spiel alternativlos" weiterzuführen.
Und - da kann derzeit keiner der erfahrenen und gereiften Machtpolitikerin das Wasser reichen.
Manche betonen da zwar ihre Aussitzerqualitäten als „Ziehtochter“ von Altkanzler Kohl oder ihre FDJ-Vergangenheit, aber – die reden, als wäre Frau Merkel alleine zu Haus und würde alleine durch "Nichtstun" alles aussitzen. Dann wäre sie Klassenletzte auf der Hinterbank - aber nicht vorne als Klassenlehrerin und Schuldirektorin und mehr. Und – populistische Floskeln finden wir überall. Sie weiß sie nur demoskopisch am besten für sich zu nutzen. Und - wie sehen der "Generationenvertrag" und die Alterspyramide im Lande aus?

Angst wird wie alles stetig instrumentalisiert.

Leichtes Spiel bei einer überalterten Gesellschaft.

Und – die Kriege werden weiter schwelen – mancherorts sogar neu aufflammen. Und - Flüchtlinge werden weiter kommen nach Europa – und nach Deutschland. Da helfen keine Zäune und Mauern.

 

 

These 25:

Die Bilder syrischer Städte und das gewaltige Ausmaß der Zerstörung dort – das hat neben den bald folgenden Bildern von verzweifelten Flüchtlingen überwiegend von dort auch die demographische Mehrheit – die älteren Mitbürger – die Mitte der Gesellschaft erschüttert. Gerade die Bilder komplett zerstörter Straßenzüge in Aleppo und Damaskus – das weckt im Gegensatz zum zudem viel weiter entfernten, überwiegend in erdgebundener Bauweise, also braunfarbig sich darstellenden Bild afghanischer Städte – besonders natürlich Kabul viele Erinnerungen an deutsche Städte nach dem zweiten Weltkrieg.
Die Bilder vom „arabischen Frühling“ hatten dem vorher durch den „Kampf der Kulturen“ vernebelten Blick schon länger ein „menschliches Antlitz“ gegeben. Nun war dies ein an einen türkischen Strand angeschwemmter, scheinbar schlafender kindlicher Leichnam.
Ein Kind wie unsere. Schutzlos den Elementen – und der Mensch gemachten Katastrophe ausgeliefert. Geopfert.

 

 

These 26:

Der derzeit, im Frühsommer 2016 weiter grassierende „europäische Rechtsruck“ der 2010er Jahre indes – auch das ist maßgeblich dem „kollektiven Gedächtnis“ unserer Länder geschuldet.

 

Polen war schließlich über 120 Jahre nach den drei Teilungen zwischen Russland und Preußen (und Österreich) Ende des 18. Jahrhunderts bis 1918 - Ende von WK 1 von der Weltkarte verschwunden. Und die „Vierte Teilung“ im 19. und 20. Jhdt. wiegt da zudem noch schwerer.
In Ungarn, dem früheren tribalistischen Vielvölkerstaat, „Juniorpartner der Doppelmonarchie mit Österreich“, Brücke zum Balkan – im Warschauer Pakt zuletzt das Land mit der größten Reisefreiheit und auch das Land von Gyula Horns Drahtschere leben mehr Buddhisten als Muslime (0,03 % d. Bev.) – wie die ehedem – vor dem „Holocaust“ 800.000 – nun noch knapp 13 tsd. Juden meist eher in „ethnischen Enklaven“.

Und auch Tschechien war lange – nach dem 30-jährigen Krieg Teil der Habsburgermonarchie – die Slowakei war schon nach dem 11.Jhdt. dem Königreich Ungarn einverleibt; 1918-1992 die Tschechoslowakei; Prager Frühling, Vaclav Havel etc.
 

Der „Kampf der Kulturen“ wiegt dort überall noch schwerer – der „Mongolensturm“ im 13., die „Wiener Türkenbelagerungen“ im 16. und 17. Jhdt. – bedrohliche, fremde Völker schienen immer von Osten zu kommen.
Der Spaltkeil des US-Verteidigungsministers Rumsfeld zu Beginn des Irakkrieges – das „neue“ und das „alte Europa“ – Völker mit jungen, gerade erlangten Freiheiten sind sehr anfällig für solche Indoktrinationen.

 
Andererseits – die ersten mehr oder weniger bankrotten Staaten Europas hatten gerade seit etwas mehr als einer Generation ihren „Urkonflikt des 20.Jhdts“ gelöst – Portugals Nelkenrevolution 1974 und Griechenlands Befreiung vom Faschismus nach WK 2 im selben Jahr – in Spanien gar nach Francos Tod 1975 erst 1977 die ersten freien Wahlen und „Irlands Urkonflikt“ zwischen Anglikanern und Katholiken erlebte mit der „Liberalisierung der Märkte“ – maßgeblich natürlich auch dort direkt vom UK ausgehend nach 1989 gleichfalls eine historische Zäsur.

 

Francis Fukuyamas „Ende der Geschichte“ enthält eine gefährliche Irreführung für „den alten Kontinent“ – und nicht nur für diesen – gerade in solchermaßen bewegten Zeiten.
 

 

These 27:

Und – was soll das alles für uns heißen?
Vorher genannte tradierten Erfahrungen prägen maßgeblich jeglichen „Verhandlungsspielraum“ – sie geben im Hinterkopf bisweilen gar den Ausschlag des Pendels in die eine – oder andere Richtung vor.
Und – das betrifft „demokratisch verfasste“ genauso wie eher „autokratisch beherrschte“ Gesellschaften.

 

Wesentlich komplexer wird’s dann mit der „muslimischen“ – insbesondere der „arabischen Welt“. Und – da muss ich jetzt doch auf ein Zitat aus einem offenen Brief / einer Mail an den CSU-Parteivorsitzenden und bayrischen Ministerpräsidenten Seehofer zurückkommen:
Im Oktober 2011 wird der  Kommandeur der ISAF-Truppen 2009 / 10, General Stan McChrystal zu Afghanistan wie folgt zitiert: Die Amerikaner hätten den Krieg völlig unvorbereitet begonnen, mit einem "beängstigend simplen" Bild vom Land. "Wir wussten nicht genug und wir wissen immer noch nicht genug".

Das betrifft auch maßgeblich (mittel-) europäische Positionen, die leider allzu häufig US-amerikanischen Thinktanks – und damit gleichfalls allzu häufig neo-konservativen Weltbildern zu folgen – besser – sich da unterzuordnen scheinen.

 

Als ich 1986 zum ersten Male ein arabisches Land bereist habe, da war Algerien noch ein „sozialistisches Bruderland“. Aber – alle lachten und sagten: „Wir Araber sind Händler!“. Alles war im Umbruch.
Die Wahlen 1991 – der Bürgerkrieg – auch in meiner Gastgeberfamilie waren Opfer zu beklagen.
(
Weiter oben hier - über "These 1" auf dieser Seite hier findet sich eine isometrische Darstellung des Hofhauses, in dem ich damals mit den 9 Brüdern lebte und ein paar Bilder „meiner algerischen Familie“).

 

Ein heftig umkämpftes Land. Jenes Land, das auch der „Grande Nation“ die einzige militärische Niederlage des 20. Jhdts. im Unabhängigkeitskrieg 1954-62 beibrachte. Auch einer der Hauptgründe, warum Frankreich sich mit seinen Banlieues so schwer tut und dort immer wieder Einiges aufflammt. Algerien – eben auch die Herkunft von Albert Camus – einem der größten Freigeister des 20. Jhdts. Und - die „Grande Nation“ – unverzichtbarer Freund für Europas Stabilität, für die ja der erste Weltkrieg nach der schmählichen Niederlage 1871 auch „la Grande Guerre“ war.
Und – unsere Blüte der „Gründerzeit“ hatte auch ihre Ursache in den Reparationszahlungen, die Frankreich nach 1871 zahlen musste. Ein Grund mehr, warum die „Grande Nation“ 1914-18 als großen Krieg bezeichnet.
Diese revanchistischen (Kriegs-) Spiele können wir uns auf dem alten Kontinent nicht mehr leisten. Und – wir sollten aus Erfahrungswerten gewonnene Klugheit weitergeben – und umsetzen wollen – für eine friedliche Weltordnung.

 

 

These 28:

Ich könnte dies jetzt endlos lange hier weiterführen anhand anderer Länder, die ich besuchen durfte.
Afghanistan war da in jeder Hinsicht ein Höhepunkt. Wie ich immer wieder betone – die größte menschliche und berufliche Herausforderung meines Lebens. Ein unglaublich spannendes – und wunderschönes – und auch ein kulturell sehr reiches und freies und – in gewissem Sinne auch – ein „hoch zivilisiertes“ Land. Mit eben solchen Menschen.

 

Für Fabio Geda, einen Autor aus Turin habe ich einmal „die afghanische Seele“ mit einem Bild von Leoluca Orlando, Oberbürgermeister von Palermo dargestellt. Orlando sagt, „der Sizilianer reicht dem Gast sein Herz auf den Händen“. Aber – natürlich – auch die größte Insel des Mittelmeeres wurde wie Afghanistan immer wieder in ihrer reichen Kulturgeschichte von fremden Mächten vereinnahmt und – wer das Herz ergreifen will und es gar verletzt, der wird die grausame Rache des stolzen Gastgebers erfahren.
Ein Zusatz von mir – von Orlando stammt nur das schöne Bild mit dem Herzen auf der Hand.
Fabio Geda hat mit dem Hazara-Jungen Enaiatollah Akbari „Im Meer schwimmen die Krokodile“ – die Geschichte der sieben Jahre dauernden Flucht des 9-jährigen – bei der Ankunft in Turin 16 Jahre alten Ena geschrieben – ein Bestseller in Italien, der auch in Schulen gelesen wird.

Und – das hat mich wirklich erstaunt – auch bei Fabio schwang so etwas wie Neid ob meiner Erfahrung der Arbeit dort am Hindukusch mit. Aber – natürlich anders als bei vielen Menschen hier, die bisweilen zu denken scheinen, so etwas wäre ein gut bezahlter Abenteuerurlaub für lebensmüde Bekloppte dort. Mitnichten.

 

Man muss halt immer den Raum dort kontrollieren und – den „bösen Blick“ spüren und entsprechend agieren. In einem „asymmetrischen Kriegsgeschehen“ bedarf es vielerlei Erfahrungen – und – „Menschenkenntnis“, wie mein Vater immer gesagt hat, um dort Verhandlungen auf allen Ebenen zu führen. Man muss rechtzeitig spüren, wann der nackte Stahl eines Gewehrlaufes sich an die Schläfe bohrt oder – ob da ein anderer Hinterhalt unter einem Langhemd etwa in Form eines Sprengsatzes lauert und dieses Risiko vorsehen – um es zu vermeiden zu wissen. Also muss man offensiv – aber mit guter Deckung auf die Menschen zugehen. Und – man muss rechtzeitig merken, wann man ausgelaugt oder paranoid wird.
 

Letztlich wurde auch die US-Verfassung, wie einer meiner besten Freunde von dort, aus San Francisco sagt „auf dem Lauf eines Gewehres begründet“.
(Unsere niederländischen Nachbarn werden übrigens durchaus zu Recht von manchen US-Freunden – auch Militärs ehrfürchtig als die härtesten Betonköpfe, die ohne Waffe manche Wand zum zerbröseln bringen gelobt.)

 

 

These 29:

Wieder die Frage – was hat das alles mit uns zu tun?
Es hat mit Einbindung und Integration – bis hin zu Inklusion – mit Achtung und Respekt – einem Übergang –
weg vom „Kampf der Kulturen“ zu tun.
„Wandel durch Annäherung – und Handel 2.01“ vielleicht.

 

Ende 2007 haben alle 16 US-Dienste erklärt, dass das iranische Atomprogramm nicht auf die Herstellung von Atomwaffen abziele. Nachdem der damalige US-Präsident George W. Bush im Herbst noch vom „3. Weltkrieg“, den die Europäer ggf. in Kauf nehmen müssten gesprochen hatte, hatten sich nun die „Tauben“ durchgesetzt und mit diesem Dossier den US-Präsidenten in Erklärungsnot gebracht. 

Die „Bush-Krieger“ waren kurz vor der Zündung der „Deflationsbombe“ – ökonomiegeschichtlich die Phase der meisten Kriege gestoppt worden. 

Vielleicht kann man gar sagen – „stattdessen“ erlebten wir im Herbst 2008 dann - die „Subprime-Krise“.

 

Vor kurzem hat der BND vor einer zunehmend aggressiveren - militanteren Außenpolitik Saudi-Arabiens gewarnt. 

Jenes Land, das die (finanz-) stärkste fundamentale Ausrichtung der Sunna, den Wahabismus besonders seit den Anschlägen auf die heiligen Stätten 1979 in die ganze „muslimische Welt“ – vom Senegal und Mauretanien bis nach Indonesien exportiert und mit seinen Madrasen überall dort staatliche Schulsysteme unterwandert hat – jenes Land, das 2011 im überwiegend schiitischen Bahrain einmarschiert ist und nun auch im Jemen bombt – vielfach auch mit deutschen Waffensystemen. Zudem – neben der Türkei unter Erdogan der am stärksten „zweifelhafte Partner“ im Kampf gegen die barbarischen Horden – die aber erstaunlich gut ausgestattete Armee des IS. Und – auf der anderen Seite – die Schia hatte ja 1979 in ihrem Kernland Iran denselben „gegenaufklärerischen Rückschritt“ zu verzeichnen.

Lösungen dieser brisanten Situationen im „Nahen Osten“ werden wir nur mit klugen – und harten Verhandlungen auch mit Russland – und China erreichen. Das vitale Interesse Europas unterscheidet sich da maßgeblich vom Interesse unserer Partner von der anderen Seite des Atlantiks, die ja zudem die Region den „Mittleren Osten“ nennen.

 

Auch Cem Özdemir sagte vor Kurzem noch einige kluge Sachen in einem FAZ-Interview, das mit der bezeichnenden Kernaussage „Ich will nicht, dass Saudi-Arabien Moscheen in Deutschland baut“ übertitelt ist.
 

Und – sogleich sind wir wieder bei der „Innenpolitik“.
Andere Maßnahmen, um Cems – und auch Navid Kermanis begründeter Befürchtung vorzubeugen findet man hier – „Abrahams Höhlen“.
Ich bin eben in allererster Linie Architekt und Städtebauer.
Ein wunderschöner Beruf, der auch viele Leiden schafft.

 


These 30:

Und bald sind wir dann bei der „Wirtschaftspolitik“:
„Globalisierung“ und Geschäfte im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich ohne jegliche „Nachhaltigkeit“, um jetzt einmal das inflationär genutzte Wort hier zu gebrauchen – und ohne „kulturelle Sensibilität“ – aber häufig eben auch ohne jegliche kluge „Wehrhaftigkeit“ oder „Resilienz“ habe ich wahrlich genug erlebt. Ein Essay im Blog der Architektur-Zeitschrift Baumeister zum „post-post-modernen Menschen“ verrät da noch etwas mehr. 

 

Die Abschreibungsmöglichkeiten für die einen – der Jobverlust – stetige Schikanen und Einschüchterungen für die anderen – auch das ist in solchen Fällen die häufige Folge auf „aller Regeln – und aller Ethik entledigten Märkten“.

 

Und – Merkel mit Erdogan als „Partner“, der sie eigentlich in der Hand hat – vermag er so seine lokale Hegemonialmacht festigen? Er kann jedenfalls sein alles andere als saubere Spiel mit den Kurden, die er wohl wieder zu „Bergtürken“ zurückbomben möchte unbehelligt weiterführen. Die Kriminalisierung der kurdischen Oppositionspartei HDP dient ihm da zum blanken Machtgewinn – zum Umbau der Türkei in ein „neu-osmanisches Sultanat“ – oder gar „Kalifat“?
Die „Familien-Verteidigungsministerin“ Ursula von der Leyen rüstet derweil hinter der syrisch-türkischen Grenze die anderen Kurden auf. Und – dass Erdogan auch mit dem IS ein eher „zwielichtiges Spiel“ spielt – schließlich hat man mit den Kurden dieselben Feinde. Und - all das wird sich weiter auch hier in Deutschland mit seinen rund vier Millionen türkisch- oder kurdisch-stämmigen Mitbürgern auswirken.

Und de Maiziere, der da ohne kluge Handelsoffensiven mit den Maghreb-Staaten verhandelt – (Stichwort: „Desertec“ – da war doch einmal etwas, oder?) mit Gerd Müller – das BMZ als „Vorhut“ – das kostet den Steuerzahler mehr als vernünftig und „nachhaltig“ ausgearbeitete klügere Konzepte.
Die weiter gehenden Waffenlieferungen an den Golf und nach Saudi-Arabien - wer sich in die Hände solcher "lupenreinen Demokraten" begibt und das als "Humanismus" verkauft, der darf sich nicht wundern über rechte Protestwähler.

 

Aber – um endlich diese ausgetretenen Trampelpfade zu verlassen - dafür bedarf es erst einmal der nötigen Offenheit in der politischen Willensbildung.

 

 

These 31:

Mitte Mai 2013 bin ich nach einem halben Jahr aus Indien und Bangladesch zurückgekehrt ins Rheinland. Ich – mein erstes Unternehmen nach der Rückkehr aus Afghanistan war schon vorher pleite gewesen. Nun unterstützte ich dort meine Liebste bei Dreharbeiten für ihren ersten abendfüllenden Spielfilm in ihrer Heimat. Zudem – in erster Linie eine Art „Erziehungszeit“ zur Betreuung unseres ersten Sohnes.
Um es kurz zu machen – Indien und Bangladesch zum Zeitpunkt des Einsturzes des Rana-Plaza-Komplexes bei Schwiegereltern – das war höchst komplex. Verhandlungen dort – man wusste gar nicht, wie schnell welche Messer / Drohungen / Schutzgelderpressungen von wo kommen.
„Die größte Demokratie der Welt“ vor einer Generation war noch recht egalitär – eine kleine, superreiche „Elite“ – eine riesige Masse relativ gleich armer / reicher Menschen. Nun wird die „indische Mittelklasse“ auf ca. 300 Mio. Menschen beziffert. 

China zuvor – 2011-12 – „gǎnxiè“ – also „konfuzianische Ethik“ verbindet da noch alles irgendwie. In Südasien jedoch ist die gerade derzeit „instrumentalisierte Vielfalt“ verheerend. Der „Umbau“ der Kastengesellschaft in Indien – und ihrer subtilen Ausprägungen in den anderen beiden Teilen des Subkontinents – Pakistan und Bangladesch zum „freien Marktgeschehen“ führt zu vielen neuen Zerwürfnissen. Und – besonders Bangladesch wird immer mehr zu einem Pulverfass und könnte bei linearem Fortlauf bald einen grausamen Bürgerkrieg erleben. Der nächste Flammenherd dann?

 

Als ich also Mitte Mai 2013 ca. einen Monat vor Frau und Kind von dort zurückkehrte schwor ich mir, künftig nur noch „mit Auftrag und Bezahlung aus Deutschland zu reisen“.
 

Bald darauf folgten die Feiern zum 150. Jahrestag der SPD.
In einem der schönsten Programmkinos hier in Düsseldorf führte der MdB für den Düsseldorfer Süden Andreas Rimkus einen Film über diese Geschichte auf.
An diesem Abend überzeugte er mich, dass ich nun doch in eine Partei eintreten sollte.
Letztlich sagte ich auch zu ihm: „Ohne eine starke SPD werden wir nie den Wechsel hinbekommen“ – eben sicher auch mit den Grünen – vielleicht – höchstwahrscheinlich auch mit einem Unterstützungspakt mit der Linken.
Die Tendenz schwarz-grün-gelb unter den derzeitigen Prämissen einer durch die AfD nach rechts gerückten, eher weiter zersplitterten Parteienlandschaft – einer eben solchen, eher als deformiert zu bezeichnenden gesellschaftlichen Mitte jedoch ist alles andere als viel versprechend. Insbesondere, was Migration, sozialen Frieden – Integration und Inklusion – was uns alle betrifft.
Auch Ulrich Grillo, BDI-Präsident und - insofern sicher kein "Linker" - spricht von der Notwendigkeit, mehr Vertrauen in der Gesellschaft aufgrund der vielfältigen Umbrüche - Digitalisierung etc. aufzubauen.

Ich persönlich verorte mich in einer zunehmend polarisierten Gesellschaft eher in der Mitte.
Aber – das Herz schlägt eben links davon. 

 

 

These 32:

Im Frühjahr 2013 dann erhielt ich noch einen Monat ALG 1 – bald dann ging’s weiter mit ALG 2. Kleine Jobs – Versuche, da herauszukommen – dabei blieb es.

Die größten Schritte zur Zerstörung vieler Formen des sozialen Konsens haben die Sozialdemokraten unter Schröder mit der „Agenda 2010“ – insbesondere jenem, nach einem nicht ganz sauberen ehemaligen VW-Manager „Hartz IV“ benannt begangen. Inzwischen gibt es ja endlich auch ein deutsches Pendant zum von meiner Seite immer gerne zitierten Artikel "Die Dummheit der Linken" über Italien in vier Äras Berlusconi von 2010 - Italien ist uns mal wieder weit voraus. 
Hier heißt es nun: „Politische Macht – Das Versagen der Linken“.

Ein Jahr zuvor hatte ich ein Coaching bei einem „Bildungsträger“ zur „Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt“. Ich hatte mir einen Coach gesucht, der mich fordern würde – Psychologe mit langjähriger Erfahrung als Unternehmensberater auf allen Ebenen. Nach drei Sitzungen sagte er mir nach längerem Schweigen: „Die haben alle Angst vor Ihnen. Wer Ihren Lebenslauf liest, der weiß, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt bei so einem – entweder der ist total kaputt – oder – der will etwas bewegen. Das will aber keiner.“

Alles ist völlig ausgebremst.
„Kabul, ein Wintermärchen “ - „Berichte eines “Aufbauhelfers “ vom Hindukusch - ZEIT-online Community Artikel des Users Aflaton aus Afghanistan und – Wie Deutschland sich ausbremst“ steht dort im Untertitel meiner Blogeinträge von dort – fertig gestellt im November 2010.

Der Titel selbst ist unverkennbar dem 1844 von Heinrich Heine verfassten Gedichtzyklus „Deutschland, ein Wintermärchen“ nachempfunden. Ein weiteres Buch, das nie eine Chance für einen Verlag erhielt. Woran den Verfasser des Buches sicher die geringste Schuld trifft. 

WIR jedoch benötigen nun dringend Bewegung – Veränderung.
Sigmar Gabriels Vorstoß zuletzt – „Sozialpakt“ und „Integrationspakt“ – drei Wochen vor den Landtagswahlen in drei Bundesländern Mitte März sah jeder das als „Populismus“. Zu Recht.
Um dies aber in einem „zukunftsfähigen“ Haushalt 2017 zu verankern bedarf es der entsprechenden programmatischen Inhalte, die vorher auszuarbeiten sind. Und – die ganz klar auf Bildungs- und Joboffensiven hinauslaufen – und kluge Integrationsprogramme ohne Aufweichung des Mindestlohns. Für alle.
Das können Wir schaffen. Wenn wir endlich die stagnativen Scharaden und Tempuswechsel einer primär alles ausbremsenden „Stagnationsverwaltung“ verlassen und die „Machtfrage zur Gestaltungsfrage“ erklären und somit eine offene und verantwortungsvolle Gesellschaftsentwicklung in einem ebensolchen Staat anstreben wollen!

Die Mutter meiner Gastgeberfamilie damals, 1986 in Algerien zeigte mir am Ende meines fünfwöchigen Aufenthalts dort gar die Zubereitung ihres Couscous in ihrem Heiligtum – ihrer Küche. Sie wusste, dass man dies nur mit viel Erfahrung „kopieren“ können würde.
„Lebenserfahrung“, die man sammeln muss – wie mein Vater immer sagt.
„Familiengeheimnisse“ – auch diese Zubereitung. So wie etwa das „Curry an sich“ hier aus der Düsseldorfer Altstadt.
Meine Mutter, eine eher „unpolitische Frau“ sagte vor kurzem noch:
„Wenn Deutschland weiter nach rechts rückt, dann gnade uns Gott!“
Beide meine Eltern werden dieses Jahr 80 Jahre alt.

Ohne „sozialdemokratischen Konsens“ hätte ich niemals studieren oder reisen – mich bilden können. In ihrer Neujahrsansprache redete die Kanzlerin zum ersten Mal seit Langem wieder von der „sozialen Marktwirtschaft“. Mit der sog. „Flüchtlingskrise“ hat sie eigentlich bereits die Weichenstellungen für Schwarz-grün – unter den derzeitigen Vorzeichen Schwarz-grün-gelb – ggf. gar mit einer erstarkten AfD als zu assimilierende Opposition 2017 gelegt.
Ein kluges Manöver.
Auch „Teile und Herrsche“ und Machiavellismus will gelernt sein.

WIR sollten dem Wähler wieder das Original der Sozialdemokratie besser schmackhaft machen.
Harte Arbeit – aber – machbar.

 

 

These 33:

Am 11.März 2016 verkündet die EZB den Nullzins. Manche Experten reden vom Ende der „sozialen Marktwirtschaft“. Da war ja `mal `was, `was auch die Kanzlerin in ihrer Neujahrsansprache zuletzt plötzlich wieder beschwor. Ein kurzes Erglühen vor dem Erlöschen – dem Zusammenfall – dem Kollaps dieses verlorenen Ideals? Das hatte ja etwas von vermeintlicher „Konsenshaftigkeit“ der Jahre des Wiederaufbaus. Verflog ja auch schnell wieder. Flüchtig wie alles in diesen Tagen.

 

Die stetige Besetzung mit Gegenwart hilft bei der Verdrängung von unliebsamen Erinnerungen.
Die Zukunft? Ein fragmentiertes – also in diesen Tagen eher zerbrochenes Etwas.
Als Architekten – als Planer müssten wir uns fragen (lassen), wie das Zerbrochene wieder zusammengefügt werden kann – wie wir da mancher-, vielerorts vom „Fragment“ zum „Fraktal“ kommen – zum Einzelteil, das das Ganze – zum Ganzen, das gesund miteinander kommunizierende Bestandteile in sich zu tragen vermag. 

 

Wie oft habe ich hier in den letzten Jahren gehört, wie gut man doch durch "die Krise" gekommen ist in Deutschland. Mit Schulterklopfen und allem drum und dran. Die "Eliten" eben. 

Die „Subprime“ 2008, an der ja primär „gierige Kreditnehmer“ in den US Schuld waren, wie viele da glauben machen wollten.
Was wir jetzt haben in deutschen „Boomstädten“ – vielerorts in Europa, hat als (natürlich in keinster Weise als solche betitulierte) Immobilienblase zwar Format, aber - China 2011 beim Beginn des Zerbrechens der Blase dort ist da nicht zu toppen.
Auch, wenn man's auf 1,34 Mrd. Chinesen umrechnet.

Und inzwischen geht's natürlich weiter ab in China.


Eine der gewichtigsten Thesen in David Harveys Buch „Rebellische Städte“ lautet, dass jede Wirtschaftskrise ihren Ursprung in einer Immobilienblase hat. Eine These, die der britisch-amerikanische Humangeograph und Sozialtheoretiker auch hinlänglich anhand historischer Beispiele zu untermauern weiß. 

 

Architektur und Häuserbau – in der ganzen Branche geht es eben auch um viel Geld. Und Verantwortung. Da kann es auch schon einmal passieren, dass einem Architekten von seinem Bauherrn die Augen ausgestochen werden – eine Legende, die vom Erbauer der Basilius-Kathedrale in Moskau, Postnik Jakowlew und Zar Iwan IV. seinerzeit erzählt wird. Oder – diskreter – dass ein Architekt im Fundament „verschwindet“. Und einige(s) mehr.
Und – MOUT – „Military Operations on Urban Terrain“ – also der gezielte Häuserkampf in Städten ist seit den 1990er Jahren eine der wichtigsten Einsatzdoktrinen des Pentagons.

 

Die Stadt als in jeder Beziehung hart umworbener – umkämpfter Lebensraum von mehr als der Hälfte der Menschheit erhält also zusätzliche Bedeutung in diesen Tagen zu Beginn des 21. Jahrhunderts. 

Der Weg von Marshall MacLuhans „Globalem Dorf“ zu Saskia Sassens (et alii) „Globaler Stadt“ ist steinig und hart und führt durch manches unwegsames Gelände. Und die Schüsse und Detonationen, die man zuvor nur aus dem Fernsehen und dem Netz kannte, über regulierbare Lautsprecher auch völlig stumm schalten konnte – sie rücken näher.

Die Frage, ob auch wir hier uns zu Mike Davis „Planet der Slums“ oder zu Edward Glaesers „Siegeszug der Stadt“ („Triumph of the City“) hin bewegen und – wie wir das auf dem „alten Kontinent“ nach „unserem 20. Jahrhundert“ mit allen guten und schönen – und düsteren und schrecklichen Erfahrungen nun steuern – die Frage nach (Bau-) Kultur und ihrer Transformation – sie ist ein offenes Buch, das aber versucht wird, mit sieben und mehr Siegeln zu versehen.  

 

Und was machen Europas "Eliten" in dieser Situation?

Man duckt sich weg und lässt sich zerreiben zwischen den "Großen" auf der anderen Seite des Atlantiks und am anderen Ende der eurasischen Scholle.

 

Vor drei Jahren noch saß ich mit einem Freund hier zusammen – Teilhaber in einem angesehenen Büro, das auch „Luxus-Wohnraum“ in der hiesigen Altstadt erstellt. Er sprach vom „Versagen der Politik“ im Hinblick auf „bezahlbaren Wohnraum“, den er ja auch viel lieber schaffen wolle.

Wer oder was ist „die Politik“ – meinetwegen auch in einer „Post-post-Demokratie“?
Planungsämter, die allzu häufig nur noch auf meist-bietende Investoren warten? Die aufgrund des Stellenabbaus „sparender Kommunen“ dort auch kaum noch anders können – und wollen? Untere Bauaufsichtsbehörden, die Genehmigungsplanungen nur noch auf Vollständigkeit überprüfen – für alles andere haftet der Antragsteller?

(Auch ein Grund für den Verein fairtrag e.V.“ )

Bürgermeister? Parlamentarier in Bund und Ländern? Andere „Multiplikatoren“ im „öffentlichen Raum“?

Habe mir viele Seiten aktiv angesehen – vor und hinter den Kulissen in den letzten Jahren. „Politischer Wille“ und was vom Tage übrigblieb. Mitwirkung nur zum Teil erwünscht.
„Fragmentierte Stadtentwicklung“ allerorten. „Teile und herrsche“ und – wehe, Du zählst 1 und 1 zusammen. Du könntest manchen in seiner Amtsstube – oder in seiner Nische gefährden.
Also – Achtung! – Finger weg! Hirn aus!

 

In Afghanistan, von wo ich 2010 nach 1 ½ Jahren (als einziger Deutscher in einer britisch-amerikanischen „NGO“) zurückkehrte konnte man ahnen, wann es bei heiklen Verhandlungen brenzlig würde. Letztlich handelte es sich um die größte menschliche und berufliche Herausforderung meines Lebens.
Meine „größten Feinde“ waren westlicher Technokratismus gepaart mit lokalem Klientelismus. Beides zusammen führt auf Dauer zu Trägheit und Fatalismus auf der einen – zu Spiralen der Verunsicherung und der Angst – aber auch der völligen Schutzlosigkeit auf der anderen Seite. Angst, die immer wieder leicht instrumentalisiert werden kann.

„Ein sicheres Herkunftsland“?
Da hat jemand alle Lautsprecher stumm geschaltet.
Ein Grundkonflikt in einem solchen Land in einem solchen Zustand, den Gesellschaften wie die unsrigen, die die vielen Schrecken des 20. Jahrhunderts im „kollektiven Gedächtnis“ eingefroren – oder – gar einbetoniert haben immer wieder übersehen. Landrecht und der Boden verdrängter Tatsachen – und Menschen.
Aber – Verdrängung schmerzhafter Erinnerungen - vielleicht ist dies auch ein irgendwie ja doch verständlicher Schutzreflex – hier wie dort?


Zu allererst sollte man eben in einem Land wie Afghanistan den Finger auf der Wunde von manchem stolzen und würdevollen Mitmenschen nach mehr als 30 Jahren Krieg und Unsicherheit spüren – und daraus Konzept-Schwerpunkte entwickeln. Und – man sollte rechtzeitig bemerken, wann man selbst an einem solchen Ort paranoid – oder unvorsichtig wird. Etwas, was nicht immer leicht ist. Aber – was ist schon leicht, wenn man die Dinge mit dem nötigen Ernst – aber eben auch mit Spaß an der Sache betrachtet – und auch mit einer gewissen Leidenschafft angeht?

 

Und in Deutschland? Auch hier sind ganz ähnliche Mechanismen zutiefst in der Bewertung jeglicher „Realität“ – oder gar „Wahrheit“ vorherrschend.
Hierzulande lässt man den „unliebsamen Störenfried“ aber eher vor der Burgmauer verhungern. Mehr oder weiniger – so schnell verhungert man in einem der „reichsten Länder der Welt“ nicht. Aber – das „Aushungern“ der vermeintlichen „Angreifer“ vor dem siechen Burggraben hat Tradition irgendwie hier. Letztlich gibt es hier auch viele tribalistische – oder  - „kleinstaatliche Elemente“. Vielleicht auch einer der Gründe für die Angst vieler Menschen hierzulande vor jeglicher „Rechtsunsicherheit“?
Und die Unis? Akademische Fürstentümer sagte ein Freund, der eine Professur im deutschsprachigen Raum bekleidet dereinst.
Bürokratische (Maß-)Regelwerke?
Oder – sitzen da auch nur – „Gefangene“?
Wer ist „Täter“ – wer ist „Opfer“?

 
Antworten auch auf solche Fragen erhält man kaum. Respekt schon gar nicht.
Und – auch das ist nicht allein den „Fürsten“ anzulasten.
Hat „System“ – und Tradition. Besonders in D – in der Mitte Europas.

 

Vielleicht sollte hier einmal mehr angeregt werden,

die Stadt und ihre Entwicklung  als Lebensraum von mehr als der Hälfte der Menschheit als „Dachforschung“ zu begründen.  Es gilt also, unter dem Aspekt der Stadt – mit dieser selbst im Fokus zwischen Architektur und Ingenieurswissenschaften, Soziologie, (Makro-) Ökonomie und Ökologie, angewandter und Wirtschaftsgeographie, Ethnologie und Jura - der (Kultur-) Geschichte des Menschen und den Erzählungen von seinen Behausungen die Dinge zu betrachten. Und sie dann auch zusammen – und weiterzuführen.
Kurz – Stadtforschung, die den Dialog sucht auch mit Klimaforschung.

 

Denn – was nutzt das angeblich so schnell anwachsende Wissen der Menschheit, wenn sie sich scheinbar nicht wirklich selber zu helfen weiß und von einer „Krise“ in die nächste stürzt?
Wenn also alles kumulierte Wissen nur koexistiert und kaum zusammen geführt – geschweige denn ausgewertet oder gar dann auch noch angewandt werden kann oder darf?

 

Alleine der Begriff des „Fragmentes“ bezeichnet im Zusammenhang mit dem (Stadt-) Raum von Soziologen und Humangeographen verwandt eine Vielzahl von Wesenheiten, die wir als Architekten, Ingenieure und (Städte-) Baumeister so erst einmal gar nicht auf dem Schirm haben. Und – erst bei insofern geklärter Terminologie vermögen denn auch Juristen und Baurechtler bei Infrastruktur- oder allgemein städtebaulichen Maßnahmen überhaupt erst Möglichkeiten zur Vermittlung zwischen (ökonomisch) starken privaten und häufig eher schwachen gesellschaftlichen – oder auch „Gemeinwohl“- Interessen zu finden. Ausgleiche, die aber in Anbetracht der vielen Herausforderungen sehr relevant sind und durchaus dann auch zu „Win-Win-Situationen“ für alle geführt werden können. Und das zudem auf viel schnellere und pragmatischere Weise als bisher.

 

Der große frühere NASA-Forscher Carl Sagan hat in seinem letzten Interview vor der Zersplitterung und Instrumentalisierung von Forschung und Wissenschaft, die damit zu einem Abstraktum ohne jeden Bezug zu gesellschaftlichen Themen – zu den Lebenswirklichkeiten der Menschen werden gewarnt. 

Eine Studie der inzwischen doch reichlich gegenüber dem militärisch-industriellen Komplex der US marginalisierten NASA von 2014 wird denn auch mit der plakativen Überschrift „Die Menschheit ist am Ende“ betitelt.

 

Es ist viel zu tun – nicht nur im Staate Dänemark, um es mit Hamlet zu sagen.
„Warten auf Godot“ und „Das letzte Band“ zum „Endspiel“ aufnehmen, um es mit Samuel Beckett zu sagen kann’s nun auch nicht sein.

 

Die so genannte „Flüchtlingskrise“, mit der letztlich gerade Italien und Griechenland über viele Jahre völlig alleine gelassen wurden stellt uns nun hier in Mitteleuropa vor gewichtige Themen, die pragmatische Herangehensweisen sowohl zum Thema „Stadtumbau“, als auch zum Thema „bezahlbarer Wohnraum“ – aber auch zum Thema „Hilfe zur Selbsthilfe von Flüchtlingen am Herkunftsort“ nun wirklich entschieden einfordern.
Europäische Antworten – resultierend aus unseren Erfahrungen hier – Bewohnern derselben Scholle mit vielen Kriegsorten im „Nahen und Mittleren Osten“ – durch ein kleines, wunderschönes Meer vom schwarzen, sicher viel älteren Kontinent getrennt.

 

Jürgen Habermas im Vorfeld der Bundestagswahlen 2013 entworfenes Bild von Deutschland, das da „auf dem Vulkan döse“ wird beim Fortfahren von „Business as Usual“ zu einer Zerreißprobe für die Gesellschaft, bei der man sich in Anbetracht von zunehmend prekarisierten Lebens- und Arbeitsbedingungen nicht über die paranoide Abwehrhaltung vieler verdrossener Wähler, die sich schutzlos den ins Tal fließenden Lavaströmen ausgesetzt sehen wundern sollte.

 

Habe mal einen aus den US stammenden Kolumnisten auf ZEIT-online gelesen, der witzelte, dass es in Deutschland keine „Whistleblower“ gäbe.

Warum wohl?

 

Wie dem auch sei.
„Kreative Ideen“ bedürfen der fundierten Ausarbeitung, um als Konzepte zu reifen.
„Die Politik“
wird’s so alleine auch nicht richten.
Investoren? Die haben genauso Angst – und keine
wirklichen, ihnen Vertrauen einflößenden Perspektiven wie alle anderen.
Angst aber, die wie alles stetig instrumentalisiert wird.

Leichtes Spiel bei einer überalterten Gesellschaft mit dieser jüngeren „Vorgeschichte“.

 

Und – die Kriege werden weiter schwelen – mancherorts sogar ganz neu aufflammen. Und - Flüchtlinge werden weiter kommen nach Europa – und nach Deutschland. Da helfen keine Zäune und Mauern.

Auch das sollte man eigentlich hier gelernt haben.

 

Sollte dem „Staat“ – also – „der Politik“ am „sozialen Frieden“ und mehr in D und in EU gelegen sein, dann muss er schon selbst dran – mit klugen Investoren und Bürgern, deren Vertrauen er erst einmal (wieder) gewinnen muss. Und umgekehrt.
Da sollten also WIR schon mit anpacken wollen.

 

Letztlich ist die hier angestrebte Zusammenführung von Wissenschaften zu pragmatischen Maximen zwecks Bearbeitung der vielfältigen „Umsetzungsdefizite“ beim Stadtumbau – mithin – einer „Neu-Formation“ der „Sozialen Stadt“ und einer „Neu-Definition“ der „Globalen Stadt“ sicher auch im Sinne von Wilhelm von Humboldt als Begründer unseres (neu-) humanistischen Bildungswesens.

 

Er und sein Bruder Alexander von Humboldt – so wie auch der deutsche Physiker und Träger des alternativen Nobelpreises, der am 18. Mai 2014 verstorbene Hans-Peter Duerr haben immer die Wichtigkeit eines breiten Fundamentes von Allgemeinbildung für eine vertikale Komponente des Spezial- / Fachwissens betont und letztlich auch gelebt.

 

Denn - Häuser und Städte - alles, was da gebaut wird, wird nicht nur mit Mörtel, Sand und Lehm und all den anderen Baustoffen gebaut. Nein - alles wird zu allererst mit Hoffnung und Zuversicht auf eine friedliche - eine schutzwürdige Zukunft - im Vertrauen auf ein friedliches Zusammenleben - der Familie - der Freunde - der Nachbarschaft - des Viertels - der Stadt - des Landes - der Kulturen - der Menschen verschiedenster sozialer und ethnischer Herkunft gebaut. 

 

 

 

These 34:

Alle diese Thesen scheinen sehr bunt – für viele geradezu verworren.
Für Viele scheint da auch schon lange der Faden verloren.

 

Die Welt ist ein vielfach verwobenes komplexes Ding – ein Netzwerk, in dem es manchmal erstaunliche Beziehungen – also auch Verbindungen gibt. Diese stellen sich häufig eher als „Verwicklungen“ dar, wie der japanische Architekt Akihisa Hirata sie bezeichnet.

 

Verbindungen und Verwicklungen, an denen sich Wege kreuzen – wo Ressorts von Ministerien und Abteilungen in Behörden überlagern, wo Wissenschaften und ihre Forschungsbereiche das selbe Ding unter ganz verschiedenen Gesichtspunkten betrachten – wo Menschen mit ganz verschiedenen Herkünften und Erfahrungsbereichen einander begegnen – zusammen leben, wohnen, arbeiten – die vielen anderen Kreaturen auf Planet A hier nicht zu vergessen. Eine bisweilen, an manchen Orten schier endlos erscheinende Vielfalt, deren entropischer Hang zur Unordnung nur durch kluge Integration – und darstellende Entfaltung zur lebensbejahenden Ordnung geformt werden kann. Hirata spricht da von „Negentropie“ – also einer Verneinung von Schrödingers eher negativ behafteter „Entropie“.
 

Unser eigenes Wissen über diese unsere Welt wächst ständig – aber – vieles von diesem Wissen scheint nur beziehungslos nebeneinander zu existieren. Die Kommunikation zwischen der einen oder der anderen Quelle von Wissen scheint aus welchen Gründen auch immer allzu häufig blockiert.

Etwa der Begriff der „fragmentierten Stadt“ wird besonders von Humangeographen verwandt. Den meisten Ingenieuren und Architekten ist dieser Begriff der "Fragmentierung" von Stadt so kaum geläufig. Die Forschungsergebnisse der Humangeographen jedoch stellen essentielle Grundlagen für unsere Arbeit dar.

 

Für effizientere, bessere Formen der Zusammenarbeit sollte es also immer um eine bessere Vernetzung mit intensiverem Austausch gehen. Wenn im Vorfeld schon manche Begrifflichkeit geklärt ist und der Respekt vor der Kernkompetenz des anderen – der Lebens- und Arbeitserfahrung des anderen selbstverständliche Conditio sine qua non für alles Weitere wird, dann kann man auch Einiges wirklich gemeinsam schaffen.

 

Die durch Menschen bewegten Dinge geschehen genauso gleichzeitig wie wir gleichzeitig mit den Herausforderungen unserer vermeintlich „außerhalb unserer selbst existierenden“ Um- oder Mitwelt umgehen müssen.
Betrachten wir jedoch „die Umwelt“ und die darin lebenden Organismen – also auch uns selbst als „Paar“ – im Sinne des Biologen Jakob von Uexküll, so entsteht auch dort eine viel spannungsreichere – positiv auszuformende Beziehung – eine vielschichtige „Verwicklung“. 
Damit wird der enorme Druck, da viele Themen nun zu beschleunigen – Umsetzungsdefizite der jüngeren Vergangenheiten anzugehen zugleich erträglicher.

 

Stadtforschung, die den Dialog sucht auch mit Klimaforschung nimmt sich also des Lebensraumes von Mensch und Kreatur an. Und – sie sucht durch das Zusammenfügen von Daten und Informationen aus vielen Bereichen der Wissenschaften Ausgleichsmöglichkeiten zu finden, wo die Themen „aus dem Ruder gelaufen“ sind. Ausgleichsmöglichkeiten auch zwischen Stadt und Umland, Agrar- und Siedlungsflächen – Landschaft – Um- und Mitwelt – also Kulturlandschaft im weitesten Sinne und verdichtetem städtischem Kultur-, besser Zivilisationsraum. Und das über nationale und territoriale – über kontinentale und geopolitische Grenzen hinweg.
Schließlich soll es um die Menschen und ihre existenziellen Bedürfnisse – ihren Lebensraum als Kern jeder „Planung“ – jeder „Gestaltung“ – jeder „Politik“ auf Planet A – der Erde hier gehen. 

 

 

These 35:

„Entwicklungs-Zusammenarbeit“ ist im Zuge der Stadtforschung ein zusätzliches, sehr wichtiges Stichwort. Strategien dafür sollen ja gerade an (Fach-) Hochschulen für internationale und

Interkulturelle Entwicklungs-Zusammenarbeit -  

(Schools for International and Inter-Cultural
Development
 Collaboration  - S I n I C C o l
) vermittelt und ausgearbeitet werden. 

 

Man kann keinen „Krieg gegen Terror“ ohne die Gefahr der Beseitigung der eigenen Grundwerte und –rechte gewinnen. Auch diese bedürfen da einer Umwandlung – einer Anpassung an veränderte Situationen – einer Einordnung in neue Beziehungsgeflechte. Wir sind dabei selbst gefordert, uns neu in unserer Um- und Mitwelt zu verorten.
 

Das Sicherheit und Freiheit erstrebende Individuum findet diese in einem sozialen Organismus. Einem Haus also, bei dessen Planung und Bau schon vielschichtige, vielfarbige – vielfältige Beziehungsgeflechte zum Tragen kommen. Einem Haus also, das durchaus Hierarchien kennt – das dem Individuum somit aber als Teil des „sozialen Organismus“ auch Grenzen setzt – formal wie inhaltlich. „Grenzen“, deren Ordnungsprinzipien ein gutes und menschenwürdiges – ein schönes und hoffnungsvolles Zusammenleben von Menschen verschiedenster sozialer und ethnischer Herkunft ermöglichen sollen.

 

Insofern befinden wir als Architekten, Ingenieure und Städtebauer uns vor weitaus gewichtigeren Herausforderungen als „nur“ der Schaffung neuer Wohnviertel mit „bezahlbarem Wohnraum“.
Und – ob man in Baden-Württemberg wenigstens aus den massiven und flächendeckenden Bürgerprotesten zu Stuttgart 21 aus dem Jahre 2010 gelernt hat? Ob man merkt, dass man mit einem System, das immer wieder neu die Frage von „Verantwortung“ und „Schuld“ ganz automatisch nach unten delegiert „die da unten“ beleidigt und brüskiert?
Denn - andererseits scheinen viele Behörden sich gegenüber dem als solchen (prä-) definierten „Wutbürger“ wie das berühmte Kaninchen vor der Schlange zu verhalten. Viele verdrossene (Wut-) Bürger indes verhalten sich da auch nicht anders. Der Vertrauensverlust – und die fatalen Auswirkungen auf Planung und Entwicklung nicht nur von materialisierten Bauprozessen sind allerorten ablesbar.

(Politik-) Verdrossenheit resultiert auch ganz maßgeblich aus dem „Beharrungsvermögen“ von Institutionen, die die Bürger und deren Belange mehr verwalten als gestalten und – Bürger, die a) dies gar nicht (mehr) verstehen wollen oder können oder b) als „demographische Mehrheit“ in ihrem letzten Lebensdrittel bei vielen Themen einfach abschalten – vielleicht auch, weil ihnen die eigene Angst und Hoffnungslosigkeit ob dieser Zustände den Schlaf und mehr raubt.
 

Umbau ist per se schwierig und arbeitsintensiv.

Damit Arbeit sich wieder lohnt bedarf es eben auch zu allererst – Vertrauensbildender Maßnahmen – Maßnahmen, die zumal in Deutschland auch gesetzlich geregelt werden müssen. Das ist schon alles andere als leicht.

 

Aber – es geht eben nur, wenn man eins und eins zusammenzählen darf.

Stadtforschung in der „Globalen Stadt“, in der immer mehr Menschen wohnen, leben, arbeiten wollen erfordert eben dies.

Zumal damit auch „Grenzen des Wachstums“ zwischen Suffizienz und Effizienz neu zu definieren – neu zu verorten sind. Was zudem im Zuge der Chancen und Möglichkeiten, die Menschen dabei mitzunehmen bei der Ausgestaltung ihrer Sicherheiten auch zu „nachhaltigen“ Auswirkungen im Hinblick auf die gesamte Bevölkerungsentwicklung zeigen wird.

Ein größere Sicherheiten gewährender „sozialer Organismus“ verheißt hier steigende – andernorts, wo bisher das Menetekel der „Überbevölkerung“ drohte sinkende Geburtenraten.

 

 

These 36:

Die Synthesen – die Zusammenführung von Forschungsergebnissen der Wirtschaftsgeographie und der angewandten Geographie zum Thema „Stadtentwicklung“ – „Megacities“ etc. – der Soziologie und der (Makro-) ökonomie – der Umwelt-, Klima- und der Sozialpolitik also mit den Themen des Städte- und Siedlungsbaus und den Migrationsbewegungen zwischen Stadt und  Land weltweit ist erforderlich - gerade auch im Hinblick auf "Umsetzungsdefizite" von "Entwicklungsarbeit". Also – die Arbeit von Ingenieuren und Architekten auf den Böden der Tatsachen.

Und – in diesem Zusammenhang ist gleichfalls ein forcierter Dialog zwischen (vermeintlich) „entwickelten Nationen“ (developed nations) und „sich entwickelnden Nationen“ (developing nations) – also nördlicher und südlicher Hemisphäre unseres Planeten erforderlich.
Auf Augenhöhe.

 

Stichworte im pragmatischen Sinne - "German Engineering" und "Hilfe am Herkunftsort von Flüchtlingen", aber auch - "Wie kann Entwicklungsarbeit in diesem Zusammenhang als essentieller "Industrie- und Wissens - als Leistungs- und Güteraustausch" - auch im Rahmen einer "Umorientierung der Exportwirtschaft" gestaltet werden? 

Dies war im Wesentlichen Schwerpunkt meiner Arbeit in und in der Folge des westlichen Scheiterns dort - zu Kabul / Afghanistan. 

 

Und – nur ein Staat – und eine Gesellschaft, in der es möglich ist, eins und eins zusammenzuzählen wird überhaupt fähig sein, eine Bewegung vom „Kampf der Kulturen“ weg zu einer friedlichen und – dennoch wehrhaften „Integrations- und Inklusionspolitik“ zu vollziehen.

Dafür bedarf es zentralistisch – (multi-) national gesteuerter Gesetzes- und Wertehierarchien und dezentral funktionierender – also föderaler und interkulturell agierender Umsetzungsstrategien auf den Böden der Tatsachen.

 

 

These 37:

Epilog: 

„Wir haben ja alle viel zu tun!“ – mit dem feinen Unterschied – die Einen werden dafür bezahlt – die anderen eben nicht. Und – die eben nicht bezahlt werden, sollen eben zusehen, wie sie Perspektiven auch für ihre Kinder schaffen. Und – die Verdrossenheit vieler Menschen in Deutschland wächst.

 

Erfahrungsgemäß steht da eben auch der Satz von Einstein:
„Man muss alles so einfach wie möglich machen. Aber nicht einfacher.“ 

 

Über kurz oder lang werden wir nur über einen globalen Schuldenschnitt die Voraussetzungen für eine neue – eine fairere und „nachhaltigere“ Weltordnung ermöglichen können. Einen Schuldenschnitt, nach dem denn auch Handels- und internationale und interkulturelle Rechtssysteme neu zu organisieren sind.

Wie schon gesagt – es geht um mehr als den „sozialen Frieden“ – nicht nur in Deutschland und Europa. Es geht darum, den „Kampf der Kulturen“ mit seinen vielen Kriegen zu beenden, Fluchtursachen zu beheben – Dialoge – fairen Handel zwischen den Menschen verschiedenster Kulturen zu ermöglichen.

 
Und - irgendwann müssen ja auch verschlossene Türen in Deutschland sich öffnen. Irgendwann müssen da ja auch einmal kluge Nachfragen kommen nach dem Motto:
„Was meint der Mann denn da eigentlich? So ganz dumm ist er ja nicht und das, was er da sagt, ist ja auch nicht ganz von der Hand zu weisen.“

 

Ich warte eben immer noch.
 

Die 37 + Thesen – von Januar bis Mai 2016 zusammengestellt sind lediglich eine Anregung zur Beantwortung der hier in den Raum gestellten Frage von meiner Seite:

"Was würde ich machen, wenn ich Bundeskanzler wäre?"

 

„Lebenserfahrung“ und „Menschenkenntnis“ – dies waren die wesentlichen Dinge, die ich erwerben solle, wie mein Vater mich immer lehrte. Ihm und meiner Mutter gebührt zu allererst mein tiefster Dank.
Gleichzeitig hat mein Vater mich immer vor „Fachidioten“ und „Tintenpissern“ gewarnt. 

 

Tiefer – und weiter als die Thesen hier – auch eben bis ins Detail bei der Umsetzung gehen da meine vier Bücher:

„Fragmentierte Stadtentwicklung 201_“ wurde im Sommer 2015 fertig gestellt. „Soziale Stadt“ in (Mittel-) Europa und „Globale Stadt“ sind dabei auch Synonyme für die entsprechenden Gesellschaften. Es geht um „Kommunikation“, also auch – Vermittlung von Interessen in der „Globalen Stadt“ – dem Übergang dahin von Marshall McLuhans „Globalem Dorf“ ausgehend.

 

“Die (un) sichtbaren Städte 201_” wurde als zweibändige Foto-Dokumentation 2013 -14 zusammengestellt. Auf pro Band 13 mal 7 = 91 ganzseitigen Fotos und dazu gehörenden, teilweise recht ausführlichen Bildbeschreibungen findet der westliche – der europäische Leser an vertrauten Orten Befremdliches – und an fremden Orten wieder sehr Vertrautes.

 

„Kabul, ein Wintermärchen “ wurde im November 2010 fertig gestellt.

„Berichte eines “Aufbauhelfers “ vom Hindukusch -
ZEIT-online Community Artikel des Users Aflaton aus Afghanistan und –

Wie Deutschland sich ausbremst“ steht dort im Untertitel.

 

Es sind hier also viele programmatische Vorschläge gemacht für den Fall, dass ich Bundeskanzler werden würde. Eine reine Hypothese.
Aber – es geht darum, aus Sackgassen herauszukommen – Wege für ein friedliches Zusammenleben der Menschen zu erschließen.
Für soziale Ausgleiche. Chancengleichheit.
Insofern – als Gestaltungsfrage verstanden ist die „Machtfrage“ durchaus legitim. Sie ist erforderlich. Eine Antwort denn auch auf die unumstrittene Notwendigkeit, „Bildung als lebenslanges Lernen“ viel weiter zu fassen und – dem demokratischen Souverän zudem wieder bessere Kontroll- und Einflussmöglichkeiten zu gewähren.
Eine programmatische Offensive mithin.

 

Wie sagt Bertolt Brecht so schön:
„Ich benötige keinen Grabstein, aber 
Wenn ihr einen für mich benötigt 
Wünschte ich, es stünde darauf: 
Er hat Vorschläge gemacht. Wir 
Haben sie angenommen. 
Durch eine solche Inschrift wären 
Wir alle geehrt.“

 

Klimaforschung kann sicher als gewaltiger Pool von Daten über lokale Wetterphänomene betrachtet werden.
Stadtforschung als „Dachforschung“ soll ähnlich viele Daten aus verschiedenen Blickwinkeln über das Leben, Wohnen, Arbeiten – das Zusammenleben von Menschen an vielen Orten zusammenfassen.
So können WIR viel schneller offene Planungsprozesse – und eine eben solche offene Gesellschaftsentwicklung anstreben.

 

Die Stadt und ihre Entwicklung  als Lebensraum von mehr als der Hälfte der Menschheit – zwischen Architektur und Ingenieurswissenschaften, Soziologie, (Makro-) Ökonomie und Ökologie, angewandter und Wirtschaftsgeographie, Ethnologie und Jura - der (Kultur-) Geschichte des Menschen und den Erzählungen von seinen Behausungen.
Kurz – Stadtforschung, die den Dialog sucht auch mit Klimaforschung.

 

Denn – was nutzt das angeblich so schnell anwachsende Wissen der Menschheit, wenn sie sich scheinbar nicht wirklich selber zu helfen weiß und von einer „Krise“ in die nächste stürzt?
Wenn also alles kumulierte
Wissen nur koexistiert und kaum zusammen geführt – geschweige denn ausgewertet oder gar dann auch noch angewandt werden kann oder darf?


Alles andere als ein Kinderspiel, denn – die Dinge sind komplex. Aber – um es mit Albert Einstein zu sagen – sie sollten so einfach wie möglich dargestellt werden. Aber nicht einfacher.

 

Vier Eckpfeiler für den Bau eines neuen europäischen Hauses – 

die Synthese aus 37 + Thesen für einen neuen Gesellschaftsvertrag oder

"Was würdest Du machen, wenn Du BundeskanzlerIn wärest?"

löst also „Bauen + Planen = Integration + Partizipation“ als Crowdfunding-Kampagne bei Startnext ab.
Die Kampagne wird bald starten (Ende Mai / Anfang Juni 2016) und hier verlinkt.

Danke ggf. für's Teilen und - ggf. auch für Rückfragen - geschweige denn - für Spenden dafür, diesen Weg gemeinsam anzutreten. Mit Perspektiven und Zielen – für uns und unsere Kinder.
Und – nicht nur für diese.

 

Alles, was da lange völlig verschlossen war sollte wieder offen sein.

 

 

 

 

Anhang :

4 Szenarien am Vorabend der Bundestagswahl 2025  (Oktober 2015)
 

Szenario 1:

Nach Beginn der „Flüchtlingskrise“ im Sommer 2015 haben Regierung und Parlament in Berlin in Anbetracht von stetig steigenden Flüchtlingszahlen bald begonnen, die Ankunft von Flüchtlingen durch neue Abschottungsmaßnahmen einzudämmen. Der Widerstand gegen die Neuankömmlinge ist im Laufe der Zeit in allen Bundesländern enorm gewachsen. Die Zahl der Abschiebungen gerade auf den Balkan hat dort zu verstärkten Auseinandersetzungen zwischen einzelnen Volksgruppen in und über Landesgrenzen hinweg geführt. Zwar bauen immer mehr Länder dort neue Zäune und „Zwischen- oder Aufnahmelager“ an den Grenzen – dies hat jedoch auch zu einer Verstärkung der Anforderung von nationalen und europäischen Polizeitruppen allerorten dort geführt. Der Brüsseler Etat für solche Sicherungsmaßnahmen wächst immer stärker.
Die „Sicherheitsindustrie“ verzeichnet weltweit seit Jahren die größten Wachstumsraten.

 

Nach dem „Grexit“ und dem erst einmal knapp per Referendum abgelehnten „Brexit“ – dem Austritt Großbritanniens aus der EU tauchte zwischenzeitlich der „Espexit“ und zeitweise gar das Schreckensgespenst des „Ixit“ und des „Frexit“ – also der Ausschluss Spaniens, Italiens und Frankreichs in den Medien auf. Letztlich sind aber alle Länder im Euroraum belassen worden. „Wachstumsraten“ von 0,2-0,5 % in den Kernländern Europas – insbesondere Deutschland, Benelux und auch wieder Frankreich werden immer wieder mit großen optimistischen Prognosen verkündet.

 

Nach der Wahl Hillary Clintons als erste weibliche US-Präsidentin 2016 haben die transatlantischen Freihandelsabkommen zu vielen solcher optimistischer Schlagzeilen für den transatlantischen Warenverkehr geführt.

Die Aufrüstungsmaßnahmen im öffentlichen Raum allerorten werden kaum thematisiert.

Die „Zwischen- oder Aufnahmelager“ werden vielerorts in Europa zu ganz eigenen „dorfartigen Agglomerationen“ – oder „Slums“. In Deutschland werden sie primär in von Abwanderung gekennzeichneten Orten und Regionen zu immer weiter greifenden, mit mehrfachen virtuell und materiell gesicherten Ringen abgegrenzten bewachten Siedlungsformen. Die Erinnerung an andere Lager zu anderen Zeiten Mitte des 20. Jahrhunderts in Europa wird stetig mit Kopf schüttelndem Erstaunen zurückgewiesen.

Führende Politikwissenschaftler sprechen von „Post-Post-Demokratie“.    

 

Im „Nahen und Mittleren Osten“ beherrschen marodierende Banden, die aus dem so genannten „Islamischen Staat“ hervorgegangen sind weite Teile der ehemaligen Staaten Syrien, Irak und Jemen. Die westliche Staatengemeinschaft und das saudi-arabische Königshaus unterstützen „gemäßigte Rebellen“ gegen diese jegliches „internationales Recht“ ablehnenden Banden mit stetigen massiven Waffenlieferungen. Das Bündnis der von China und Russland angeführten BRICS und der Iran als lokaler Partner unterstützen die Rumpfregierungen dort logistisch – aber auch immer wieder mit militärischer Hilfe und mit Waffenlieferungen. In glühender Asche immer wieder grell auflodernde Stellvertreterkriege hinterlassen immer mehr Zerstörung und zwingen immer mehr Menschen zur Flucht.
Im Westen selbst werden die Wachstumsraten des militärisch-industriellen Komplexes nur noch auf geheimen Tagungen erörtert, aber nicht medial publiziert.

 

Auch in Afrika gibt es viele, von marodierenden, vorwiegend unter der Fahne einer totalitären Lesart des Islam agierenden Banden beherrschte Gebiete – besonders zwischen dem ehemaligen Nigeria, Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik, dem Kongo, Uganda, Kenia – bis hinauf zum Sudan. Das Gleiche gilt für Zentral- und Südasien. Die Konflikte zwischen den Atommächten Indien und Pakistan sind im letzten Jahrzehnt immer wieder aufgeflammt.
Auch Afghanistan lodert immer wieder auf.

 

Dazu kommen das stetige Ansteigen der Meeresspiegel und andere wesentlichen Resultate von Klimaveränderungen, die etwa gerade aus dem dritten Land, das ehedem den Subkontinent ausmachte – Bangladesch Hunderttausende Menschen über das Land und die Meere fliehen lässt.

 

Immer noch viele Menschen von dort und aus anderen bedrohten oder gar zerstörten Regionen im Süden schaffen es bis nach Europa.
Die durchschnittliche Verweildauer der Flüchtlinge und Asylbewerber in den „Zwischen- und Aufnahmelagern“ in und an den Zäunen und Mauern in Europa – insbesondere in Deutschland ist in den letzten sieben Jahren von drei Monaten auf drei Jahre angestiegen. Auch die massenhaften Abschiebungen in „sichere Drittländer“ schaffen keine wirkliche Entlastung.

 

 

 

 

Szenario 2:

Nach Beginn der „Flüchtlingskrise“ im Sommer 2015 haben Regierung und Parlament in Berlin in Anbetracht von stetig steigenden Flüchtlingszahlen nach anfänglich zähem Ringen bald begonnen, die Ankunft von Flüchtlingen durch neue Integrations– bald dann auch Inklusionsmaßnahmen zu steuern. Der Angst der Behörden und Institutionen in Deutschland vor Kontroll- und Machtverlust konnte durch viele zunächst ehrenamtliche Initiativen aus der Zivilgesellschaft begegnet werden. Bald jedoch zeigte sich, dass dies nicht mehr tragbar war, weil viele vom Sozialamt finanzierten Ehrenamtler entweder streikten und so vieles ins Wanken geriet oder als wesentliche „Leistungsträger“ einfach auch Geld für über die Sicherung des Lebensunterhaltes hinausgehende Themen benötigten. Staatlich legitimierte und über Staats- und Länderhaushalte finanzierte „Ideen- und Gründungsbörsen“ wurden bald auf kommunaler Ebene eingerichtet, um endlich die Schließung vieler über Jahre – eher die letzten zwei Jahrzehnte „liegen gebliebener Versorgungslücken“ der Bevölkerung gerade unter dem Druck der vielen „Neuankömmlinge“ mit und für alle anzugehen.

 
Besonders die Wahl des 73 jährigen Senators aus Vermont, Bernie Sanders ins weiße Haus in Washington DC Anfang November 2016 hatte im Westen viele Bewegungen ausgelöst, die wieder einen Dialog zwischen den staatlichen Autoritäten und den Gesellschaften ermöglicht haben.
Die Anerkennung zivilen Engagements geht dabei mit vielen dezentralen Initiativen einher.

 

Zwar gibt es überall noch Widerstände, aber die große UN-Schuldenkonferenz im Frühjahr 2017 hat bewirkt, dass private und Staatshaushalte durch einen massiven Schuldenschnitt weltweit entlastet wurden. Die Gefahren, die aus den weiter greifenden Kriegen im Nahen und Mittleren Osten resultierten, führten schließlich zu der Einsicht zwischen allen Großmächten – den US, der EU und den BRICS unter Führung von China und Russland, dass ein solcher Schritt unabdingbar sei. Letztlich sah man sich auch intern im Jahre 2016 überall vor wachsenden sozialen Unruhen – bürgerkriegsartigen Zuständen, die viele Tote gerade auch in den Städten der EU, der US und Chinas forderten. Diese Unruhen waren zudem von einer Ausweitung der Kriege im Nahen und mittleren Osten und in Afrika – aber auch sich immer mehr zuspitzenden Konflikten auf dem Balkan in Anbetracht von der Überlagerung von „Schulden- und Flüchtlingskrise“ begleitet.

 

Schon die Weltklimakonferenz in Paris Anfang Dezember 2015 hatte eine Kehrtwende dargestellt. Gerade auch unter dem Eindruck der Verheerungen, die das pazifische Klimaphänomen „El nino“ damals begleiteten, vermochten die Experten und Staatschefs nicht noch einmal wirklich verbindliche allgemein gültige Maßgaben in eine immer ungewissere und bedrohlichere Zukunft verschieben. Diese Vorgaben, die kostspielige Auflagen allerorten im Hinblick auf industrielle Produktionsbedingungen, Landwirtschaft und Verkehr bewirkten schufen denn auch die langsam wachsende Einsicht, dass das Weltfinanzsystem einen Neustart unter geänderten, überhaupt dann im „Reallabor“ auszuarbeitenden Rahmenbedingungen mit dem Schwerpunkt drastischer Maßnahmen zur Klimaanpassung und – zur Vermeidung einer „Klimakatastrophe“ benötige.

 

Dazu gehörte auch ein nach gleichfalls langem Ringen verabschiedeter Boykott von Waffenlieferungen in Kriegsregionen und die Sanktionierung von Verstößen durch die sich zusammenraufende „Internationale Gemeinschaft“.  Die Überwachung dieser Maßnahmen stellte sich zwar als alles Andere als leicht dar, aber die stetigen Schockereignisse von Kursstürzen auf den Weltfinanzmärkten – insbesondere durch die Zwischenlandungen beim Zerbrechen der chinesischen Immobilien- und Aktienblase bedingt verstärkten den Handlungsdruck bereits am Ende der Präsidentschaft Obamas in den US – und damit bald auch in der EU.

 

Unter diesen Vorzeichen hatten sich die Sozialdemokraten im Vorfeld der Bundestagswahlen 2017 endlich dazu entschlossen, einen Kandidaten „mit wenig politischem Stallgeruch“ aufzubauen, der prompt gewann und eine Regierung mit rot-rot-grüner Kooperationsvereinbarung bildete. Lehr- und Forschungsinstitute, in denen die Grundlagen für „internationale und interkulturelle Entwicklungszusammenarbeit“ gelegt wurden, und in denen Einheimische und „Neuankömmlinge“ gemeinsam Konzepte zur Entwicklung von krisengeschüttelten und kriegszerstörten Orten ausarbeiten wurden vielerorts in Deutschland und bald auch in anderen Ländern in Europa gegründet.
2019 dann wurden endlich auch die „United Peoples“ unter dem Dach der UN
als völkerrechtliche Vertretung aller staatenlosen Völker und Stämme gegründet.

 

 

 

 

Szenario 3:

Nach Beginn der „Flüchtlingskrise“ im Sommer 2015 haben Regierung und Parlament in Berlin in Anbetracht von stetig steigenden Flüchtlingszahlen nach anfänglich zähem Ringen bald begonnen, die Ankunft von Flüchtlingen durch institutionell und operativ übergreifende Sicherungsmaßnahmen massiv einzudämmen. Die Angst der Behörden und Institutionen in Deutschland vor Kontroll- und Machtverlust zeigte sich in immer deutlicher widersprüchlichen Maßnahmenpaketen, die jedoch die lange verschleppten Kernprobleme nicht angehen konnten. Der Unmut in der Bevölkerung – von „rechts“ wie von „links“ wurde besonders im Osten Deutschlands immer größer. Auch die vielen freiwilligen ehrenamtlichen Helfer wurden zunehmend verdrossen, da die immer schneller in großen Zahlen laufende Abschiebepraxis nicht nur in vermeintliche „sichere Drittländer“ auf dem Balkan ihre „Integrations- und Willkommensarbeit“ zunehmend gefährdete. Auch die Konflikte zwischen den südosteuropäischen EU-Ländern und Deutschland nahmen bald an Härte zu.

 

Die Ausweitung der VW-Krise wurde durch mehrmalige harte Zwischenlandungen der chinesischen Immobilien- und Aktienblase noch beschleunigt. Niedersachsen und bald auch der Bund mussten eingreifen, um den Autokonzern zu retten. Der Dax-Einbruch führte auch zu massiven weltweiten Kursstürzen und insgesamt zur Abwertung der deutschen Wirtschaft durch US-Rating- Agenturen. Ein Misstrauensvotum gegen Kanzlerin Merkel führte dann bald zu einer Staatskrise, der nach außen durch erneuten Druck auf Griechenland, Ungarn und andere Staaten Südosteuropas begegnet wurde. Zäune und virtuell und materiell mit mehreren Sicherheitsringen befestigte „Transit- und Abschiebelager“ wurden nicht nur an den Staatsgrenzen in Südosteuropa in atemberaubender Geschwindigkeit errichtet. Die Angst vor dem Verlust des erreichten Wohlstandes beherrschte weltweit bald alles Tun und Lassen. Alle anderen Themen – die Klimakonferenz in Paris, die sich ausweitenden Kriege im Nahen und Mittleren Osten und die damit einhergehende Zunahme des Stroms von Kriegsflüchtlingen nach Europa wurden zusehends marginalisiert und dem Prinzip der bedingungslosen eigenen Abschottung geopfert.

 

Auch die US konnten von diesen Einbrüchen der Weltwirtschaft nicht wirklich profitieren. Neben einer von Seiten der Republikaner immer wieder beschworenen außenpolitischen Schwäche wurde das Ende der zweiten Amtszeit von Präsident Obama begleitet von immer wieder auch gewaltsam aufflammenden Protesten und Rassenunruhen besonders in den großen Städten der Westküste, wo in Folge von „El nino“ nach langer Dürre Stürme und Überschwemmungen große Zerstörungen angerichtet haben. Nach wüsten Machtkämpfen hat sich bei den Republikanern endlich Jeb Bush gegen den geifernden und pöbelnden Tycoon Donald Trump als Präsidentschaftskandidat durchgesetzt und besiegt Anfang November 2016 dann überraschend Hillary Clinton bei den Präsidentschaftswahlen.

 

Bald werden in den US öffentlich auch gezielte Atomschläge gegen vom „Islamischen Staat“ beherrschte Regionen in den vormaligen Staaten Syrien, Irak und Jemen debattiert. So vermeint man, den Zerfall und das völlige Verschwinden der Region aus der eigenen Interessens- und Kontrollsphäre stoppen zu können. Die Beherrschung immer größerer Teile dieser zerfallenden Länder durch den „Islamischen Staat“ und andere, den Islam instrumentalisierende Gruppen ist nicht nur konservativen US-Amerikanern ein schmerzhafter Dorn im Auge. Auch vermeinte man, dadurch eben auch Assad in Damaskus loswerden zu können. Dies indes rief dessen Verbündete – Russland und die BRICS und den Iran einmal mehr auf den Plan.
Verstärkte infiltrierende militärische Maßnahmen und ungenehmigte massenhafte Drohneneinsätze in der Region von Seiten der NATO und der US führten zu einer massiven Verschärfung im Ton zwischen den Großmächten und ihren Vertretern.
Bald gab es auch die ersten militärischen Zusammenstöße.

 

In Indien haben sich die Konflikte zwischen Hindu-Fundamentalisten und anderen Gesellschaftsgruppen – insbesondere Moslems wesentlich verschärft. Der regierende Narendra Modi ließ seine hinduistischen Verbündeten gewähren. Gleichwohl versuchte er aber auch, wohlhabende Moslems als Unterstützer zu halten und zu gewinnen.
Die „dritte Teilung des indischen Subkontinents“ nach der Unabhängigkeit von den Briten 1947 stellte sich zunehmend als „Neugliederung der Kastengesellschaft“ dar. Die gewaltigen Unruhen in Indien selber wurden auch von stetigen militärischen Auseinandersetzungen zwischen Indien und Pakistan in Kaschmir und erstmals seit langem auch wieder in der Fläche zwischen Punjab und Gujarat begleitet.
Aus dem eingezäunten Bangladesch flüchteten jedes Jahr in Folge der verheerenden Überschwemmungen im Monsun mehrere Hunderttausend – ja - Millionen verzweifelte Menschen gen Westen. Sie reihten sich ein in die Flüchtlingsströme aus Afghanistan und all den anderen gescheiterten – oder – fallen gelassenen Staaten.

 

 

 

 

Szenario 4:

Nach Beginn der „Flüchtlingskrise“ im Sommer 2015 haben Regierung und Parlament in Berlin in Anbetracht von stetig steigenden Flüchtlingszahlen nach anfänglich zähem Ringen bald begonnen, die Ankunft von Flüchtlingen durch institutionell und operativ übergreifende Sicherungsmaßnahmen massiv einzudämmen. Gleichwohl sah man, dass dringendst staatliche – in die föderale Fläche wirksame Lenkungsmaßnahmen erforderlich waren. Dabei zwang der zunehmende Druck aus der Bevölkerung auch zu eher unkonventionellen Maßnahmen, die letztlich aber allen – den einheimischen Bürgern wie den „Flüchtlingen“ und Neuankömmlingen zu Gute kommen sollten.

Dies bewirkte dann auch maßgeblich der kleine Partner in der Großen Koalition – die Sozialdemokraten. Für die Bundestagswahlen 2017 jedoch konnten sie daraus nicht wirklich die entsprechenden Gewinne verbuchen – Christdemokraten, Grüne und wieder erstarkte Freidemokraten bildeten eine Koalitionsregierung mit der „alternativlosen“ Kanzlerin Merkel, die abgeschlagenen Sozialdemokraten versprachen eine gute und konstruktive Oppositionsarbeit.

 

Dennoch konnten viele Initiativen aus der Bevölkerung den Druck der europäischen und der globalen „Flüchtlings- und Finanzkrise“ abmildern. Ein Zusammenleben und -arbeiten von Menschen unterschiedlichster sozialer und ethnischer Herkunft wurde möglich auch dadurch, dass die Behörden viele Initiativen allmählich besser unterstützten als zuvor. Stetige zähe Verhandlungen und gelegentliche größere Demonstrationen ermöglichten dies. Die Gesellschaft öffnete sich – die Proteste von Rechts gegen „Überfremdung“ und ähnliche Schlagwörter hielten zwar lange an und Polizei und Staatsanwaltschaften waren lange Zeit völlig überfordert – letztlich führte dies jedoch auch zu einer massiven Verstärkung des Zivilschutzes – einer besseren Anerkennung der Arbeit von Polizei und Feuerwehr zudem auch bei den entsprechenden Tarifverhandlungen.

 

Gleichwohl führte die vermehrte Abschiebepraxis auf den Balkan anfänglich noch zu gewaltigem Konfliktpotential in Europa. Bald konnte man sich jedoch auf regionale Quotenregelungen und ein „europäisches Asylrecht“ einigen. Viele gesellschaftliche Initiativen sahen ja auch vor, dass die Menschen hier das Rüstzeug – die Ausbildung erhalten sollten, die ihnen die Möglichkeit gab, frei zu entscheiden, ob sie hier bleiben wollten oder – ob sie in ihre Heimat zurückkehren und je nach dem auch mit uns ihr Land wieder aufbauen wollten. Solche Entwicklungsorientierten, mittel- und langfristig ausgerichteten Lehr- und Forschungskonzepte wurden über Städtepartnerschaften und andere Bündnisse bald weiter in Europa verbreitet und erreichten eine größere Einbindung auch bisher massiv widerstreitender Gruppen.
Dennoch war die Zahl der „Politik-verdrossenen Nichtwähler“ immer noch groß.


Ende 2019 dann schwächelte die Kanzlerin zusehends. Die „deutsche Postdemokratie“ hatte ihr zu lange ihre unangefochtene Vormachtstellung gewährt. Die Sozialdemokraten bauten nun endlich ein entsprechendes Profil auf, sodass bei den vorgezogenen Wahlen zum Bundestag im Frühjahr 2021 seit langem mal wieder ihr Kandidat mit Unterstützung der durch vier Jahre in der konservativen Regierung zerrissenen Grünen und der Linken sich anschickte, Bundeskanzler zu werden.

 

Die große UN-Schuldenkonferenz im Jahr 2020 mit dem massiv die privaten und die Staatshaushalte entlastenden globalen Schuldenschnitt war eigentlich nur noch eine Formsache. Allerorten hatten vielerlei „Bottom-up“ und „Top-down“ Konzepte manches bewegt. Massenproteste und ähnliche Aufstände blieben aus. Dennoch gab es immer wieder Tote und Verletzte bei Ereignissen und Zusammenkünften gleich welcher Art. Meistens tauchten sofort Hinweise auf „terroristische Aktivitäten“ auf, die dann immer wieder von offizieller Seite und in Print- und sozialen Medien im Netz den Gegenparteien angelastet wurden.

 

Nachdem Hillary Clinton Anfang November 2016 souverän als erste weibliche Präsidentin ins Weiße Haus einzog konnte sie mit Bernie Sanders als ihrem schärfsten Widersacher im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten als Minister für Arbeit und Soziales jemanden gewinnen, der sie zu einem verstärkten „sozialdemokratischen Kurs“ in den US bewegte.

Auch in der US-Außenpolitik war pragmatische Ernüchterung eingekehrt. Es hatte sich lange abgezeichnet, dass nur gemeinsame Anstrengungen der US, der BRICS mit China und Russland an der Spitze und dem Iran als lokale Macht und der EU mit dem langjährigen Partner und „Assoziationsmitglied“ Türkei das Morden – und das Zerfallen des Nahen und Mittleren Ostens aufhalten konnten. Nur so konnte man auch die vielen anderen regionalen Konflikte in den Griff bekommen.


In Anbetracht von Naturkatastrophen, dringenden Antworten auf Klimaveränderungen und anderem Unbill für die internationale Gemeinschaft wurde es immer zäher und mühsamer, eine stetige „Krisenpolitik“, die immer mehr „die kleinen Leute“ allerorten schädigte zu rechtfertigen. Es gab keine „Revolution“ in dem Sinne – die Welt drehte sich endlich weiter und erwachte langsam aus dem „Rasenden Stillstand“.

Das Wort „Post-Postdemokratie“ wurde 2022 zum „Unwort des Jahres“ gekürt.

 

 

 

 

 

Nachsatz – Erläuterung – „Gebrauchsempfehlung“:

Alle Szenarien können auch viel früher oder später in Teilen auftreten.
Es besteht in keinster Weise Anspruch auf „Vollständigkeit“.

Wie jegliche „Realität“ – so kann auch hier alles nur „in Fragmenten“ wahrgenommen werden. In facettenhaften Bruchstücken auch unserer eigenen „Wirklichkeit(en)“.

Zumal als Blick in die Zukunft – ein kleines Fenster im Strom der Ereignisse zwischen Gegenwart und Vergangenheit.

 

Obwohl alle 4 Szenarien insgesamt durchaus dunkle und tragische Momente enthalten – es tun sich immer wieder „Zeitfenster“ auf, in denen „der Lauf der Geschichte“ von wachen Menschen – Bürgern wie Du und ich geändert werden kann. Diese „Gelegenheitsfenster“, in denen dieser „Gang der Geschichte“ maßgeblich beeinflusst werden kann, sind auch das Wesentliche. Sie aufzuspüren und – Handlungsweisen im Sinne einer „gesunden“ – besser – einer „für alle gesünderen“ – vielleicht auch einer „heilbaren Entwicklung“ zu diskutieren – sie gemeinsam zu erörtern – das ist das Wesentliche – der Kern des Ganzen.


Das macht es auch „planbar“ – es nimmt dem Geschehen seine Angst einflößende Gewalt – es macht uns zum Akteur – es gibt mir und Dir eine Rolle in den abstrakten, oft so fürchterlich und überwältigend erscheinenden Geschehnissen.
Und – es macht das Geschehen – den „scheinbar unaufhaltsamen Lauf der Geschichte den Bach der Bäche hinunter“ zu einem Prozess, der immer wieder Gestaltungs- und Eingriffsmöglichkeiten hervorbringt.
Und – dieser Fluss scheint sich dann auch bald in seiner Strömung als beeinflussbar – als Wasserlauf, der den Gesetzen einer von Menschen bestimmten Schwerkraft gehorcht darzustellen. Und – als Fluss, der auch den Gesetzen der Vielen, die sich an seinen Ufern gestrandet wähnen zu gehorchen vermag.

 

Diese Veränderung des Flusses auch der Zeit betrifft denn auch entscheidende
Momente, die es im Sinne der „Planbarkeit“ – und des „Besser-vorbereitet-seins“
zu erkennen gilt.

Momente, in denen man oder frau aufstehen kann – in dem Du oder ich sagen können:
„So nicht!“ – oder – „Ja – so ist es gut!“ – oder – „Da müssen wir hin!“ – besser – „Da wollen wir hin!“

Punkte, an denen der Wasserlauf eine neue Eindämmung – andere, an denen er eine neue Aufweitung mit frei zu haltenden Auenwiesen erforderlich macht.

Und – im Zuge der Prozesshaftigkeit entstehen so immer neue Korrektur-, Gestaltungs- und Eingriffsmöglichkeiten für den Einzelnen – die Gruppe – Menschen, die an „gesunden Entwicklungen“ für mehr Menschen – vielleicht gar „für alle“ Interesse haben.

Oder – die dieses „Interesse“ – dieses „Dazwischen-und Miteinander-sein“ wieder entdecken möchten.


Ein solches „Spiel mit Varianten und Möglichkeiten“ soll also die Dinge besser (be-) greifbar machen. Und – uns macht es zu handelnden Personen, die Rechte und Pflichten wahrhaben sollen in diesem Plan- oder Rollenspiel mit vielen Variablen und den entsprechend dargelegten Handlungs-/ und Ereignissträngen.

 

Die Vergabe von Rollen ermöglicht dann auch, dass etwa die Motive und Beweggründe anderer Akteure nachvollziehbar werden. Wenn ich mich (im Spiel) auch mit dem „fiesen und unsympathischen Gegner“ auseinandersetzen muss – wenn ich gar seine Rolle mit einer dezidierten Beschreibung zugewiesen bekomme, dann werde ich zwangsläufig bald auch seine Motive ergründen müssen. Vielleicht werde ich gar eine gewisse „Empathie“ für mein Gegenüber empfinden und – im Spiel denn auch Spaß daran empfinden, in diese mir zunächst alles andere als sympathisch erscheinende Rolle zu schlüpfen.
Vielleicht werde ich darüber gar erschrecken – über mich und meine eigene Identifikation in diesen Momenten mit dem, was ich vorher vielleicht gar als „das Böse“ schlechthin verurteilt habe.
Die Reflexion darüber – und die gemeinsame Auswertung ist dann einmal mehr wesentlich.


Es handelt sich letztlich immer um Menschen, die da die Dinge „verwalten und / oder gestalten“. Menschen, die auch später allzu häufig als katastrophal erachtete Entscheidungen zu verantworten haben. Menschen, die im Prinzip häufig „das Beste“ beabsichtigen – jedoch dabei den Blick für „das Große und Ganze“ immer wieder aus dem Blickfeld verlieren.

Menschen, deren Entscheidungen – und deren Potenziale für diese Entscheidungen letztlich immer auf ihren gemachten Erfahrungen – und dem „kollektiven Gedächtnis“ des Ortes ihrer Herkunft basieren.

Menschen wie Du und ich.


Insofern können die verschiedenen Szenarien auch als Vorlagen für Plan- und Rollenspiele etwa in sozial- oder politikwissenschaftlichen Seminaren – aber auch in wachen Gruppen von vielleicht eher politisch uninteressierten Menschen dienen.

Menschen, die aber allesamt irgendwie die Sehnsucht nach einer „Gemeinschaft“ verspüren. Denn – trotz allen „Individualismus“ sind wir doch alle irgendwie abhängig von dem, was unsere „Mit- und Umwelt“ darstellt.

 

Das Ganze dient letztlich dazu, wache Gemeinschaften zu begründen.

„Resilienz“ und „Widerstandskraft“ von Einzelnen und von Gemeinschaften – insgesamt von Gesellschaft sollen so wesentlich gestärkt und in konstruktive Richtung gelenkt werden können.

Auch „politische Willensbildung“ geschieht so auf einer anderen Ebene.

Das „Politische“ wird dabei im aristotelischen Sinne als jedem in einer Gemeinschaft lebenden Menschen eigene Wesenhaftigkeit betrachtet.

„Integration“ und „Inklusion“ nehmen so Gestalt an.

 

Akteure, die ihr eigenes Leben und das ihrer Familie – ihrer unmittelbaren Umgebung zu gestalten vermögen sind immer wacher als passive, verdrossene Zuschauer, die mit beklommener Ohnmacht einem Schauspiel beiwohnen, in dem sie selber sich keine Rolle zu geben vermögen. Oder – in denen ihnen andere nur die Position des Zaungastes zuweisen.

„Täter“ und „Opfer“ – und auch die kontinuierliche „Schuldfrage“ sollen im Sinne einer von Lernfähigkeit und Empathie bestimmten offenen Entwicklung immer wieder überprüft und vielleicht gar in manchen Fällen irgendwann obsolet werden.

 

Der Verfasser würde sich über eine entsprechende Benachrichtigung, wenn man seine Vorlage hier weiter verwendet sehr freuen.

Würde er gar da mit einbezogen werden –

würde man ihm gar mit Rückfragen begegnen,

dann wäre seine Freude noch größer.

Würde man gar seine Mitarbeit begrüßen und seine Vorschläge prüfen -
dann möchte er mit einer tiefen Verneigung vor Bertolt Brecht sagen –
dann wären damit er und alle anderen auch geehrt.

 

 

 

 

 

 

 

Erich Kästner sagte in einer Rede am 10. Mai 1958 zum 25. Jahrestag der Bücherverbrennung: „Die Ereignisse von 1933 bis 1945 hätten spätestens 1928 bekämpft werden müssen. Später war es zu spät. Man darf nicht warten, bis Freiheitskampf Landesverrat genannt wird. Man darf nicht warten, bis aus einem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muss den rollenden Schneeball zertreten. Die Lawine hält keiner mehr auf.“

 

 

 

 

Ziele (erster Entwurf einer + Synthese aus den 37+ Thesen)
Vier Eckpfeiler für den Bau eines neuen europäischen Hauses
sind hier zu finden.  

 

 

Deutsch / English

 

 

 

 

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