WOCHENSCHAU 37 / 17

Tabus im Wahlkrampf und ein                               „Aufstieg des Realismus“

 

Kalenderwoche 37 – 11.- 17. September 2017.

Drei einfache, aber sehr kluge Menschen vom Boden der Tatsachen haben

in dieser Woche den Wahlkampf um wesentliche Themen bereichert. Themen,

die von den Haupt-Protagonisten immer verdrängt oder gleichförmig im politischen

Duktus in den Dschungel der Gesetzgebung für den Sankt-Nimmerleinstag

geschickt wurden. Und – diejenigen, die solche Tabus anrührten gleich mit.

Das geht aber im Wahlkampf nicht mehr so leicht.

 

Da ist ein 21-jähriger Krankenpflegeschüler – Alexander Jorde aus Hildesheim,

der die Sachen mutig auf den Punkt bringt. Es mangelt überall. Vor allem -

an mittel- und langfristigen Konzepten. Meinetwegen auch - "Visionen".

Bei gestiegener Lebenserwartung muss mancher sich häufiger in ärztliche – und

pflegerische Obhut begeben. Von der geringeren Lebenserwartung – aber gegebenenfalls

höherer Pflegebedürftigkeit im Falle von lebenslanger harter körperlicher Arbeit und von

relativer ökonomischer Armut dazu soll hier gar nicht erst gesprochen werden. Und -

die Debatten dazu werden kaum von Journalisten angestoßen. Sondern von denen

"ganz unten" oder - wie in diesem Falle  - "ganz am Anfang".

 

Und – dann ist da der 32-jährige, also gleichfalls noch recht junge Facharbeiter im stetigen

"Leiharbeiterstatus" Daniel Grüneke aus Leer in Ostfriesland.  Was er da sagt und wie

er es schreibt - das sind Zustände in einem Land, in dem wir gerne leben wollen" und

dem es ja bekanntlich "sehr gut" geht, die inzwischen häufig die Regel, nicht die Ausnahme sind.

Und - da müssen wir dringend raus. Das geht nur über die völlige Neubewertung von Arbeit und

Lohnarbeit. Eine Debatte, für die der gute Mann hier einen wertvollen Beitrag abliefert als

Ausgangsthese für den Missbrauch aller Werte und Normen im Status Quo.

Dass ich den Brief an die CDU bei der vielfach als „unglaubwürdig“ erachteten „Russia Today“

fand – das sorgt da teilweise für mehr Diskussionsstoff als der Inhalt, den viele Bürger hierzulande

tausendfach schreiben oder unterzeichnen könnten. Aber – der im Wortlaut bei RT abgedruckte

Brief erscheint auch auf anderen Foren.

Wie Daniel Grüneke das beschreibt, die Zwickmühlen und Teufelskreise im Rechtsdschungel,

in dem nur der Stärkere die Machete führen darf -  das ist große Klasse. Respekt.

Bin zwar "Akademiker" - Architekt - aber - ich habe genug von solchen Geschichten miterlebt

in der "Markt-konformen Demokratie". Und - derzeit – Handwerksfirmen, die Hände ringend

Leute suchen aber keine finden und ihre Behandlung im "Bauboom" - die härtesten Geschichten

schreibt das Leben. Die meisten Leute glauben das oft gar nicht. Aber - so isses.

 

Petra Vogel, berentete Putzfrau und Gewerkschafterin aus Bochum ist bisher die dritte,

die hier die Tage Merkel's CDU - aber letztlich auch das von der Groko verwaltete

Stagnationssystem gut öffentlich demontiert hat. Sie entlarvt eben ganz geschickt das, was

auch mindestens der Hälfte der geburtenstarken Jahrgänge aus der Mitte der 1960er erst

Recht blüht und - was für immer mehr Rentner eben heute schon traurige Realität ist - nach

hartem Erwerbsleben kann man sich gar nichts mehr leisten - Oper-, Theaterbesuch, Reisen,

Teilnahme am öffentlichen Leben - Fehlanzeige. Und - zu den Jahrgängen dann nach uns,

die jetzt noch wie der Pflegeschüler aus Hildesheim engagiert in Job und Karriere starten,

sollte man sich bei weiter verfolgtem "linearem" und "mit ruhiger Hand" gebügelten Verlauf

der Dinge gar keine Gedanken mehr machen.

Nicht nur Putzfrauen, auch Taxifahrer oder Bäckereifachverkäufer. Für die müssen Sie etwas tun.“ –

sagte Frau Vogel der um Absolution bemühten Kanzlerin nach der Sendung. 

 

Friseure und Haarschneiderinnen, Polizisten und ihre weiblichen Kolleginnen – die Liste

kann beliebig verlängert werden. Und – im Kleinklein des derzeitigen Gesetzesdschungels,

der da die stetige Unfairteilung von unten nach oben und damit das Einknicken vor Begehrlichkeiten

von Lobbyisten von Seiten der Politik stetig deckelt bleibt so alles beim Alten.

Es wird also schlechter – ob mit oder ohne AFD.

 

Warum aber ist das so?

Ist „Globalisierung“ eine Einbahnstraße – ein Höllenritt in den „Kampf der Kulturen“,

der irgendwann dann zum Endkampf jeder gegen jeden wird? Und – ist Deutschland da eine Insel?

Abgesehen davon, dass man von „Endkämpfen“ oder sonstigen vermeintlichen

Lösungen dieser Art wirklich genug haben sollte in D.

 

Ein kurzer Blick nach draußen macht da indes einige Warnsignale deutlich:

Der italienische Finanzminister Pier Carlo Padoan fordert eine europäische

Arbeitslosenversicherung. Er tut dies auch, weil der Druck von Seiten der Partei

der Fünf-Sterne-Bewegung für eine Volksabstimmung über den Verbleib Italiens im Euro

größer wird. Derzeit wäre ein „Ixit“ – besser – eine „uscita di emergenza“  -

ein Notausgang Italiens sicher logische Konsequenz einer solchen Abstimmung. 

 

Harald Schumann kommentiert denn auch im Tagesspiegel den Aufruf von

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zu einer Neugründung der EU mit der Überschrift:

Demokratisches Europa? Ist uns doch egal!“

Wollen oder können die "Wahlkämpfer" um den Bundestag die Schüsse,

die von draußen näher kommen nicht hören?

 

Und – das sind ja keine wirklichen Schüsse. Sondern nur Warnsignale.

Flüchtlingspolitik - Besonders das Elend der Rohyngias dort zwischen Myanmar und

dann auch an ihrem „Zufluchtsort“ Bangladesch zeigt, dass nur "Hilfe zur Selbsthilfe

am Herkunftsort von Flüchtlingen" und eine radikal veränderte Außenpolitik - besser -

"Welt-Innenpolitik" auf Dauer die Themen Migration und Integration auch von hier aus

überhaupt noch steuerbar macht.

 

Und "Präsident Trump`s neue Strategie für die Region"  - Afghanistan und der

vermehrte Einsatz nun dort von B-52 Bombern:

Es ging ja nie wirklich darum, dieses Land zu "befreien" oder gar - zu befrieden.

Das sagt mir auch meine Erfahrung als „Aufbauhelfer“ für einen Aufbau, der keiner ist.

Mein Arbeitsplatz in Kabul 2009 /10. Und - jetzt versucht man eben von Seiten der US das,

was die Sowjets mit Panzern gemacht haben aus der Luft zu erreichen. 

Es geht ja auch in erster Linie um Bagram - und einen Brückenkopf in der Region gegen

Russland und besonders China.
Wir hängen wie der Junkie an der Nadel der Rüstungsindustrie - des militärisch-industriellen

Komplexes besonders der US, die nur noch so ihr Giga-Außenhandelsdefizit "ausgleichen" können.

Und – die völlige Aussichtslosigkeit einer Luftoffensive a la Trump nun über Afghanistan dokumentiert

ja auch Danny Sjursen, US –Veteran, der im Irak und in Afghanistan war.  

 

Ach ja – zu Beginn der letzten Woche war ja auch ein denkwürdiger Jahrestag.

Selbst ein früherer Abteilungsleiter für Wirtschaftspolitik im Finanzministerium der Regierung Reagan

und ehemaliger Mitherausgeber des Wall Street Journal, Paul Craig Roberts sagt

in einem Rubikon Interview:

„Kein Mensch mit Hirn glaubt der offiziellen Darstellung zu 9/11“

 

Es gibt nur noch wenige Wege heraus aus diesen Spiralen.

Das erfordert aber harte Arbeit. Und Blicke über die Tellerränder hinaus.

Ginge es um Menschen - nicht um "Politik" und erzwungenen, also reichlich "undemokratisch"

herbeigeführten Regimewechsel - dann müssten sich die Verantwortlichen in Berlin und Washington

sicher fragen lassen, warum sie nicht eine UN-Konferenz zur Aufbauhilfe für Syrien einberufen.

Und - warum der notdürftige Aufbau, den Russland dort leistet erst einmal hier gar nicht thematisiert wird. 

 

Aber – das ist ja die Crux bei allen medialen und realen Nebelkerzen und – medialen

und realen Stellvertreterkriegen und Schattenkämpfen – ob im Wahlkrampf oder davor oder

dahinter – es geht um Macht und Verschleierung von Ohnmacht.

Und – in solchen Zeiten wie diesen – auch um ganz schmutzige Spiele.

Menschen – auch Wähler – sind da nicht weiter von Belang.

Umso wichtiger, dass sie ihre Stimme erheben.

So, wie es die drei am Anfang hier,

Alexander Jorde, Daniel Grüneke und Petra Vogel getan haben. 

 

 

 

WOCHENSCHAU 35-36 / 17

„Unterwerfung“, „Die Kaste“ und                                   „Die Bevölkerung ist der Chef“

 

Kalenderwoche 35-36 – 28. August - 10.September 2017.

Wie man es auch dreht – die Szenarien für den Ausgang der Bundestagswahlen

in 14 Tagen erinnern in manchem an einige Szenarien, die Michel Houellebecq

in „Unterwerfung“ für ein zutiefst gespaltenes Frankreich entwickelt hat.

Mit dem feinen Unterschied, dass die Wut des Deutschen, der schwarz auf weiß

geregeltes Gesetz über alles zum Leben braucht sich zumeist ganz eigene Kanäle sucht.

Und umso mehr auch zu fürchten ist.

 

Zeigte Martin Schulz noch kurz vor dem „TV-Duell“ souverän Haltung,

indem er das öffentliche Winseln einer Verlegerin, doch mit einer Aufweichung

des Mindestlohns für Zeitungszusteller das systemrelevante Pressewesen zu

entlasten ganz deutlich abstrafte, so geht es seit diesem „TV-Duell“ immer polarisierter zu. 

 

Beim "Duell" fehlten letztlich die Akzente, die da gezeigt hätten: Bei uns gehen die

Dinge endlich in eine andere Richtung. Wie auch, wenn man als Junior-Partner

einer großen Koalition viel zu lange die Füße still gehalten hat gegenüber der

geschickten Verwalterin der Macht im Kanzleramt. Und - die Karte konnte

Merkel immer wieder geschickt ausspielen. Das ist tragisch - so wie der Tod

des Kameramannes aus ähnlichem Grund. 

 

Am Tag darauf fiel mir ein mehr als ein Jahr altes Interview mit dem Kölner Armutsforscher

Christoph Butterwegge wieder in die Hände. Das Interview, in dem Butterwegge der SPD

eine Mitschuld am Aufstieg der AFD gibt hätte auch an jenem „Tag eins nach dem TV-Duell“

eine Schlagzeile bilden können. Beim "Duell" am Vorabend gingen manche Punkte ganz

deutlich an die AFD. Auch wenn die gar nicht im Studio saß.

 

Und – seitdem spitzt sich alles immer mehr zu.  

Zwar sagt der gute Heinrich Schmitz „Straße brennt? Ach was!“

aber ist da wirklich Entwarnung geboten?

 

Auch (virtuelle und „reale“) Freunde von mir bekennen sich inzwischen offen zum rechten Protest –

und zur AFD mit dem offenen Rand nach ganz rechts, Und – bei allen Auftritten danach

konnten die Rechten punkten.

 

Was heißt das im Hinblick auf mögliche Wahlausgänge und Regierungsbildungen:

  1. Schwarz-Gelb erhält eine nicht ausreichende Mehrheit. Mit den Grünen reicht es knapp
    für eine Regierungsmehrheit. Die SPD als stärkste Oppositionspartei sieht sich einer AFD
    mit knapp zweistelliger Zustimmungsrate gegenüber. Sie muss dabei auch wesentlich
    stärker mit der Linken kooperieren. Und gleichzeitig endlich wieder ein Profil – auch bei
    Verdrossenen und Protestlern aufbauen. Der Hinweis alleine auf
    „schwarz-gelbe Versäumnisse“ etc. in Bund, Länder und Kommunen –
    das nimmt den Sozialdemokraten keiner mehr ab. Zu Recht.
  2. Jamaica  - Schwarz-Gelb-Grün schafft es nicht ganz. Eine schwache Minderheitsregierung oder
  3. Eine Neuauflage der Groko? „Gott bewahre“  - mag jetzt mancher denken.
    Zu Recht.

 

Auch Michel Houellebecqs „Unterwerfung“ wurde von Pegida und Konsorten vereinnahmt.
Das Planspiel einer schleichenden Machtübernahme einer autokratischen muslimischen Partei
im laizistischen Frankreich weckt genau jene Ängste, die sich von Sarrazin bis zur AFD recken.

Wo „Gutmenschen“ zum Schimpfwort werden und jegliche Verhältnismäßigkeit
„demokratischer Kultur“ bald niedergebrüllt wird. Und – dann ist es auch
nicht mehr weit zum Niedertrampeln derselben. 

Besagte „demokratische Kultur“ jedoch ist schon lange massiv beschädigt. Das Erstarken der AFD

ist da nur ein viel zu lange „ausgesessenes“ Symptom. Wie auch immer die Wahl ausgeht –

alle Vertreter dessen, was in Italien schon 2007 von zwei gestandenen Journalisten des

Corriere della Sera in einem Bestseller als „politische Kaste“ bezeichnet wurde sind gefordert,

nun endlich auf diese lange verschlafenen Themen hin zu reagieren. 

Überhaupt einmal mehr wahrzunehmen, was einer der aufrechtesten letzten
Sozialdemokraten da sagt, 
der Dortmunder MdB Marco Bülow:

„Die Bevölkerung ist mein Chef“. 

 

 

 

WOCHENSCHAU 33 / 17

Von der „ETHIK DER MIGRATION“  „ÜBER GRENZEN HINWEG“ zu einer „ETHIK AUF DEM BODEN DER TATSACHEN"

 

Kalenderwoche 33 – 14. bis 20. August 2017.

Migrationsdebatten kochen immer wieder sehr hoch. Wie Julian Nida-Rümelin eine
Ethik der Migration“ beschreibt - das ist schön.

 danke, Udo Tschorn dafür.

Ein „humanistisches Verständnis von Politik“ innerhalb einer solchen Ethik jedoch erfordert

weitaus mehr gerade auch den Austausch mit anderen Fakultäten.

„Globale Gerechtigkeit“ kann nur auf dem Boden der Tatsachen realisiert werden.

Dazu sind nicht nur schöne Worte erforderlich – sondern  auch – Handeln.

Beherztes Handeln. Und mehr. Sagen wir jetzt einmal – „politisches Handeln“. 

Nida Rümelins Loblied auf das „tolerante Italien“ und Migration dort vergisst zum Beispiel,

dass gerade die kalabresische `Ndrangheta viel vom Chaos der Flüchtlingskrise profitiert
und einen neuen Geschäftszweig erobert hat. Und somit – ehrliche Italiener –
ob in Kalabrien oder sonst wo einmal mehr ins Gesicht schlägt.
Dazu kann Petra Reski wieder weitaus mehr sagen.

Hierzu sei aber nochmals betont, dass die Staatsanwaltschaft Palermo,
die sicher eine der härtesten, mutigsten und schlagkräftigsten Staatsanwaltschaften
nicht nur in Europa ist meines Wissens auch die am weitesten gegen Schleuserringe
ermittelnde juristische Instanz im Mittelmeeraum ist.

 

Die Erfahrung von Menschen auf den Böden der Tatsachen ist da ganz maßgeblich.

Sonst erstarrt vieles zu schöngeistigem Gerede, das aber von der Kanzel her gepredigt

einfach verpufft. Weil es die Lebensrealitäten der meisten Menschen nicht trifft.

Ihr Gehör überhaupt nicht erreicht.

 

"Jeder weiß, dass wir das Problem von Armut und Kriegen auf dieser Welt nicht

durch die Aufnahme von Flüchtlingen lösen können", sagt die Linken-Spitzenkandidatin

Sahra Wagenknecht. Und – sie hat in diesem Punkt mehr als Recht.

Und - es ist gut, dass sie dies auch so ausspricht.

 

Wie aufgeheizt dann jedoch die Debatte wird – das hat’s schon in sich.

Eddie Lange und ich – wir waren beide in Afghanistan. Das verbindet uns sehr.

Eddie als erfahrene Journalistin hat einen Fernsehsender dort mit aufgebaut.

Sie spricht von vielen Kollegen dort genauso liebevoll wie ich von „meinen Ingenieuren“.

Wie einer der Leiter der Hubschrauberschule in Kabul – ein hoher US-Officer von „seinen Piloten“,

die er und seine Kollegen auf alten sowjetischen Hubschraubern zu Piloten ausgebildet haben.

Jener Officer, der mich irgendwann nach längerem Gespräch vertraulich fragte:

„Warum klappt hier nicht, was bei Euch seinerzeit geklappt hat?“

Er meinte Deutschland nach dem 2. Weltkrieg. Und – unser Gespräch dauerte dann

natürlich noch viel länger. Ein Freund – ein abgeklärter „bewaffneter Sozialarbeiter“,

der mit mir, dem „zivilen Aufbauhelfer“ dort in vielem völlige Einigkeit erreichte.

Gerade mit Eupol-Ausbildern – erfahrenen deutschen Polizisten dort

führte ich ähnlich angeregte Gespräche.  

 

Es war 2009 / 10, als ich in einer britisch-amerikanischen „Nicht-Regierungs-Organisation“

dort ein „Regenerationsprojekt“ für einen Teil der Altstadt der afghanischen Hauptstadt geleitet habe.

Dabei bildete ich mit einheimischen „Senior-Engineers“ und westlichen Beratern örtliche Teams

aus Architekten und Ingenieuren – aber auch ungelernte „wissensdurstige Hilfskräfte“ am

Projekt selbst weiter. Im wichtigsten Projekt wurden die Themen Städtebau,

„nachhaltige urbane Wasserwirtschaft“ und „Installation eines rudimentäres Baurechts“

zur Vermittlung zwischen starken privaten Interessen („Landlords“= Grundstückseigentümer und

potenzielle „Warlords“) und schwachen Gemeinwohl-Interessen zusammengeführt.

Aber – Bürgschaften für ein solches Pilotprojekt von Seiten der Weltbank blieben aus.

Ein Projekt, das unmittelbar an den Kriegs- und Fluchtursachen ansetzte wurde nach ca. einem Jahr

Vorplanung mit ca. 600.000 Dollar Einsatz vor dem „ersten Spatenstich“ gestoppt.

Wenn jedoch hier von „Hilfe zur Selbsthilfe von Flüchtlingen“ gesprochen wird  -

warum wird nicht auf solche Erfahrungen zurückgegriffen?

 

Ein anderer Punkt – etwas von dem Eddie auch ein Lied singen kann:

In einem asymmetrischen Krieg muss man jeden Moment auf einen Angriff gefasst sein.

In der Regel, diese Erfahrung habe ich so gemacht hält man das drei Monate aus.

Dann wird man unvorsichtig oder überängstlich – bis paranoid. Man hört Hasspredigten,

man sieht Granateinschläge – nachts wacht man auf von einem Knall – man lauscht – nichts weiter –

nur der Gasofen einer Bäckerei wahrscheinlich – wenn danach noch Schüsse folgen

lauscht man den Kalibern, dreht sich irgendwann um – und schläft weiter.

Wenn man über einen vollen Marktplatz geht und den „bösen Blick“  verspürt –

dann geht man dorthin und redet man mit dem Anführer von meistens mindestens

drei Männern mit Langhemden, unter denen wer weiß was verborgen sein könnte –

über das Wetter, die Familie, das Essen –

die kleinen schönen Nebensächlichkeiten des Alltags. Der Anführer – er wird als Moslem

gegenüber seinen Kumpels sein Gesicht verlieren, wenn er einen dann schlecht behandelt,

wenn man seine Waffenlosigkeit – und seine Mission kurz darstellt.

Solche pragmatischen Dinge jedoch begründen eine

Ethik der Arbeit auf dem Boden der Tatsachen

am Herkunftsort von Flüchtlingen – am Kriegsort.

 

Im falschen Moment am falschen Ort sein – das kann jedoch dennoch immer geschehen.

Und – das ist es, was sowohl Eddie als auch mich erschreckt.
Die Flucht- und Kriegsursachen werden weiterhin viel zu wenig bis gar nicht angegangen.

Und – man wird ganz schnell brüskiert und beleidigt, wenn man offen sagt, dass alleine

aufgrund der Größe der Zahl von Menschen, die auch teilweise leeren Versprechungen

von „goldenen Bürgersteigen“ u.ä.  folgen – die aber auch unsere Sozialsysteme –

und eine Verwaltung, die zudem sehr reaktionsträge ist überfordern drastische Änderungen

erforderlich sind. Und zwar „Über Grenzen hinweg“. 
Mithin - über den Tellerrand auch der verwalteten Politik hinaus.

 

Die Anschläge in Barcelona trafen mich denn auch sehr persönlich.
Barcelona ist für mich eine der schönsten Städte der Welt.
Ein Ort, der mit vielen schönen Erinnerungen verknüpft ist. 
Krieg und Terror dürfen das nicht zerstören. 

Ich hoffe, dass es guten und engen Freunden dort, zu denen ich leider
irgendwann den Kontakt verloren habe - dass sie wohl behalten sind. 

Über die Ramblas bin ich so oft mit meiner damals kleinen Tochter spaziert.
Und – der Tod eines Kindes ist für die Hinterbliebenen – ganz gleich,

woher man kommt, welche Hautfarbe, welche Religion man als Eltern hat das Schlimmste.
Das verschwommene Bild eines italienischen Kindes dort auf den Ramblas

erschütterte mich insofern ins Mark. Zumal Italienisch meine zweite Sprache ist.

Trauer und Schmerz sind sehr persönliche Gefühle. Mehr als mein Mitgefühl mit den

Angehörigen der Opfer kann ich nicht ausdrücken. Und den tiefen Wunsch, dass der Terror -

und der Krieg gegen den Terror - dass diese Grausamkeiten endlich aufhören.
Dass WIR endlich andere Wege finden. 
Gemeinsam Mensch sein und werden. Trotz alledem.

 

Zum Thema von Flucht und Vertreibung durch Krieg und Armut bedarf es

einer gewissen Demut. Einer Demut, die den Menschen in erster Linie als Menschen betrachtet.

Die ihm oder ihr ihren Stolz – ihre Ehre belässt.

Das betrifft auch die Diskurse dazu.

Das betrifft auch die Achtung vor dem Schmerz, den die Erfahrung gebiert.

 

 

Eine meiner besten Lektionen in dieser Art hat mir einmal Lee Saunders gegeben.

Der untersetzte Steinmetz aus Dorset mit dem Union-Jack-Tattoo auf der Schulter und

exzellente Bauleiter und ich waren im Panjshir-Fluss nördlich von Kabul zwischen zwei

der vielen sowjetischen Panzerwracks dort geschwommen. Nach dem erfrischendem Bad

in dem reißenden Gebirgsfluss standen wir in der Sonne am Ufer und ließen uns trocknen.

„Das ist kein Land für Panzer“, sagte Lee, der vier jahre in der Royal Army gearbeitet hatte

bevor er dann zu „Ärzte über Grenzen“ nach Schwarz-Afrika ging und da mehrere Jahre

im Entwicklungsdienst arbeitete.

Ich sah ihn kurz an und fragte dann: „Ist es ein Land für Hubschrauber?“

Lee sah mich mit seinem schelmischen, wunderbaren Lächeln an und bemerkte dann,

mit leisem, zu Recht spöttischem Unterton:

„Das ist kein Land, das Du jemals mit Waffen erobern kannst!“

Ich schämte mich in diesem Moment etwas für meine Dummheit.

Aber – ich war auch Lee unendlich dankbar.

Ein Land wie Afghanistan – und Kriege allgemein kann man nicht mit Waffen gewinnen.

Das geht nur mit vielen Kräften, die den Menschen vor Ort ihren Stolz, ihre Ehre –

und ihre Lebensgrundlagen mit ihnen wieder herrichten wollen.

Das geht nur mit offenen Herzen – und Armen.

Und viel Aufmerksamkeit. Dem Willen, sich selbst zu bewegen.

 

Nur so kann eine ETHIK DER MIGRATION“  „ÜBER GRENZEN HINWEG“ zu einer

ETHIK DER ARBEIT AUF DEM BODEN DER TATSACHEN“  werden.

 

 

 

WOCHENSCHAU 32 / 17

 

Kalenderwoche 32 – 7. bis 13. August 2017.

Wenn wir da wirklich wieder das Erbe der "Sozialen Stadt" wiederbeleben wollen,

dann müssen wir schon der Komplexität der Themen geschuldet vielschichtig vorgehen.

Architektur und Stadtplanung funktionieren in diesem Sinne eigentlich auch hier nur noch ganz

maßgeblich mit einem aufzubauenden vielfältig agierenden, die Menschen motivierenden Quartiersmanagement.

Da sind solche Leute wie Thor Clemens, Streetworker in Köln ganz wichtige Partner.

So wie ich auch viele "bewaffnete Sozialarbeiter" neben manchem, dem ich lieber keine Waffe

in die Hand geben würde als Soldaten und Wachen in Afghanistan erlebt habe bedarf es engagierter Leute –

und ebensolcher strategischer Ziele. Von den Polizisten, gerade auch von Eupol, mit denen ich mich da lange

über "ihre und meine Mission" unterhalten habe ganz zu schweigen. 
Aber - dazu hat Thor mehr zu
sagen als mancher, der nur die Form des Gebauten sieht.

Ohne darauf zu achten, ob und wer das wie bezahlen kann.

Ob und wer da wie leben – wohnen und arbeiten kann.

Und – so auch Glück und Hoffnung für sich und seine Familie zu finden vermag.

 

„Bürger in einer bayerischen Kleinstadt leisten wertvolle Friedensarbeit.“ –

so ist ein Artikel auf den Münchner Nachdenkseiten überschrieben.

Ludger Elmer und andere motivierte Bürger – überwiegend Rentner und Pensionäre

zeigen da einmal mehr diese kleinen Tropfen im Ozean auf,

die einem so etwas wie eine leise Spur Hoffnung zu geben vermögen. 
Hoffnung, dass sich die Dinge ja vielleicht doch irgendwann zum Besseren bewegen könnten. 

Aber – Theo Fruendt entgegnet sogleich, dass es den meisten Menschen ja doch egal sei,

was in Jemen, in Syrien und an allen anderen Krisenorten geschehe.

Solange nach einem Geldwäsche-Deal, bei dem ein Fußballer für fast eine Viertel Million Euro

die Fahnen wechselt Hunderte begeistert zusehen bei der Ankunft des neuen Kickers und

Trikots für 100 Euro kaufen, die in Bangladesch für 50 Cent gefertigt wurden –

solange „Teile und Herrsche“ bedingungslose Maxime jeglicher Politik ist –

so bleibt zu fürchten, dass erst beim Jobverlust derjenigen, die da dem

Menschen-, besser Geldhandel mit Fußballern zujubeln sich etwas verändert.

Und – auch das wird nicht geschehen.

Der Fisch stinkt vom Kopf her.

 

 

Theo, dessen Fotos von den Massengräbern von Srebrenica ihn sicher genauso geprägt haben wie mich meine Erfahrungen in Afghanistan – und später in China und dann in Indien und Bangladesch.

Dinge, die man nie wieder abschütteln kann.

 

Der Fisch stinkt vom Kopf mit den matten Augen dort her.

Und – Eddie Lange, die ja auch in Afghanistan als „Aufbauhelferin“ in ganz anderer Mission
als unsereiner war – sie bemerkt zu Recht, dass die meisten einfach keine Kraft mehr haben,
sich für die „anderen Länder da draußen“ zu interessieren.

Jeder ist bemüht, halbwegs heile über die Runden zu kommen. Irgendwie halt. 

 

Manfred Hulverscheidt`s Analysen - sein präziser Blick auf die Dinge erstaunen dann immer wieder auf's Neue.
Was Krieg und Zerstörung auf den Böden der Tatsachen anrichtet - das ist das Eine.
Was weiterhin mit den Menschen, deren Existenz von dieser Scholle abhängig ist geschieht
- das kann man sich bald darauf ggf. ausmalen. 

 

 

Auch eine UN-Untersuchung der Auswirkungen der Ende der 90er Jahre fertig gestellten Atatürk-Staudämme

im türkischen Ost-Anatolien auf den Euphrat im Irak und Syrien -

auf die Existenzen von Kleinbauern und Fischern dort ist lange überfällig.

 

Manfred sagt, er habe bei Bearbeitung der Bilder an mich gedacht.

Genaue Blicke auf Google Earth-Bilder aus dem Zeitraum von 2009 bis 2016.
Aber - ich war in Afghanistan.

Dort in Syrien nicht. Ich würde dort hinreisen, wenn es Auftrag und Bezahlung von hier gäbe. 

 

 

Aber - dafür muss sich deutsche Politik um 180 Grad drehen.

Man müsste Verantwortung übernehmen - und - das Gerede von

"Hilfe zur Selbsthilfe am Herkunftsort von Flüchtlingen" Ernst nehmen -

genauso ernst wie die Sorge um wertvolle Kulturgüter - und die Menschen zwischen

den Mühlsteinen verlogener Politik - hier wie dort.
Und - man müsste weniger kurzsichtig denken in ehedem sich "aufgeklärt" schimpfenden Regionen.

 

"Auftrag und Bezahlung von hier" betrifft die "(Wieder-)Herstellung

von (nachhaltigen) Systemen der Wasserwirtschaft
und Schulung lokaler Kräfte auch an Low-Tech-Systemen bei gleichzeitiger

Ausarbeitung von Partizipationsstrukturen mit örtlichen Nachbarschaften".
Also - viel und harte Arbeit.
Aber - Arbeit, die Perspektiven und Hoffnung geben soll - beiden Seiten.
Und - die auch von "bewaffneten Sozialarbeitern" gesichert werden muss. Zumindest die ersten Jahre,

Vertrauensaufbau - und Aufbau tragfähiger und resilienter - aber offener Teamstrukturen
schon hier im Vorfeld - das gehört dabei zu den Kern-Herausforderungen.
Mithin - ein Interesse an den Menschen - und ihren Sorgen und Nöten.
Und ihren Enttäuschungen und Hoffnungen.

 

 

Und - nennt mich ruhig einen Träumer - die naiven Spinner sind diejenigen,

die noch von Freiheit und Menschenrecht schwafeln und für den kurzsichtigen Profit

ihrer Freunde auch Kopfabschneider unterstützen, die "Germans to the front" rufen

und niemals ihre eigenen Kinder dorthin schicken würden,

die mir und vielen anderen hier Alpträume machen von einer Welt, die im Chaos und Krieg untergeht,

die das natürlich fern von "ihrem Wahlvolk" halten möchten und das auch immer wieder schaffen.

Aber nur für Momente - weil sie eigentlich schon längst willfährige Vollstrecker einer

Maschinerie geworden sind, die alles vernichtet, was da noch Wert und Bestand hat -

alternativlos. Und - die uns diese "Alternativlosigkeit" weiterhin diktieren möchten.

Nein - ich mag die Alpträume, die mir diese feigen und hinterhältigen naiven Spinner bereiten nicht.

Ich verabscheue es, wenn Menschen nur verdrängen - und zerstören damit.

Und dies "mutwillig achselzuckend" in Kauf nehmen.

Nennt mich also ruhig - einen Träumer.

 

Es gibt immer Alternativen zu Krieg und Zerstörung.

Wer aber zu lange gezwungen ist, in die Hölle zu sehen, der verbrennt immer mehr.

Die Hölle des nur noch verwalteten „rasenden Stillstands!“ nimmt immer mehr Raum ein.

Sie macht immer mehr Menschen wahnsinnig. Menschen im „Teile und Herrsche-Zirkus“,

die gegeneinander gestellt werden. Bedingungslos.

Der Wahnsinn beherrscht da immer mehr.

„Wir Guten – Ihr Bösen!“ – sagen die Einen unentwegt.

 

Aber – nichts ist so.

Balzende Hähne spielen ihr ewiges Spiel unentwegt weiter.
Gockel mit ganz komischen Frisuren posen da zwischen Pjöngjang und DC.

„Fressen zwei Kannibalen einen Clown. Sagt der eine zum anderen: ‚schmeckt komisch, nicht wahr?’ “
So geht’s Immer weiter. Stellvertreterkriege im „Teile und Herrsche-Modus“.
Bis ans Ende aller Tage. „Übernimm Du meine Schulden und sei still!“
„Und meine Soldaten – meine Militärbasis bei Dir – die soll ja nur Dich schützen!“

Abgründe. Die uns immer näher an den eigenen Leib rücken sollen.

 

Wo steht die „Demokratie“?

Was ist „Neoliberalismus“?

Das reicht vom alltäglichen Kleinkrieg zuhause bis zum „Kampf der Kulturen“.

Vom „Krieg gegen den Terror“ bis zur völligen Aussichtslosigkeit desselben. 

Diejenigen, die da bedingungslos alles – jegliches Recht ohne Gegenleistung einfordern
und dies dann auch gewaltsam nehmen wollen – sie legitimieren dies im alltäglichen
Vergessen genauso wie diejenigen, die erst zaghaft – dann bestimmter mit dem Finger
auch auf solche Missstände zeigen.
Und die schnell dann allerhand Generalisierungen drauf haben –
DIE sind Schuld – und DIE –

auch wenn’s nur einer oder eine aus dieser Gruppe war.

Auch wenn*s nur der Boss ist, der da seinen Ego-Trip fährt.

Jeder ist sich selbst der oder die nächste.

Jeder nimmt sich, was er kann.

Kaum einer fragt noch, ob es ihm oder ihr denn auch zusteht.

Das letzte Hemd – der letzte Cent -
wer noch im täglichen Erwerbsprozess steht weiß, dass es schon bald wieder
vorbei sein könnte mit „Boom“ und „Schweinezyklus“.
Es ändert sich an diesen Aussichten – nichts.
Dafür garantieren die „Stagnationsverwalter“.
Hierzulande in erster Linie Merkel und alle anderen,
die sie in ihrem Schatten vergraben hat.

 

Man kann vieles machen, wenn man die Leute daran partizipieren lässt,
sie motiviert, ihnen die Möglichkeit gibt, sich selbst und ihre unmittelbare Umgebung zu gestalten.

Das zeigt denn auch „Assemble“ – ein Londoner Architekten-Kollektiv,
das mit seiner „Sozialen Architekturarbeit“ nun auch den Turner-Preis gewonnen hat.

 

„Assemble ist auch eine Geisteshaltung.
Räume schaffen, die es gar nicht gibt.
Für Menschen, die schon aufgegeben wurden.“

 

Und – dass es auch eine andere „Moderne“ gibt – dass so etwas wie „Assemble“
derzeit (noch) in Deutschland fast unmöglich ist –
das wird das Thema der nächsten Woche sein.  

 

 

 

 

WOCHENSCHAU 31 / 17

 

Der Name ist bewusst gewählt. Kein tiefer Blick auf ein spezielles Ding.

Eher – ein Überblick über viele Oberflächen. Dabei versuchen, nicht in die Abgründe –

schlecht gesicherte Baugruben und Ruinenfelder darin und dahinter zu fallen.

Aber – mir selbst und dem Leser manchen Blick in solche Untiefen nicht vor enthalten.

Eher – lächelnd am Rande des Abgrundes spazierend.

Wohl darauf achtend, dass keiner hinunterfällt.

 

Kalenderwoche 31 – 31. Juli bis 6. August 2017. Notizen aus kuscheligen Ecken und Winkeln

mitteleuropäischer Medien- und Meinungslandschaften, in die da immer wieder manches

Unwohlsein bringendes Grauen eindringen will.

Nicht nur von draußen.

 

Die Dieselaffäre, Teil 3, Folge 721 o,ä. -

Kartelle und ihr Plumpsen – und ihre „Rettung“ – für wen?

Es geht ja eigentlich immer nur darum, schnell genug mit dem Finger auf andere zu zeigen.

Und Haftung und Verantwortlichkeit zu klären. Selbstredend. Der Verbraucher ist dabei

in jedem Falle in Abhängigkeit von allem – auch von medial zu vermittelnden

Richtersprüchen zu halten. Die Demontage - besser - die "Kernschmelze" des maßgeblich

systemrelevanten Teils der deutschen Wirtschaft muss also langsam zu Lasten der

Verbraucher - und der damit wieder "Leibeigenen / Lohnabhängigen" - also der

"Gesellschaft" von Staats wegen eingeleitet werden.

Der sparsame Diesel war ja auch ein „Marktzwang“, den das deutsche, staatlich

motivierte und als solches gesteuerte Autoindustriekartell über Jahrzehnte

bedingungslos als „ultima ratio“ propagierte. Nun gilt es auch,  für alle "Marktzwänge"

von oben die blöden Verbraucher, die Gesellschaft da unten immer schön zahlen zu lassen. 

Auch, wenn der "Shareholder Value" dieser Kernindustrie bald in den Keller geführt wird.

Die Gesellschaft, die in der Demokratie ein Partner des Staates sein sollte.

Das Gemeinwesen, das in der Tyrannis Gegner des Staates wird.

Unfairteilung von unten nach oben – endlos. Bis alles platzt.
Oder – bis da mehr realisieren, dass Geld nicht sehr nahrhaft ist.
Dass es eigentlich überhaupt nicht schmeckt.

Aber – das haben die meisten einmal mehr der „Alzheimer-Doktrin“ des medial genial

gesteuerten schnellen Vergessens unterliegend ohnehin bald schnell vergessen.

Trotz Andreas Heil’s berechtigter Empörung.

Und – bald kommen da ja endlich auch konstruktive Vorschläge:
Ende offen. Aber - Aufmerksamkeit geboten.

Bei allen nun folgenden Schlammschlachten.

Bald sind schließlich Wahlen.
 

Der Hunger des an der Kandare gehaltenen Pferdes ist sprichwörtlich.

Ihm wird ständig das Wasser im Munde zum Laufen gebracht.

Aber – die Belohnung wird immer dürftiger.

So wird das stolze Tier immer mehr zum trägen, buckligen Gaul.

Auch beim Dauerbrenner „Sozialer Wohnungsbau“.

Mit "staatlicher Gießkannenpolitik" geht das nicht. Nicht nur in Bärlin ist das alles

zutiefst "neoliberal verkrustet". Bei allgemeinem Lohndumping sind 11,50 - 12 €

Mietpreis für den Neubau zu viel - ganz gleich ob B, D, K, HH, Ffm, DD, M oder

sonst wie "attraktive Städte / Vorzugslagen". Raus kommt man aus diesem

Loch nur mit Maßnahmen, die an mehreren Hebeln ansetzen, was Anreize zur

Gründung neuer Genossenschaften, Quartiersmanagement, rasche Anwendung

von Zweckentfremdungsverordnungen, Anreize und faire Wettbewerbsregeln

für klein- und großmaßstäbliches Bauen im Bestand u.v.m. betrifft. Und - klar -

regionale Ausgleichsmöglichkeiten usw. usf. Planerische Strategien,

die aufklärerische Partizipation beinhalten.

Die den Menschen Rechte – und Chancen geben.

Da hat das "rote Wien", wie Heinz Peglau  zu Recht betont eine ganz andere Tradition -

was die Bodenpolitik betrifft genauso wie beim Genossenschaftsbau.

Paradox wird`s jedoch, wenn man dann im Baumeister B 7 vom Juli 2017 liest eben über

Wiens Hochhausversuche am Donauufer: „Es offenbart, dass sich Stadtplanung in der

Donaumetropole vielfach auf das Management von Investorenwünschen beschränkt.“ –

Oder weiter gar: „Die Dimension eines Hochhauses richtet sich in Wien nicht etwa

nach architektonischen Gesichtspunkten, ... sondern ergibt sich aus der vom

Bauträger vorgebrachten notwendigen Mindesthöhe zur Erreichung

einer von ihm behaupteten notwendigen Mindestrendite.“

(Baumeister – Das Architektur-Magazin, 114. Jahrgang, B 7, Juli 2017, S. 88, 89).

Man erinnert sich an ein Gespräch mit Herwig Spiegl vom Wiener Architektenkollektiv

„Alles Wird Gut“, wo dieser dann auch verschmitzt sagte, dass es wohl immer am

schlimmsten sei mit allerhand Widerständen gerade auch von behördlicher Seite dort,

wo man gerade beschäftigt ist.

Wie wahr. Aber – ALLES WIRD GUT ist so denn auch ein überlebenswichtiges,

Vertrauen gebendes Motto.
Für das Bauen und Planen von Häusern und vielen anderen Dingen.

 

Der Knall dann in Niedersachsen, wo eine „Grüne“ das Zünglein an der Waage ist

und kurz vor der Bundestagswahl durch ihren „Seitenwechsel zur CDU“

eine Landesregierung stürzt - "Verantwortung" und

"Verfassungsauftrag eines (politischen) Mandanten"? Verrat am Auftrag des Wählers?

Denn – das Mandat nimmt der Schütze des überraschenden Eigentors gleich auf die andere Seite mit.

Niema Movissat zeigt da auf, dass solche heuchlerischen Spielchen vor dem eigenen Tor

und dann Überlistung des eigenen Torwarts  und darauf folgender Seiten- und

Mannschaftswechsel ja nicht gerade ein Einzelfall sind. Es scheint schauerlicher Normalfall

zu werden bei leicht korrumpierbaren „Mandatsträgern“ aller Couleur.

Die Folgen dieses speziellen „Eigentors“ waren Frau Twesten sicher klar.

Fragt sich dann auch, was sie von wem dafür angeboten oder in Aussicht gestellt bekommen hat.

Klar – keine Korruption. Nicht in Deutschland. Aber – ein gut honorierter Posten wird’s sicher bald sein.

Was ist das Tatmotiv eines (einzelnen) Amokläufers?

Das „seelische Befinden“ des Schützen sollte da auch nur am Rande

bei der Auswertung der Spuren interessieren.

Schließlich sollte es vielmehr um die Identifikation der Opfer der Tat gehen. 

 

Wo steht die „Demokratie“?

Was ist „Neoliberalismus“?

Ein Kampfbegriff. Alles und Nichts. Der Gebrauch von allem,

was da Bestand hat. Auch für eigene, persönliche Zwecke.

„Was nicht verboten ist, ist erlaubt!“

Gerade für den Zahlungskräftigsten. Unbedingt. 
Und – die eigene Zahlungskraft zu erhöhen – das ist ja kein Frevel! 

Solange man „im Rahmen des Erlaubten“ – also des Käuflichen agiert.

Und – Käuflich ist alles und jeder.

„Magische Hände“, die da die Arbeit der „Väter und Mütter

des Grundgesetzes“ langsam aber sicher zerstören.

Ziegel für Ziegel abreißen. Aber – ohne Plan für einen Umbau oder gar Neu-Aufbau.

 

Wir werden bald wohl noch Bushs und Trumps US im Plutokratismus –

und im Aushebeln jeder „Rechtsstaatlichkeit“

zugunsten der „herrschenden Kaste“ überholen.
„Deutsche Wertarbeit“. Einmal mehr.

Aber – die US-Bürger hatten die Wahl zwischen Pest und Cholera.

Und – das, was viele „Rednecks“ für Cholera hielten, wird auch von allen Seiten

angefeindet, weil er manche sensible Dinge ändern will. Und – da hat er Recht:

Weil Trump nicht mehr „moderate Rebellen“, die Kinder köpfen in Syrien und

sonst wo unterstützen will hat er sich die CIA und andere mächtige Dienste –

mithin – große Teile des militärisch-industriell-finanzwirtschaftlichen

Komplexes der US zum Feind gemacht. 

Die überwältigende Mehrheit der deutschen Medien und das gesamte
politische Establishment nicht minder.

Man hat sich geirrt – aufs falsche Pferd gesetzt. Gelinde  - ganz milde gesagt.

Aber – nicht einmal dafür will man die Spur von Verantwortung übernehmen. 

 

Welche Wahl haben wir hier also am 24. September?

Joachim Zinsen verdeutlicht da als Politredakteur mit 20 Jahren Berufserfahrung,

dass die Deutsche Presse Agentur dpa in ihrer Tendenz zur bedingungslosen

Unterstützung der Machtverwaltung von Seiten der Rautenfalterin im Kanzleramt

schon einzigartig vorgeht. Ich selber kenne noch relativ unabhängige (Auslands-)

Korrespondenten der dpa. Aber - fernab der Heimat gelten andere Gesetze als im

Land der 80 Mio. Bundestrainer unter der Doktrin

"Teile und herrsche bis zum letzten Mann und der vorletzten Frau".


Die SPD hat es versäumt, sich rechtzeitig aus diesem Schatten der verwalteten Macht

herauszubewegen. Die Schuldfrage zu stellen dafür ist nun müßig. Die gesamte Linke

hat versagt – also auch progressive Kräfte bei den Grünen und der Linken.

Konsensorientierte Leitplanken für einen „anderen Weg“ konnten nicht aufgestellt werden.

Das vermögen aber auch die ganzen kleinen Splittergruppen nicht.

Angst ist das vorherrschende (Wahl-) Motiv.

Keine Hoffnung.

Insofern – besten Dank an Diana Dehler und Macit Karaahmetoglu für den Hinweis auf

„Die planlose Kanzlerin“. 

Aber – die eigenen Pläne sind zu lückenhaft.

Es kann also nur besser werden.

Wenn Sven Wirzbowitz da provokativ fragt:

„Krieg oder Crash?“

und mancher „Criesh!“ oder „Krieg und Cash!“ oder

„Krash und Chrieg...“ antwortet, dann sagt das mehr.

Oder weniger. 

 

In Frankreich verliert Monsieur Macron auch an Zustimmung. Eine „Agenda-Politik“

wie hierzulande wird man da nicht durchziehen können. Die Gewerkschaften dort

und die Unternehmen haben da andere Traditionen.

Und – da wird auch manches hier in diese bisher sehr brave und folgsame Republik

hinüberschwappen. Jenes Land, das auf dem besten Wege ist,

die „2. Berliner Republik nach dem dritten Reich“ zu sein.

Mit Führungsanspruch in Europa.

Auch planlos den Bach hinunter.

Letzte Hoffnung?

ALLES WIRD GUT.

So möchte man es beschwören.

 

 

 

G 20 und die Folgen: „Rechtsstaat“ auf Bewährung?

 

Der G20-Gipfel in Hamburg ist schon etwas her. Aber – immer deutlicher treten dabei doch widersprüchliche Informationen zu „offiziellen“, allzu häufig sich somit als höchst einseitig entlarvenden Schreibweisen in Wort und Bild zutage.

Die Frage nach dem „Warum-Weshalb-Weswegen?“ oder  - „wem nützt das?“ – sie steht einmal mehr im Raum. Und – viele, die da eigentlich der „Aufklärung“ dienen sollten hüllen sich einmal mehr in Schweigen. Man hat ja alles gesagt.

 

Nicht jedoch diejenigen, die man in den US seit geraumer Zeit als „Whistleblower“ – also – frei übersetzt – als „Flüstertüten“ verfolgt: Rechtschaffene Bürger, die nicht umsonst einmal mehr besorgt sind über das, was sie da sehen.

 

So etwa Rechtsanwalt, Strafverteidiger und Blogger Heinrich Schmitz, der da mit dem pointierten Titel „Mit Bullengewalt“ die Angemessenheit rechtsstaatlicher Mittel und ihrer Anwendung in Hamburg hinterfragend beleuchtet.

(Danke, Hellmut Lotz für’s Teilen!)

 

Dann ist da auch das Interview mit dem Polizisten, der da sagt:
"Zu sagen 'Es gab keine Polizeigewalt' ist realitätsfern. Das ist ein Ton, den man aus Ankara oder Moskau kennt."

Und – in einer anderen, früheren Quelle spricht dieser Berliner Polizist und seit 12 Jahren auch

„Konfliktmanager“ dort noch deutlicher Klartext.

 

Es ist immer maßgeblich die Einsatzleitung, deren Strategie die Themen zum Dialog, statt zur Konfrontation führt,

die vielleicht auch beschwichtigt - oder eben eher eskaliert. Hier scheint von verantwortlichen Seiten

bedingungslos der letztere Weg gesucht worden zu sein. Der einzelne Polizist ist da eher außen vor.

Der einzelne Demonstrant nicht minder. Ein paar schwarze Schafe gibt's immer auf beiden Seiten.

Wie diese dann die Dinge zum Kippen bringen können - das hat man perfekt in HH sehen können.

Aber - die überwältigende Mehrheit von Demonstranten geht ja auch dorthin, um friedlich zu demonstrieren.

Und - auch die überwältigende Mehrheit von Polizisten hat keine Lust auf Krawall.  

Und - Gründe, zu demonstrieren - und die Dinge zu deeskalieren gibt's wahrlich mehr als genug.
Insofern ist das Interview  - und noch mehr der frühere Artikel hier von Oliver von Dobrowolski auch ein

Lehrstück in Sachen Zivilcourage. Es ist zu hoffen, dass es sich für ihn nicht nachteilig auswirkt.

Denn - solche Polizisten wie ihn - die braucht es, um den "Rechtsstaat" hier - und den seit G20 in HH

noch mehr bröckelnden "sozialen Frieden" im Lande - weiter zu entwickeln.

Denn - von "bewahren" im Sinne eines begründeten "Wertkonservativismus" kann hier keine Rede mehr sein.

Dafür ist da einfach zu viel Öl ins Feuer gegossen worden.

Etwas indes, was dem Rechtsstaat bei Oktoberfest-Attentat – geschweige denn den

NSU-Prozessen da in Sachen „Aufklärung“ scheinbar weitaus weniger wichtig ist als hier,

wo es wohl ganz deutlich darum geht, „Alleinschuldvorwürfe“ festzumachen.

An „den Linken“ – also dem „offenen Rand der SPD zu Chaoten und AntiFaschisten“,

„grünen Chaoten und Weltverbesserern“ und – von der Partei der „Linken“ wollen wir ja gar nicht erst reden.

 

Soll da etwa schon mehr vorbereitet werden – auch und gerade im Hinblick auf Merkels

treue Wählerschaft – die „demographische Mehrheit 60+“, die natürlich ganz zu Recht

einen ungestörten und ruhigen Lebensabend verbringen möchte?

 

Nun – Johann Koenitz aus Dresden hat  da in seinem sehr lesenswerten Blogbeitrag

ein Video geteilt, das mich als „Ruhrpottanwohner“ – Duisburg ist gleich neben dieser

„wunderschönen Scheißstadt Düsseldorf“ hier (Lore Lorentz) direkt an die

„Love Parade Katastrophe 2010“ erinnerte.

„Love Parade“ ist unverfänglicher als „Welcome to Hell“ – zweifelsohne.
Aber – im Video in Johanns Blogbeitrag wird eigentlich deutlich, dass man von Glück

reden kann, dass die Zäune hielten und es nicht zu einer Panik kam, als die Polizei da

den schwarzen Block von den anderen Demonstranten trennen wollte.

Ein Harakiri-Unterfangen, das als Strategie ganz bewusst auch den Verlust

von vielen Menschenleben einkalkulieren muss. 

 

Wenn der Rechtsstaat hier wirklich nicht nur „auf Bewährung ausgeknipst“ ist,

dann bedarf es wirklich der Ermittlungen gegen Hartmut Dudde als Einsatzleiter der Polizei Hamburg

und Innensenator Andy Grote.

Zumindest das.

Aber – genau da beißt sich die Katze wieder in den Schwanz –

wie Heinrich Schmitz es ja auch richtig darstellt.

Die perfekte (Selbst-) Bespitzelung - von oben eingesetzt.
Protest gegen Staats- und Polizeigewalt? Chancenlos.
Natürlich sind auch Polizisten Menschen wie Du und ich.
Kenne mehr als einen klugen Freund, der auch Polizist ist.

Der auch über manches den Kopf schüttelt.

 

Aber darum – vor allem – um den Einzelnen –

ob Polizisten oder Demonstranten geht’s ja gar nicht. Da geht`s um viel mehr.