04.04.2020

Resilienz und die Veränderung

 

„Wer will dass die Welt so bleibt wie sie ist, der will nicht, dass sie bleibt.“

Erich Fried sagte das 1981 in "Lebensschatten". Bei einem meiner Mauerspaziergänge in den 
1980ern fand ich seinen "Status Quo im Zeitalter des nuklearen Wettrüstens" mit krakeliger
Schrift auf 
bröckelnden Beton gepinselt. Nicht so perfekt gesetzt, wie es heute auf der
East-Side Galleryden letzten Fragmenten der Mauer dort steht. In den 80ern war der ungeliebte Grenzwall ja nur von der westlichen Seite aus mit vielen hoffnungsfrohen, aber auch eindringlichen Botschaften bemalt und beschrieben. Eine große Wandzeitung. Mancherorts auch eine Gemäldegalerie. Eine riesige Ausstellungsfläche unter dem unteilbaren Himmel. Nicht nur dem von Berlin.
Und ich selbst wohnte 
ja auch immer bei Freunden in Neukölln oder Kreuzberg. Billige Mieten
auf dem Kiez mit Blick auf den "Todesstreifen". 

 

Wie bei allen seiner Aphorismen und Gedichte sucht Erich Fried auch hier nicht nach "Schuldigen".

Er fordert vielmehr den Leser oder die Zuhörerin seiner eindringlichen Lesungen dazu auf, selber 
Teil der Veränderung zu sein. Zu sein und zu werden.

 

"Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin". Das war auch so ein Spruch aus dieser Zeit. 

Ein vom US-amerikanischen Dichter, Journalisten und Lincoln-Biographen Carl Sandburg geprägter 
Slogan amerikanischer Hippies und Kriegsdienstverweigerer, von denen einige lieber Jahre im
Gefängnis verbrachten als im Krieg gegen Vietnam zu kämpfen. 

Mancher "Transatlantiker" in der deutschen Medienlandschaft hat "Aktivisten und Friedensfreunde",
die solche Sprüche machen  lange mit der Keule des "Vulgärpazifismus" abgetan. Aber auch diese
Leute, von denen manche den Begriff des "Bellizismus" sehr klug erläutern können, haben zum Teil allmählich eine Ahnung davon, wie komplex die Themen über sich selbst hinaus gewachsen sind.
Wie chimärenhaft die Menetekel in einer Art "Rasendem Stillstand" nun an die Wand gemalt sind. 

 

Stellen WIR uns also vor, die Quarantäne-Maßnahmen sind vorbei und die im weitesten Sinne "vom Menschen gemachte Welt" begreift endlich, dass sie sich ändern muss, um auf der nicht vom
Menschen gemachten und 
beeinflussbaren Welt zu bestehen. Um mit ihr weiter zu sein.
Mit und in ihr zu leben. In Würde und Freiheit. Demokratisch. Einklang und Gemeinsamkeiten

findend statt stetig Zwietracht und Konkurrenz zu säen. Denn: "Probleme" haben WIR ja nun 
wahrlich zu Hauf hier auf unserem blauen Planeten. So Klima- und Umwelttechnisch. Kriege, Ungerechtigkeiten, die zum unteilbaren Himmel schreien. Kriege um Boden und die Rohstoffe

darin. Und um Wasser, das wichtigste "Lebenselixier" darin. Den wichtigsten Nährstoff und
integrativen Bestandteil unserer selbst. Und Flüsse und Meere, Ober- und unterirdische Gewässer
fließen ja auch über nationale und kontinentale Grenzen. Und zeigen so, dass eigentlich auch der 
Boden nicht teilbar ist. Die Rechte, wer ihm was entnehmen darf und ihn wie bearbeiten kann:
das ist etwas anderes. Wie die Fisch- und Jagdgründe zu allererst ein dem Gemeinwohl der 

dort Ortsansässigen vorbehaltenes Gut. Und so weiter. 

 

Denn: dass WIR ein Virus dieser Art nicht bekämpfen können, dass WIR vielmehr mit Bedrohungen
dieser Art umgehen lernen müssen: das scheint ja wohl doch das Wesentliche. Dass Impfstoffe nur ein

kleiner Teil der Lösung sind, zumal für diejenigen, die ohnehin am meisten gefährdet sind: das ist eine
der vielen Wahrheiten, die insgesamt auch mehr Achtsamkeit miteinander und der persönlichen
Um- und Mitwelt einfordern. 
Was dies jedoch im Einzelnen alles zu bedeuten hat, darauf weisen viele in diesen Tagen hin.

 

Sei es die "Rheinische Philosophin und Pionierin" Annemarie Pieper, erste Frau auf dem Lehrstuhl
von Karl Jaspers in Basel, die im St. Galler Tagblatt eindrücklich die These vertritt:
"Nach Corona werden wir nicht wieder in den alten Kapitalismus zurückkehren".

Sei es die "berühmteste Trendforscherin der Welt", die aus den Niederlanden stammende
"Anti-Fashion-Chronistin und Kritikerin der Modebranche" Li Edelkoort, die in der deutschen
Vogue "ihre Gedanken und Prognosen zur Coronakrise" teilt und eigentlich ähnlich wie der
große US-Stadtsoziologe Richard Sennett dereinst 2007 ein
"Neues Jahrhundert des Handwerks"  
beschreibt. 

Sei es der in Potsdam lehrende und forschende Risikoforscher Gerd Gigerenzer, der unter
der Überschrift 
"Unser Leben kann so nicht weitergehen" in der Zeit dafür plädiert,
"in Teilen des Alltags wieder in eine Vor-Corona-Normalität einzusteigen – allerdings
nur unter bestimmten Bedingungen".
 Der Mann ist interessanterweise auch "Mitglied
des Unstatistik-Teams, das einmal im Monat Statistiken und Zahlen hinterfragt,
um zu einem bewussten Umgang mit ihnen anzuregen."
Hoch spannend, diese am
RWI in Essen beheimatete Arbeitsgruppe. So kann Forschung "aufklärerisch agieren" und
zudem "pragmatisch unterhaltsam"
aufgearbeitet werden. 

 

Ein "immer weiter so" danach, wann auch immer ein "danach" ist, wäre ein Alptraum.

Geträumt in einer jener Nächte, in denen man Schweiß gebadet aufwacht und im Dunkeln
sich in die Küche vortastet, um dort mit zitternder Hand einen Schluck Wasser zu suchen.

Oder in denen man frierend in der kalten Wohnung auf der Toilette schlafwandelnd die
Augen öffnet. Und sich bald danach unter die Decke kuschelt und lange braucht, um
wieder 
Wärme und Geborgenheit da im Bett zu finden. 

Immerhin: ein Bett, eine Küche, ein Bad. Eine Wohnung. Ein Zu Hause. 

 

Nein. diese Angst vor einem bösen Erwachen darf UNS nicht wieder lähmen.

Ein "Nach der Corona-Krise" ist nicht ein undefiniertes "danach", das da immer weiter in
unbestimmte Ferne zu schieben ist. Es ist jetzt. Und hier. 

 

Dieses Bild, das ich 1986 im west-algerischen El Djedid morgens aus dem Schlafsack heraus gemacht habe: es kam mir damals auch vor wie eine "Fata Morgana". Ich widme es jetzt noch einmal dem Gedenken an meinen Freund und Bruder Miloud Benaouda Chaht aus Sidi Bel Abbes, mit dem ich damals durch die West-Algerische Sahara reiste. Wir fanden eines Abends an einer Straßenkreuzung
90 und 150 km von den nächsten Oasen einen Convoi LKWs und ihre Fahrer, die begeistert waren,
uns mitnehmen zu können. "Helden des Alltags" gibt es überall. Und gab es auch schon immer. 

Miloud selbst starb im algerischen Bürgerkrieg Mitte der 1990er Jahre zusammen mit einem Freund und Kollegen in Folge eines Verkehrsunfalls zwischen seinem Arbeitsplatz in den Öl- und Gasraffinerien von Hassi Messaoud und seiner Heimat im Westen Algeriens bei einem Zusammenstoß seines Wagens mit einem Militärtransporter. 
Den Zorn und den tiefen Schmerz seines Bruders Hocine darüber, dass in der Wüste die Soldaten zuerst notfallmedizinisch versorgt wurden und unser Bruder währenddessen verblutete werde ich nie vergessen. 

Ihnen und ihrer Familie, die mir dort im Herbst 1986 mehr als nur ein Zuhause gegeben haben
nochmals zum tiefsten Dank.
Und allen anderen hier ein schönes und gesundes Wochenende.

 

 

 

03.04.2020

Corona und die "Deutungshoheit im Zeitalter von "Fake-news"

 

Frau A. M., Doktor der Physik, Beruf Politikerin, Dienstsitz Bundeskanzleramt, wohnhaft
derzeit "woanders", sozusagen "in unbekannte Quarantäne verzogen", gemeinhin vielfach
auch als "Mutti" bezeichnet hat ja vor nicht mehr als zwei Wochen endlich mal wieder
ein Machtwort gesprochen. In einer Ansprache zu bester Sendezeit am digitalisierten
Volksempfänger wies sie auch darauf hin, dass die Schafe doch auf die Experten hören
sollten, die uns da durch diese sehr wechselvollen Zeiten hindurch geleiten würden. 

 

Määäähh!

Machen wir! Aber, werte Frau A. M.: welche ExpertIn sitzt denn da zur rechten Hand Gottes?

Heute sitzt da eine andere als gestern. Und der von vorgestern hat da auch etwas anderes

zu sagen als die, die da Morgen sitzen wird. Wohin weist also die linke Hand Gottes?

 

Liebe Frau M.: wie soll das weitergehen? Gibt es Plan A, B und C?

Wo sind das Heil und die Heilung - was sowohl die Arbeit, als auch die Gesundheit betrifft?

So, auf Sicht gefahren, zumal ja auch in der Kürze die Würze liegen soll?

 

Liebe Frau M., als meine Tochter ihre Steuernummer kurz nach der Geburt bekam, da wollten wir
schon in ihrem Namen antworten, dass wir in Anbetracht des Alters des nummerierten Objektes
nicht wüssten, ob ihr die Nummer gefallen würde und ob man dies nicht erst einmal etwas

zurückstellen wolle. Wir beabsichtigten ja auch nicht, sie bald in Kinderarbeit zu stecken. 

Wir waren damals noch zuversichtlich, hatten noch Vertrauen in eine mögliche Zukunft. 

 

Jetzt gehen die kurzsichtigen Lügen - oder sagen wir mal "Viertel- bis Halbwahrheiten"
der Austerität in Europa in eine neue Runde, der verängstigte Mittelstand flötet sie munter
anders weiter in seiner Besorgnis und ihr Kollege, der Mieter auf der anderen
Seite des großen Wassers 
in dem weißen Haus da scheint auch noch nicht so richtig zu checken,
worum es in dieser Schlacht geht. Ja: Krieg. Irgendwie ja doch. Sagen Sie doch auch, oder?

 

Liebe Frau M.: da muss sich aber wirklich einiges ändern. So - in Sachen Zuversicht.

Und Vertrauen. Sie da, ob sie nun zur rechten oder zur linken Hand da auf dem himmlischen

Sofa der letzt gültigen Wahrheiten sitzen - wissen Sie oder der junge Sparkassen-Gesundheitspapst,
geschweige denn die blond toupierte Handydaten- und Familien-Verteidigerin mit guten Französisch-Kenntnissen in Bruxelles, 
was da durch die beschlagene Windschutzscheibe "auf Sicht gefahren" bald auftaucht? Oder wieder abtaucht? Und überhaupt! Auch Fridays for Future und so!

Da gibt's verdammt viel zu tun. Wir schaffen das! Also: Lassen wir's sein?
Also das mit der Zukunft und der Zuversicht und dem Vertrauen in eine mögliche Zukunft?

 

Wie dem auch sei: beste Gesundheit und machen Sie's gut.

Ein schönes Wochenende! Genießen Sie den Blick nach draußen!

 

Herzliche Grüße. Ihr Stefan F. 

"Draußen auf Kaution". 1994, 2007, 2019

 

 

 

 

 

02.04.2020

M-Pathie, Solidarität, Vertrauen und Zuversicht

 

Am Wochenende erreichte ich einmal meinen Vater nicht. Ein 5-minütiger Small-Talk via Skype am 
Abend in alter Monty Pythons'-Brian-Manier kurz vor der Tagesschau ist zur Routine geworden.
Der alte Herr da im Bild, sein Lächeln, seine Zuversicht: alles gut. Aber am Freitag Abend war er zu 
jener Zeit nicht online. Ich kam auch erst nach der Tagesschau nach Hause.
Oder wir hatten uns sonst wie verpasst.
Wie dem auch sei. Am folgenden Samstag Vormittag rief ich meine Eltern an. Meine Mutter zerstreute
schnell alle meine Sorgen. Alles gut. Die gelernte Damenschneiderin erzählte mir voller Stolz, 
dass sie ja endlich eine alte Damast-Tischdecke gefunden hatte zum Zerschneiden und Vernähen.
Für Mundschutze. Für meinen Onkel nebenan, ihr jüngster Bruder. Gerade genesen
von einer schweren Herz-OP letzten Sommer. Und seine Frau, meine Tante, die jüngst an
Scharlach erkrankt ist. Und für meine Schwester, die nicht weit entfernt da im vorderen Hunsrück
wohnt und weiterhin auch Bauleitung macht. Also "Kundenkontakt" hat. Und meinen Schwager,
ihren Mann. Dito. Baustellen stehen ja (noch) nicht still. "Projekt-Manager" sind insofern sowohl
im Büro als auch im "Home Office". Im Wechsel. Je nach Erfordernis.

 

Und den sechsten Mundschutz, den machte sie natürlich für meinen Vater.
Den zuversichtlichen, sturen alten Herrn. Jenen Mann, der in seiner frühen Berufszeit
als Fahrleitungsmeister bei der Bundesbahn mehr als einmal in einen Umspannungsraum
hineinlief und einen abbrennenden 
Transformator löschte. Bevor vielleicht auch
das Feuer weiter übergreifen konnte.

Damals waren diese Trafos noch mit Asbest abisoliert.
 
Als mein Vater rund zehn Jahre später zunehmend stärker an Asthma litt und man zudem die Gefährlichkeit von Asbeststaub für die Atemwege erkannt hatte, da versuchte er dies auch als Berufskrankheit anerkennen zu lassen. Seine Ansprüche wurden abgewiesen. Wie so oft.
 
Ich kenne viele solcher Geschichten. Wo schwerste Erkrankungen, die zur Berufsunfähigkeit
führten nicht als "Behinderung" mit entsprechenden Erleichterungen anerkannt wurden.
Auch ein Grund, warum ich staatlichen Institutionen insbesondere in Zeiten wie diesen
zutiefst misstraue. Ihre "Fürsorge" eher für einen Vorwand für andere, ihnen weitaus
wichtigere, eher "machtpolitische" Handlungsmotive halte.
 
Für meinen Vater war dies übrigens nicht der Fall. Er arbeitete bis zur Pensionierung
und erkrankte erst danach schwerer. Aber er ist eben auch zäh und zuversichtlich.
Immer mit einem Lächeln die Dinge kommentierend.
Und: eigentlich geht's uns ja gut. Irgendwie.
 
Aber ich spreche da sicher auch in seinem Namen:

"Ich kann nicht lauter klagen" ist eine der vielen Standard-Antworten auf die Frage:
"Wie geht's?" Eine Variante, die ich von einem Mann aus dem Grenzgebiet zwischen
Kasachstan und Usbekistan, einem Ort bei Taschkent mal gehört habe,
hat mir auch besonders gefallen:
"Ich warte." Da ist die ganze Erfahrung der Sowjetunion mit russischer Seele und
zentralasiatischem Stoizismus vereint. Oder umgekehrt. Russischer Stoizismus mit
zentralasiatischer Seele. Wie auch immer. Schön. 

 

Ich hoffe, dass mein Vater den sicher schön gemusterten und geschmackvoll geschneiderten
Mundschutz bald zumindest beim Einkaufen und bei einem Arztbesuch am Freitag anzieht.

Die Vorzüge des Damast-Stoffes, seine Dichte und seine gute Waschbarkeit, seine
schmutzabweisende Faserigkeit hat mir ja auch meine Mama eindrücklich geschildert.
Ich hoffe, dass mein Papa sich dazu überreden lässt, das Ding dann auch manchmal zu tragen. 

Dass meine Mutter und er 100 Jahre alt werden. Und mehr.  

"Falsche Sicherheit" jedoch sollte einem so ein Ding nicht verleihen. 

 

"Wir brauchen eine metaphysische Pandemie" sagt der in Bonn lehrende Philosoph Markus Gabriel. 

Für manche(n) ist das nur "Esoterik". Aber das ist auch nur eines der vielen Labels, mit denen
manche da die Vielfalt der Facetten und Themen abtun möchten. Des menschlichen und bei
manchen lieb gewonnenen Haustieren sicher auch des tierischen Seins oder Nicht-Seins. 

 

Ken Jebsen schildert in einem Interview mit Thilo Jung da einige Momente der Konditionierung von Kindern, die er in einer "idealen Welt" angehen würde. Momente, in denen Kinder in der "Schattenwelt der Konkurrenz" von empathischen Wesen zu Ellenbogenstreitern werden. Eigentlich eine zutiefst realistische Betrachtung, die Ken da anstellt. "Idealismus" ist etwas anderes. Mit dem
Deckmäntelchen der "Moral" verknüpft ist er gar eher Teil der Ursache vieler Probleme nicht nur heutzutage. Nicht Teil eines wie auch immer gearteten Lösungsweges. 

 

Ken ist auch jemand, der immer wieder zutiefst angefeindet und "gedisst" wird. Er ist für
manchen Zuhörer und manche Zuschauerin sicher auch bisweilen höchst anstrengend.
Das Synapsen-Blitzlichtgewitter in seinem Kopf, das ihn zu einem enormen Schnellsprecher

werden lässt, ist mir irgendwie vertraut. Thilo Jung ("und naiv") geht damit sehr geduldig
und gradlinig und zudem höchst charmant um. Sein Interviewstil ist ohnehin eigentlich nur
mit dem unvergessenen Roger Willemsen zu vergleichen, der auch immer wieder das

Beste und Tiefste aus seinem Gegenüber herauskitzeln konnte. Wobei Thilo sich aber auch

an Leute mit dieser seiner stoisch lässigen Gesprächstechnik heranmacht, die in jeder

Beziehung sehr streitbar sind. Bis hin zu "AfD-Größen" wie Gaulandt und von Storch.
Und trotz aller tiefster Konzentration scheint er da immer 
auch eine gewisse
"oberflächliche Freude" am Wesen der Dinge, die er da hört zu verspüren.

Die Art, wie er dabei das Vertrauen seines Gegenübers gewinnt: das ist schon große Kunst.
Auch hier im Gespräch mit Ken, der sichtlich auch Spaß daran hat.

 

Es sind seltsame Zeiten. Ein anderes Ende für diesen Eintrag in mein "liebes Tagebuch" fällt mir 

nicht ein. Bleibt gesund. Und - bleibt zuversichtlich. Irgendwie ist das Leben ja doch schön. 

Resilienz und Widerstandskraft und die dem zugrunde liegende Zuversicht, und vor allem darauf
aufbauende Klugheit werden WIR noch reichlich benötigen. Nicht nur gegen "das Virus". 

 

 

 

 

 

 

 

31.03.2020

"Systemrelevante Arbeit": der zweite Riss

 

Nu ist es also gesagt. Es ist raus. Das kleine, fiese Unwort. Postdemokratisches Tabu.

REZESSION. Auf Sicht werden wir da hindurch gesteuert. Also: alles gut. Und: alles wird gut.

Die Pandemie: der erste Riss. Unsere eigene Verletzlichkeit vor Augen. Angst.

Nichts wird wieder so sein, wie es gewesen sein wird. Sagen die Einen.

WIR werden gestärkt da rauskommen. Sagen die anderen. Manche andere.

 

REZESSION. Der zweite Riss. Wer hätte das gedacht? 

Mit Wachstumsprognosen von 2-3 % für die chinesiche Wirtschaft, Anfang Februar hier zum ersten Mal

in einem Nebensatz, gleichsam "nebenher" in den Medien erwähnt, war eigentlich deutlich,

dass die "systemtragende Schlüsselindustrie Deutschlands", die Autoindustrie einbrechen würde.

Eine Randnotiz hier, diese so niedrige Ratenvorschau an der "Werkbank der Welt". So niedrig, wie eigentlich zuletzt auf dem Höhepunkt der Kulturrevolution, im Jahre 1968.

Eine Zahl, die wahrscheinlich aber auch Peking seinerzeit veranlasst hat, Druck auf die 

Stadt Wuhan und ihre Adminstration auszuüben. Das Virus und seine Bekämpfung mussten im 
Vordergrund stehen. Nicht das mit diesen Prognosen einhergehende Menetekel einer globalen

Rezession. Mit China als Haupt-Schuldigem. 

Wer immer in den letzten, sagen wir einmal 20 Jahren China betrachtet hat, den größten Absatzmarkt und auch inzwischen wichtigsten Produktionsstandort deutscher Automobile, insbesondere von Volkswagen, der ahnte, dass ein solcher Einbruch von Wachstumsraten von 6-7 % auf 2-3 %
gerade den 
"Dieselgate-Konzern" in einen Abgrund stoßen würde. Ganz abgesehen von den ganzen Zulieferbetrieben für die Auto-Industrie. Tiefe Abhängigkeiten. Und: "Neoliberale Gesetzmäßigkeiten".

Der Konzern und alle Produktionsmittel ist ein dem "Wolf der Finanzindustriellen Wertschöpfung" dargebotenes Schaf. 

 

Aber die vielen Hilfeleistungen auch für das von der Pandemie am härtesten getroffene Italien durch

"das wieder genesende Reich der Mitte": "Ein krankes System - Erst richtete China den größtmöglichen Schlamassel an. Jetzt gibt sich das Regime als Sieger. Von wegen!" - triumphiert Matthias Naß da in der Zeit in geradezu Trump'scher Kakophonie. Im Spiegel stößt Alexander Sarovic sogleich ins selbe Horn: "Europa verliert den Kampf der Bilder: Im Kampf gegen das Coronavirus läuft die europäische Solidarität nur zögerlich an. China und Russland stoßen in diese Lücke - und schlachten das propagandistisch aus."

Projektion und Propaganda im Kalter-Kriegs-Modus?
Paul Schreyer schrieb schon 2014, auf dem Höhepunkt der Ukraine-Krise auf Telepolis: 

"Neue Feindsender? Zeit Online misst bei seinem Ethik-Kodex offenbar weiterhin mit zweierlei Maß. Und auch andere Medien haben derzeit Probleme mit der Transparenz. Was ist los mit der Presse?"

 

Geht es vielleicht gar nicht in erster Linie um diesen "neuen humanistischen Geist der Fürsorge"
für Alte und Schwache, wie man hier in der "Corona-Krise" allen tagein-tagaus klar machen will?

Ganz besonders in und von Europa aus? "Corona" - wenn man das Wort derzeit zählt in den Medien,
in täglichen Unterhaltungen: da herrscht schon eine Inflation.

"PROpaganda"? Iwo. Das machen nur die anderen, Wir doch nicht. Wir sind die Guten. 

Bedingungslos. Und vor der Inflation kommt ja die Rezession. Oder umgekehrt. Die Deflation.
Auch die. Aber: das ist eh egal. "Auf Sicht gefahren" heißt das doch:
Hauptsache, WIR wissen, wer Schuld ist! DIE - wir aber nicht. DIE müssen sich ändern. WIR doch nicht.

DIE haben ja auch den Schlamassel verursacht, um noch einmal Matthias Naß hier zu zitieren.

Welchen denn eigentlich? Diese Erklärung bleibt auch Herr Naß schuldig. 

 

Und die "Europäische Sichtweise" in und neben der "Transatlantischen Sichtweise"?

Hm. "Alle gegen von der Leyen" - (Außer Merkel) wollte Eric Bonse auf "Lost in Europe"
wahrscheinlich schon schreiben. Beließ es wohl aber bei dem ersten Titel. 

"Eurobonds" heißen jetzt natürlich "Coronabonds". Und Deutschland wehrt sich einmal mehr

gegen jegliche Art von (Entschuldungs-)Politik. Hat aber jetzt neben Italien auch Spanien
und Frankreich und Belgien und Luxemburg gegen sich in dieser Sache. Die baltischen Staaten
scheinen auch immer stärker dazu zu tendieren, wie Eric Bonse sagt. 

Dieselben, zumindest Frankreich, Spanien, Italien und Belgien untersagen Leerverkäufe ganz oder teilweise. Auch da sitzt Deutschland als mächtigster Player auf dem europäischen Sofa alleine da.

 

Andere sorgen im Zuge der "Corona-Verordnungen" schon für "neue" Tatsachen.
Der frühere Kohl-Freund und Zögling Orban schafft mit einem "ungarischen 
Ermächtigungsgesetz"

die "liberale Visegrád Demokratie" in Budapest erst einmal komplett ab.

Ob und wie man das in Berlin beobachtet?

Wir werden sehen. Auf Sicht gefahren. Überfahren?

 

In jeder Krise zeigen "wahre Freunde" ihr Gesicht. Oder: das, was das vorherrschende ist. 

Heute habe ich einmal mehr gehört, wie fortschrittlich Deutschland doch ist. Und unser Gesundheitssystem und der Sozialstaat und vieles mehr. Genau das sei ja eben schlechter

in Italien und Frankreich und sonst wo. Wo man sich nicht so "fürsorglich" um die
Menschen kümmere.  Im Jahr 2000 bewertete die WHO das italienische Gesundheitssystem

als das zweitbeste der Welt, nach Frankreich, Spanien lag auf Platz 7,

weit vor Deutschland auf Platz 25.  

"Austerität" funktioniert nur mit größt möglicher Ignoranz. Und schnellem Verdrängen.

Dieses kann auch "offensives Ausklammern" bedeuten. 

Mal sehen, wie die nächsten "Rezessions-Prognosen" in den nächsten Wochen der

"Corona-Krise" aussehen. "Auf Sicht gefahren" eben. Oder?

 

Viviane Fischer, Mutter von zwei kleinen Kindern und Rechtsanwältin in Berlin formuliert da richtig abgewogen eine sehr wichtige Petition.
Wann hat es zuletzt "Tages-Nachrichten" mit nur 
einem Schwerpunktthema gegeben?
Und auch das "Ausland": alles nur unter einem Aspekt betrachtet?
Und Afghanistan, und Jemen, und Irak und Syrien? Und Italien und Frankreich und Belgien und Luxemburg und? Ach ja - Griechenland hat ja jetzt eine mehr oder wenig "rechte Regierung".
Insofern droht aus Athen und Lesbos und von anderen "Nicht-Orten" da keine Gefahr. 

Aber das Gespräch mit Giuseppe Conte eben im "ARD-extra" war gut.

Ein aus Apulien stammender wirklicher Europäer. Lange her, dass es so etwas mal gab,
dass ein Mann von dort den Deutschen etwas erklären konnte.
Aber - es gab durchaus schon einmal so etwas. 

 

 

 

 

29.03.2020

"Appelle zum Aufbruch" und "Helden des Alltags"

 

Zu den vielen eindrücklichen Bildern dieser seltsamen Tage gehören sicher die Bilder vom leeren Petersplatz im Regen und dem Weltsegen Urbi et Orbi durch Papst Franziskus am Ende, aber noch

innerhalb der Fastenzeit am Freitag, 27. März. Dass Papa Francesco da von "unseren Verirrungen" und
"unseren Strafen" für die "Abwendung von Gott" spricht, lässt natürlich wie immer viel Häme und
Zynismus aufkommen.
 Aber der Segen durch den 83-jährigen Vater ist nicht nur für Italien und Spanien und ihre Menschen in diesen Zeiten eine große Geste. Ein wichtiger Beistand. Auch mit den Sirenen von Einsatzfahrzeugen im abendlich verregneten Rom im Hintergrund. Da ist ein seinem Alter
entsprechend gebeugter, aber immer würdevoll aufrechter Mann bei den Menschen. Bei uns. 

 

Stephan Pusch, Landrat des Kreises Heinsberg ist da genauso jemand, der da ist und seinen Job
einfach gut und pragmatisch macht wie Andrew Cuomo, Gouverneur des Staates New York,
der da der Beratungsresistenz des Bewohners des Weißen Hauses im nahen DC irgendwie trotzt.

Dass da Fehler geschehen, das liegt in der Natur der Herausforderung, der wir uns in dieser
Pandemie gegenüber sehen. Alle. Letztlich zeigt das Virus auch, dass es keine
hundertprozentige Sicherheit gibt. Und wie zerbrechlich da alles ist. Wie zerbrechlich WIR sind. 


Auch "blaues Blut" gewährt da keinen Schutz. Dass HRH der Prince of Wales sich still und leise
auf seinen schottischen Landsitz Birkhall zurück
gezogen hat, ganz anders als der gleichfalls
positiv auf Covid 19 getestete "Get Brexit done Schwätzer"  in D10: ich habe Charles
vor 10 Jahren in Kabul als jemanden erlebt, der "britisches Understatement" lebt.

Wer kann schon etwas dafür, dass er oder sie als "Royal" in die Welt geworfen wurde?
HRH Prince Charles macht sicher das Beste daraus. Streitbar sicher. Aber auch das gehört dazu.

 

 

 

 

Vor wenigen Wochen noch polarisierten die Ultras in den Fußballstadien mit Dietmar Hopp,
dem SAP-Chef und Mäzen der TSG Hoffenheim im Fadenkreuz gegen die völlige Kommerzialisierung des Fußballs. Nach Gewinnen entsprechender Aufmerksamkeit wurde der Protest auf den Spruchbändern kreativer und vielschichtiger. Die ganze Breite der Themen, aber auch die Macht der aktiven Zuschauer und Fans in und außerhalb der Stadien wurde deutlich

Dietmar Hopp gewann sicher auch bei vielen Ultras Pluspunkte dadurch, dass er als Haupteigner den dummdreisten Angeboten des Bewohners des Weißen Hauses, jene Firma in Tübingen, die beim Forschen zu Impfstoffen gegen Covid 19 recht weit war oder ist und ihre Ergebnisse zu kaufen ein entschiedenes
Nein entgegensetzte. 

Wie dem auch sei: nach einigen wenigen "Geisterspielen" ist ja nun auch das Stadion mit Begegnungen von mindestens 22 Leuten auf dem Platz passé. Und die Ultras markieren nun andere Plätze mit ganz konkreten Aktionen und Forderungen:

Die Kölner "Coloniacs" mit einem "Dank an alle Helfer!" Banner an der von Ernst Stadler 1913 in einem der Meisterwerke expressionistischer Dichtung erschreckend vorausschauend beschriebenen Deutzer Brücke. Einer Brücke, die aber mit den tausenden von Vorhängeschlössern als Hochzeitsversprechen, den Fußgängerüberweg neben den Gleisen über den Rhein flankierend auch ein Ort der Hoffnung ist.
Die Dortmunder  BVB-Fans verkünden dazu "Pflegekräften danken heißt Löhne erhöhen" und
"Ihr habt mehr verdient als Ihr bekommt. Danke für Euren Einsatz" i
n schwarzen Lettern auf gelbem Grund auf Brücken der Stadt und umliegender Autobahnen. 
"Der Fußball gehört den Fans, die Krankenhäuser der Bevölkerung. Gegen Privatisierung.
Für faire Löhne und Arbeitsbedingungen
", fordern Zwickauer Ultras. 

Bundesweite Aktionen also. Von West nach Ost. Und Nord nach Süd. Bis hin nach Atalanta Bergamo, um hier jetzt auch noch einmal den Aspekt "europäischer Solidarität" einzubringen. Auch die "Vorstopperin am Empfang" hier bei meinem Hausarzt ist eine Frontfrau der hiesigen Fortuna-Ultras. Klasse-Frau. 
"Es wird also auch in Zukunft nicht überraschen, wenn sozial engagierte Fußballgruppen
ihre Botschaften jetzt verstärkt in den öffentlichen Raum tragen wollen.

Die Stadien bleiben ja geschlossen."

 

 

"Zeit-online Arbeit" titelt da: "Viele systemrelevante Beschäftigte werden gering bezahlt".

Man verkündet im Untertitel: "Medizinische Fachkräfte verdienen vergleichsweise gut, Personal in Pflegeheimen schlecht. Im Einzelhandel liegen Löhne bis zu 40 Prozent unter dem Schnitt."

Dass in den letzten Jahren, spätestens seit der Subprime-Krise 2007/ 08 die Mieten enorm angestiegen sind in den Ballungsräumen in Deutschland, dass entsprechend aber auch andere "Systemrelevanten" Arbeiten miserabel bezahlt werden, zumal im Rahmen der Veräußerlichung der Grundelemente "öffentlicher Daseinsvorsorge" in den letzten Dekaden: Straßenkehrer, Feuerwehrleute, Polizisten, Erzieher und viele andere: das sagen solche Statistiken jedoch nicht. "Altersvorsorge" zudem, Bilden von Rücklagen und ähnliche Möglichkeiten sind da auch kein Thema solcher Statistiken. 

Überhaupt: was sind "systemrelevante Arbeiten", wenn man bedenkt, wie viele Milliarden für die Bankenrettungen 2008 und danach aufgewendet wurden, wie sehr da immer von der "Systemrelevanz" von Finanzinstituten gesprochen wurde?
Und: wie stellen sich Riss 2 und Riss 3 im "System", 
die jetzt zusammenfallen dar?

Was ist überhaupt "Systemrelevanz"? Und wo und wie zeichnet sich schon jetzt ganz deutlich Riss 4 ab, 
der unweigerlich dieses "System" in einen Abgrund hineinstürzen lässt?
Was ist das überhaupt für ein "System"?

Und wie können WIR diesen Absturz in diese Abgründe vermeiden?

Welche Chancen haben WIR, wirklich gestärkt aus diesen Krisen heraus zu kommen?

 

 

 

 

28.03.2020

"(Grenzenloses) Wachstum" und "System Error"

 

Gute dokumentarische Beiträge entlarven manche Themen durch die Stimmen der

Protagonisten, die da ihre Credos zum Besten geben. Formeln, die sie sinnhaft ausplaudern 

und für der Weisheit letzten Sch(l)uss halten. 

So geschehen, wenn Andreas Gruber, Chefinvestor der Allianz SE seine Verantwortlichkeit für

600 Milliarden Euro darlegt. Die Renditeerwartungen von 4 % der Anleger, "First class Shopping-Center"
als "Erlebnis-Einkaufsmeilen" in Schwellenländern als derzeitig den Gefallen der Anleger treffende 

Investitionsziele gipfeln am Ende in dem Satz: 

"Denken Sie an die 70er, 80er, 90er Jahre, als man sich wirklich Gedanken gemacht hat, ob das wirtschaftliche Wachstum ökologisch verkraftbar ist. Und heute sieht man eindeutig: 

es ist ökologisch verkraftbar."

 

"System Error - Wie endet der Kapitalismus?" von Florian Opitz zeigt diese aufgeblasenen
"Realitäten" in solchen Aussagen deutlich auf. Der "Finanzexperte" verkündet eine eindeutige

Wahrheit. Unumstößlich. Die Masse von 600 Milliarden geben ihm diese Kraft des Ausdrucks. 

Ein geachteter Mann, dessen Wort viel wiegt. 

Genauso, wenn Andrew Bossomworth, Asset Manager von Pimco-Deutschland vom
"ständig steigenden Erwartungsdruck der Anleger" spricht. 

 

Aber was meinen diese Leute, die von der (Über-) Lebensnotwendigkeit von "Wachstum" 
für die Welt und ihre menschlichen Gesellschaften sprechen? 

Dann ist da auch die Frage an einen Immobilien-Tycoon in den 1980ern, der gerade in

Downtown-Manhattan gigantische Geschäfte macht, eines der "heißesten Gebäude
für die Reichen" dort baut nach seinen Grenzen. 

Die Antwort von Mr. T., derzeit wohnhaft in DC damals:
"Keine Ahnung, wo meine Grenzen liegen. 
Aber ich hoffe, ich merke, wann ich an meine Grenzen stoße."

 

Mr. Bloomberg ist ja schon aus dem Rennen als "Gegenkandidat" für den jetzigen
Bewohner des Weißen Hauses. Aber auch sein Medienimperium wird hier kurz porträtiert. 

"Gefühle von Echtheit" und "Sicherheit", die auch dort die wichtigste Botschaft sind. 

Es sind primär eigentlich irgendwie  "Männer ohne Eigenschaften", die hier zu Worte kommen. 

 

Wenn Bob Lange, Marketing-Chef beim Airbus-Konzern von Chinas
"enormem Wachstum" spricht, das "immer so weitergehen wird", dann zeigt sich
einmal mehr, wie fragil die "Gefühle von Echtheit" und "Sicherheit" sind. Das wird
noch getoppt von den Worten des Airbus-Präsidenten China 
Erik Chen zum

scheinbar "grenzenlosen Wachstum" Chinas. 

Die Bilder dann von der Luftfahrtmesse in Peking erinnern mich sehr an
Bilder aus dem "Museum für Städtebau" in Hangzhoubay-West, die ich damals 2011,
als die chinesische Immobilienblase geplatzt war und ich dort in einer Planung zwischen
deutschen und chinesischen Partnern vermitteln sollte vorgeführt bekommen habe. 

 

 

Der Traum grenzenlosen Wachstums, der nun in der alten Stahlstadt Wuhan am Oberlauf
des Yangtse 
mit Corona und den Wachstumsprognosen von 2-3 % der chinesischen
Wirtschaft für 2020 
sein jähes Ende findet. 

 

Die Umdeutung der Bankenkrise 2007/ 08 dann zur Staatskrise und die Refinanzierung des angeschlagenen Systems durch die "Austeritätspolitik" der 2010er Jahre: wie angeschlagen
"das System" ist, das verdeutlicht auch Börsenjournalist Markus Koch. Der erste "Insider" hier,
der 
"Ängste und Zweifel" zugibt. 

 

Ein Blick in die Ingolstädter "Smart Factory" von Audi in diesen Tagen zeigt noch deutlicher,
was da kränkelt: die Automatisierung der Produktion schafft vordergründig "Entlastung von 
Arbeitern", wie Tarek Masshour, Leiter der Produktionsstrategie da sagt. Aber auch ihre Entlassung.

Und gleichzeitig ist es doch so, dass "Reinraumbedingungen" der Produktion nur wenig

mit unserer Welt da draußen zu tun haben. 

Wo das Virus einmal mehr die Zerbrechlichkeit unseres Seins oder Nicht-Seins aufzeigt. 

 

Die Übernahme dann des "Denkens" durch Maschinen: "Selbst lernende Systeme" werfen
unwillkürlich die Frage auf, welche Linienführung ihre Lernprozesse aufweisen. Wie sich
"Erfahrungswerte" in ihren kognitiven Prozessen darstellen. Wie diese damit auch "individuelles
und kollektives Gedächtnis" und die Schnittstellen dazu beeinflussen. Wie also auch 
"kulturelles und zivilisatorisches Erbe" diese "selbst lernenden automatisierten
kognitiven Prozesse" 
prägen. Und umgekehrt. 

 

Der "Flash-crash" 2010, das "Verschwinden des gesamten Aktien-Marktes" weltweit durch
letztlich eine Art "globalen Hochfrequenz-Algorithmen-Kurzschluss" :

"Die Bewegung des Kapitals ist daher maßlos": solche und andere eingeblendeten, gleichsam

über eine Art "Nachrichtenticker" laufenden Sequenzen aus der Dialektik von Karl Marx zeigen

einmal mehr das gigantische analytische Potential des Trierer Philosophen, Ökonomen, Gesellschaftstheoretikers, politischen Journalisten, Protagonisten der Arbeiterbewegung sowie
Kritikers des 
Kapitalismus und der Religion

 

Florian Opitz' und Tim Jacksons Schlusswort dieser Dokumentation von 2017:
Die "Corona-Quarantäne" dieser Tage sollte uns etwas Zeit geben.
Letztlich treffen hier mindestens zwei, eher drei tiefe Risse in den
"Glaubenssätzen und Mantras dieses Systems" derzeit aufeinander. 

Risse, die die Erfordernis des Umbaus einmal mehr deutlich machen. 

 

 

 

 

27.03.2020

Effizienz - Suffizienz - Resilienz: und der Humor 

 

Sicherheit ist ein wesentliches Thema. Überall. Besonders in Deutschland.

"Planungssicherheit" ganz besonders. Und die entsprechenden "Zuschläge".
Für das Austarieren aller möglichen Risiken. Eigentlich den Ausschluss dieser Risiken. 

 

Heute Morgen bin ich einmal mehr recht früh aufgewacht. Das geht nicht nur Chef so.

Zwei Baustellen, die eine noch in der Ausführungsplanung, die andere kurz vor

Absteckung und Aushub. 

War es nach der ersten Ölkrise 1973 die "Energie-Einspar-Verordnung" als entschiedenes Regelwerk
für jede Bauplanung, so mehren sich in den letzten Jahren immer mehr Auflagen und Regelwerke.
Vor nicht allzu langer Zeit wurde da noch die "Barrierefreiheit" allen föderalen Bauordnungen 
als Kardinalforderung für eine älter werdende Gesellschaft "beigeordnet". Und nun sind es

jetzt in zunehmendem Maße "Starkregen" und andere sich häufende "Jahrhundertereignisse",

denen Statik und Abdichtung von Bauwerken über und unter der Erde irgendwie standhalten 

müssen. Pech, wenn da innerhalb der Gewährleistung schon was passiert. 

Die Planungs- und Baukosten, die Erfordernis engmaschiger Abstimmungen und vor allem die

Haftung machen es da nicht leichter. Kommunikation ist alles. Gleichwohl gibt es genügend
"Partner", die eigentlich frühzeitig mit dem Fingerzeig auf andere beginnen und andere, häufig dieselben, die per se stur die Arme vor der Brust verschränken.

Soll der oder die andere mal machen. 

Dumme Fragen? Dumme oder keine Antworten sind gefährlicher. 

 

Und jetzt noch die Pandemie. 

Und die daraus zwangsläufig folgende wirtschaftliche Krise. Oder umgekehrt.
Henne und Ei. So oder so. 

"Schnelle und unbürokratische Hilfe für Künstler und kleine Selbständige":
Versprechungen einer ver(w)alteten Politik?

"Experten" sprechen einmal von der "Immobilienwirtschaft" als "Vorreiter von Krisen"
aufgrund der langen Planungs- und Bau-/ Produktionszeiten - andere "Experten"
sprechen dann wieder von "verzögerter Auswirkung von Krisen in der 
Immobilienwirtschaft".

Gleichfalls aufgrund der langen Planungs- und Bau-/ Produktionszeiten - und der entsprechend

noch in den Büchern stehenden Verbindlichkeiten. "Pacta sunt servandae". Oder so. 

Wie der oder die eine oder andere "ExpertIn" es nimmt.
Welche Seite oder Ebene er oder sie da betrachtet. 

 

Da soll eine oder einer auf Dauer noch durchblicken. 

Ist ja wie bei Virologie.
Wie man's macht, macht einer oder eine es garantiert verkehrt.

Oder so. 

 

Das Beschwören der "Solidarität" durch dieselben, die seinerzeit "Wir schaffen das" gesagt haben:

nicht nur in Italien wird das wohl nicht mehr lange "gut gehen". Was auch immer das heißt. 
Überhaupt: warum eigentlich Italien? 

Fährt man in Deutschland viel vorsichtiger und "resilienter", also auch "umsichtiger" auf Sicht?
Ohne Tempolimit?

Europa? Wo ist das? Fragt man nicht nur von südlich der Alpen. 

 

Donatella di Cesare: "Niemand weiß, was nach der Krise sein wird. Wir bereiten uns auf eine wirtschaftliche Rezession vor, vielleicht eine, die gewalttätige Konflikte hervorbringt. Protestbewegungen gegen die weiter wachsende Ungleichheit. Ich weiß nicht, wie weit wir politisch und kulturell auf das, was da kommen wird, vorbereitet sind. Wird es eine neue gesellschaftliche Genügsamkeit geben oder werden die kapitalistischen Egoismen unseres Ökosystems weiterhin siegen? Das ist doch die große Frage in diesen Tagen. Darüber sollten jetzt alle nachdenken."

 

Na ja. Auf Sicht gefahren im Shutdown heißt das wohl eher:

Humor ist, wenn`ste trotzdem lachst. Auch wenn der Zucker im doppio Espresso Milchkaffee manche Bitternis da nicht ganz mildern kann. Mag ja auch lieber dunkle Schokolade. "Zartbitter".
Vor allem Letzteres. 

 

"Fake-News-Reporter" Jonathan Pie aus London hat vor Wochen noch BJ's
"Herden-Immunisierungsprogramm" mit "Coronavirus: Das Überleben der Reichsten!" überschrieben,

nun im Lockdown sind besonders seine Hamsterkäufe und dabei seine Führung durch die verschiedenenen Toilettenpapierkollektionen für welche Phase der Krise, die er da seiner Mom
vorstellt schöne Einblicke in "Videokonferenzalltäglichkeiten im Home-Office".  Und mehr. 

 

Und Martin Sonneborn fragt: 
Schon was vor nach der Katastrophe, Frau vonderLeyen?

In diesem Sinne: thank God, it's Friday! Wünsch Euch was!

 

 

 

 

26.03.2020

"Re-Gnose" - "Alles könnte anders sein" im Herbst 2020

 

Wirklich? Man reibt sich die Augen. 

"Schlimmer geht immer!" hat für viele Menschen das 
"Es kann ja nur besser werden" irgendwie abgelöst in den letzten Jahren.
Vielleicht gar den letzten Jahrzehnten. 

Aber bekanntlich "stirbt die Hoffnung ja zuletzt." Oder:

"Es ist Unsinn
sagt die Vernunft

...

Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung

Es ist was es ist

sagt die Liebe"

,wie Erich Fried es gesagt hat. 

Und: er musste es wirklich wissen.

Bei dem, was er so alles erfahren hat. 

 

Der große Rettungsschirm, die plötzliche Fürsorge für die Gesellschaft. 

Die Wellen der Solidarität. Schön. Wo war das in den letzten,
sagen wir mal 20 Jahren?

 

Dass wir früher oder später in eine tiefe Rezession stürzen würden, das musste 
eigentlich jedem, der die letzten
sagen wir mal 20 Jahre auch erfahren hat, klar sein. 

Zumal, wenn er oder sie ganz verschiedene Erfahrungen an ganz verschiedenen Orten

unter ganz verschiedenen Umständen machen durfte. Dass all diese Erfahrungen aber
auch nicht unbedingt "freiwillig" geschahen:
das kann man sicher auch Erich Fried glauben. 

 

Als Simone Lange, um die es sehr ruhig geworden ist, ihre Kandidatur für den SPD-Parteivorsitz

bewarb, da forderte sie auch, dass man sich bei den Menschen, die durch die
"Agenda 2010"  ins soziale Abseits manövriert worden waren entschuldigen solle. 

Eine große Geste der Demut. Und der Achtung vor vielen Menschen
mit bewegten Lebensläufen. Vielen, die ihre Frau oder ihren Mann immer gestanden hatten.

Die durch "ehrliche Arbeit" ihr Leben lang ihren Beitrag für die Räderwerke der Gesellschaft
und für deren Fundamente geleistet hatten.

 

Je älter und erfahrener der Mensch wird, desto entschiedener zeigen sich auch größere
Verletzlichkeiten. Narben und Falten in Gesicht und auf der Seele, die Kämperfurche auf der
Stirn, die oftmals erschlafften Mundwinkel, das Ergrauen der schütter werdenden Haare,
das selten über eine Nacht kommt. 

Das Lächeln inmitten von Faltungen in Gesichtslandschaften, das doch auch immer
wieder manchen Schmerz überspielt. 

 

Meine schlimmsten Demütigungen habe ich erfahren, als ich dem Apparat des "Job-Centers" 
ausgesetzt war. Als meine Lebenserfahrung abgestraft und mit Füßen getreten wurde.
Damit auch meine Würde. Und die Würde meiner Familie. 

Die völlige Ignoranz der "Sozialdemokratie" für diesen würdelosen Umgang nicht nur mit
meiner Person ist ein Akt tiefster Verdrängung. "Die Unfähigkeit zu Trauern" der Eheleute 
Margarethe und Alexander Mitscherlisch findet da ihre entsprechende Fortsetzung
 in der 

"Unfähigkeit, Verantwortung zu übernehmen" für vergangene Fehler und Versäumnisse. 

In der Verwaltung von "Verantwortung", die weniger Fragen und Probleme der Gesellschaft
lösen als nach unten delegieren zu wollen scheint. 

Und unten ist in einer Gesellschaft, deren Staatsform sich mehr dem "Haben" als dem "Sein"

in einem blanken "Materialismus" von größtenteils völlig aufgeblasenen Zahlenwerten
verschrieben hat der- oder diejenige, der eben nichts (mehr) hat.
Der "Antrags- und Bittsteller" wird zum Eigenverantwortlichen seiner oder ihrer Misere.

Und damit zum Spielball in einem Paragraphendschungel, der jeden Schiedsrichter auf 
dem Feld in 90 Minuten Ballgekicke völlig überfordern würde. Und mit Antrags- und BittstellerIn
wird so auch seine oder ihre Familie in die Gefangenschaft der Verantwortungslosigkeit der
überforderten Verwaltung dieses Seins, das letztlich nur das Haben von Zahlenwerten kennt
und schätzt genommen.

 

"RE-Gnose" ist ein Begriff, den ich zuerst bei dem "Trend- und Zukunftsforscher,
Publizist und Visionär" Matthias Horx gefunden habe.
"Im Gegensatz zur PRO-Gnose schauen wir mit dieser Technik

nicht "in die Zukunft". Sondern von der Zukunft aus ZURÜCK ins Heute."

So Horx eingangs zu seinem Artikel

"Die Corona-Rückwärts-Prognose: Wie wir uns wundern werden,
wenn die Krise „vorbei” ist". 

Horx datiert seine "RE-Gnose" in den Herbst 2020. 

 

Harald Welzers "Alles könnte anders sein" ist ja auch nett.
Eine schöne Vision. Haben aber diese Leute die tiefe Kluft zwischen Anspruch und

Wirklichkeit jemals selbst erfahren? Haben sie die Demütigungen dessen und derer,
die erhobenen Hauptes für eine funktionierende, und für eine bessere und den
Menschen und ihre Mitwelt mehr 
achtenden Gesellschaft im Alltag bewusst
oder unbewusst täglich kämpfen und dafür wer 

weiß wie oft angefeindet und verhämt wurden jemals erfahren? 

 

Man weiß es nicht. Aber auch diese durchaus konkrete Frage an konkrete Personen wird
wahrscheinlich wie immer nicht ankommen. Und somit unbeantwortet bleiben. 

Und was dann im Herbst 2020 sein wird? Das dürfte für Herrn Horx oder Herrn Welzer oder 
Herrn Precht oder all die anderen da eigentlich eher ein geringeres Problem sein.

 

Es ist, was es ist. 
 

 


 

 

 

 

25.03.2020

China und der Westen. Und WIR. Einmal mehr.

 

"Chinas 'Tschernobyl Moment' oder Chinas Vorherrschaft?"

Diese Frage hat viele Facetten. Für jeden. Auch für diejenigen, die immer noch meinen,
dass es kaum von Interesse sein kann, wenn in China ein Sack Reis umfällt. 

 

Zunächst also nochmals kurz zur alles beherrschenden "Corona-Krise": 

Die "Selbstlosigkeit Chinas" bei der Hilfe Italiens: Die Lombardei hat Hilfe bei China und Kuba und

Venezuela angefragt und zumindest von China und Kuba auch erhalten. Venezuela, das wurde

noch am Sonntag mehrmals in der Tagesschau berichtet, ist ja ein bitterarmes,
heruntergewirtschaftetes 
Land, das seine Menschen mutwillig dem Virus und mehr aussetzt.

Wieviele unserer "Partnerländer" damit überfordert sind und deren Bevölkerung nicht unter
Sanktionen der Weltwirtschaft, insbesondere des "Wertewestens" unter Führung der US leiden,
wie eben Venezuela und der Iran und andere wurde da nicht gesagt.
Geht der "Kalte-Kriegs-Modus" also unterschwellig weiter?

Auch Russland schickt Italien nach einem Anruf Putins bei Conte Hilfe.
Eine Meldung vom Wochenende auch bei "Heute" im ZDF. 

Größere auch mediale Verwerfungen im ""Kalter-Kriegs-Modus"?

 

Auf der Seite des indischen "Manohar Parrikar Institute for Defence Studies and Analyses (MP-IDSA)" schreibt ein israelischer Forscher am Begin-Sadat Center für Strategische Studien über

"Chinas Programm für biologische Kriegsführung und der seltsame Fall der Dr. Xiangguo Qiu". 

Ob die Dame da als Doppelagentin arbeitete oder was genau da hier geäußerte
Verdachtsmomente auslöst, das bleibt erst einmal im Dunkeln.
"Verschwörungstheorien" sagt der Normalbürger. Der hat aber in der Regel auch keinen Schimmer
von "Geheimdienstaktivitäten" insbesondere 
in Zeiten wie diesen. Und der "Arbeit" von so genannten "Denkfabriken" darin. Zumal wenige Tage zuvor die chinesische "Global Times"
über "Unregelmäßigkeiten" beim Schließen des US-Forschungslabors für 
biologische Waffen in Fort Detrick, Maryland berichtete.  

 

Dass der Bewohner des Weißen Hauses in DC in seiner Twitter-Verwirrung anfangs ständig auf
China wies, wenn es um sein eigenes fehlendes Krisenmanagement ging - geschenkt. 
Joe Penny schreibt dann auch im Intercept, "Während die US China für die Coronavirus-
Pandemie verantwortlich macht, bittet der Rest der Welt China um Hilfe". 

Die bald folgenden gewaltigen Wirtschaftshilfen insbesondere für US-Unternehmen, das schon vorher angekündigte "Helicoptergeld" für den "Ordinary Joe": Wahrscheinlich schwant es "Make America Great Again Donald" allmählich, dass China eigentlich die US, bzw. deren Außenhandelsdefizit in Form von gewaltigen Mengen an Staatsanleihen besitzt und ein Einbruch der chinesischen Wirtschaft mit Wachstumsprognosen um 2-3 % zwangsläufig einen größeren Knall als 2008 mit der Subprime

und 2011 mit der vergleichsweise sanften Landung der chinesischen Immobilienblase 

nach sich ziehen wird?
"Die New Yorker Wall Street hat inmitten der Coronavirus-Pandemie ihren besten Tag seit fast 90 Jahren erlebt." Am 24. März 2020 steigt der Dow-Jones-Index um 11,4%. Geschah zuletzt in dieser Stärke 1933. 

Soweit also zur "Rationalität" der Börse. Aktionäre stürzen sich auf die Milliardenhilfen für die Unternehmen. 

"Joe, der Klempner" und sein "Kumpel bei VW am Band" und die vielen anderen ohne Anlagekapital werden da wohl in die Röhre gucken und sich um die Krümel streiten dürfen. 

 

Und Europa? Die Berliner Zeitung titelt da recht moderat:

"Die Euro-Zone steht vor einem radikalen Umbau.

Die Wirtschaft bricht ein. Staaten müssen Unternehmen retten – und selbst gerettet werden."
(Danke, Alexander Jobst für den Hinweis).

 

Wenn sich einige andere Nachrichten bewahrheiten, dann stehen wir kurz vor einem globalen Wirtschaftskrieg, der als "Bürgerkrieg" allerorten weitergeht. "Transnationale Unternehmen"
machen da einmal mehr den Anfang. Ihre "Rechtsberater" weisen ihnen den "legalen" Weg.
Schuldner aller Art gegen Gläubiger und umgekehrt.

Ganz gleich. Auf allen Ebenen.
Der Bankrotteur da im Weißen Haus hatte noch nie ein Händchen für elegante Geschäfte.
Einer seiner dümmsten Vorgänger an plumper "Bauernschläue" wusste ja seinerzeit
auch nicht das französische Wort für "Entrepreneur".
Anders als am "schwarzen Freitag", der ja eigentlich auch ein Donnerstag war,
der 24.Oktober 1929.
 Die "Flucht der Anleger in die Märkte", um sie danach
"ganz legal" zu plündern". Aber ähnlich verheerend. 

 

Vor dem Umbau kommt wohl erst einmal der Vorschlaghammer zum Einsatz. 

Wer will noch was, wer hat noch nicht? 

Die einfache, ehrliche Frau und ihr Mann, so er noch lebt indes sollen
weiterhin glauben, dass alles zu ihrem Besten geschieht.
Im Zuge der "Coronavirus-Pandemie".
"Corona-Impfstoffe" und anderes, etwa die
"Klugheit beim Eindämmen des Corona-Virusses in Südkorea und Taiwan" 
auch in Hinweisen von jungen Westlern, die dort leben
interessieren in diesem vielstimmigen Gewirr und dem entsprechenden
Aktionismus an vordersten Fronten da kaum noch. 
Auch wenn die Dämme schon längst gewaltige Risse zeigen und 
das "Hinterland" so bald bedroht ist, überflutet zu werden. 
Die Menschen da in ihren "Quarantäne- und Ausgangssperre-Gebieten" - 

sie waren ohnehin immer in der Geschichte nur dazu verpflichtet, die
Entscheidungen willfähriger Vollstrecker und ihrer ohnmächtigen Gespieler
und Gespielinnen in Staat und Verwaltung hinzunehmen.
Koste es, was es wolle.

So wie unsere Vorfahren. Die auch meinten, mit ehrlicher Arbeit ihre und die
Haut ihrer Liebsten retten zu können. Die zumindest in Würde so allem
widerstanden. Hier und überall in einem "globalen Dorf", das schon längst
eine "globale Stadt" geworden ist, in der aber auch langjährige Bewohner
immer noch als Dorftrottel behandelt werden dürfen. 

Am helllichten Tage. Wenn die Untat kommt, wie der Regen fällt.
"Wenn die Verbrechen sich häufen" und so unsichtbar werden. 
Und ein Gespräch über Bäume fast schon ein Verbrechen ist. 

 

"An die Nachgeborenen". Einmal mehr. 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

24.03.2020

"Warum gerade ich?"

 

Das wird sich mancher in der Lombardei und der Emiglia in diesen Tagen fragen.

"Warum gerade meine Familie?" wird da mancher Angehörige laut oder leise fragen, der nicht einmal dabei sein kann, wenn Eltern, Großvater oder Großmutter aus dem Leben scheiden. 

La nonna, il nonno. Gechichtenerzähler. Ankunftspunkt auch für die Kinder in der Kleinstadt der eigenen Herkunft. Heimat am Wochenende bei der Flucht aus der hektischen Großstadt. In Würde gealtert. Geblieben. Immer da. Und nun die Gebeine der gebrechlichen Alten in anonymen Särgen mit Militärkonvois in eine Nachbarstadt gebracht. Umverteilung der Toten. Wo noch Kapazitäten frei sind. 

Kein Ort. Nirgends eigentlich in solchen Zeiten. 

 

Slavoj Žižek vergleicht die Phasen der Verdrängung der eigenen Sterblichkeit,

wie Elisabeth Kübler-Ross sie dargelegt hat mit der gesellschaftlichen Reaktion auf Covid-19. 

In "Wir Verdrängungskünstler: wie das Coronavirus uns verändert",

zeigt er aber auch im letzten Kapitel, an welcher Wegscheide die Überlebenden
stehen werden: "Solidarität oder pures Überleben?"

Im Angesicht des eigenen Todes und der eigenen Sterblichkeit, bei Verlust
der Liebsten, die ja auch Teil unserer selbst sind kommt unweigerlich 

Hamlets Frage nach Sein oder Nicht-sein auf. Auch unserer selbst.

 

Quarantäne und Ausgehsperren werfen aber auch die Frage des sozialen Status,
sprich die 
Klassenfrage auf, wie Andreas R. Graeff richtig bemerkt: 

der oder die Obdachlose ist ohnehin schutzlos. Und wo die Kinder im Garten spielen können,
da ist eine Ausgangssperre oder gar Quarantäne sicher leichter erträglich als
wenn 10 Personen in der Hochhaussiedlung auf 45 m2 hausen. 

Die Frage des Wohnens und der Bezahlbarkeit des Ganzen auch auf Dauer nun
über die Folgen dieser Krise hinweg ist also ganz essentiell, wie Andreas Schlutter
und verdi. denn auch im Hinblick auf Kurzarbeitergeld in einer Petition richtig fordern. 

 

Welche Grenzen setzt uns also diese Zeit? Wie gehen wir damit um?

Was eröffnet diese Zeit andererseits wieder uns und den Nachgeborenen?

Pepe Escobar feiert in einem grandiosen Artikel in der Asia Times, rasch von
Manfred Hulverscheidt übersetzt die Ankunft chinesischer Hilfe in Italien als
"Treffen von chinesischem und griechisch/lateinischem Stoizismus".

Das Aufrollen eines Transparents auf dem Mailänder Flughafen Malpensa durch die
chinesische Delegation 
mit der denkwürdigen Aufschrift, Seneca, Lao-Tse und andere
eurasische Dichter und Denker aufgreifend: 

"Wir sind Wellen aus demselben Meer, Blätter vom selben Baum, Blumen aus demselben Garten",
bevor die chinesischen Helfer dann an die Arbeit der Verteilung von Hilfsgütern und die gemeinsame Beratung bei der Heilung der Wunden gehen jedoch ist sicher auch ein bewegender Moment. 

 

"Chinas 'Tschernobyl Moment' oder Chinas Vorherrschaft?"
fragt Pepes Kollege Spengler alias David Goldman bei der Asia Times dann auch. 

"Westliche Länder werden harte Entscheidungen zwischen individueller Freiheit und
öffentlicher Sicherheit zu fällen haben. Jene Art von Entscheidungen, die normalerweise
in Kriegszeiten gefordert sind".

Der letzte Satz von Spenglers Artikel ist klüger als vieles,
was wir derzeit erleben in den öffentlich rechtlichen Medien.

 

"Solidität und Solidarität" sind da gefordert. Und kluges Vermitteln zwischen Plan A, B und C.
Dafür jedoch bedarf es ebenso einer solchen Stoik, wie Pepe sie eben in seinem Artikel umreißt.

Und der Demut des nicht alles Wissenden. Aber dessen, der das Ganze eben auch als neue
Situation mit "Modellcharakter" wahrnimmt und somit auch als Herausforderung vermittelt. 
Diese Fehlbarkeit des eigenen Seins oder Nicht-Seins  jedoch vermögen nur wenige der
politischen und wissenschaftlichen Eliten dort überzeugend darzustellen. Zumal im Hinblick auf
das ganze Haus, die ganze "soziale Plastik" Gesellschaft hier wie dort.

 

 


 

22.03.2020

Mathe, Massen, weiße Elefanten, die Corona-Rezession und Altersweisheiten

 

David Harveys Talk zu "Maß und Masse des Wachstums" beginnt mit einigen Grafiken zu 

Chinas Zement- und Stahlverbrauch besonders in den letzten zwei Jahrzehnten und fährt
dann fort mit anderen Hinweisen zu Themen von Statistik, also Mathematik, Massen von
Menschen und anderen Maßstabssprüngen auch gerade im 
Verhältnis von China und
dem Westen, von Menschen 
und Systemen, von manueller und physischer Arbeit und
von der Menschheit 
und ihrem CO2 Ausstoß derzeit. Lange rätselte ich, ob er von "Math"

oder von "mass" sprach. Ein spannendes Übersetzungsdilemma, das bei beiden Wegen

jedoch durchaus Sinn macht.
Auch der große Humangeograph und Sozialtheoretiker verfällt bisweilen in "Unilateralismus".
Etwa, wenn er sagt, dass in Anbetracht des enormen 
CO2 Gehalts in der Athmosphäre,
der so seit den 1960er Jahren exponentiell angestiegen ist 
die Reduktion des 
CO
2 Ausstoßes nichts hilft. Die von ihm geforderte Extraktion des CO2 aus 

der Athmosphäre, die Reduktion des CO2 Ausstoßes und als dritte wesentliche Komponente,
die Förderung der Resilienz, also der Abwehrkräfte lokaler Bevölkerungen jedoch durch
den partizipativen Ausbau integrativ nachhaltiger Infrastrukturen und damit die
Bekämpfung lokaler Umweltzerstörung müssen da schon zusammen wirken.

 

"Die Spur der weißen Elefanten - Der Streit um sportliche Großereignisse" 

indes greift eine siamesische, also südostasiatische Version des Mythos

vom "trojanischen Pferd" auf und zeigt, wie der Konkurrenzkampf von Städten
um die Austragung der olympischen Spiele diese Idee pervertiert und die Städte
und Staaten in 
grausame Geflechte von Korruption und Verschuldung wirft. 

"Solidität und Solidarität" sind auch da erforderlich, wie Ranga Yogeshwar
so schön sagt. 

 

Man hat ja etwas Zeit jetzt am Wochenende. Corona und die sozialen Kontakte. 

„...ernsthaft vorerkrankte Personen im hohen Alter.“ - Das Reutlinger Tageblatt

hat den Bericht des Istituto Superiore de Sanità, der obersten ital. Gesundheitsbehörde,

ausgewertet." Aber: auch unser Gesundheitssystem ist in den letzten Jahrzehnten drastisch
heruntergefahren worden. Die Zwei-Klassen-Versorgung und deutliche Trennung zwischen
Kassen- und Privatleistungen ist schon lange Realität. Und: einen sehr großen
Bevölkerungsanteil alter Menschen, also gesamtgesellschaftlich ein hohes
Durchschnittsalter der Gesellschaft haben wir auch. Insofern eben auch einen großen Teil
hoch gefährdeter Menschen. 
Im Beitrag des Reutlinger Tageblattes ein Interview mit einem örtlichen Intensivmediziner
zeigt zudem, dass man da besser informiert, als man dem Blatt so immer nachsagt. 
Danke an Claudio, Sava, Micha und Albrecht für diese Info. 

 

Kensington FM, also der alte im gleichnamigen Londoner Viertel beheimatete
Störsender aus WK 2, der den braunen Schergen auf der anderen Seite des Kanals
von dort aus immer wieder geschickt ans Bein pinkelte hat auch ein nettes Programm:

"Altersweisheiten" mit Dirk C. Fleck, in der Reihe "M-Pathie". 

"In Würde gealtert", der Gute. Schön, ihn so zu hören. In den Kommentaren zum Video 
sagt auch jemand, man habe ihn "früher" für "arrogant und dystopisch" gehalten. 

Da auch mir diese Etikettierung nicht fremd ist, ist es sehr genussvoll,

diesen "Altersweisheiten" im Gespräch mit Rüdiger Lenz zu lauschen.

Dennoch auch hier: manche, die er da erbarmungslos als "Lügner" bezeichnet, die
scheinen da eher mit den vielen Ebenen und Seiten von "Realität(en)" einfach

überfordert zu sein. Also eher: "Menschlich-allzu-Menschlich".
Dass sie sich und uns dann ihre "Realitäten" so zurecht 
biegen,
wie es ihnen die gleichfalls zumeist eher "unilateral" agierenden
Medien erlauben:

das ist dann wieder etwas anderes.
Überforderung allenthalben.

Besonders in solchen Zeiten. 

 

In diesem Sinne: schönen Sonntag!
Bleibt gesund!

 

 

 

 

 

 

 

21.03.2020

Pleiten, Pech und Blasen

 

Es gibt unzählige ruinierter Bauprojekte wie hier gezeigt von Adrian Rheinländer.
Aber der Titel "Die Ästhetik des Scheiterns" ist schön. 


"Archiflop" von Alessandro Biamonti, Architekt und Design-Dozent in Mailand präsentiert da auch
viele spannende fehlgeplante Ruinen auf sehr schöne Art und Weise. 

Alleine die einzelnen Kapitel-Überschriften sind schon wunderbar:

"Sie dachten, sie wären so viele" für Geisterstädte und Shopping-Malls ohne Käufer

"Sie dachten, sie würden so reich werden" für andere Pleitenprojekte,

"Sie dachten, keiner würde es bemerken" für offenkundig hybride Fehlkalkulationen,

"Sie dachten, sie hätten so viel Spaß" für verlassene Vergnügungsparks u.ä.


Die chinesische Immobilienblase von 2011 ist da immer noch die imposanteste Hausnummer. 
64 Mio. leer stehende Neubau-Wohneinheiten, wer weiß wie viele Billionen Quadratmeter leer stehende Büroflächen, Hotels, Stadien usw. usf.. Und vieles davon produziert mit dem Geld aus US-Staatsanleihen, also dem US-Außenhandelsdefizit: Das ist schon großes Scheitern.
Hier mal ein Link zu einem der ersten Berichte im Westen darüber seinerzeit, von einem australischen Team gedreht, habe ich damals durch einen Blog von einem Stadtplaner und Berater von US-Präsident Obama erhalten. 

Bürogebäude mit Vermietungsquoten von 10-20 % über Jahre und Jahrzehnte sind auch hierzulande vielerorts lange die Regel, nicht die Ausnahme gewesen. Sind aber noch schwerer feststellbar als die hier dargestellten, eher im Nirvana des öffentlichen Raums beheimateten Ruinen.

"Betongold" eben. (Immobilien-) Blasen als Vorläufer von Wirtschaftskrisen,

wie David Harvey sagt. Ein faszinierender Vortrag, der in einem großartigen
Satz am Ende all das zusammenfasst:

"Der Kapitalismus in diesen Tagen ist viel zu groß zum Scheitern geworden,
aber er ist auch viel zu monströs geworden, um zu überleben."
Schönes Wochenende. 

 

 

 

 

 

20.03.2020

Die besorgten Staatslenker

 

Es ist sicher nicht leicht, an der Spitze größerer Gruppen von Menschen zu stehen. Zumal, wenn viele Dinge wegbrechen, Gewissheiten erschüttert werden. Auch eigene Glaubenssätze zeigen Risse. 

Einige Sorgen und Nöte dieser Art hat Angela Merkel durchblicken lassen. Sorgen und Nöte, die viele Menschen plagen in diesen Tagen. Nicht nur hierzulande.
Da sie gewählte Chefin der Staatsgeschäfte hier ist aber natürlich besonders hierzulande. 

 

Es ist bisweilen richtig gespenstisch draußen. Von der Anspannung der Menschen erinnert es mich zunehmend an China im Sommer 1989. Als ich damals drei Monate durch das Land nach der Niederschlagung der Studentenbewegung auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking reiste, war 20 Jahre nach der Kulturrevolution die Angst vor Bürgerkrieg überall greifbar. So wie das Corona-Virus derzeit nicht sichtbar, aber die Angst davor zunehmend greifbarer wird. 

Kurz nach meiner Rückkehr dann fiel die Mauer in Berlin. Eine Phase der Freiheit begann, die nun seltsam jäh eingeschränkt wird. Aus Gründen unserer aller Verletzlichkeit gegenüber einem unsichtbaren, aber sehr wirksamen Gegner. Auch diese Begrenzung der Freiheit nun betonte ja die Kanzlerin mit
Blick auf ihre ostdeutsche Sozialisation. 

 

Wessen Freiheit jedoch ist das? Oder andersherum gefragt:

Wie verhält sich diese Freiheit gegenüber anderen Inhalten in Staaten und Gesellschaften heute?

Freiheit des "Anders Denkenden"? Die gibt's durchaus.
Sie wird aber mehrheitlich "demokratisch reglementiert". So oder so. Irgendwie.

Freiheit des "Zahlungskräftigsten"? Vielleicht eher. 

 

Als 2013 ein Freund aus Süddeutschland eine Anfrage an mich herantrug von einem Oberst der Bundeswehr, dessen früherer Übersetzer in Afghanistan sich nach der Ermordung seines Vaters durch Taliban von seiner Familie abgesetzt hatte und auf der Flucht im Lande war, kontaktierte ich meinen besten Kontakt in Kabul zwecks Unterstützung eines beschleunigten Asylverfahrens. Jemand, der seit mehr als 40 Jahren als Deutscher im Land lebt und arbeitet, sollte dies in diesem Notfall ermöglichen können. Aber die Antwort war ernüchternd: keine Möglichkeit, kein Zugang zu Botschaft und Konsulat. 

2015 dann kam die "deutsche Flüchtlingskrise". Nachdem gerade Süditalien und Griechenland lange Zeit alleine gelassen wurden, wurden die Grenzen geöffnet für Flüchtlinge. Der Streit um den Umgang damit lähmt Deutschland und Europa noch heute. 

Ein früherer Kollege aus Kabul kontaktierte mich seinerzeit 2015 auch und bat um Hilfe.

Einer, der fünf Jahre zuvor nicht nur einmal wortwörtlich sagte, dass in London,

wo mein Arbeitgeber her kam doch die Bürgersteige aus Gold seien. 

Ich riet ihm 2015, dort in Kabul bei seiner Familie zu bleiben.

Es gibt genug beratungsresistente Menschen hier. 
Wie überall. 

 

Sind "Demokratie", "Freiheit" und "Menschenrecht" und die "Sicherheit" als Grundlage derselben käuflich?

Welche "Grundsicherheiten" gehen derzeit verloren? Für wen? 

Die Kanzlerin sprach von einem "neuen, nie da gewesenen Geschehen".  Etwas, das die schlimmste Krise nach dem 2. Weltkrieg ausmache. Das "Urvertrauen" nicht nur älterer "demographischer Mehrheiten" ist erschüttert. Viele Jüngere indes wollen weiter feiern. 

Aber die Party geht zu Ende. 

 

Wie es weiter geht, das hängt auch davon ab, wie realistisch wir mit unseren Chancen und Möglichkeiten umgehen. Das Corona-Virus wird uns für mindestens 14 Tage lähmen und auf uns selbst zurückwerfen. Lass es eher einen bis zwei Monate werden.
Die Politik "fährt ja auch nur auf Sicht" in diesen Tagen der Zeitenwende.

Manche werden dies nicht überleben. Das ist tragisch. Aber so ist das Leben. Wir sind alle sterblich. Und wir werden sicher bald heftiger für "Demokratie", "Freiheit" und "Menschenrecht" und die "Sicherheit" als Grundlage derselben einstehen müssen. So oder so.
Die "spanische Grippe" am Ende des 1. Weltkrieges kam auch nicht aus Spanien.
Dort wurde nur zum ersten Mal darüber berichtet. Die "Corona-Rezession" wird das
Virus auch nur als Katalysator, nicht aber als Ursache tragen.  

 

Und: Nouruz Mubarak! Allen persischen und afghanischen Freunden!
Allen, die das persische Frühlingsfest, unseren kalendarischen Frühlingsanfang
feiern hier und überall!

 

 

 

 

 

 

 

18.03.2020

Corona  - die "kontrollierte Rezession"?

 

Die Frage nach Henne und Ei oder erst das Ei, dann die Henne: was da zuerst kam, darauf gibt es zumal in der Situation des Nebeneinanders von Ei und Henne keine Antwort. Diese Antwort wird es erst bald irgendwann geben. Oder Versuche, darauf Antworten zu finden.

 

Wie verletzlich wir alle sind, wie verletzlich ein ganzes "System" mit uns als Gesellschaft darin:
das zeigt der "Stresstest". Unter anderem. 

Kannibalismus hat lange alles beherrscht. Unter diesen Vorzeichen der Barbarei wären Konzerne wie VW jetzt eigentlich nur eine finanzielle Masse. Kaum mehr, kaum weniger. 

 

„Es herrscht Klassenkampf, meine Klasse gewinnt, aber das sollte sie nicht“  und 
„Es herrscht 
Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse
 der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen". So wird der US-"Unternehmer" Warren Buffett immer wieder zitiert. 

 

Als "Gewinner" werden solche Leute medial hofiert. "Looser", Verlierer erhalten eher selten eine Bühne.

Geld regiert die Welt. Die Menschen? Kanonenfutter dafür. 

Berichte letzte Woche über den "drohenden Staatsbankrott des Libanon" verdeutlichen dies.

Dass dieser auch eine direkte Folge der Kriege in der Region und der damit geschürten nun kulminierten Machtkämpfe zwischen Schiiten und Sunniten ist jedoch, das wird nicht weiter thematisiert. 

Die Verhandlungen zwischen IWF und der derzeit schiitisch dominierten Regierung des Libanons werden primär aus der Sicht des Gläubigers IWF geschildert. Dass somit ausgleichende Möglichkeiten der einzige Weg nach vorne sind für sozialen und gerechten Frieden auch zwischen religiösen Gruppen in regionalen Stellvertreterkriegen - das bleibt bei solchen Berichterstattungen außen vor. 

 

Es wird von der "Gefahr einer Rezession in Deutschland" gesprochen. 

Es ist jedoch ein globales System der verdeckten Kriegsführung, das da kippt.

Der "Rechtsstaat" ist da in seinem Anspruch an größere "Gerechtigkeit" zudem gefordert. 

Auswege aus der prekären Situation sollte  auch die Berichterstattung stärker verdeutlichen. 

Nur mit "globaler Solidarität" werden wir viele Themen in den Griff bekommen. 

 

Von einer "solidarischen und freiheitlich-demokratischen Kontrolle der Rezession" im Sinne der

"Unantastbarkeit der Menschenwürde" von Artikel 1 des Grundgesetzes und der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der UN sind wir unter diesen Umständen noch weit entfernt. 

 

 

 

 

 

17.03.2020

SARS-CoV-2 und die Dauer einseitiger Maßnahmen

 

Ein Freund sandte mir die Tage einen Hinweis, wie kanadische, taiwanesische und japanische Ärzte ihre jeweiligen Landsleute zur Selbstbeobachtung hinsichtlich einer Lungenfibrose und deren Symptomen anweisen. Die größte Oppositionsgruppe Nordamerikas mit rund 32 Mio. Mitgliedern, die konfuzianischen Erben von Chiang-Kai-Sheks Kuomintang in National-China, die insofern als "Nationaldemokraten" aber rein gar nichts mit NPD und AfD zu tun haben und die Japaner, bei denen ja vieles zum Dojo, zur harten Schule der Kampfkünste wird zeigen da, wie es auch ohne kollektive Panik geht.
Sozusagen: "Aufklärung"  und Anleitung dazu, auch einmal inne zu halten und in sich hinein zu horchen statt 
martialische Töne der Kriegsführung und mehr. 

 

Die nun erfolgten Abschottungsmaßnahmen in und an Europa: werden sie einen afghanischen Flüchtling zwischen Griechenland und der Türkei daran hindern, nach Europa zu wollen? Der Deal zwischen Erdogan und Putin zuletzt, wird er zu einem sinnhaften und nachhaltigen Friedensschluss und einem Wiederaufbauprogramm in Syrien führen? Werden die gewaltigen dunklen Summen in europäischen, insbesondere in italienischen Handelsbilanzen so einfach verschwinden im Zuge der "Corona-Krise"?

Alleine die chinesischen Zulieferbetriebe der "systemrelevanten" Autoindustrie, ganz zu schweigen von den mehr als 20 Werken des "Diesel-Gate-Produzenten VW" im "Reich der Mitte"?

 

Im Prinzip hat der "Kalte Krieg" ja nie aufgehört. Der "Golfkrieg 1991: 
„Die Botschaft dieses Medienkrieges besteht weniger in der Information über die

Realität der gegenwärtig stattfindenden Kämpfe als vielmehr in der

Förderung der Möglichkeit zukünftiger Kriege.“                                           Paul Virilio

 

Jugoslawien, 911, Afghanistan: da bestand noch eine gewisse "westlich dominierte Einigkeit".

"Der Osten" fügte sich irgendwie da rein. Beim Überfall der "Koalition der Willigen" auf den Irak
war das schon anders. In der Folge wurden die Auseinandersetzungen schärfer. 

Wirtschaftskriege, Medienkriege - Virenkriege?

 

Nach 911 hätte kein chinesiches Presseorgan über seltsame Unregelmäßigkeiten beim Schließen eines biologischen Forschungslabors des Pentagon im Zusammenhang mit COVID-19 berichtet.

Die Aussagen von US-General Kenneth McKenzie zum Iran, einem der "Epizentren der 'Corona-Krise'" dazu, dass "im Krieg der Tod eine permanente Angelegenheit sei", insofern Sanktionen um jeden Preis beibehalten werden? 

 

Spannende Zeiten. Barbarische Zeiten?

Und Europa? Das Ende der Austerität: Wird die Rettung der "systemrelevanten" Auto-Industrie, insbesondere VW einmal mehr ein Fass ohne Boden? So wie einst bei der Deutschen Bank?
Oder: wie geht's weiter mit der "(neo-) liberalen (Post-) Demokratie"?

 

Anders gesagt: die Grenzen sind nun weithin sichtbar. 

Will man weiterhin das "Erbe der Aufklärung" bemühen,

um so das Volk zu verblöden?

Die Aufenthaltsdauer des Virus hier wird auch davon abhängen, wie sehr man 
die Menschen einbindet und ihre Eigenverantwortung schult. 

 

Schafe sind klüger als Lemminge. Die hat man in der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts

mehrmals gerade in Deutschland gezüchtet und dann den Hang
hinunter gestürzt oder vor die Mauer gestellt. 

 

Auch Medien- und Wirtschaftskriege kann man heute als

asymmetrische Kriege nicht gewinnen. 

 

 
 

 

 

 

 

 

16.03.2020

SARS-CoV-2 und die Vulnerabilität

 

sprich: die Schwächsten der Gesellschaft. Nicht nur bei uns. 
Corona und das danach bald erfordern schon jetzt in vielerlei Weise ein Umdenken. Hin zu mehr Verantwortung und Solidarität. Nicht nur mittelständische Unternehmer haben da berechtigte Sorgen.

Viren sind wie Wasser und Luft. Sie kennen keine Grenzen. 

 

Andererseits: warum gerade Norditalien als Epizentrum in Europa?

Hat das etwas mit den zehntausenden von Chinesen zu tun, die dort in der Textilindustrie und Schuhindustrie in prekären Verhältnissen arbeiten? Welche Querverbindungen gibt es

zu Wirtschafts- und Handelsbeziehungen und deren "Nachhaltigkeit"?

Oder: Kommen wir schneller zu Kipppunkten, als uns lieb sein kann?

 

Nach der kurzen Phase der nationalen Abschottung sind neue Handelsformen erforderlich.

Dinge und Vorschläge, die lange Jahre immer ignoriert wurden, sollten nun endlich erprobt werden. Gemeinwohl in lokalen Kreisläufen, aber globaler Vernetzung sollte endlich flächendeckend gefördert werden. Italien und damit in erster Linie Conte und di Maio zeigen da ganz deutlich, was verantwortungsvolles Handeln im europäischen Rahmen betrifft.

Auch wenn das Land vielleicht spät reagiert hat.

Das kann man ihnen jedoch so kaum zum Vorwurf machen.
Giuseppe Conte als Apulier, also aus dem Süden kommender Jurist ohne politischen Stallgeruch hat sicher viele Qualitäten. Er ist kein Machtpolitiker, aber ein kluger Stratege, der pragmatisch glaubhaft darlegen kann, dass es ihm um sein Land und seine Leute geht. Ein Freund von mir hier mit gleichfalls italienischen Wurzeln sagt:
"Er gibt den Italienern ihre Würde zurück".

Vielleicht, weil er viele Eigenschaften, die eigentlich den Überdruss vieler Menschen
am politischen Establishment begründen eben nicht hat.

 

All das ist schwer bis unmöglich zu sagen und abzusehen zum jetzigen Zeitpunkt. 

Auch die Frage der Anfälligkeiten für das Virus. Also, wieso und ob das
"Schwere akute Atemwegssyndrom Coronavirus 2“ mit dann auch lebensgefährlichem
oder gar tödlichem Verlauf bei wem bevorzugt auftritt. Welche Disposition da abgesehen
vom Alter milden oder akuten Verlauf begünstigt. 

 

Seltsame Zeiten. Aber: wir werden sicher noch häufiger solche Situationen erleben. 

Ob mit Viren oder sonst etwas. 

 

Also: einen gesunden Start in die Woche erst einmal. 

 

 

 

 

 

 

15.03.2020

Covid-19 und die "Krise als Chance"

 

und das auf allen Ebenen. Zu allen Seiten. 
Derzeit wird ja noch eher "Schadensminimierungsmanagement" betrieben.
"Die Wirtschaft" und ihr freier Fluss, ihr freies Wirken jedoch ist dabei die letztlich
maßgeblich gestörte Conditio sine qua non. 

 

Etwas in unserem globalen Handel untereinander läuft also verkehrt.

Das Dicht-machen der Grenzen nun macht dies ganz offenkundig deutlich. 

Etwas in unserem lokalen Umgang untereinander ist gleichfalls maßgeblich gestört. 

Auch da legt das Virus buchstäblich den Finger auf die Wunde. 

 

 

Bilder wie dieses, jetzt aus einem Medium-Artikel von Brad Zarnett aus Toronto sagen mehr als viele Worte.

Brad sagt darin auch, dass bisher alle Strategien und Vorschläge, um massive Umweltzerstörung, Artensterben und Klimawandel wirksam zu bekämpfen kläglich gescheitert sind.
Eigentlich einen wirklich "pragmatischen Realismus" einfordernd sagt er auch:
"Das Risiko, den bisher verfolgten Weg weiter zu gehen und unser altes Verhalten

beizubehalten ist größer als der Versuch, etwas 'Neues' zu wagen."

 

Konkret zur Covid-19-Pandemie sagt er dann: 
"Könnte dies der Auslöser sein, den wir brauchten, der uns endlich dazu bringt,
unsere Emissionen unter Kontrolle zu bekommen? Die Zeit wird uns das sagen, aber jetzt

erscheint es, so tragisch es ist, dass dieses schreckliche Virus unsere beste Chance zum
Abwenden einer Klimakatastrophe ist."

 

Am Ende resümiert Brad:

"Vielleicht waren das Ignorieren des Verlusts von biologischer Vielfalt, von gesunden Ökosystemen
und generell menschlichem Wohlbefinden zugunsten einer gesunden Börse die falsche Wahl. Das Wirtschaftssystem, mit dem wir den Planeten hier betreiben ist eine Katastrophe. Es ist höchste Zeit,

den Fokus dorthin zu setzen, wo er hin gehört."

 

Es gibt unendlich viele, seit langem ignorierte Vorschläge dazu. Von vielen Seiten. Auf allen Ebenen.
Zu allererst erfordern sie "Gemeinsinn" und das "Gemeinwohl", die als Prämisse über individuelle
(Profit-)Interessen gestellt werden. Das fängt ganz einfach damit an, dass lokale Wertschöpfung und damit geringe "graue Energie" in Produktionszyklen bemessen und gefördert werden. Das geht weiter damit, dass Klein- und Mittelunternehmer unterstützt werden bei der Anschaffung von Laptops, damit unsereiner auch als Bauleiter per ÖPNV auf Baustellen kann und Protokoll etc. in RE oder S-Bahn schreibt usw., usf.
Und es geht weiter über alle Infrastrukturen, die im Zuge einer "Ökonomie des Alltagslebens"
eben unter diesen Prämissen neu definiert werden.


Verfassungsreform, besser: Annäherung von (Verfassungs-) Anspruch und (Verfassungs-) Wirklichkeit
unter diesen Vorzeichen inklusive.
Der globale "Schuldenschnitt" , englisch auch "haircut on debt" beim Neu-Booten der Wirtschafts- und Handelssysteme ist darin eigentlich nur noch eine Formsache. 
Sozusagen der Besuch beim Friseur mit den Kindern am Samstag Morgen. 

 

Sterben werden wir so oder so, früher oder später. Die Würde dabei auch unserer Hinterlassenschaften:

das ist das Entscheidende. Ob mit oder ohne Covid-19 als bisher isolierte aggressivste Form der Gruppe der Corona-Viren. 

 


 

 

 

 

 

13.03.2020

Welch ein Tag,

 

"Freitag, der 13.". Und überhaupt. 

Es gibt ja immer wieder Dinge und Ereignisse, deren Gewicht in der Luft einen Menschen belasten.
Die ihm oder ihr dann aber auch wieder Kraft geben. 

So jobtechnisch bin ich ja eher mit "Luxus-Wohnimmobilien" derzeit beschäftigt. Chef spielt da schon in einer Liga. Hat halt Glück gehabt mit vielen Dingen. Aber eigentlich ist er auch ein Freak. Und derzeit braucht er unsereinen ja schon. Und so irgendwie hat sich da schon eine ganz diffuse Art von Vertrauen und Zuneigung entwickelt. Zumindest eines haben wir sicher gemeinsam: Diven sind wir als so genannte "Kreative" so oder so. Und eins ist ganz sicher klar: so mittelständische Unternehmen steuern im Zuge der Pandemie auf ganz ungewisse Zeiten zu. 

 

Meine Art der Kommunikation mit Partnern und Fachingenieuren hat mir schon öfters bei den Kollegen den Ruf des "Fachingenieurverstehers" eingeheimst. Dass da manche Winkelzüge und Scharaden für einen Architekten, der immer als solcher gearbeitet hat schwer verständlich sind, das ist klar. 

Wie dem auch sei: mein Schreibtisch ist für beide Projekte, die ich da leitend bearbeite
jetzt erst einmal blank geräumt. 

Auch wenn vor leeren Rängen oder erst mal gar nicht weiter gespielt wird:
der Ball ist schon mal über der Mittellinie. Gut.

 

Im Marokkanischen Supermarkt hier in der Nachbarschaft: würdevolle Anspannung. Vorgezogene Wochenendeinkäufe. Viel Zeugs. Man ahnt, dass da etwas im Busch ist.
Vorbereitet sein für die Familie ist wichtig. Immer. 

Im Discounter dann ähnlich: eine gewisse angespannte Ruhe. Zum ersten Mal seit langer Zeit bemerkt man wieder, dass viele Menschen Wert auf Blickkontakt legen. Die zuletzt vorherrschende Ignoranz des abgewendeten Blickes ist seltener geworden. Wir sind auf tiefere Instinkte und ihre Signale angewiesen. 

Gut so. Zeit für lange da liegende ungelesene Bücher. Vielleicht. 

 

Kommen wir also früher als ich dachte zum globalen Schuldenschnitt? Vielleicht.
Wenn wir's klug genug anstellen. Könnte sein. 

Gute Nacht. 

 

 


 

 

12.03.2020

"Das Virus" und Das Zu-Hause-sein

 

"Indem der Mensch denkt, erbaut er auch sich selbst"sage ich jetzt mal im Rückgriff auf René Descartes, Paul Valéry und auch Martin Heidegger und Christian Norberg-Schulz.

 

Am Wochenende waren meine Eltern kurz hier, beim Geburtstag eines Bruders meines Vaters. 
Mein 83-jähriger alter Herr sagte auch, dass ihn natürlich solch ein Virus umbringen würde. Der Gute, der Gott sei Dank viel klarer ist als sein 4 Jahre älterer Bruder skypet auch mit seinen Enkeln in den US. Aber natürlich sehnt er sich auch nach ihrer physischen Nähe. 

 

Boris Palmer, der Tübinger Oberbürgermeister war mir als Architekt bisher oft recht suspekt aufgrund seines häufig sehr einseitig klingenden unbedingten Plädoyers für gedämmte Häuser, auch "eingepackte Altbauten". Seine Hinweise jedoch auf angemessene (Re-)Aktionsweisen abseits des "Herdentriebes" im Föderalismus gerade zum Schutz der Alten und Schwachen sind völlig richtig. Wenn die Großeltern die Enkel bekommen, weil die Eltern arbeiten müssen, dann gefährdet man diese am meisten. 

Darf nicht sein. 

Bei der letzten großen Pandemie, der paradoxerweise so benannten "spanischen Grippe" am Ende des
1. Weltkrieges waren es zumeist junge Erwachsene, die den geringsten Schutz hatten. 

"Paradox" ist die Namensgebung der "spanischen Grippe", die aus der als erste berichtenden freien Presse iIberias als eines der wenigen neutralen Länder Europas am Ende des fürchterlichen Gemetzels
des 1. Weltkrieges resultiert. Auch damals waren wohl die Erreger von Tieren, in diesem Falle von Schweinen zum Menschen übergegangen. Ursprünglich aber im Mittleren Westen der USA.

 

Andererseits - oder vielleicht auch - wiederum erzeugt nichts so viel Angst wie die Ungewissheit. 

Das Lächeln sollte man dabei niemals verlernen. 

Ein "Zu-Hause-Sein in sich selbst" sollte daher auch nach der Pandemie und Quarantäne und anderen Maßnahmen ein wesentliches Ziel des Ausgleichs eines Wiederaufbaus von Wirtschaft und Gemeinschaft sein. Für alle. 
 

 

 

11.03.2020

Covid-19 im Land, wo die Zitronen blühen

 

Italien ist ja nicht erst seit Goethes Italienischer Reise ein Sehnsuchtsland der Deutschen. Das Land, das  vom "Corona-Virus" neben China und Südkorea am stärksten betroffen ist, insbesondere in seinen Wirtschaftszentren der Lombardei und der Emilia hat eben dieses "Dolce fa niente" und "La vita e bella" Lebensgefühl, das viele Teutonen gerne hätten. Die schnelle Testung der Bevölkerung, die rigorosen Maßnahmen der Eindämmung des Virus bei rapide hochschnellender Letalität - vom 7. auf den 8. März gleich 133 Opfer des Virus an einem Tag:

das Land und seine Menschen leiden in unermesslichem Ausmaß. 

Die drastischen Maßnahmen der Regierung, die letztlich inzwischen das ganze Land zur Sperrzone deklariert hat, sind darin begründet. "133 auf einen Streich": das tapfere Schneiderlein wäre begeistert. 

Die "Weltmeister des versteckten Fouls": wer erinnert sich nicht an die 110. Minute

des Sommermärchen-Finales 2006 der Azzurri gegen Zizous Frankreich und den

Kopfstoß des Königs gegen den Matchwinner Materazzi? 

Großes Kino. Großes Theater. 

Die dunklen, versteckten Bilanzen. Wie heißt es doch so schön:

"Traue keiner Statistik, deren Parameter Du nicht selbst bestimmt hast!" oder

"Traue keiner Bilanz, deren Zahlen Du nicht selbst gefälscht hast!"

 

Das gilt für die "Weltmeister des versteckten Fouls" noch viel mehr als für andere. 

Was nichts gegen Italiener heißen soll. Ein wunderschönes Land. Die meisten UNESCO-Weltkultur-Erbestätten. Der Faschismus des Duce war irgendwie eleganter. Auch in Kunst und Architektur viel integrativer und aufgeschlossener als die Teutonenmasche der Entartung später. Wo der Deutsche starre Regeln und Gesetze als sich kreuzende Leitplanken braucht, da haben die Italiener weißen Rauch, der von Päpsten und anderen Führern della famiglia santa kündet. Der Pugliese Conte, der ja auch geschickt Salvini desavoriert hat, wartete mit der Sperrung auch der Landesteile südlich von Rom ab, bis die letzten Züge in den Mezzogiorno letztes Wochenende aus Turin und Mailand abgefahren waren.

"Siete arrivati alla famiglia? Va be - adesso prendiamo il catenaccio e chiudiamo il paese!"

"Seid Ihr bei der Familie angekommen? Alles gut - dann sperren wir jetzt das ganze Land mit dem Abwehrriegel ab!" Giuseppe ist eben ein fürsorglicher Landesvater.

 

Auch in dieser Krise zeigt sich in der Erbfolge von Paolo Sorrentinos "Il Divo" Andreotti als graue Eminenz der ersten italienischen Republik in 33 Regierungen von 1945 bis 1999 und siebenmaliger Ministerpräsident und des "Cavalliere" Berlusconi als immerhin viermaliger Regierungschef im Zeitraum 1994 bis 2011 italienische Kontinuität. "Loro" eben. Auch "Die Verführten". 
 

Diese Eleganz der Inszenierung werden eine rotblonde Schmalzlocke mit Baseball-Kappe oder eine auf dem Sofa sitzende Dame, die auch als Souffleuse kaum noch den Akteuren auf der Bühne da den Text zu sagen vermag als oberste Darsteller der Politik eines Landes niemals erreichen, 

 

 

 

 

 

10.03.2020

Corona, schwarze Montage, Marktkorrekturen,

 

Flüchtlinge zwischen den Fronten, Hennen und Eier und einmal mehr: wer oder was kommt da zuerst?

"Stresstest", "Wirtschaft ist auch Psychologie", "neue Flüchtlingskrise", "nichts gelernt?", "Verantwortung", "Infektion auch der Märkte", "Bekämpfung der Krise":
Schlagworte der Medien und der Politik in diesen Tagen. 

 

Dort, wo man sonst immer bemüht ist, feine Trennlinien zu ziehen und so auch Zuständigkeiten zu begrenzen herrscht plötzlich größere Sprachverwirrung. Was geschieht da?

Die Verantwortung für die Rezession, vor der die Angst wächst, wie man auch hört:
Corona! Nicht aber die "Marktregeln"! Und schon gar nicht Akteure in Politik und Wirtschaft.

Flüchtlinge eingekesselt in Idlib zwischen Assad und Putin einerseits und Erdogan andererseits:

Und was war da in Fallujah, in Mossul, in Afghanistan?

Wie viele Binnenflüchtlinge gibt es dort nicht erst seit gestern?

Andere Flüchtlinge eingekesselt zwischen Türken und Griechen an den Grenzen der EU dort:

Allzu häufig wird da von der Tragödie um Idlib gesprochen. Dann melden Statistiken und
andere Berichte, dass die Mehrzahl dort Afghanen sind. Menschen, die da auch schon länger 
in der Türkei gelebt haben. "Wirtschaftsflüchtlinge" denkt der Normalbürger sogleich. 

"Frieden in Syrien" wird als Lösung herbeigerufen. Auch von der Politik. 

Und Irak? Und Libyen? Und Afghanistan? Und Jemen? 

Wird es nicht Zeit, endlich die Themen der Notwendigkeit von Ausgleich und Wiederaufbau
hervorzuheben? Und wirklich ab zu arbeiten? Statt immer nur mit "ad hoc Mitteln" Symptome

zu verpflastern? Und zu trennen, wo das "Teile und herrsche" Vorteile und Machterhalt garantiert,

aber wie jetzt in Momenten der hoch kochenden "Krise" Verwirrung zu stiften durch geradezu
banale Vermengungen? Oder - als Frage gerade an viele führenden Politiker in diesen Tagen:
glauben Sie das selbst noch, 
was Sie da in dem einen oder anderen Modus
täglich so verbacken? 

 

Aber ich vergaß. Die Kanzlerin schweigt ja noch. Einmal mehr. 
 

 

 

 

 

08.03.2020

Kommentar zu "Zeitgeist / Afghanistan:
Das Ende eines "endlosen Krieges" und die Lehren der Geschichte

 

Sehr geehrter Herr Joffe,
im Einzelnen will ich nicht auf Ihre Themen hier eingehen. Ich antworte Ihnen auch relativ spät, weil ich die letzten Tage mit Familienangelegenheiten zwischen dem Rheinland, DC und San Francisco beschäftigt war. Blut ist ja bekanntlich dicker als Wasser. Das wissen Sie genauso wie ich. Migrationshintergründe haben Tragik und Faszination zugleich. Und Sehnsüchte. 
Gestern Abend habe ich dann einen Artikel von Mehdi Hasan beim "Intercept" gefunden, wo der Gute sagt: "On Afghanistan, Three Words I Never Thought I’d Write: Bravo, Donald Trump".
Insofern: ich will hier nicht zwischen "Vulgärpazifismus" und "machtpolitischem Bellizismus" o. dergl. lavieren. Das hilft nicht weiter. Abgesehen davon: Ich persönlich habe gerade US-Soldaten aus meinen
1 1/2 Jahren als "Aufbauhelfer"in einer britisch-US-amerikanischen NGO viel zu verdanken. Das waren aber persönliche Aktionen von bewaffneten Sozialarbeitern im Dienst. Gute Freunde. Die aber aufgrund ihres freien und robusten Mandats eben da waren, wenn andere nicht da waren. Sei es in Masar, wo ein Officer mit seiner M16 auf dem Oberschenkel ruhend mit seinem Übersetzer unsere Freilassung aus dem Kreuzverhör zwischen afghanischer Polizei und Geheimdienst verhandelte, sei es auf dem Khyber-Pass zwischen Jalalabad und Kabul, als wir im Schlepptau eines US Konvois zurück nach Kabul Stau und hoch kochende schlechte Stimmung am Freitagabend umfahren konnten.
Nein, darum soll es nicht gehen hier. 

Einer meiner besten Freunde aus Afghanistan, der jetzt in den US lebt und nach einem "Blue Collar Job" dort nun endlich wieder als Mediziner arbeiten kann, der aber lieber heute als Morgen wieder in Kabul wäre, um da den Aufbau eines funktionalen und fairen Gesundheitssystems zu steuern, hat mehr als einmal gesagt: "They hijacked my religion."
Das ist beim "Regime Change" nach 2003 Irak an vielen Orten geschehen. Auch von "Rebellen-Seite" in Syrien, die da gegeneinander ausgespielt und ausgestattet wurden. Davor verschließen unsere Politik
und Medien immer noch die Augen. Insofern: Russland und Assad haben viel Drecksarbeit geleistet und Deutschland und Europa lassen nicht einmal den Diskurs und die Konsequenzen darüber zu, dass es sich beim Geschehen der  letzten mindestens 20 Jahre um den 3. Weltkrieg handelt.
Mit dem Ergebnis, dass das Grauen bedingungslos weitergeht.

Wir sind alle keine Engel. Im Krieg wird jeder beschmutzt.
Täter und Opfer sind da bald nicht mehr auszumachen.
Das Chaos, das der Überfall auf den Irak 2003 jedoch ausgelöst hat in der gesamten Region, bis hin nach Afghanistan und hier in Europa ist eine der Hauptursachen.

 

Die "Privatisierung" der Kriege etc.:
Sollen die geostrategischen Zusammenhänge einer Menschen gemachten Katastrophe
nun verborgen bleiben unter der dünnen Decke der Zivilisation?

Zur Konfrontation nun zwischen Griechenland und der Türkei, einem historisch ohnehin sehr belasteten Verhältnis im Zuge der neuen "Flüchtlingskrise", paradoxerweise überwiegend Afghanen, die da an den "Toren Europas" anklopfen: Schuldzuweisungen, machtpolitisches Krisenmanagement auf allen Seiten. 
Viele Afghanen befürchten, dass sie unter diesen Umständen zwischen IS und Taliban zerrieben werden. Die Land- oder Warlords sind auch besser bewaffnet als jemals zuvor. 

Dafür sind weder Erdogan, noch Putin, noch Assad allein verantwortlich. 
Da haben alle mitgemischt. Alle. 

 

Ich bin vor rund 10 Jahren aus Afghanistan zurückgekommen.
Nach 1 1/2 Jahren als "Aufbauhelfer"  in einer britisch-US amerikanischen NGO damals  sollte man also meinen, ich hätte etwas vom Thema "Fluchtursachen" auf dem Boden mitbekommen.
Machtpolitische Narrative sperren diese Themen aber immer wieder aus.
Politik und Öffentlichkeit sperren sich auf allen Ebenen in Deutschland und Europa,
Diskurse zuzulassen, die die Themen verbinden:
Infrastrukturen, Vulnerabilität von Zivilbevölkerungen, Fluchtursachen, Klimawandel. 
In diesem Sinne: Humanismus und das Erbe der europäischen Aufklärung
erfordern schon einen weiteren Blick des Zeitgeists. 

 

Schönen Sonntag noch.




 

05.-07.03.2020

gutes Handwerk

 

erfordert Neugier und geschicktes Fragen. Unter anderem. 

„Gute Arbeit leisten heißt neugierig sein, forschen und aus Unklarheiten lernen“
.
So beschreibt der US-Soziologe Richard Sennett gutes „Handwerk“.

 

Erfahrungswerte sind dabei ganz wesentlich. Nur durch ihre Weitergabe, durch ständiges Üben daran kann man die Themen lösen. Dinge trennen und wieder zusammenfügen. Diese Vorgänge jedoch erfordern eine prinzipielle Offenheit der an diesen Verfahren beteiligten Personen.

„Frustrationstoleranz“ dazu. Nicht verurteilen, sondern nachfragen. Oder einfach sagen, dass man in dieser  Sache nichts weiß, ergo auch keine Meinung hat. Sich aber gerne belehren lässt. Die Bereitschaft, immer wieder neu an das Thema und seine vielen Facetten und Schichten heranzugehen.
Zuzuhören, die anderen Erfahrungswerte einfließen zu lassen.
Diese anderen Erfahrungswerte überhaupt zu respektieren. 
Zu achten. Und mehr. 

 

Vielleicht auch, um da weiter zu sehen. Über den Tellerrand hinaus.

Zeitlich und räumlich.

Umso mehr in Zeiten des Umbruchs.

Denn es geht immer in erster Linie um Menschen dabei.

Häufig mehr als einem lieb sein kann.

 

Ist es nur eine Ahnung meinerseits, oder ist es ein Kern des Ganzen, dass seit 1989 sich die Grenze zwischen "Öffentlichem" und "Privatem" ganz wesentlich zu letzterem verschoben hat?  Sowohl beim "Recht", als auch beim jeweiligen "Interesse"? Was heißt dies dann für Schutzbedürftige, für Machtverhältnisse im öffentlichen wie im privaten Raum? Wo ist da der Grenzverlauf zu ziehen zwischen öffentlichen und privaten Angelegenheiten? In wessen Interesse ist es von Fall zu Fall erforderlich, diesen Verlauf offen zu legen und damit auch Grenzverschiebungen einzufordern?
Eine Kurskorrektur an mancher Grenzverschiebung erfordert aber zu allererst sicherlich
eine andere "Rechtsstaatlichkeit" als das, was derzeit so benannt wird. Etwas mehr Mut. 

Und vieles mehr. 

 

Anders herum: ist die parlamentarische Demokratie derzeit fähig, sich immer gewaltsamer ablaufenden Beschleunigungsvorgängen entgegenzustellen? Diesen Einhalt zu gebieten? Frieden und Freiheit, statt Krieg und Chaos zu bringen? Auch wenn die "heißen Kriege" scheinbar weit weg sind: bringen die Kriegskassen auch hier nicht immer mehr Zwist und Streit mit sich? Weil sie ständig gefüllt sein müssen, um die Medien, und "Cyber-Kriege" genauso weiter zu führen wie die "heißen Kriege" im Nahen Osten, der paradoxerweise auch in hiesigen Medien lange Zeit in amerikanischer Lesart als "Mittlerer Osten" bezeichnet wurde? "Teile und Herrsche", bis da keine Familie mehr übrig ist?

 

Andererseits: die Angst vor jeder Veränderung lähmt ja auch alle in irgendwelche "privaten Räume" Flüchtenden. Räume, die oft aber eher Phantasien bleiben. Illusionen werden.
(Ent-)Täuschungen verlorener Hoffnungen. 

 

Wie dem auch sei. Für meinen Teil muss ich mich jetzt gerade darum ganz persönlich
einer solchen "Grenzdiskussion" widmen. 

Das bedeutet dann auch, dass dieses Tagebuch einmal mehr mal wieder ruht. 

 

Und - sollte ich zwischenzeitlich erkranken oder gar an den Folgen des Corona-Virus sterben, dann kommt mir bitte nicht mit Schadenfreude. Passiert halt. Vielleicht auch, weil mein Immunsystem durch systematische Verblödung und Zurück- und Zurechtweisung von außen und den Ärger darüber und den Frust ob des rasenden Stillstands der Verblödungsmaschinerie, die uns immer wieder höchstens mit Halbwahrheiten füttert entsprechend geschwächt war? 

 

Wie dem auch sei. Irgendwie wird alles doch irgendwann wieder gut.
Zumindest für die Würmer, denen man so ein nettes Mahl bereitet.
Den Boden, dem man mit seiner Asche auch etwas Nahrung gibt.

Auf dass dort etwas schönes wachse. 

Macht's also gut!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

04.03.2020

Kotzende Pferde

 

sind ja in Zeiten von ausverkauften Mundschützern, die aber nur bedingten Virenschutz bieten noch mehr ein Problem als sonst. Alles irgendwie etwas überreizt. Bisweilen vielleicht gar "hysterisiert".
Aber "Aufklärung" kommt an kleinen Nebenschauplätzen häufig inzwischen früher.
Also: Evo Morales hat doch nicht betrogen bei den Wahlen in Bolivien vor rund einem halben Jahr, sagt das MIT aus Boston. Aber nu haben die Rechten und das Militär in dem lateinamerikanischen Land geputscht und der Ex-Präsident darf bei den nächsten Wahlen im Mai nicht mehr antreten. Geschickt. von denjenigen, die da aufgewiegelt haben. 
Oder dumm gelaufen irgendwie auch. 
Wie man's nimmt.

 

Das Corona-Virus wurde zuerst in Duisburgs Partnerstadt Wuhan verharmlost. Unmittelbar als die Wachstumsprognosen für 2020 rauskamen und Zongghuos Rate bei 2-3 % lag, so wie zuletzt 1968, auf dem Höhepunkt von Maos Kulturrevolution begann man auch von Peking aus das Ganze kategorisch publik zu machen. Die schnellen Klinikbauten und anderes: man lieferte da schon eine irre Show ab. Auch, weil man vielleicht ahnte, dass man Hilfe vom Westen einerseits und Druckmittel gegenüber ihm andererseits brauchte?
Ein Virus, das vermutlich von einem anderen Säugetierwirt auf den Menschen gegangen ist, kann selbstverständlich auch sehr drastisch sein. Die Quarantäne ganzer Städte jedoch ist auch eine kluge Aufstandsbekämpfung. So werden die Menschen in ihren Abwehr- und Widerstandskräften geschwächt. Und chinesische Geschichte kennt viele Auf- und Widerstände. Die durch alle Provinzen gingen. Die größte Immobilienblase aller Zeiten ist im Zuge der "urbanen Revolution" in China schon 2011 /12 geplatzt. Wurde aber "klug gedeckelt". Mit staatlichen Schattenbanken und vielen Abschreibungsmodellen, die das Ganze aber letztlich bald weiter aufgebläht haben.
Ohne China wären VW und andere hier schon lange pleite.
Die Blase 2011 /12 in China wurde hierzulande kaum thematisiert. Weil die "Werkbank der Welt" Kern dieser "Globalisierungsmaschine" ist? Und die US nach 2001 und 2008 am Tropf Chinas hängen?
Insofern: wichtig ist es, vernünftige Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen. Aber auch bei Corona und den Experten da immer zwischen den Zeilen zu lesen. Vieles, was wir derzeit über das Virus wissen, weist deutlich darauf hin, dass hier medial eine Hysterisierung sondergleichen geschieht. Was auch kritische Virologen durchaus sinnvoll und nicht ohne Hinweis auf eigene Forschungs- und damit auch Interessensschwerpunkte darstellen. 

 

Für die Führenden der Weltwirtschaft ist da eben auch ein großer Nutzen im ewigen Krisenmodus. Gerade jetzt bei Corona. Und China mit seinem Aufschwung, der innerhalb von rund 30 Jahren mehr als die Hälfte seiner Bevölkerung aus der (statistischen) Armut befreit hat, ist alles andere als uniform. Xis Neo-Konfuzianismus ruft enorme Widerstände hervor. Zumal das Land nun konfrontiert ist mit diesen Wirtschaftsdaten, die Massenarbeitslosigkeit und mehr bedeuten im erfolgsverwöhnten  Feudalstaat mit Kommunismus als Verfassungsziel. 

Auch wenn manche das unterschwellig hoffen mögen: Die Herrschenden werden uns
nicht die Zeit und Muße der "Krisenbewältigung" geben. Eher im Gegenteil.
Vorsicht ist in jedem Falle angeraten. So oder so.

 

Denn: die Maschinen der Verdrängung des Rechtsstaates und der Aufstandsbekämpfung laufen auf Hochtouren. Die blond geföhnte oberste Familien-Verteidigungs-Europäerin fliegt kurz mit dem Hubschrauber über die türkisch-griechische Grenze und lobt die griechische "Migrantenabwehr". Der österreichische Standard berichtet, dass die USA der Türkei Unterstützung für die Syrien-Invasion zusagt. Weder den Ausdruck "Invasion" in der Überschrift, noch den letzten Satz:  
"In Idlib sind vor allem der Terrororganisation Al Kaida zugehörige Gruppen aktiv."
würde man so in der deutschen "Qualitätspresse" finden. 

Und wo anders sind manche bösartigen Machenschaften Trumps und seiner willfährigen Vollstrecker Grenell und Konsorten gegen Julian Assange geleakt. Die britische Richterin in der würdigen Nachfolge Freislers und anderer: geschenkt. Ohnehin alles nur ein Schauprozess. Josef K. und Julian A.  

"Postdemokratie" auf dem Weg zum totalen Despotismus, von Narzissten gelenkt.

 

Also Business as usual. Hundert Jahre Krieg zur Sicherung der US-Herrschaft.
Corona? Da ist eigentlich eher die Frage: was kam zuerst, die Henne oder das Ei?

Müßig, darauf eine Antwort zu suchen.

 

Der Satz von den kotzenden Pferden wurde mir vor Kurzem mal als "Überheblichkeit" ausgelegt.

Habe schon so oft erlebt, wie den armen Tieren schlechtes Futter gegeben wurde.
Und manchmal scheint der Tierarzt auch noch Brechmittel dazu zu mischen. 

"Schlaf schön ein und gute Nacht. Wir werden alle überwacht." (G.Danzer, 1979).

 

 

 

 

03.03.2020

Schmerzen

 

Die größten Schmerzen bereiten einem Menschen immer die persönlichen Dinge. Der Verrat.

Das Scheitern am Verrat eines anderen. Vielleicht gar eines geliebten Menschen. 
Dessen Scheitern dann einen kaum zu überwindenden Hinterhalt darstellt. 

Einen, viele Abgründe. Nicht zu überschreiten. Tiefen ohne Halt. 

Was man macht, ist verkehrt. Nichts stimmt. 

 

Der Verrat wird zur kontinuierlichen Verleumdung. 

Der Krieg. Die Pest. Der Scheiterhaufen. Das finstere Mittelalter. In "Digitalen Zeiten". 

Der Despotismus von gewählten Machthabern. Rechthabern.

In sich beseitigender Rechtsstaatlichkeit.

 

Wie lange dauert es, bis man zerstörte Freiheit, Demokratie

und Menschenrecht wieder aufbauen kann?

Wer sich wehrt, lebt verkehrt. 

 

"Jemand musste Julian A. verleumdet haben..."
 

 

 

 

 

 

02.03.2020

Mehrere Fronten

 

sind zumeist nicht zu bewältigen. Wie beim „Multitasking“ schwindet die Aufmerksamkeit bald.
Die Ergebnisse sprechen dann allzu häufig für sich.

Eine „Demokratie“, die von mehreren Seiten attackiert wird, geht auch irgendwann unter.

Zwischen Griechenland und der Türkei werden die historisch ohnehin belasteten Konfliktpotentiale größer. Gasförderung um Zypern, die Öffnung der Grenzen für Flüchtlinge durch die Türkei und vieles mehr. Letztlich sind beide Staaten wirtschaftlich am Abgrund. Und die EU hat da durchaus einige Mitverantwortung an wachsendem Konfliktpotential. Wie auch am griechischen Niedergang.

Die „Selbstauslieferung“ im „Flüchtlingsdeal“ an die lupenreine türkische Demokratie 2015 nicht zu vergessen. Die Visegrád-Staaten Polen, Tschechien, die Slowakei und Ungarn, Italien, das ja auch lange wie die Griechen vor 2015 mit den Flüchtlingen alleine gelassen wurde. Konflikte zwischen Italien und Frankreich in Libyen.

 

Und – von der anderen Seite dann auch noch der Brexit. Wo sich jetzt immer mehr ein Hard-Brexit abzeichnet. Grahame Lucas ist da sicher einer der klügsten Analysten, die hier auf dem Festland leben. Der häufig recht schmerzhafte Blick von außen auf das Geschehen ist zumeist sehr viel schärfer und präziser als der Blick, wenn man mitten drin gefangen ist.

 

Der "Johnson-Cummings-Brexit", ist eine kopflose Aktion von Blendern. Die beiden Chef-Strategen da schalten das Land immer mehr gleich und deformieren so "die älteste Demokratie der Welt" (?). Ganz so wie das seinerzeit Bush und Cheney in den US getan haben.

Und Berlin und Brüssel? Da wird das Ganze dann ausgesessen.

Bis von „Demokratie“ nur noch eine Scheinfassade besteht.

Deren stützender Verbau dann auch wegbricht.

 

Aber ich vergaß: in einem „post-heroischen“ Land wie dem unseren, darf man niemals von „Fronten“ sprechen. Vertreter des „Rechtsstaates“ hier haben mich öfters in die Mangel genommen und als ich mich wehrte und ihre hinterhältige Art der „rechtsstaatlichen Gesetzesauslegung“ als „Frontenbildung“ bezeichnete, da wurde ich zurecht gewiesen, dass wir doch nicht im Krieg seien hier in diesem freiheitlich demokratischen Rechtsstaat.

Franz Kafka hat diese Maschinerie im Romanfragment

„Der Prozess“ gegen Josef K. 1914-15 gut beschrieben.

 

„Freiheit“ und „Demokratie“ habe ich auch in Sozialkunde und Staatswissenschaften anders kennengelernt. Und manchen Kämpfer in manchem Kriegsland habe ich als sehr würdevoll erlebt.

Die Würde des Menschen ist angetastet. Ganz viele hinter ihren Schreibtischen beharren darauf, dass dem nicht so ist. Oder sie weisen auf andere, weit von der sicheren Schreibtischkante entfernt.

„Alt-testamentarisch“ handeln beide. Alle, die so tun. Vor und hinter den Frontlinien.

Wird Zeit für ein „Neues Testament“. Einmal mehr.

 

 

 

 

01.03.2020

Das Richtige im Falschen

 

oder das Falsche im Richtigen?

Wie man es auch immer nimmt: wir gehen auf drastische Zeitenwenden zu.
Und die Aussitzer in Berlin beschwören weiter alte, nun bald komplett überholte Narrative.

 

Gestern also das Friedensabkommen zwischen den US und Vertretern der Taliban in Doha.

Ulli Ladurner hat Recht. Einerseits. Man kann einen Krieg in einem Land wie Afghanistan nicht gewinnen. Das stimmt. Und diese Erkenntnis hätte früher kommen müssen. Nicht erst nach mehr als 18 Jahren. Das Abkommen zwischen den US und Vertretern der Taliban jedoch bedient die alten Narrative. Stimmen diese? Oder bedienen diese auch nur die westliche Sicht? 


Welche (demokratische) Wahl haben die Afghanen
nach 18 Jahren vom Westen geführten Krieg im Lande?
Da ist einerseits eine schwache Regierung in Kabul, da ist andererseits der Druck von außen durch geschwächte Regionalmächte, die in viel länger andauernden Konflikten gefangen sind:
Iran und der Westen, Pakistan und Indien, am Ende des Wakhan-Korridors China, da ist die enorm gewachsene auch militärische Macht der Landlords, der Feudalherren im Lande.
Und da liegt westlich des Irans Syrien, wo jetzt in Idlib ein weiterer erbitterter Kampf mit verschiedenen Deutungshoheiten tobt: bekämpfen Assad und Putin da die letzte Trutzburg
der IS-Terroristen oder hat der NATO-Partner Türkei Recht mit seiner Forderung nach Beistand? 


Wie dem auch sei: die große Angst vieler Menschen in Afghanistan ist, dass sie irgendwann bald in die Mühlen zwischen Taliban und IS kommen. Unsere Regierung in Berlin und die meisten Medien hier begründen und befeuern diese Furcht. Das, was derzeit an der griechisch-türkischen Grenze geschieht zeigt zudem, dass weder Brüssel noch Berlin humanistisch vertretbare Antworten darauf parat haben. 

Die Zivilbevölkerung gerät einmal mehr zwischen die Mühlen. Und teilweise in erbitterte Kämpfe um die Deutungshoheiten. Heiße und gewaltsame Kämpfe.
Leoniero Dertona im italienischen Blog "Scenarieconomici.it - Die Welt aus einem anderen Blickwinkel heraus betrachtet":  "Griechenland zerfällt jetzt zwischen dem türkischen Hammer und dem Amboss eines feigen Europas, das die schwache Regierung und vor allem das griechische Volk seinem eigenen Schicksal überlassen hat. Sie haben nichts mehr, es gibt nichts mehr rauszuquetschen oder zu stehlen, und so fahren sie eben zur Hölle." (Grazie Claudio)

 

Das, was jetzt den Menschen zwischen dem NATO-Partner Türkei und
dem syrischen Machthaber Assad, unterstützt von Russlands Putin im Norden Syriens geschieht,
das befürchten viele Menschen in Afghanistan aus leidvoller, weitaus längerer Erfahrung als
18 Jahren für sich. Die steigenden Flüchtlingszahlen von Afghanen auf der Balkanroute
sprechen da eine deutliche Sprache. 
Das Finden und Bereitstellen von europäischen Antworten darauf ist eine der wichtigsten Aufgaben Deutschlands in Anbetracht der baldigen EU-Rats-Präsidentschaft. Dafür muss man endlich den Erzählstil ändern. Und davon sind Berlin und Brüssel unter gegebenen
Um- und Zuständen sehr weit entfernt. 

 

 

 

 

 

29.02.2020

„Ereignislandschaften“

 

Ein weiterer Begriff eigentlich von Paul Virilio, dem im September 2018 verstorbenen großen Architekten, Urbanisten und Philosophen aus Paris.

Ein Kind des Krieges. Wer diesen beschleunigten und gewaltsamen Veränderungsvorgang so wie er hautnah er-, durch und überlebt und seinen analytischen Blick auf die Dinge gelernt hat, der wird diese Momente immer wieder vor sich sehen.

 

Virilio erhielt in einer Zeit des Aufbruchs, 1969 die Gelegenheit, an der École Spéciale d’Architecture (ESA) in Paris zu unterrichten und viele Themen dort zusammenzubringen.
1979 gründete er zusammen mit Alain Joxe das „Centre interdisciplinaire de recherche de la paix et d′études stratégiques“ („Interdisziplinäres Zentrum für Friedensforschung und strategische Studien“).

 

In Deutschland ignoriert man größtenteils immer noch, anno 2020, dass dieser Aufbruch jetzt viel entschiedeneres Forschen an Kernthemen wie „Frieden“ und „strategische Studien“ zur Bewältigung dieses Aufbruchs erforderlich macht. Forschen und parallel dazu auch das Umsetzen. 

Wenn man aber jeden, der diese Themen nach vorne bringt, bedingungslos zum Schweigen bringt,
dann läuft da sehr viel verkehrt.

 

„Wer zu spät kommt, den bestraft die Geschichte!“

sagte man nach 1989, dem Zusammenbruch des Warschauer Paktes und damit auch der Mauer in Berlin. Die Revolutionen hinter dem eisernen Vorhang haben neue Verwerfungen vorgebracht.
Die „Gewinner“ vermögen kaum etwas von diesen Verwerfungen zu betrachten. Vielleicht auch, weil sie diesen Blick selbst nicht aushalten in überhitzten Debatten, in denen naturgemäß wenig Ausgleichsmöglichkeiten bestehen.

Die „Ereignislandschaften“ hierzulande weisen hochgradige Momente der Zerstörung auf. Um diese Themen anzugehen jedoch: dafür bedarf es eines entschiedeneren Willens, den Blick auf diese Landschaften zu richten. Und Momente der Schönheit für Um- und Weiterbau aufzunehmen. Sich Momente der Zeit zu nehmen im „Rasenden Stillstand“.

„Der französische Medienphilosoph Paul Virilio hat dafür den Begriff der Fluchtgeschwindigkeit aus der Physik entlehnt und in unsere Welt geholt. Wir laufen immer schneller, weil uns die Realität zu schnell geht. Man versucht, ein Defizit auszugleichen, indem man ein neues schafft. Aber eins und eins macht immer noch zwei, und dabei bleibt es nicht.“

 

Auch eine dritte Möglichkeit, den Schritt zu verlangsamen und dabei den Blick auf die wesentlichen Themen zu lenken existiert. Auch dieser Weg und das Abbremsen darauf erfordern viel Kraft.

Der dabei gewonnene Blick jedoch auf das Wesentliche lässt neue Kraft für die nächsten zaghaften Schritte auf schwankendem Grund gewinnen. Und die daraus resultierende Kraft mitzunehmen.

Für den weiteren, sehr schwierigen Weg. Jeder Schritt ist dabei eine bewusste Entscheidung. Eine Entscheidung desjenigen, der bei seiner eigenen Flucht ein Karussell mit einem Mittel zur Fortbewegung verwechselt hat und dabei realisiert, dass er oder sie zu allererst sich selbst mitnimmt.

Bis man dann eben wirklich wieder neu gehen lernt.

 

 

 

 

 

28.02.2020

„Der negative Horizont“ und das Kippmoment zum Ästhetischen und zum Verschwinden

 

Bei „internationalem Recht“ wird es noch viel schwieriger.

Das ist eine Grauzone, wo sehr viele Kinder im Brunnen liegen.

 

Wo andererseits aber konstruktive Zusammenarbeit auf Augenhöhe unabdingbar ist.

Nicht nur, um Möglichkeiten da für die Kinder zu finden, vom kalten und trockenen Brunnenboden wieder nach oben zu kommen. Ans Licht. Hin zu einem tragfähigen Versprechen von Zukunft.

 

Der „negative Horizont“ stetiger Zersplitterung aller Themen jedoch bewirkt auch, dass kaum noch Sach- und Fachfragen erörtert und debattiert werden können, ohne auf die Personen abzuheben, die diese Themen vorbringen. Das Kippmoment destruktiver Diskurse ist dann erreicht.

 

„Der negative Horizont“ wird den meisten einmal mehr hier als „zu intellektuell“ erscheinen. Er ist aber auch der Moment, in dem jegliche Schönheit am Horizont verschwindet. Insofern verpasst er dann auch das Kippen zur anderen Seite hin. Zu einem ästhetischen Moment. Der dann gleichfalls verschwindet.

 

Nach der Zerstörung Mossuls durch primär westliche Kräfte kommen nun mit Zerstörung von Idlib erneut starke Flüchtlingsbewegungen auf uns zu. Uns in Europa und ganz speziell auch Deutschland, zumal in Erwartung der EU-Ratspräsidentschaft im 2. Halbjahr 2020. Wer da wann wie in der Region gezündelt hat - das soll hier jetzt gar nicht thematisiert werden. 1979/80, 1991, 2001, 2003, 2011 - es ist müßig, über diese Jahreszahlen 2020 zu streiten. 
"Im Zuge des Bürgerkrieges in Syrien wurde die Stadt Idlib im März 2015 von der islamistischen Rebellenallianz Dschaisch al-Fatah eingenommen. Am 23. Juli 2017 wurde diese durch Haiʾat Tahrir asch-Scham aus der Stadt vertrieben."

Mit der Zerstörung Idlibs einher durch den Bombenhagel Assads und Putins geht die Vertreibung der Rebellen. Darunter befinden sich natürlich auch viele IS-Terroristen als nicht gerade die schwächsten Meinungs-  und Kampfführer und weite Teile der Zivilbevölkerung. Eingekesselt werden diese zudem auch von den (NATO-) Truppen Erdogans.  

Um diese Themen anzugehen bedarf es gemeinsamer Strategien und Wege, die kumulierten Themen zu bündeln und für Ausgleiche zu sorgen. Zu allererst bedarf es der Anerkennung der Situation: Wir müssen gemeinsame Handlungswege finden. Mit Russland und der Türkei. Und mit Assad und den Mullahs im Iran. Auch um das Grauen zu beenden. Dafür müssen wir erst einmal Verhandlungsstrategien aufbauen. Dies jedoch geht nicht mit butterweichen Worten alleine.

So wie in und mit Libyen zuletzt.

 

Die stetige Überforderung bei allen Diskursen jedoch, die am negativen Horizont des Tabuisierten und Verdrängten hängen bleibt, vermag auch nichts „zum Guten hin“ zu bewegen. Weil sie das positive Moment nicht wahrnehmen will und kann in dieser offensiven Abwehrhaltung.

 

Ein zutiefst menschlich-allzu-menschliches Dilemma, das sich dann auftut.

Nicht unauflösbar. Aber auch wiederum sehr ineinander verknäuelt und verworren.

 

 

 

 

27.02.2020

Krieg ist ein beschleunigter und gewaltsamer Veränderungsvorgang

 

Eine der klügsten Definitionen. Einer meiner besten Freunde, ein Weltbürger

kolumbianischer Herkunft hat diese geprägt. Kolumbien ist seit unser beider Geburtsjahr

1964 offiziell im Zustand des Bürgerkrieges. Und der Gute hat manchen Kriegsort begutachtet und die Chancen für die Bewahrung und das Wiedererwecken des kulturellen Erbes dort bewertet. Und Strategien zu der Förderung dieses oft im Krieg verschütteten gemeinsamen Gutes entwickelt.

 

In einer „post-heroischen“ Gesellschaft jedoch wird der Krieg so wie viele anderen
unangenehmen Themen eher „outgesourcet“.
Nach draußen verbannt. Wie auch immer.
Verschwiegen. Tabuisiert.

In einer „globalisiert arbeitsteiligen Welt“ jedoch kann dies nicht lange gutgehen.

 

Was heißt das im praktischen Sinne?

So bezogen auf das „Leben im Alltag“? Hierzulande.

Diese Frage stelle ich so heute erst einmal in den Raum. Nur eins:

„Soziale Demokratie“ muss sicher wesentlich mehr sich den Schnittstellen

nationalen und internationalen Rechts öffnen. Sie darf nicht im Beharrungsvermögen

von „Rechtsstaatlichkeit“ erstarren. Sie muss gerade diese Themen rechtsstaatlicher

Dialogfähigkeit weiterentwickeln. Wollen.

Und das betrifft auch die Dialogfähigkeit innerstaatlicher Rechtsräume.

Öffentliches, privates Recht, Baurecht, Strafrecht etc. Diese Rechtsräume

sind schon per se viel zu sehr in sich hermetisch abgeschlossen. Und schaffen so immer

weniger von dem, was erforderlich wäre, um mehr Menschen

auch in Deutschland wieder mehr Vertrauen zu geben.

Der Begriff der „Konkurrenz“ – die „konkurrierende Gesetzgebung“ zwischen Bund und Ländern war einmal ein konstruktives Element des Föderalstaates. Und so weiter. Und so fort.

 

Einer der ersten Tagebucheinträge, die ich hier nach meiner Rückkehr aus Afghanistan
vor nun bald 10 Jahren schrieb beklagte just dieses. Ich glaube, er war auch noch in
"Kabul, ein Wintermärchen" enthalten. Die Zugehörigkeit zu einer politischen Partei hat
dieses Vertrauen in die Dinge hierzulande nicht gestärkt. Im Gegenteil: es scheint mir nun,
nach 10 Jahren besser, ohne festgefahrene Parteienzugehörigkeit, diese Themen anzustoßen.
Die Verlinkung zu Artikeln von dort in der ZEIT-online Community funktioniert nicht mehr.
Das WWW. ist trotz aller Beteuerungen sehr vergesslich.
Die Pfade verlieren sich.
Spuren werden verwischt. 

 

Schönen Tag noch.

 

 

 

 

26.02.2020

Ab-, An-, Austritte und unerschütterliche Gewissheiten

 

Die Momente, der Tag nach dem Verlassen einer Organisation wie der SPD sind begleitet
von ähnlichen Momenten und Gefühlen wie das Verlassen einer Glaubensgemeinschaft.
Freunde, die aus der Kirche ausgetreten oder sonst wie „vom Glauben abgefallen“ sind –
sei es das Christentum, das Judentum oder der Islam – sie erzählen mir ähnliche Dinge.
Die Ehescheidung, die in allen drei monotheistischen Religionen einschneidende Rituale
mit gerade heute oftmals wieder sehr archaischen Handlungsweisen kennt ist ein
anderes Ereignis dieser Art.

Die Decke der Zivilisation ist überall sehr dünn geworden in den letzten Jahren.

 

Die Anfeindungen in diesen Momenten jedoch, die kennt man zur Genüge.
Unterschwellig hat man sie über Jahre gehört oder gespürt. „Nestbeschmutzer“,
„Verräter“, „Polithüpfer“, „Opportunist“ und so weiter und so fort.
Diese Äußerungen standen immer im Raum. Nun, wenn man direkt mit ihnen
konfrontiert ist, dann pieksen sie schon einen kurzen Moment. Dann ist aber schnell gut. Irgendwie.

Schlafen drüber ist noch wichtiger.

 

Frisch aufwachen und in den Spiegel sehen. Ist man Gregor Samsa oder geht’s noch?

Oder wieder?  Die Verwandlung zum auf dem Rücken liegenden Käfer?

Oder wessen Blick sieht man da im Spiegel?

 

Alles wieder gut? Ja. Irgendwie ja doch.

Der Käfer, der da auf die Beine kommen möchte und der Mensch, der da strauchelt,

um dem Käfer zum Krabbeln zu verhelfen, macht immer wieder ungeschickte Bewegungen dabei.

Die Käfernatur des Menschen ist sehr nahe an dem, was der Blick auf den weißen Fleck
hinter dem Spiegel sieht. Sieht oder nicht sieht.

Die Frage ist nicht nur dann jedoch: ist der Käfer real und/ oder:
ist der weiße Fleck wirklicher?

Wie wirklich ist da welche „Wirklichkeit“ und:
was ist dann „die Wahrheit“?

 

Schönen Tag noch.

 

 

 

 

25.02.2020
Kündigung SPD-Mitgliedschaft Mitglieds-Nr.: 80044311

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Genossen insbesondere in der SPD Düsseldorf,

 

Seit 2013 bin ich SPD-Parteimitglied. Keine lange Zeit. Aber „politisch“ im Sinne von „an Dingen der Gemeinschaft interessiert“ bin ich seit meiner Geburt. Möchte ich mal so sagen.

Damals, 2013 bin ich in die Partei eingetreten mit den Worten:

„Ohne eine starke SPD werden wir die Wende nie hin bekommen.“

 

Leider zeigt sich nicht nur für mich immer mehr, dass dies so nicht gehen wird.

Die Außen-, aber auch zunehmend die Innenwahrnehmung der meisten Bürger hier in Deutschland ist von sehr vielen weißen und blinden Flecken geprägt. Dieses Versäumnis politischer Willensbildung im stetigen Wahlk®ampf- und Teile-und Herrsche-Modus betrifft alle mehr oder weniger zerrütteten Parteien. Nicht nur die AfD.

 

Als ich im Sommer 2010 nach eineinhalb Jahren Arbeit in Kabul in einer britisch-US-amerikanischen Organisation noch aus Afghanistan die „Jungen Grünen“ im Zakk, dem „Zentrum für Aktion, Kultur und Kommunikation“ in  Düsseldorf-Flingern kontaktierte, um Unterstützung für einen Vortrag mit Diskussion dort zu erhalten, war ich nach viermaligem Mailverkehr bedient. Ich fragte mich, ob man in Deutschland kein Interesse habe an dem, was da an einem Ort an „Wiederaufbau“ vonstatten ging, an dem auch die Bundeswehr mit zu diesem Zeitpunkt bis zu 5000 Soldaten zur Stelle war. 54 gefallene deutsche Soldaten, die Rolle des Zivilschutzes dort und des Steuerzahlers, also uns allen darin schienen niemanden zu interessieren. „Insider-und Erfahrungsberichte“ auch nicht.

 

Als ich als "kompetenter Bürger" für die Linken 2010 -13 im Planungsausschuss saß, da fühlte ich mich auch immer wieder nach hinten versetzt. Paradoxerweise war es ein neben mir sitzender Delegierter der „Freien Wähler“, der bei sich in der Partei auch als „Linker“ verschrien war, der mir einmal sagte, dass meine fachlichen Auseinandersetzungen mit der damals schwarz-gelben Mehrheit schon starke Auftritte waren. Leider war es aber damals auch kaum möglich, kluge strategische Rot-rot-grüne Bündnisse zu bilden. In Sach-, wie in Fachfragen. Die Vergeblichkeit all meiner Bemühungen und Versuche in dieser Hinsicht:
das lag sicherlich nicht alleine an mir.

 

Nachdem ich dann in die SPD eintrat, für die ich ja dann auch mal den Testballon „Bundestagskandidat“ 2016 habe steigen lassen, nachdem ich sah, wie da innerparteiliche Willens- und Cliquenbildung jegliches Abweichen von längst gescheiterten Linien verhinderten, verhielt es sich nicht anders. Meine kritischen, aber immer konstruktiv pragmatisch gedachten Einwände und Blicklenkungen über den Tellerrand schienen nie besonders willkommen. Im Gegenteil: das schien die Meisten eher zu stören und zu nerven. Auch da lehne ich jegliche Alleinverantwortung meinerseits strikt ab.

 

In einem Land, in dem man scheinbar immer mehr die Menschen zu überfordern scheint, wenn man die Dinge von mehreren Seiten betrachtet - auch im (meta-)physischen Sinne - wird man irgendwann recht einsam. „Metaphysik“ entspricht da eher einem „neuen Realismus“, der dem gescheiterten, zumeist bipolaren Idealismus des 20. Jahrhunderts pragmatisch auf der schmalen Seite zwischen Kopf und Zahl der Münze zu begegnen sucht. Wo jedoch reaktionäres Denken und subtile Schuldfragen insbesondere nach vielen Jahren „großer Koalitionen“ und immer faulerer Kompromisse im stetigen „Reform- und Sanierungsstau“ überwiegen, da bleibt auch die Zukunft als freiheitliche und offen demokratisch zu erarbeitende Möglichkeit immer mehr auf der Strecke. „Beratungsresistenz“ ist da das größte Problem aller stagnierten, in ihren Zerrüttungsprozessen fest steckenden Organisationen. Insbesondere der Parteien als grundgesetzlicher Träger und Hauptverantwortliche der „politischen Willensbildung“.

Geschickte und kluge Einzelpersonen und Freunde habe ich jedoch in allen Parteien gefunden.

 

Aufgrund der mangelnden Offenheit jedoch insgesamt auch der alten Tante SPD als Ganze ist ein geordneter Rückzug da besser und klüger als ein „Weiter wie bisher“.
Zuletzt habe ich mich ohnehin aus allem zurückgezogen.

 

Als Ausländer mit deutschem Pass bin ich eine nicht anerkannte Minderheit.

Einer von vielen. Immer mehr.

 

Bitte sendet mir bald möglich eine Bestätigung der

Kündigung meiner Mitgliedschaft.

Danke. Alles Gute.

 

Für Rückfragen stehe ich immer gerne zur Verfügung

 

 

 

 

 

24.02.2020

 

Kündigung Abo "Baumeister"

 

Sehr geehrte Damen und Herren beim Baumeister,

mein Abo Ihrer Fachzeitschrift ist sicher 25 Jahre alt. Vielleicht auch mehr. Egal.

„Baukultur“ jedoch ist für mich kein Geschäft von „Teileliten“, das sich primär um
die Gestaltungs- und Deutungshoheit von Rekonstruktionsbauten wie
Schinkels Bauakademie zu Berlin durch Politik und / oder Architektenschaft dreht.

 

Schöne Fassaden sind nur eine Seite eines Hauses. Einer Stadt erst Recht.
Die anderen drei Seiten und der Inhalt, die Bewohner sind mindestens genauso wichtig.

„Teileliten“ indes scheinen auch konstruktive Auseinandersetzungen zu scheuen.

 

Eine Journaille, die zudem solchermaßen lückenhaft berichtet, die „harte Faktoren“

im Bestandsbau von Seiten der Immobilienwirtschaft – Profit alleine - unkommentiert

lässt, die also die darin als solche benannten „weichen Faktoren“ so unwidersprochen lässt:

Menschen, historische Stadtbilder, also „Baukultur“ etc.:

eine solche Journaille macht sich selbst überflüssig.

 

Danke für viele Jahre der Lektüre. Aber schöne Bildchen mit Teilwahrheiten sind nicht meins.

Insofern bitte ich Sie, die Kündigung meines Abos zum nächst-möglichen Zeitpunkt anzunehmen.


In einem Land, in dem man scheinbar immer mehr die Menschen zu überfordern scheint,
wenn man die Dinge von mehreren Seiten betrachtet - auch im (meta-)physischen Sinne -
wird man irgendwann recht einsam. Das „Soziale“ und Gemeinschaftliche beim Bauen
erfordert aber mehr als das.

Das Subtile „Teile und Herrsche“ auch von „Teileliten“ leistet der Zerstörung der „Baukultur“
eines sich immer wieder als solchen bezeichnenden Rechtsstaates Vorschub.
Es ignoriert bewusst andere Wahrheiten.

 

Michael Jones Kommentar zu Obdachlosenunterkünften in LA im Dezember-Heft 2019:
„Derweil dauert die Debatte über das Potenzial von Architektur, einen sozialen Wandel anzustoßen weiterhin an." stammt nicht aus der Baumeister-Redaktion.

Scheinbar scheuen „Teileliten“ hierzulande diese Debatte.
Was nicht nur den Baumeister betrifft.

Aber auch.

Das ist für mich persönlich so nicht mehr hinnehmbar.

 

Hier als Anregung für Sie dazu ein Link aus dem britischen Architectural Journal. Kollege Robert Adam sagt da in der Überschrift zu einem Plädoyer für Umbau und Weiter-Bauen des Bestandes:
„Das grünste Gebäude ist das, das schon existiert“.


Paradoxerweise hat den Artikel einer meiner wenigen Twitter-Kontakte geteilt, Rory Stewart,
mein früherer Chef in Kabul, der jetzt, nach Verlassen der Torys im Zuge des
Johnson-Cummings-Brexit als unabhängiger Kandidat für den Posten des
Oberbürgermeisters in London kandidiert. Eine Diskussion mit Rory über
„Nachhaltigkeit“ dort auf einem seiner Besuche in Kabul, wo ich auf
eine Betrachtung und Einbeziehung auch der Bewohner eines
Hauses unter diesem Aspekt beharrte, werde ich nie vergessen.
Für ihn schien das fast ein Affront zu sein.

 

Solchermaßen ignoranter „subtiler Autoritarismus“ ist in seiner mangelnden
Dialogfähigkeit und „Beratungsresistenz“ per se tendenziell nicht post-,
sondern anti-demokratisch.

Die „Hyper-Postmoderne“ oder „Post-Post-Moderne“ oder wie man das auch
immer nennen mag, ist in ihrer Semantik und ihrer hermetisch abgeriegelten
Diskursführung dem freiheitlichen und damit Zukunftsoffenen Geist
der ursprünglichen Moderne immer mehr diametral entgegenstehend.

 

Bitte senden Sie mir bald möglich eine Bestätigung meiner Kündigung.
Danke. Alles Gute.

 

Für Rückfragen stehe ich immer gerne zur Verfügung

 

 

 

 

 

23.02.2020

 

Post-faktisches, Post-demokratisches, Post-Post-, gar "Hyper-Post-Modernes" (Folge 721666?)

 

Manche(r) kann es ja nach der mörderischen Sportschützenattacke auf Kommunalwahlrechtsausländer kaum abwarten, wieder zur Tagesordnung überzugehen. 

 

Ist ja auch vieles im Argen im Lande.
Nach den Sozialdemokraten jetzt auch die Christdemokraten vor der Zerrüttungsprobe.
Groko-Aus vor dem vom Wahlvolk verabschiedeten Ende 2021?
Um Gottes und des Abendlandes Willen!


Mit Norbert Röttgen hat sich ja ein weiterer Mann aus dem bevölkerungsreichsten Bundesland hier zur Merkel-Nachfolge gemeldet. Männer und "erklärte Außenpolitik-Experten" sollen das Machtvakuum nach der Kanzlerin auf (gefühlte) Ewigkeiten füllen. 

 

Wie ist das aber mit deutscher "Außenpolitik"?
So im Gefolge der US zudem unter Trump?


Einmal mehr wird über einen bevorstehenden Abschluss eines "Friedensabkommens" zwischen den US und Vertretern der afghanischen Taliban in Doha berichtet.
Am 29. Februar soll das Ganze unterzeichnet werden. 

 

Afghanistan war 1955 bankrott. Erst in den 1990ern wurde der Begriff des "gescheiterten Staates" politikwissenschaftlich definiert. Bis dahin war das Land schon zwischen den Mühlen der Machtblöcke. Seit Ende der 1970er mit der sowjetischen Invasion ganz offenkundig.
Immer wieder heben hierzulande ganz viele Auskenner, die wahrscheinlich noch nie im Lande waren auf die Rückständigkeit der Afghanen ab. Nach mehr als 18 Jahren offenkundig gescheiterter Militärpräsenz des Westens in einem gescheiterten Staat ist vielen da ganz klar, an wem oder was das liegt. Die meisten Afghanen aber werden sich nie Besatzern, die sie so betrachten und so behandeln unterordnen.
Würden die meisten Deutschen auch nicht.


Derzeit ist ein steigender Anteil der Flüchtlinge, die über die Balkanroute nach Europa kommen Afghanen. Weil sie befürchten, dass mit dem Zupflastern des Scheiterns des Westens unter "Make America great again" Trump und Pompeo und anderen mit den Doha-Verhandlungen das Land zum Schauplatz von grausamen Machtkämpfen zwischen der multinationalen Killertruppe IS und den national-wahabitischen Taliban wird. Die schwache Regierung wird dabei einmal mehr in die Mangel genommen werden. Mit den verfeindeten Atommächten Indien und Pakistan daneben, einem immer mehr schwächelnden Iran, dem Syrienkrieg mit der baldigen weiteren "Demission von 'Rebellen" und IS-Schergen dort jedoch ist das alles andere als ein "kluger Umgang" mit eigenem Scheitern.
Des Westens. Der gesamten "Weltordnung" nach dem 2. Weltkrieg. 

 

Und da wird "Außenpolitik" einmal mehr perspektivisch zu "Innenpolitik". Weil die Auswirkungen von solchen Ereignissen von "erklärten Politik-Experten" ganz gleich welcher Ressorts im post-faktischen und post-demokratischen Dauer-Wahlk(r)ampf nicht benannt werden. 

Aus Angst? Oder aus taktischen Gründen?

 

Oder: Weil da etwas gescheitert ist. Einmal mehr. Und weil die Schafe auf der Weide das nicht mitbekommen sollen. Sollen sie aber bald wissen, auf welcher Seite des Zaunes welcher Wolf da im Schafspelz steht? Wen sie also für abgegraste Weiden verantwortlich machen sollen?

 

 

 

Eines der "Highlights" meiner Zeit in Kabul 2009 /10: Ein rund 2 1/2 stündiger Hubschrauberflug rund um die Stadt und Umgebung mit einem alten sowjetischen Helicopter, geflogen von einem afghanischen Piloten, der von US-Trainern ausgebildet worden war. Diese wiederum schwärmten alle von der Robustheit der sowjetischen Fluggeräte hier. "Bewaffnete Sozialarbeiter", die ihren Job gewissenhaft ausüben. 

 

 

Folge 722667 (?)

Wenn also bald wieder mehr Kriegs- und Klimaflüchtlinge kommen, wer schmiedet da jetzt schon welche Dolchstoßlegenden zur Diskreditierung des politischen Gegners, um die völlige Unbedarftheit deutscher Außenpolitik innenpolitisch auszuschlachten? 

 

Wahrscheinlich werden alleine die "Teile-und-Herrsche-Differenzierungen" zwischen "Kriegs-, Wirtschafts-
und Klimaflüchtlingen" die "demokratischen Foren" lähmen. Also Gremien, soziale und asoziale Medien gleichermaßen. 
Kriege jedoch als "beschleunigte und gewaltsame Veränderung" schaffen ihre eigenen Tatsachen.
Zumal vor dem Hintergrund des Klimawandels.
Einem "Krieg" - also einem beschleunigten Veränderungsvorgang, den der Mensch per se nirgends gewinnen kann. Den er nur durch Zusammenarbeit zwischen Nord und Süd, Ost und West irgendwie dämpfen und in seinen Auswirkungen zu steuern suchen kann. 

 

In Ländern wie Deutschland, in denen Krieg per se ein Tabu ist aufgrund der eigenen immer mehr verdrängten dunklen kriegerischen Vergangenheiten droht dies einmal mehr eine Art "Sublimationsstau" im sich solchermaßen demokratisch wähnenden Gefüge zu schaffen. 

Das Ergebnis ist offen. Es kann aber auch die Schlagzahl von "verzweifelten Taten von verwirrten Einzeltätern" einmal mehr erhöhen. "DIE" sind ja selbst Schuld. "DIE Fremden". "DIE Anderen". "DIE Ausländer". "DIE Migranten". "Rückständige Menschen auf niedrigeren Zivilisationsstufen". Und so weiter. 

Die im solchermaßen undifferenzierten Teile und Herrsche-Modus Gefangenen bedrohen dann immer mehr die unten stehenden Menschen in "naturgesetzlichen Hackordnungen". Die solchermaßen gegeneinander ausgespielt werden. Die in von langem Abbau gezeichneten Sozialsystemen letztlich noch weniger zu erwarten haben als DIE da Kommenden. Die per se dann auch gemeinsam mit anderen "Fremden mit einheimischer Sozialisation" von "verwirrten Einzeltätern" angefeindet werden. Und mehr. Ganz subtil. "Post-Orwellianisch" und "vollendet Post-faktisch". Von "Demokratisch-freiheitlich" wollen wir jetzt gar nicht mehr sprechen. 

 

Keine schöne Perspektiven. Oder - was kann man noch tun?

 

 

Lake Kharga, einer der Trinkwasserspeicher der am schnellsten wachsenden Stadt Zentralasiens, also Kabuls. In einem Seitental der Hauptstadt gelegen jedoch ist der Wasserspiegel dort durch geringere Niederschlagsmengen in den letzten Jahren, unkontrollierte private Brunnenbohrungen und wachsenden Verbrauch bei nicht vorhandenen Wasserkreisläufen immer mehr gesunken. 

 

 

 

Folge 7236678 (!)

 

Ist es nicht so, dass "Wahlkampf" und "politische Willensbildung" in erster Linie "Vertrauensaufbau" bedeuten? Und gilt das nicht noch mehr in Ländern, in denen man als Fremder lebt und arbeitet?

In dem vielleicht Soldaten aus dem eigenen Land sind?

 

Als ich als Mitarbeiter einer britisch-US-amerikanischen "Nicht-Regierungs-Organisation" in Kabul mit einer britischen Kollegin und einem afghanischen Auszubildenden von dort nach Masar-e-Sharif gereist bin über ein verlängertes Wochenende im Frühjahr 2010, da besuchten wir in Balkh und Umgebung herausragende archäologische Stätten aus der Zeit Alexanders des Großen. Ausgrabungen gab es dort schon lange kaum noch. Plötzlich jedoch hatten wir eine Polizei-Eskorte bei uns, die uns aufforderte, mit ihnen nach Masar zurück zu fahren, da wir in Taliban-Gebiet seien. 

In Masar wurden wir auf der Wache ins Kreuzverhör zwischen Polizei und afghanischem Geheimdienst genommen. Wir wurden lauter, als wir merkten, was da geschah. Wir verlangten, dass wir mit jemandem von unseren jeweiligen Botschaften telefonieren konnten. 

 

Irgendwann rief wohl einer der Polizisten aus einem Nachbarraum einen US-Officer an. Dieser kam mit seinem Dolmetcher und verhandelte mit seiner M16 auf dem Oberschenkel mit dem "die Ermittlungen" leitenden Wachmann. Nach rund eineinhalb Stunden sagte er uns zu, dass wir den Polizisten noch rund eine weitere Stunde geben sollten, dann wären wir aber draußen. Diese Stunde brauchten sie natürlich, um den Gesichtsverlust zu vermeiden. Nach rund 7 Stunden auf der Wache waren wir draußen. 

 

Deutsche, die eigentlich in Masar das ISAF-Kommando hatten, waren in den fünf Tagen in der Stadt und Umgebung nicht sichtbar. Ohne "bewaffnete Sozialarbeiter" und deren stetigen Vertrauensaufbau kann man einen "gescheiterten Staat" und seine Menschen nicht gewinnen. Ohne "integrative Konzepte" für einen zivilen Wiederaufbau wird man irgendwann zwangsläufig zum Besatzer. 

Als Deutscher sollte man das eigentlich am besten wissen. 

Umso beschämender ist die Art des würdelosen Separatismus, der Schuld und Verantwortung immer nach unten delegiert. Oder nach unten tritt. Die Würde des Menschen im "Kampf der Kulturen" und im "Krieg gegen den Terror" ist angetastet. "Außenpolitik" wird so zu einem die Menschen verachtenden Verdrängungskampf. 

Rassismus und Faschismus werden so Tür und Tor geöffnet. 

Die Wahrheit hinter der nächsten, bis hin zur vielleicht vorletzten Wahrheit mag ein Tropfen im Ozean sein. Aber was ist ein Ozean anderes als ganz viele Tropfen. 

 

 

 

 

Die Wasserläufe in der Stadt Kabul, die der Begründer des Moghul-Reiches Babur vor rund 500 Jahren als seine "grüne Oase" und seinen "Luftkurort"  bezeichnete, sind versiegt und völlig verschmutzt. Die Luft ist auf 1800 bis 2300 m ü. NHN dünn und durch "Kanonenöfen", Allesbrenner, schlecht eingestellte Diesel und Staub nicht nur für Asthmatiker eine Herausforderung.
Gleichwohl sieht man hier deutlich das private Grün in den ummauerten Hofhäusern, während der öffentliche Raum immer mehr verödet und vertrocknet. Bemerkenswert hier auch die Ringöfen zur Ziegelherstellung am Bachlauf. Vielleicht stehen diese Ringöfen gar auf den Fundamenten alter buddhistischer Stupas. An einem Ort mit so vielen überlagerten Zeitschichten ist dies nicht auszuschließen. 

insgesamt, was die Verschmutzung betrifft: Kabul ist da keine Ausnahme im globalen Süden. Eher die Regel.
"
Klimapolitik" ohne gemeinsamen Aufbau von Infrastrukturen ist relativ sinnfrei.

 

 

 

 

 

22.02.2020

 

"Wie schön, der Herr baut nie auf Sand. Es herrscht wieder Frieden im Land"

                                                                                                                         Konstantin Wecker

 

Die Verfassung: ein bedingungslos zu schützender Tatbestand.

120 Jahre Verschlusssache Nationalsozialistischer Untergrund.

45 Jahre länger als von Stalingrad und Auschwitz bis heute.
2139 darf das Gerichtsarchiv geöffnet werden.

Ein Fliegenmückenvogelschiss. Das alles. 

Werte-Unionisten und andere staatstragende Personen

müssen in ihrer Amtsfolge geschützt werden.
Die Würde des Amtes ist unantastbar.

Die Würde des Menschen ist angetastet.

 

Teure Pensionen. Die Krähe, die der anderen kein Auge aushackt.

Verunsicherte Bürger jubeln den kompetenten Amts- und Würdenträgern zu.

Schlimm, wie unsicher das im Lande geworden ist.

Verfassungsschützer schützen ja auch das Deutsch-Sein.

Gut-Sein. Nicht-Fremd-Sein.

Draußen ist feindlich.

 

"Es reicht nicht, ins Feuer zu spucken

 
Sicher doch. Welcher Staat und welche Verfassung jedoch ist da von wem und vor wem zu schützen? 
Wenn Teufel und Beelzebub Pöstchen- und Pensionenbingo spielen, wer ist dann der Gewinner? 
Sicher nicht der Wähler zwischen Pest und Cholera.
Der Kommunalwahlrechtsausländer erst Recht nicht. 
Anständige gibt's überall. Aber Deutschland hat da diese unrühmliche Tradition mit dem Vorschlaghammer. Die Eleganz des Igels und von Lady Macbeth haben da nicht so viele drauf. 
Deutsche Angst aber schon. Nicht zu knapp.
Gerade in Zeiten wie diesen. 
 
 
"Es wird hell
Draußen ist feindlich
Schließ Dich ein mit mir
Hier sind wir sicher
Ich liebe dich
Vergiss es"                                   Einstürzende Neubauten / Blixa Bargeld
 
"Endlich geschafft. Ein Volk von Phagozyten"            Konstantin Wecker
 

 

 

 

 

II

 

Nun, nach den Morden in Hanau sind Alarmismus und Aktionspläne gegen rechts nach innen so ein Ding. Die Außenwahrnehmung der meisten Deutschen jedoch ist mindestens genauso wichtig. Und die geschah in den letzten fast 20 Jahren primär im Gefolge des "Kampfes der Kulturen" und des "Krieges gegen den Terror". 

Was jedoch heißt das?
Oder: wie kann man "Terror von "außen" bekämpfen,
wenn man sich nur gefiltert mit "denen da draußen" beschäftigen kann? 
"Refugees welcome" ist im konstanten nationalen Teile und Herrsche Modus genauso kurzsichtig wie populistische Äußerungen von konservativen Politikern, die "sich gegen Zuwanderung in die Sozialsysteme bis zur letzten Patrone wehren" wollen (Innenminister Seehofer beim politischen Aschermittwoch 2011).


Diejenigen, die Seehofer damals zugejubelt haben, möchten sicher nicht mit AntiFa-Leuten in eine Schublade gepackt werden. In der Außenwahrnehmung jedoch geschieht dies ständig.
"Der Afghane", "die Türkin", "die Migranten" usw. usf. 
Da wird plötzlich nicht mehr so differenziert.
Und munter instrumentalisiert. 

 

Derselbe Seehofer warnt nun vor dem aufkommenden Rechtsextremismus.
Zusammen mit den Grünen und allen anderen, die sich da demokratisch nennen. 
Man fragt sich immer wieder, ob die Politik überfordert ist in ihrem stetigen Wahlkampfgetöse oder ob die gewählten Volksvertreter da den Plebs mit Geheimdienstmaterial und ihren Beratern stetig gängeln.
Oder beides. Denn sie ahnen kaum, was sie da tun.
Auch in ihrer eigenen unbedarften und undifferenzierten Kurzsichtigkeit. 

 

 


 

 

21.02.2020

 

"Nicht wir haben ein Problem. Deutschland hat ein Problem."

                                                                                                                         Ein Kiosk-Betreiber in Hanau,

 

nachdem er mit unbewegter Mimik von den beiden Toten in seinem Kiosk berichtet hat. Ein Zufall, dass er überlebt hat. Für seinen 20-jährigen Neffen und einen anderen Freund der Familie galt dieses "Glück" nicht. Das "Glück" der Nachgeborenen. Reiner Zufall. Zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen. 

"Deutschland, Deutschland in der Nacht. Die Bestie, sie ist aufgewacht."

Sie hat nur geschlafen. Keinen Schlaf der Gerechten. Gedöst. Kurz weggenickt. 

Fliegenschiss, Mückenschiss, Vogelschiss. Was auch immer. 120 Jahre Verschlusssache NSU-Akten. Nationalsozialistischer Untergrund. 120 Jahre Schlafen und Dösen von Gerichtsakten. "Verwirrte Einzeltäter". "Verschwörungstheorien". Die Betroffenheitsreden von Politikern und anderen "Experten". 
Teile und Herrsche im bedingungslosen Dauermodus. Der Mensch dem Menschen ein Wolf. Naturzustand. So isses halt. 
Fliegenschiss, Mückenschiss, Vogelschiss. Verwirrte Betroffenheitsgesten. Freiheit des Anderdenkenden. Dauergefechte parlamentarischer Schönredner. 120 Jahre Verschlusssachen. Keine 1000-jährigen Versprechen. Bescheidenheitsgesten? 

Graue Wölfe gibt es auch andernorts. Menschenhasser, die Menschen auf andere hetzen auch. 

 

Ich konnte mir den Namen des Kiosk-Betreibers nicht merken. Sein Gesicht auf dem Bildschirm schon. 

Mein herzlichstes Beileid an ihn und seine Familie. An alle, die da in der hessischen Stadt wie viele andere Angehörige und Freunde verloren haben. Aus dem Leben gerissen. Völlig willkürlich. 

"Verwirrte Einzeltäter". Immer. Menschenhass. Teile und Herrsche. "Narzisstische Befindlichkeitsstörungen". 

"Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen." Fliegenschiss, Mückenschiss, Vogelschiss. 

Verschlusssache. Bald. Der Mensch dem Menschen ein Wolf. Naturzustand.

Glück. Pech, zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen zu sein.

 

 

Totschlagen

Erst die Zeit
dann eine Fliege
vielleicht eine Maus
dann möglichst viele
Menschen

dann wieder die Zeit
 
Erich Fried (1921-88)

 

 

 

 

 

 

 

19.02.2020

 

"Ich glaube, dass jeder Mensch unschuldig auf diese Welt kommt."

                                                                                                                         Peter Brodbeck

 

Wann aber verliert der Mensch seine Unschuld? Wann verliert das Kind seine Unschuld?

Wenn das Kind Kind ist, dann malt es Regenbogen und sich selbst als Strichmännchen oder Kopffüßler darin. Wenn der Mensch Kind ist, dann glaubt er an den Schutz des bunten Halbkreises, der da aus der Erde aufsteigt. Sie sieht darin ein beschützendes Dach.  

Verliert das Kind also seine Unschuld, wenn es auf das Zischen der Schlange hört und in den Apfel vom Baum der Erkenntnis beißt? Und den Apfel weiterreicht.

Kann ein Mensch diese kindliche Unschuld irgendwann im Laufe seines Lebens wiedergewinnen?

Wie aber vermag sie dann das Dach des Regenbogens zu bauen? Welche Rolle spielt er, welche sie dann darin, die bunt schillernden Tropfen im Licht zu bündeln?

 

 

 

18.02.2020

 

Die Zukunft ist eigentlich ein kleines Fenster im ewigen Strom zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Ein Fenster der Möglichkeiten und der Chancen und Gelegenheiten, das weiter geöffnet werden sollte.

 

Was wäre also, wenn Bauordnungen nicht nur überregulierte Ge- und Verbote aussprechen und vorschreiben würden, sondern sagen würden, dass jedem Bürger der Bau eines solchen Fensters ermöglicht sein solle? Eine Mauerwerksnische von 10 x 10 cm, bei einer 24 cm starken Wand also als Durchreiche mit mindestens einer Öffnung, vielleicht auch als runder Raum, ähnlich einer Rohrpost also, mit Durchmesser 10-12 cm, mit einer Rauchglas-, also durchgefärbten grauen Glasklappe, vielleicht auch einfach einem Blechdeckel. Das bliebe ja dem jeweiligen Eigentümer dieses Fensters überlassen. Auch die Art des Beschlages und des Verschlusses. Auch, wann und wie das Ding da geöffnet und wieder verschlossen würde. Wie oft zudem. 

Und erst Recht der Inhalt. Eine Spieluhr vom Urgroßvater, die schon seit Urzeiten keinen Ton mehr von sich gegeben hat. Ein angekauter Bleistift. Eine Kinderzeichnung mit einem Mädchen unter einem bunt schillernden Regenbogen. Ein Manuskript von Beethoven's Neunter. Original-Faksimile, angeblich. Eine Bibel, ein Gesangbuch, eine kleine Thorarolle, ein Mini-Koran. Die Lesezeichen jeweils an den wichtigsten Stellen. Ein anderes Buch, mit gelben und orangenen Post-its an den besonderen Stellen. Ein Ton, dem Rauschen im Hintergrund entnommen und dort eingefangen. Ein Ton, den nur der Eigentümer dieses Fensters vielleicht hören kann. Ein Licht. Ein Kerzenstummel. Aber noch leucht- und duftfähig. Welke Blätter. Blüten. Großmutters Kuchenrezepte. Ein Teil ihrer Schürze. Mit dem Geruch aus ihrer Küche. Ein Foto aus jüngeren glücklichen Tagen. Noch mehr Kinderzeichnungen. 

 

Es müsste ja nicht ganz so wie das kleine Studierzimmer, das Studiolo des Federico da Montefeltro im Palazzo Ducale von Urbino sein. Nein. Aber ein ganz kleines Bisschen davon hätte es schon.
Insbesondere, was die Würde des Besitzers betrifft. 

 

 

 

16.02.2020

 

Wer oder was ist denn nun die Zukunft?

 

Und wer oder was bestimmt da die Spielregeln bei dem, was die "Zukunft" so ist oder sein könnte?

Wer oder was lebt also wie oder wann und wo in welcher "verlängerten Gegenwart"?

 

Bezogen auf Architektur, Stadtplanung, und damit zusammenhängend auf "Baukultur" und die "Immobilienwirtschaft" im Großen und Ganzen helfen da einmal mehr verschiedene, relativ zeitgleiche Quellenstudien weiter. 

 

Die Wirtschaftswoche wartet am 8. Februar 2020 mit der Frage auf:
"Endet der Immobilienboom?" Darunter steht dann der eher wieder reißerisch verrätselnde Titel: 

„Wenn es die Letzten merken, ist es zu spät“. Weiter heißt's dann: 
"Neu einziehende Mieter müssen kaum noch mehr zahlen. Erleben wir das Ende des 2009 begonnenen Immobilienbooms? Sinken auch die Kaufpreise? Reiner Braun, Vorstandsvorsitzender des Forschungsinstituts Empirica über die weiteren Aussichten – und eine echte Sensation."

Die letzten Sätze dann des Forschers auf die Frage: "Wie wird der Immobilienboom enden?"
"Bislang hat jeder Immobilienboom mit einem Überangebot geendet. Das wird beim aktuellen Superzyklus nicht anders sein..." und andere Aussagen dazu indes entsprechen eher volkswirtschaftlichen Binsenweisheiten. Eine "Sensation" sucht man darin vergeblich. 

Bemerkenswert ist eher, wie  der Interviewte hier, Reiner Braun, "einer der Ideengeber für die staatlich geförderte Altersvorsorge mit Immobilien, den „Wohn-Riester“ " eigentlich das Thema "Wohnen" vorwiegend aus Anlegersicht betrachtet. "Baukultur" und "öffentliche Daseinsvorsorge" spielen neben vielen anderen Aspekten volkswirtschaftlicher Realitäten und Perspektiven in dieser Analyse keine Rolle. 

 

"Paloma-Viertel: Kaufen, wo andere nicht mehr können

 Für das teure Esso-Häuser-Areal an der Reeperbahn fanden sich keine Käufer. Jetzt springt die Stadt Hamburg ein, um günstig zu vermieten. Ein Deal mit Modellcharakter?"

titelt die ZEIT dann am 13.02.2020. 
 
Der darin beschriebene "Beitrag zu einer sozialen Bodenentwicklung" von Seiten der Stadt zeigt primär das Dilemma der langjährigen Dominanz "freier Marktregeln", bei denen am Ende der Steuerzahler für lange vorherrschende ungeregelte privatwirtschaftliche Zockerei bezahlen muss. Auch nach aufwändigen und langwierigen Beteiligungsverfahren, die der Kiez und die "Planbude" da von den Investoren ertrotzt haben. 
Die wie gewohnt stark polarisierenden Kommentare unter dem Artikel können kaum verhehlen, dass eine immer stärker werdende soziale Entmischung vieler Städte und ihrer "Traditions-Viertel" irgendwie keine wirklich lebens- und liebenswerte "Stadt- und Baukultur" mit sich bringen kann.  
Vielmehr zeigt sich ganz deutlich, dass das Thema des öffentlichen und des privaten Raumes per se privaten Meinungen und Interessen vorbehalten ist. Und bleibt. 
Die Bodenfrage jedoch per se und damit verbunden die Frage nach Gestaltungshoheit von öffentlichem und privatem Raum in Architektur und Städtebau geht viel weiter. Sie führt zwangsläufig zu Grenz- und Schnittstellendefinitionen. Wie sieht die Gesellschaft aus, in der wir leben wollen? 
Wer ist - WIR?
 
Im BAUMEISTER, dem in München herausgegebenen Architekturmagazin spricht Alexander Gutzmer im Editorial zum Februar 2020-Heft im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau der "Schinkel'schen Bauakademie" zu Berlin und der Besetzung des Chefpostens dafür durch einen fachlich nicht unbedingt qualifizierten Politiker von einem "Problem deutscher Öffentlichkeit: dass die unterschiedlichen Teileliten unter sich bleiben und nicht miteinander kommunizieren."

 

Die Frage nach dem Verständnis des BAUMEISTERs und anderer "Teileliten" von "Baukultur", von öffentlichem und privatem Raum und den entsprechenden Grenzen und Übergängen zu Beginn der 2020er Jahre indes scheint auch alleine auf den Ebenen dieser jeweiligen "Teileliten" ausgehandelt zu werden.
Einmal mehr scheint Italien da ein Vorreiter für Entwicklungen in Deutschland. Auf politischem wie kulturellem Gebiet. "Die Kaste: So wurden italienische Politiker zu Unberührbaren" wurde 2007 von Gian-Antonio Stella und Sergio Rizzo herausgegeben. 

 

Vielleicht könnte ein Buch über "deutsche Teileliten" auch so ein Erfolg werden wie seinerzeit das Buch der zwei Journalisten vom Corriere della Sera in Italien.
Aber eigentlich ist es dafür wohl erst einmal mehr zu spät. 
Das Geschwätz der "Teileliten" nervt eher. 

 

 

 

 

 

12.02.2020

 

Im Krieg stirbt die Wahrheit zuerst

 

Aber einer "post-heroischen Gesellschaft", deren erster Kanzler nach dem 2. Weltkrieg noch nach seiner letzten Amtszeit Mitte der 1960er sagte, dass "das deutsche Volk seit 1914-18 völlig überfordert gewesen sei" meint man immer noch erzählen zu müssen, dass es da im 3. Weltkrieg nur eine Wahrheit gäbe.
Im "Nahen Osten", der lange hier in der deutschen Presse auch als "Mittlerer Osten" durchging, gibt es aber viele verschiedene geostrategische und lokal-globale Interessen, die sich da überlagern. 

"They hijacked my religion", sagte ein kluger Freund von mir in Afghanistan. Als stolzer Paschtune meinte er sowohl die Taliban, als auch irgendwie "den Westen", für den er dort arbeitete.
Zumal er jetzt im Exil in den US lebt.
Hätte man sich vor der Irak-Invasion 2003 etwas mehr mit den Menschen dort auseinander gesetzt, dann hätte man ahnen können, dass "Teile und Herrsche" zu einem Fanal in der Region führen würde. 
Dass die ZEIT immer noch diese Erzählung von "gut und böse" aufrecht erhält jetzt beim Sturm Assads mit russischer und iranischer Unterstützung auf Idlib und die westliche "Befreiung" Mossuls von "IS-Rebellen" genauso wie 2003 Bagdad und Fallujah und und und dabei vergessen machen will: das hat keine "zivilisatorische Qualität". 

 

Ist man in deutschen Medien wirklich am Ende der Grausamkeiten und des Mordens interessiert?
Was geschieht im Jemen, was in Afghanistan?
Wer hat da welche Interessen?



Nochmals die Frage: sind der Westen und die Presse in Deutschland wirklich an einem Ende des Gemetzels gerade auch an Zivilisten in Syrien und sonst wo interessiert? 

Die Schilderungen des Arztes hier aus Idlib sind erschütternd. Aber ein Krieg, der mehrere Fronten kennt und in dem es irgendwann leichter wird, eine Waffe auf "freien Märkten" zu erhalten als "Brot und Wasser" kann nur mit dem Willen aller Beteiligter beendet werden.
Der hier zu Wort kommende Arzt jedoch ist sichtlich traumatisiert. Alle Beobachtungen unterliegen dieser großen Angst. So wird das Ganze reißerisch, aber es zeigt nicht im Geringsten auf, was zu tun wäre, um eine solche Perspektiv- und Hoffnungslosigkeit zu überwinden. 

Weil das vielleicht auch gar nicht gewollt ist? 
Weil Täter und Opfer hier eigentlich nur vorgeschoben sind, um die einseitige Betrachtung eines vielseitigen Geschehens aufrecht zu erhalten? 


 

Die Meldung "Koalition genehmigt weitere Rüstungsexporte an Katar und die Türkei" zu Libyen, wo ja auch französische und italienische Interessen widerstreiten und entsprechend auch aktiv und passiv auf verschiedenen Fronten kämpfen am selben Tag wie zwei Artikel zu Idlib und dem syrisch-russisch-iranischen Vorstoß dort entlarvt da eigentlich die ganze Bigotterie der "Leitmedien" bei uns. 

 

Wenn man die Grausamkeiten der Kriege im Nahen Osten wirklich beenden und den Völkern einen Übergang zu einer "Post-Konflikt-Ordnung" und zu einem Wiederaufbau ermöglichen will,
dann muss man da schon anders berichten. 
Es scheint aber nicht im Interesse der Medien hier zu sein, da hin zu kommen. 

 

Krieg ist so ein viel besseres Geschäft. Auch für die "vierte Gewalt". 

 

 

 

08.02.2020

 

Ende Tagebuch

 

China wird also bald weitere Hilfesignale gen Westen senden. Die Art der Berichterstattung zum
Corona-Virus zeigt deutlich, dass man auch eine Verschärfung der westlichen Wirtschaftskriegsführung befürchtet. Wo man selbst in einer geschwächten Position ist.

In Anbetracht jedoch der wichtigen Zulieferbetriebe für westliche Schlüsselindustrien und die Übermacht an Produktionsstandorten dieser Schlüsselindustrien selbst im Lande hat man genug Asse im Ärmel.

Unschön wird es einmal mehr, weil die Kernthemen des Umbaus eines (selbst-) zerstörerischen Systems einmal mehr in eine ungewisse Zukunft verlagert werden. Machtkämpfe zwischen balzenden Hähnen
und gluckenden Hennen sind wichtiger als „System-Umbau“ und andere wesentliche Dinge.

 

Fridays for Future? The rest of the week belongs to eternal past presence.

Der „Musterschüler“ China, der zuletzt auch die Überwachungsmaschine der NSA perfektioniert hat, wird im „globalen Neo-Feudalismus“ Mittel und Wege finden, seine Eliten vor dem „Untergang“ zu bewahren. Auch sonst geht es ja überall weiter von einer Qual- der Wahlperiode zwischen Pest, Cholera, spanischer (US-) Grippe und Corona-Virus.

Der Krieg um die Deutungshoheit von Geschichte und den Daten ist ja Teil des ganzen blöden Theaters. Wenn da irgendwo von „boomenden Wirtschaftsdaten“ gesprochen wird, dann kann man davon ausgehen, dass dies nicht für die Mehrheiten der Menschen dort gilt. Die Frage: „Wie kann die offizielle Arbeitslosenrate 3,8% sein, wenn in Wahrheit 37% der US-Amerikaner arbeitslos sind?“ könnte insofern auch bei uns immer wieder neu gestellt werden.

 

„Eliten“ und ihre medialen Wächter und deren Verwaltungen lernen eben voneinander. Dieses Lernen jedoch scheint immer wieder auf die jeweilige „Kastenebene“ und „Teilelite“ beschränkt.

 

Julian Assange, Chelsea Manning und Edward Snowden sollten hier noch kurz genannt und gewürdigt werden. Mutige Menschen. Ehrwürdige Kämpfer.

Alles Weitere ist Geschichte. Und der Unfähigkeit, daraus zu lernen.

Das Leben verstehen kann man ohnehin erst im Blick zurück.

Zumal, wenn der Blick nach vorne so vernebelt ist.

 

Was bleibt, das ist ein graues Bild.

Es geht weiter. Zweifelsohne irgendwie.

Eine völlig verdreckte 3-4-Grad-Welt werden auch die Erben und Nachfahren von Trump, Hitler, Mao, Xi Jinping, Pol Pot, Pinochet, Stalin, Bolsenaro und der vielen hier nicht weiter genannten anderen Wölfe und Schafe, Hähne und Hennen in ihrem Gefolge nicht schadlos überleben. Aber was heißt das schon?

Wenn der Mörder mit dem Tod davonkommt, dann ist das auch dem Opfer und dessen Nachfahren kein wirklicher Trost. Zumal, wenn der Mord so hässlich war. Eine lange Folter eigentlich.

Die „Krone der Schöpfung“ war ein Irrtum.

So oder so.

 

Dieses Tagebuch wird bis auf weiteres ausgesetzt. Was soll das denn auch schon?

 

 

 

07.02.2020

 

Neo-Konfuzianismus, Neo-Liberalismus, Neo-Konservativismus, Neo-Kolonialismus
u. ä. „Neo-ismen“ = Turbo-Endzeit-Kapitalismus?

 

Die 1990er Jahre dann nach Deng’s Devise 1992, dass „das Streben nach persönlichem Reichtum nicht der Parteidoktrin entgegenstehe“ waren gekennzeichnet von diesem in die Fläche gehenden Übergang zur „Privatwirtschaft“: die Errichtung von Sonderwirtschaftszonen, Verkauf von seit der Revolution 1949 staatlichen Ländereien, vermehrte Niederlassung westlicher Firmen und Produktionsstandorte in China etc. Geschicktes „Outsourcing“ westlicher Unternehmen auf Billigmarkt Nr. 1.
Kaum Tarif- und auch keine Umweltstandards.

 

Die 2000er Jahre dann waren gekennzeichnet durch die entschiedene Ausweitung dieser „privatwirtschaftlichen Initiativen“. Dies wurde zusätzlich befeuert durch den massenhaften
Aufkauf von US-Staatsanleihen. Mithin des US-Außenhandelsdefizites nach 911.

Die Rating-Agenturen S & P, Fitch und Moody’s saßen alle in den US. Eine Abwertung der Kreditwürdigkeit der US konnte somit nicht erfolgen. Die „Kriegswirtschaft“ der „letzten Supermacht des kalten Krieges“ tat auch genug, um ihren eigenen Niedergang als stetigen Erfolg zu verkaufen. Der jetzige Bewohner des Weißen Hauses mit seinen Kämpfen um die Deutungshoheit im Amoklauf des „Turbo-Endzeit-Kapitalismus“ verlagert da nur den Schwerpunkt.

China jedenfalls wurde in den 2000ern von der „Werkbank der Welt“ damit zum „Motor von Entwicklung“. Landraub, Immobilienblasen, Umweltzerstörung, „Ausbeutung der werktätigen Massen“: all inclusive. In noch nie gesehenen Ausmaßen.  

 

Die 2010er Jahre dann begannen mit der größten vorstellbaren Immobilienblase. 64 Mio, leerstehende Neubau-Wohneinheiten waren dabei „nur eine Zahl unter vielen“. In der Folge der Wirtschaftskrise 2008, die ja ihren Ursprung in den US hatte jedoch wurde kaum darüber berichtet im Westen. Es war klar, dass eine harte Landung der chinesischen Blase alles herunterreißen würde. Die ersten Hinweise darauf erhielt ich durch einen Stadtplaner, der als solcher auch Berater des „Drone-war-kings“ und sicher, wie Michael sagte, „unterschätzten“ US-Präsidenten Obama war.  Ein Fernsehbericht aus Australien, in dem zwar wichtige Fragen gestellt wurden. Aber wie bei allem, was da in den 2010er Jahren geschah, ging es in erster Linie darum, „Appeasement“, Schuldzuweisungen und subtile Zensur zu betreiben. An „globalen System-Umbau“ oder ähnliches war nicht zu denken.

 

„Schattenbanken“, schnelle „Abschreibungsmodelle“ für „Investoren“ und viele andere Methoden, um Pleiten und Fehleinschätzungen da als „Reichtum“ zu verbuchen – nach den Opium-Kriegen 1840 wollte man in China nie wieder vom Westen gedemütigt werden. Insofern wurde man zum Musterschüler des Turbokapitalismus. Andere Werte wie etwa der „Armuts-Index“ des Gini-Koeffizienten indes zeigen deutlich, wie sehr das „Reich der Mitte“ und „der Westen“ sich einander angenähert haben.

 

 

 

 

06.02.2020

 

China „im Griff des Virus“

 

Natürlich ist das Corona-Virus als mutierter (Influenza-) Virus, das den (säuge-) tierischen Wirt gewechselt hat und sich bei Menschen durchaus gerne einzunisten scheint nicht zu unterschätzen.

Die letzte große Pandemie, die „spanische Grippe“, die eigentlich aus den US kam und Ende des
1. Weltkrieges wütete, raffte damals bis zu 50 Mio. Menschen dahin. Insofern hat der allgemeine Alarmismus durchaus positive Seiten. Man ist gewarnt.

Man lernt aus der Geschichte. Irgendwie schon. 

 

Aber die Gefahr der Erkrankung steht und fällt auch mit den Abwehrkräften des Infizierten oder allgemein: des dem Virus ausgesetzten Menschen. Angst ist da nicht unbedingt der beste Berater für die Immunität von Menschen und anderen Tieren. Zumal, wenn diese wesentlich medial geschürt wird. Und wenn die Menschen dabei als Herde zusammengetrieben, aber gleichzeitig separiert werden.

Als Schafherde im Angesicht des bösen Wolfes vielleicht?

Nur: wer ist da „der böse Wolf“ wirklich? 

 

Als ich im Sommer 1989 kurz nach der Niederschlagung der Studentenbewegung auf dem „Platz des Himmlischen Friedens“ in Peking und andernorts für drei Monate kreuz und quer durch China reiste, erlebte ich ein in Angst erstarrtes, geradezu apathisches Land. Gerade einmal 20 Jahre nach den Gräuel der Kulturrevolution drohte neues Unheil. Jeder vermied, das Wort „Tienanmen“ nur auszusprechen. Zumal gegenüber einer Langnase. Das konnte man nur an verborgenen Orten. Wo ich dann auch häufiger Studenten traf, die mir von den Unruhen an ihrem jeweiligen Ort berichteten.

Eine große alte Dame, Medizin-Professorin aus Peking, die mit auf der Fähre war, die uns Ende August 1989 durch die drei damals noch vorhandenen malerischen Schluchten auf dem Yangtse von Chongqing nach Wuhan brachte war ohnehin furchtlos und hatte nichts zu verlieren. Sie war noch am
7. Juni auf dem Tienanmen gewesen und hatte dort mehrere ihrer Studenten besucht. Zwei von ihnen starben drei Tage später dort.

 

Dennoch ist davon auszugehen, dass das Ereignis auch bei uns wesentlich medial aufgebauscht wurde. Der Fokus lag auf Peking. Das Internet und „soziale Medien“ gab es noch nicht.

Unruhen und Tote gab es aber auch an anderen Universitäten. In anderen Städten. Insbesondere im Süden Chinas. Im Dunstkreis der damals noch britischen Kronkolonie Hongkong.

Trotz allem Zentralismus und aller Staatsdoktrin, die „das Reich der Mitte“ immer auszeichneten: Wichtige Bewegungen fanden immer auch von der jeweiligen Hauptstadt ausgehend in der Fläche, durch alle Provinzen hindurch statt. Durch alle Zeiten. Nicht nur im 20. Jahrhundert.

„Der lange Marsch“, „Der große Schritt nach vorne“, 

die „Kulturrevolution“ und auch die „urbane Revolution“.   

 

 

 

 

05.02.2020

 

China und die Welt

 

Oft sind es die kleinen Nebensätze, die die Botschaft hinter der Botschaft enthalten. Das wirklich maßgeblich entscheidende Motiv des Täters, der da neben dem Opfer mit

Blut verschmiertem Messer am Tatort steht, wenn die Ermittler kommen.

 

Das „Corona-Virus“ hält die Welt in Atem. China zeigt von Anfang an, dass es mit der internationalen Gemeinschaft eine Pandemie verhindern möchte. Die Bauarbeiten von riesigen provisorischen Kliniken in Fertigteil-Bauweise für Infizierte in Duisburgs Partnerstadt Wuhan am Yangtse innerhalb weniger Tage gehen um die Welt. Die Quarantäne der 11 Millionen-Stadt und vieler anderer Großstädte, die Ängste der Bürger: viele dieser Bilder kommen zu dieser imposanten Leistungsschau der chinesischen Bauindustrie und der Partei zur besten Sendezeit auch in westlichen Ländern an. Aber: ist diese Schau alleine durch ein sicher recht aggressives und neu mutiertes Grippevirus zu erklären?

 

Chinas Wirtschaft steht vor einer „Wachstumsprognose“ von 2-3 % für 2020. Ein so geringes Wirtschaftswachstum hat das „Reich der Mitte“ zuletzt zu Maos Zeiten, also vor rund 50 Jahren im Schatten der „Kulturrevolution“ erlebt.

 

Für einen (Mittel-) Europäer mag dies nicht sonderlich alarmierend klingen. Für China und die Partei jedoch ist es mehr als eine Katastrophe. Zwei Generationen stetiger Aufwärtstrend mit jährlichen Wirtschaftswachstumsraten von 6-10% in einem denkwürdigen Aufschwung, der rund die Hälfte der bald 1,4 Milliarden Menschen in China aus statistischer Armut befreit hat. Ein „gigantisches Experiment“, das Altkanzler Helmut Schmidt mehr als einmal mit Ehrfurcht betrachtet hat.

 

Es ist noch nicht lange her, dass man hierzulande sagte, dass es einen kaum interessiere, wenn in China ein Sack Reis umfalle. Hier jedoch handelt es sich um ein Beben, das sich auch bei uns bemerkbar machen wird. Sowohl Trumps Handelskriege, als auch die allgemeine Rezessionsdrohung auf den (Finanz-) Märkten hinterlassen deutliche Spuren. Weltweit. 

 

 

 

04.02.2020

 

Was bringen die 2020er?
 

„ Die 10 Thesen zur Bodenfrage“ vom Kollegen Florian Hertweck, Prof. in Luxemburg für Architektur, Europäische Urbanisation und Globalisierung, sprechen neben vielen anderen hier angesprochenen Themen zum Umbau von Staat und Gesellschaft im Klimawandel eine deutliche Sprache.

 

 

Foto (sf) hier, Vortrag im Düsseldorfer Stadtmuseum, 16.05.2019

 

„Baukultur“ erfordert in einer Demokratie bei drängenden Umbaumaßnahmen Menschen aller Schichten mitzunehmen. Es handelt sich auch um erforderliche Umbauprozesse von Staat und Gesellschaft.
Es gilt dabei, demokratischen und sozialen Konsens zu ermöglichen. Dafür ist viel intensiveres Lernen und Zuhören auch von der Politik und mächtigen Interessensgruppen erforderlich.

Immer dieselben simplen Mantras von Politikern in Talk-Shows zeigen, dass sie ihren Job verfehlt haben und die Steuergelder ihrer teuren Diäten nicht verdient haben. Gurus und ihre simplen Geschäftsmodelle gehören nicht in eine realistische demokratische und vor allem zukunftsfähige Politik.

Auch andere „Teileliten“ zeigen in besagtem BAUMEISTER-Artikel, wie wenig sie von der Vielfalt, der Vielseitigkeit und Vielschichtigkeit des grundgesetzlichen Souveräns verstanden haben.

Vertrauen darin und Hoffnung auf eine bessere Zukunft sollten das Ziel demokratischer Willensbildung in einem Rechtsstaat sein. Konsensbildung kann dabei nicht durch Desinformation und Ausklammern vieler Stimmen der Mehrheiten geschehen. Der Konsens muss vielmehr über den planerischen und moderierten Dissens mit dem Willen zu demokratischem und sozial ausgleichenden Konsens erreicht werden.

Dafür bedarf es überhaupt einmal des Willens dazu. Von Seiten von (Teil-) Eliten in (Föderal-) Staat und Wirtschaft wie von Seiten des grundgesetzlichen Souveräns.

 

 

 

 

03.02.2020

 

„Harte und weiche Faktoren“

 

In vergleichbarer Weise, wie unser Kollege Paul Virilio schon den ersten Golfkrieg 1991

als „kleinen 3. Weltkrieg“ bezeichnete sagt „Handelsblatt Chef-Ökonom“ Prof. Dr. Bert Rürup:

„Wir befinden uns längst in einem Wirtschaftskrieg.

Der US-Präsident weiß um die Widerstandsfähigkeit der US-amerikanischen Volkswirtschaft gegenüber Verwerfungen des Welthandels. Dies macht ihn zu einem wenig verlässlichen handelspolitischen Gesprächspartner.“

Chris Hedges, US-amerikanischer Journalist und Autor, bis 2003 bei der New York Times spricht von den US als einer „gescheiterten Demokratie“. Den gewählten derzeitigen Bewohner des Weißen Hauses in Washington DC mit dem nervösen Daumen im Streit um die Deutungshoheit für verkündete Nachrichten bezeichnet er als „Symptom, nicht die Erkrankung“. Als ehemaliger Nahost-Reporter der NYT ist er auch Kriegsberichterstatter und weiß, wie ein „heißer Krieg“ sich anfühlt. Als entschiedener Gegner der US-Invasion im Irak 2003 weiß er zudem, wie schnell die Dinge eskalieren und sich ausweiten können.

 

Die Konjunkturdaten sprechen immer wieder deutlich von einer Rezession, die nach vielen Jahren, rund zwei Jahrzehnten zwischen Deflation und mit allen Mitteln kontrollierter Inflation ins Haus steht. In der Geschichte der Ökonomie ist die Deflation die Phase mit der größten Anhäufung kriegerischer Auseinandersetzungen. Mehr oder weniger „outgesourceter Ereignisse“. Die Folgen aber haben uns hier in der Mitte Europas sehr wohl schon lange erreicht.

Die Warnsignale und das stetige Abwiegeln zur Rezession selbst mit dem Verweis auf einzelne positive Konjunkturdaten sprechen da zudem eine deutliche Sprache. Die „deutsche Angst“  davor nach mehr als 10 Jahren „Boom“ und „Profitieren“ einiger von der Krise 2008 ist da einmal mehr sprichwörtlich. 

 

Die Menschen überall spüren, dass da viele Dinge kippen. Sie lassen sich in vielen Dingen nicht mehr alles so leicht vormachen. Sie wollen nicht als „weiche Faktoren“ wahrgenommen und behandelt werden. Gleichzeitig sind sie aber orientierungslos. Die Angst vor dem Kippmoment und der Perspektivlosigkeit, den Abgründen dahinter hält sie gefangen. Sie möchten, dass man sie und ihre Bedürfnisse ernst nimmt. Die Sehnsucht nach Sicherheit und Frieden und Ausgleich und der Wunsch nach glaubwürdiger Arbeit auch von Medien und Politik dafür gehören auch dazu.
Der Weckruf jüngerer Generationen zum Klimawandel zeigt, dass „zukunftstaugliche Planung“ weitaus mehr leisten muss, als vorwiegend „harte Profitinteressen der Immobilienwirtschaft“ zu bedienen. Auch hier gewinnen die im Artikel im BAUMIESTER ganz nebenher als „weich“ bezeichneten Faktoren entschieden an Härte. 

 

02.02.2020

 

Richard Sennetts Buch „The Corrosion of Character“ von 1998 wurde leider im deutschen Titel mit „Der flexible Mensch“ eher schwach übersetzt. „Die Korrosion des Charakters – und des Gemeinwesens darin“ ist viel bildhaft ausdrucksstärker als der deutsche Titel.

Einer der zentralen Abschnitte daraus besagt:

„In seiner klassischen Studie Lean and Mean zeigt Bennett Harrison, dass die hierarchische Macht bei dieser Produktionsform fest verankert bleibt: das Großunternehmen behält das wechselnde Ensemble abhängiger Firmen fest im Griff und gibt Einbußen wegen Rezession oder erfolgloser Produktion an seine schwächeren Partner weiter, die stärker darunter leiden.

Die Inseln der Arbeit liegen vor einem Festland der Macht.

Harrison nennt dieses Netzwerk ungleicher und instabiler Beziehungen „Konzentration ohne Zentralisierung“. ... (Diese) ist eine Methode, Befehle innerhalb einer Struktur zu übermitteln, die nicht mehr so klar wie eine Pyramide aufgebaut ist – die institutionelle Struktur ist gewundener, nicht einfacher geworden. Aus diesem Grund ist das Wort „Entbürokratisierung“ ebenso irreführend wie unelegant. In modernen Organisationen, die Konzentration ohne Zentralisierung praktizieren, ist die organisierte Macht zugleich effizient und formlos.“ *

 

Die „Immobilienwirtschaft“, die dem Architektur-Magazin Baumeister diesen Artikel zum „Bauen im Bestand“ entsprechend „effizient und formlos“ geschrieben hat, verweist am Ende wohlweislich auf ihren wichtigsten Partner hin: den Staat als Wächter des „korrodierten Gemeinwesens“:

„Jedoch formen Politik und Markt Rahmenbedingungen, die die Bestandsentwicklungen für Kapitalgesellschaften, Fonds oder Versicherungen uninteressant machen. Dort, wo die Rendite über
allem steht, haben Bestandsgebäude derzeit das Nachsehen. Nimmt man jedoch weiche Faktoren wie gesellschaftlichen Zusammenhalt, Nachhaltigkeit und Klimaziele, Akzeptanz in der Bevölkerung, Wahrung des (historischen) Stadtbilds in den Blick, könnte es lohnen, den Bestand zu fördern.
Die Aufgabe der Politik ist es folglich, zwischen der eigenen Agenda, den Bedürfnissen der Menschen, örtlichen und ökologischen Gegebenheiten und den profitorientierten Interessen der Immobilienwirtschaft abzuwägen.“ (Scan des gesamten Artikels hier im Anhang)

 

Dass das Auftreten der jungen Dame aus Schweden eigentlich einen späten Weckruf der die hier benannten „weichen Faktoren“ immer als letzte betrachtenden Märkte und der Politik bedeutete, das ist weder ihr selbst, noch den vielen Mittelschichtskindern und Jugendlichen in Greta Thunbergs Gefolge anzukreiden. Was überhaupt als "weiche Faktoren" hier bezeichnet wird, das ist schon erstaunlich. Der einzige "harte Faktor" ist demnach der Profit. 

Bedeutet „Konformismus im Zeitalter hochflexibler Macht-Konzentration ohne Zentralisierung“ auch:
sich solchermaßen demokratisch wähnende Gesellschaften benötigen keine „Helden oder Heldinnen“ wie Greta, die dann auch von allen Seiten vereinnahmt und dann langsam zum Klippenrand hin abgeschoben werden, sondern ein „formloses WIR“ beschwörende Gefolgsleute unter den den Markt und die Politik regelnden (gewählten und ungewählten) Kräften? Dies deutete zumindest Bundespräsident Steinmeier so in seiner Weihnachtsrede an.

Ein Volk von Schafen, das das Abgrasen ihrer Weideflächen bedingungslos hinnehmen soll?

 

Viele Bundesbürger sprechen von „Einheitlichkeit der ehemaligen Volksparteien“ nach mehr als einem Jahrzehnt der „schwarz-roten und schwarz-gelben Koalitionen“. Der Schritt zum Staat der „Einheits- oder Blockparteien“ ist da nicht mehr weit. Ganz wesentlich kommt dazu dann aber auch noch das allgegenwärtige "St. Florians-Prinzip", der US-amerikanische "NIMBYismus": "Klimaschutz und so - alles gut! Aber nur nicht in meinem Vorgarten oder in meinem Hinterhof!"

Dass Baugruppen heute, anno 2019 „SUV-affine Stellplatzbreiten von 2,80 m Breite“ möchten spricht da auch nicht unbedingt von viel Verständnis für die hier als „weich“ bezeichneten Faktoren der Ortsentwicklung. Aber auch gegen eher „grüne Klientelsgruppen.“

Auch hier scheinen völlig falsche Anreize gesetzt zu sein. Individueller Konsum, der die Menschen in ihrer jeweiligen Filterblase gefangen halten will und Klimawandel und Umbau zu mehr Nachhaltigkeit gerade auch in der Mobilität: das geht alles nur mit größerer Solidarität. So werden Menschen in ihrem Dasein als "weiche Faktoren" belassen. "Baukultur" und "Wahrung des (historischen) Stadtbilds" ebenso.

Eine "Klimapolitik", die die Solidarität der Menschen untereinander nicht fördert und nicht oder nur wenig lernfähig ist im Hinblick auf "Anreize" und die erforderlichen Entwicklungsprozesse wird niemals funktionieren. Sie wird unseren Kindern und Enkeln noch mehr Ballast aufbürden.
Eine solchermaßen zerstörte Zukunft jedoch kann keine Option sein. 

 

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt spricht vielmehr alles dafür, dass da ein Riss durch das Land geht, der zwischen Besitzenden, die noch Investitionskapital zur Verfügung haben und immer mehr Besitzlosen, die dieses niemals zur Verfügung haben besteht. Ein Riss, der sich überall mehr oder weniger deutlich darstellt. 

 

*   Richard Sennett, „Der flexible Mensch – Die Kultur des neuen Kapitalismus“,
    Aus dem Amerikanischen von Martin Richter; 8. Aufl. 09/ 2010; Original: „The Corrosion of Character“: 

    © 1998 Richard Sennett, dt. Ausgabe: © 1998 Berlin-Verlag GmbH, Berlin, S. 70, 71

 

 

 

"Bauen im Bestand - ein ungleicher Dreiklang"; Artikel aus BAUMEISTER, das Architektur-Magazin B1 / 2020
Bauen im Bestand - ein ungleicher Dreikl[...]
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01.02.2020

 

Wenn man die Stichworte „Bauwirtschaft“, „Infrastruktur“, „Sanierungsstau“ und „Investitionsstau“ in jedwede Suchmaschine eingibt und entsprechend die ersten Seiten daraufhin von Handelsblatt und Wirtschaftswoche liest, dann erscheint schon einiges der komplexen und divergierenden Interessenslagen auf diesen Gebieten hindurch. Und: Bauen ist doch ein komplexer Vorgang, der vielseitige und vielschichtige Betrachtungen und entsprechende Formen der Zusammenarbeit fordert, oder?

Man stößt auch auf einen Blogbeitrag im „Blog der Republik“ von Ex-Kanzler Kohls früherem Regierungssprecher und früheren Leiter der ZDF-Wirtschaftsredaktion Friedhelm Ost zum Thema. Dieser verrät viel mehr informative Details als der zitierte Artikel im Baumeister. 

 

Dass da im Investitionsstau bei Schulen und öffentlichen Bauten oftmals im Rahmen der "Energiewende" falsche Anreize gesetzt wurden, das scheint die träge Maschinerie der Gesetzgebung leider auch noch nicht verstanden zu haben: KFW-Kredite, die alleine auf die Fassade fokussierte "energetische Sanierung" fördern, führen in der Praxis oft zu jahrelangen Verzögerungen in Planung und Ausführung. Die dabei zu Tage tretenden Konflikte mit Baurecht / Brandschutz und in Anbetracht der Bauzeit der meisten Gebäude in den 1950ern bis 1970ern, auf Schadstoffbeseitigung müssen erst mühsam aufgedröselt werden. Die dabei vorprogrammierten "Kostenexplosionen" alleine für die Bewilligung der Zuschüsse für aufwändige Schadstoffbeseitigung und brandschutztechnische Ertüchtigung verzögern alles nochmals um Jahre. Zumal jeder Angst hat, dass ihm oder ihr diese Versäumnisse angekreidet werden.
Bei einer entsprechend sinnvoll bewerteten Sanierung des Baubestandes müssen die zumindest vier Fassaden und das Innere, also auch Kerne und (Nutzer-) Ausbau gemeinsam begutachtet werden. 

Bei Wohnbauten und ihrer Sanierung ist das nicht anders. Es erfordert jedoch dort je nachdem noch kleinteiligere und detailliertere Betrachtungsweisen. Im Hinblick auf Anschluss und Weiterbau von Einheiten und vieles mehr innerhalb von Wohngebäuden.

Pragmatismus und vor allem weniger Beratungsresistenz von Seiten des Gesetzgebers sind zu allererst gefordert. Aber vor allem: weniger Fragmentierung, mehr "nachhaltige und ganzheitliche Betrachtung von Häusern und ihren Nutzern". Zuhören und Lernen vorneinander ist da gefordert. Nicht erst darauf warten, dass "statistisch ganz viele Kinder in den Brunnen gefallen sind". 

 

Auch hier lohnt es nochmals, den weisen Kollegen Alvaro Siza zu zitieren:

„Alles ist viel komplexer und gleichgültiger geworden. Deshalb ist es sehr schwer, ein Gleichgewicht herzustellen. Das ist allerdings weniger ein Problem der Architektur als vielmehr der Menschheit und der Gesellschaft. ... Das Problem fängt an, bevor die Architektur ins Spiel kommt. ...

Architektur hängt also immer von den Kunden ab.“ *

 

Wer ist aber dieser „Kunde“ heute im Städtebau, der Architektur also im jeweiligen urbanen oder regionalen Umfeld? Wer sind da die Akteure und welche Interessen vertreten diese?
Zumal auf „globalisierten und sich selbst als 'frei' bezeichnenden Märkten“?

 

 

*    „VORTEILE; Das Backstein-Magazin“, Ausgabe 19, „Fritz-Höger-Preis 2020

      für Backstein-Architektur";  © 2020 Kopfkunst, Münster, S. 5-9

 

 

 

31.01.2020

 

In Anbetracht der Tatsache, dass Philipp Johnson als einer der "Väter der Moderne" im Hinblick auf Bauherrenschaften und die "Immobilienwirtschaft" ja durchaus verschmitzt sagt:

"I'm an architect. I'm a whore" sollen die hier eingangs (gestern) erläuterten Themen exemplarisch noch einmal unter diesem Blickwinkel betrachtet werden. 

 

Nach einer über drei Hefte gehenden Serie zum Schwerpunkt „Sozial Bauen“ fand sich im BAUMEISTER in Heft  B1 / 2020 der Artikel „Bauen im Bestand – ein ungleicher Dreiklang?“
Das schwierige Thema jedoch wurde dort in erster Linie von Seiten der Immobilienwirtschaft behandelt. "Das soziale Element des Ausgleichs als wesentlicher Teil von Baukultur" und insofern als essentieller Bestandteil gesellschaftlichen Seins nach dem 2. Weltkrieg erfordert aber dringendst detailliertere Betrachtungen, die primär finanzwirtschaftlich orientiertes Autorentum so gar nicht im Blickfeld haben kann. 
Dieser Blick jedoch ist bei Begutachtung der vielen Aspekte des (Bau-) Bestandes, also somit unseres "Kulturellen Erbes" insbesondere im Gefolge des Bruchs des 2. Weltkrieges unabdingbar. Der Blick hat somit auch etwas mit "Wertschätzung des Bestandes  und seiner Bewohnerschaften" zu tun. 

 

Stattdessen aber enthielt der Artikel leider einen völlig einseitigen und abwertenden Hinweis auf Bürgerproteste. Proteste, die ja auch irgendwie der allgemeinen Verwirrung und der Überforderung geschuldet sind. Zumal es für Be- und Anwohner ja allzu häufig "ans Eingemachte" geht. An die eigenen vier Wände. Mithin das eigene Zu Hause. Die eigene Existenz darin.

Gerade im genannten Beispiel Hamburg St.Pauli protestierten die Anwohner nach dem „preisgekrönten Wettbewerbsentwurf“ von BRT für die Tanzenden Türme zu Beginn der 2010er Jahre nun Mitte der 2010er bei den ESSO-Häusern heftiger und besser organisiert. Der Hinweis darauf, dass die „Planbude“ dort mit den Anwohnern a) einen neuen B-Plan, b) einen Wettbewerb mit von beiden Seiten gesetzten Teilnehmern und letztlich c) eine sehr vielfältige, auch sozialen Bedürfnissen der Anwohnerschaft entsprechende Nutzung von Seiten des Wettbewerbsgewinners mit entsprechend a) hoher GRZ und GFZ erstritten hat: das fehlt völlig im Baumeister-Artikel.

 

Vielleicht, weil das bedeuten würde, dass man sich auf moderierte Verfahren einlassen müsste, um sozialen Ausgleich und „bedarfsorientierte friedliche Nachbarschaften“ zu ermöglichen?

 

In der Kiefernstraße in Düsseldorf  wird es ähnlich verlaufen. Flingern ist als „innenstadtnaher alter Industriestandort und nun zunehmend gentrifiziertes Arbeiterviertel“ da näher an St.Pauli als Oberkassel oder gar Meerbusch-Büderich auf der anderen Rheinseite der „launischen Diva“ hier am Rhein. Zumal die Kiefernstraße selbst nochmals zudem in ihrer bald 40 Jahre währenden Tradition als „staatlich legitimierter Unruheherd“ die sozialräumliche Ambivalenz des schönen niederrheinischen „Landeshauptdorfes“ als Gegenpol zur schnieken Königsallee wie kaum ein anderer Ort hier versinnbildlicht.

 

Geht es in einer solch einseitig lückenhaften Darstellung zum "Bauen im Bestand" darum, dem Anspruch eines Baumeisters als Generalisten, eines „Maurers, der Latein kann“, wie Adolf Loos sagt zu genügen? 
Oder ist dies eher dem entsprechend, was auch Tancredi in Giuseppe Tommaso di Lampedusas „Gattopardo“ sagt:

„Wenn wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, muss alles sich ändern.“ 

 

Oder geht es darum, bei einer solchen „Berichterstattung“ über "Bauen im Bestand" viel Theater zu machen, aber jegliche schon lange unterbreiteten Vorschläge zu strategisch-prozesshaften Veränderungen einmal mehr unter den Tisch fallen zu lassen?

 

 

 

30.01.2020

 

Vor kurzem fragte mich ein in der Finanz- / Anlagenwelt tätiger Freund nach meiner Meinung zum „Berliner Mietendeckel“. Ich antwortete sinngemäß:

„Wenn man ein so lange aufgestautes Problem nur von einer Seite angeht, dann wird dieses ‚Anstoßen’ keineswegs fruchten. Im Gegenteil: es werden sich mittel- und langfristig viele kontraproduktive ‚Nebeneffekte’ ergeben. ‚Schlupflöcher’ werden sich auftun usw. usf. Viele Marktteilnehmer, u.a. Genossenschaften etc. werden zudem abgeschreckt. Sowohl, was ihre Bestandssanierung, als auch was ihre Neubaukapazitäten betrifft. Ein ‚Problemfeld’ muss man schon von mindestens drei Seiten angehen, um es dann allmählich in den Griff zu bekommen. Das ist hier jedoch einmal mehr nicht der Fall.“

 

Der Altmeister (süd-) westeuropäischer Architektur Alvaro Siza bezeichnet Architektur daselbst als „zu allererst einmal Dialog“. Wer steht aber da wie und mit wem im Dialog?

Es gibt viele Strategien, die da "spruchreif" sind, um das Problemfeld des "bezahlbaren Wohnraums", der also insbesondere in städtischen Ballungsräumen weniger als 1/3 des örtlichen mittleren Netto-Einkommens Miete  kostet und anderer kompletter Schieflagen in Stadt- und Regionalplanung anzugehen:

  •  „aktives Quartiersmanagement“ zur Moderation zwischen überfrachteten Planungsbehörden, Investoren / Eigentümern / Vermietern und Anwohnern / Nutzern verspricht bei insgesamt rund 40% mehr oder weniger „kleinteiligem Streubesitz“ im Mietwohnungsbereich kurzfristige und schnelle Lösungsmöglichkeiten am "runden Tisch". Erfordert aber den Willen, "aktive Moderation" zu legitimieren und anzuerkennen, um auf "freien Märkten" soziale Schieflagen und Wege für Interessensausgleiche zu verhandeln. 
  • Das Thema „letzte Zuflucht für Anleger: Immobilien!“ nach über zehn Jahren Null-, nun Minuszins und entsprechendem Abschmelzen langfristiger Anlagemöglichkeiten überall erfordert da auch konsequentere lokale Schutzmaßnahmen. Dies bedeutet ja auch, dass Pensionsfonds wie etwa der „Bayrische Pensionsfonds“ in Düsseldorf-Rath oder an anderen „prosperierenden Standorten“ die Pensionen bayrischer Staatsbeamter mittels Siedlungsbaumaßnahmen dort sichert. Nichts gegen bayrische Beamte. Nur ein augenfälliges Beispiel von vielen. Für eine immer wieder beschworene „Soziale Marktwirtschaft“ und die „Solidarität“ der Menschen untereinander im Föderalstaat sind dies  auf Dauer keine gesunden "Realitäten" .
  • In Anbetracht des im "Bauboom" allzu häufig konstatierten Mangels an Handwerkern sollten eigentlich die Kammern, IHK und HWK, viel deutlicher bemüht sein, Handwerksberufe in Profilen, Aufstiegs- und Fortbildungsmöglichkeiten auch für Kids mit Smartphone-und PC-/ Mac-Tunnelblick attraktiver zu machen. Auch da gibt es viele Möglichkeiten, die Dinge zu verbessern. Möglichkeiten aber, die wie alles auch etwas kosten. Vor allem: ein Um- und Neudenken vieler verstaubter Allgemeinplätze und Gewohnheiten.
  • Spätestens seit dem Hype um eine junge Schwedin und ihre Freitags für die Zukunft streikenden Kollegen erfordert das lange vollends verdrängte Thema „Klimawandel“ oder der vormalige Terminus der „Energiewende“ viel weiter reichende Maßnahmenpakete.
  • Es sei in diesem Zusammenhang nur kurz auf das vorwiegend britisch-italienische Forscherkollektiv „Foundational Economy“ verwiesen und das Handbuch dazu im Deutschen:
    „Die Ökonomie des Alltagslebens - Für eine neue Infrastrukturpolitik“. 
  • Die immer weiter auseinandergehende „soziale Schere“ reicht insbesondere nach der „Agenda 2010“ in die 2020er Jahre hinein. Bei 42 % Spitzensteuersatz und „Rentenanwartschaften von rd. 40 % bei prekarisierten Lebensläufen in volatilen Gewerben“ ruft gerade für die „geburtenstarken Jahrgänge“ jetzt eher pures Grauen bei den Meisten hervor.
  • Das inflationär verbrauchte Wort „Nachhaltigkeit“ wird so eigentlich in den meisten Fällen nur auf eine Fassade eines Hauses bezogen. Die anderen mindestens drei Fassaden und der Inhalt, die Bewohner des Hauses jedoch sind auch im Hinblick auf die "Baukultur" als Ganzes genauso wichtig. 

Man könnte also vieles tun. In manchen Branchen, auf vielen Ebenen. Dafür jedoch ist ein dezidierter Blick auf diese verschiedenen Ebenen des gesellschaftlichen "Seins oder Nicht-Seins" gefordert. Von Menschen auf verschiedenen Seiten, die es da in ihre Existenz hineingeworfen hat. 

Was jedoch bedingt diese bedingungslose "Beratungsresistenz", mit der da nur noch "Teilwahrheiten" von "Teileliten" wahrgenommen werden? Sind diese "Teileliten" zu sehr damit beschäftigt, zwischen Rezessionswarnungen gestern, Hurrameldungen zum prognostizierten Wirtschaftswachstum heute und eher bedächtigen "Es könnte so, kann aber auch anders kommen"-Meldungen morgen ihre eigenen Kämpfe auf ihrer jeweiligen Kastenebene zu bewältigen? 


Oder vielmehr: sind alle, auf allen Kastenebenen von "Gesellschaft" irgendwie mit lange aufgestauten Themen völlig überfordert, wehren sich aber dagegen, diese Problemfelder aktiv zu bearbeiten? Auch, weil "Scheitern uncool", aber letztlich bei jedem Schritt möglich, also "menschlich, allzumenschlich" ist?

Wo steht also die "Volonté generale", der politische Wille dazu, gravierende, lange vertiefte Probleme und Schieflagen wirklich initiativ anzugehen?

 

 

 

 

29.01.2020

 

Was also ist die "Kultur-" und /oder "Zivilisation der Moderne"?

Einerseits sprechen manche inzwischen von der "Post-Postmoderne". Irgendwann 2018 ist mir dann im Zusammenhang mit dem Film "Blade Runner 2049" gar der Ausdruck "Hyperpostmoderne" begegnet.

Der erste, im Jahre 1982 in den Kinos gestartete "Blade Runner" ist inzwischen "Vergangenheit". 1982 "spielte der Film 37 Jahre in der Zukunft – nämlich im November 2019. Nun ist die Zukunft des Science-Fiction-Films also Gegenwart. Was bedeutet das für den Kultstreifen und welche futuristischen Vorhersagen aus Blade Runner sind wahr geworden?" Antworten auf diese klugen Fragen nähert sich Michael Förtsch in IE9 eben im November '19 an. 

Was jedoch ist in Zusammenhang mit dem 36 Jahre nach dem ersten Film ins Kino kommenden "Blade Runner 2049" "Der andere Ort", was ist da die "Architektur des Postfaktischen", was sind da "Gesichter der
Hyperpostmodernen Stadt"? Der Artikel aus dem Architektur-Magazin "BAUMEISTER" wirft so per se ein seltsam diffuses Licht auf den Begriff der "Moderne". 
"Moderne bezeichnet historisch einen Umbruch in zahlreichen Lebensbereichen gegenüber der Tradition, bedingt durch Industrielle Revolution, Aufklärung und Säkularisierung. In der Philosophiegeschichte fällt der Beginn der Moderne mit dem Skeptizismus der Vordenker der Aufklärung (Montaigne, Descartes, Spinoza) zusammen."

In der Architektur ist ein wesentliches Merkmal der "Moderne" durch alle Epochen und über alle Generationen die "Aktualität und der zeitgenössische Kontext ihrer formalen Gestaltung". Funktionalität und Orientierung an gesellschaftlichen Bedürfnissen jedoch spielen insbesondere im letzten Jahr Hundert Jahre alt gewordenen BAUHAUS eine entscheidende Rolle. 

Die "Dystopie" des "Post-faktischen" jedoch erscheint so eher verstörend.

 

"Blade Runner 2049" gibt uns noch 29 Jahre bis zu einer Welt, in der die Menschheit und ihre Um- und Mitwelt selbst nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. Das "Post-Faktische" derzeitiger Diskurse hat auch die Tendenz zur "Desinformation". Dies jedoch ist für Architektur und Städtebau als gesellschaftliche Aufgabe, als "Bauen an einer verheißungsvollen Zukunft für Menschen" eine fragwürdige Richtung. 

Oder geht es in der "Post-Postmoderne", die nun also dem "Zeitgeist des Post-Faktischen" folgend zur
"Hyperpostmoderne" (v)erklärt wird alleine um die Deutungshoheit bei aktuellen Vorgängen ?
Und was bleibt da vom "Geist der Aufklärung" der "Moderne"?

 

Was meinen Sie, werter Alexander Gutzmer, Chefredakteur des "Baumeister"?

 

 

"Der andere Ort"; "Fantastischer Film - Architektur des Postfaktischen?"; "Blade Runner und Blade Runner 2049 - Gesichter der Hyperpostmodernen Stadt?" von Mark Kammerbauer im Baumeister B4 / 2018
B4-18DerAndereOrt.pdf
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28.01.2020

 

"Kultur-" und /oder "Zivilisation der Moderne" und der "Klimawandel".
Wieder einmal ein seltsamer "Querschläger" hier, den es gilt, genauer zu erläutern. 
Zunächst einmal eine Art "Gretchenfrage" als Einstieg dazu:
Kann man den "Klimawandel" als "Schuldfrage" per Akklamation "bekämpfen"?
Immissionshandel und andere Maßnahmen scheinen das so behaupten zu wollen. 

Was aber ist der "Klimawandel"? Eine komplexe Vielfalt von Ereignissen, die insbesondere auf athmosphärische Energieschwankungen zwischen Äquator und Polkappen zurückzuführen ist.
(Danke an Sven Plöger für diese kurze und prägnante Erläuterung!).
Solche Ungleichmäßigkeiten und rasante Veränderungen in fragilen "Gleichgewichten" haben in den letzten 30 Jahren massiv zugenommen. Durch den trockenen Sommer 2018 hat man das, was viele Orte auf der südlichen Hemisphäre des Globus schon lange quält nun auch auf der Nordhalbkugel viel deutlicher wahrgenommen. Das ist einerseits tragisch. Andererseits ist es aber auch gut so.
Der Wohlstand der Bevölkerungen der wichtigsten ehemaligen "Schwellenländer" China und Indien und die damit verbundenen Emissionen haben im selben Zeitraum, den letzten 30 Jahren massiv zugenommen. Die Emissionen dort eilen dem Ausbau entsprechender "nachhaltiger Infrastrukturen" eher voraus.

Zudem ist das Militär allerorten aus Emissionsberechnungen des IPCC, des "Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen" herausgenommen. Alleine das Pentagon und das Militär der US lägen jedoch in ihren CO2 Emissionen als Nationalstaat berechnet vor Dänemark und Portugal auf Rang 47 der nationalen Emittenten. Die ständigen Alarmsituationen und Einsätze chinesischen, russischen und indischen Militärs und die Kriege im Nahen und Mittleren Osten sind da auch nicht einberechnet.
Ist also Angst ein wesentlicher Faktor des "Klimawandels" und des "Kampfes gegen den Klimawandel"? 

Und was haben die "Kultur-" und /oder "Zivilisation der Moderne" mit dem Thema "Angst" zu tun? 
Wenn man sich die "Angst vor Terror" im "Kampf der Kulturen", also dem, was Samuel P. Huntington eigentlich im amerikanischen Original als "Zusammenprall der Zivilisationen" bezeichnet hat ansieht, dann scheinen da wohl doch viele kausale und konzessive, insofern also auch real konditionale Verbindungen zu bestehen. 

Geht es also auch beim "Emissionshandel" primär um Besitzstandswahrung und Machterhalt, viel weniger aber wirklich um "das Klima", um "nachhaltigen gemeinsamen Ausbau von Infrastrukturen", um nicht zu sagen: um eine lebenswerte Zukunft für die Spezies Mensch auf einem bewohnbaren Planeten?
Auch für kommende Generationen?
Und was macht das mit "Kultur-" und /oder "Zivilisation der Moderne"?

 

 

 

 

27.01.2020

 

"75 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz" fragt sich, wie viele "blinde Flecken" da neuerer und jüngerer Geschichte zum Greuel der Shoah dazu gekommen sind. Diese weitere Zunahme von "blinden Flecken" resultiert zu einem nicht geringen Teil auch daraus, dass innerhalb vieler Familien im Lande der Täter der Shoah die Dinge nie besprochen wurden. Dass somit niemals am Küchentisch erzählt wurde, was denn damals passiert ist. Was auch die Rolle der eigenen Vorfahren, in meinem Falle der eigenen Großeltern darin betraf. Insbesondere natürlich der Großväter.
Als einer, der in der Pubertät wie die meisten Heranwachsenden rebellierte bin ich insofern auch stolz darauf, dass meine Eltern dies ausgehalten haben und wir oft abends dann eben dort am Küchentisch saßen und meine Mutter mir dann immer mehr Teile der Geschichte meiner Großeltern erzählte. Mit laufende Täter, die im Falle ihres Vaters, meines Großvaters auch zu (Bauern-) Opfern wurden. Seine Frau, meine Großmutter war ohnehin meine erste große Liebe mit 6 Jahren. 

Den anderen Opa, den Vater meines Vaters lernte ich nie leibhaftig kennen. Er starb 8 Monate vor meiner Geburt. Aber ich weiß, dass er im Jahr der Geburt meines Vaters, 1936 dort, am Küchentisch der Familie sagte, dass dieser Hitler ein Wahnsinniger sei und alles in einer großen Katastrophe enden würde. Und, dass er meinen Vater dazu erzog, niemals den rechten Arm zu heben und dem örtlichen Gauleiter einfach mit seinem Namen einen guten Tag zu wünschen. Und dass er direkt nach dem Krieg bis zu seinem viel zu frühen Tode auf einem benachbarten US-Luftstützpunkt arbeitete und in den 1950er Jahren häufig abends GI's im Haus meines Vaters waren, um mit Opa Deutsch zu lernen, während er sein Englisch aufbesserte. Auch das erfüllt mich mit Stolz. Und mit Liebe. 

 

Der Schoß jedoch ist fruchtbar noch. Heute mehr denn je. Und das beschämt mich. Deswegen habe ich mich dann auch an der "Zentralen Datenbank der Namen der Holocaustopfer der Internationalen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem" angemeldet. Den vielen Opfern einen Namen und ein Gesicht geben. Einfache Menschen wie Du und ich würdigen, deren gewaltsamer Tod aus dem Lande unserer Vorfahren, also auch hier aus meinem Lande niemals vergessen werden darf.

 

Ich gedenke GOLDA PRIZNER.

Golda Prizner wurde 1907 in Tek Sarluhy, Tschechoslowakei geboren. Sie war die Tochter von Yitzkhak und Lote. Sie war mit Eliezer Verheiratet. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebte sie in Tek Sarluhy, Tschechoslowakei. Während des Krieges war sie in Tek Sarluhy, Tschechoslowakei.
Golda wurde in der Shoah in Auschwitz ermordet.

 

 

 

 

 

26.01.2020

 

"Verhärtete Fronten – EU ringt um Flüchtlingspolitik" lautet der Titel im "Internationalen Frühschoppen" auf phoenix, der aufgrund der Sport-Berichterstattung dort den ausgefallenen "ARD-Presseclub" ersetzt. 

Nationale und europäische Reaktionen auf die erneut zunehmenden Flüchtlingszahlen gerade auch in den Auffanglagern auf griechischen Inseln in der Ägäis werden diskutiert. Im Unterschied zu den vergangenen Jahren stellen nun nicht mehr syrische, sondern afghanische Flüchtlinge den größten Anteil der aus aus dem Nahen und Mittleren Osten nach Europa strömenden Menschen dar.

"Fluchtursachen" werden nur am Rande erwähnt. Dass viele Afghanen verständliche Angst davor haben, erneut zwischen die Fronten zu geraten, diesmal im Falle eines westlichen Truppenabzugs zwischen IS und Taliban - das bleibt wie so vieles ein "blinder Fleck". Die Geschichte hinter der Geschichte auch  inzwischen mehr als 18 Jahre nach der westlichen Invasion bleibt verborgen. Eine spätestens seit dem Staatsbankrott 1955 anhaltende Geschichte "zwischen den Fronten" der Systeme. 65 Jahre also, während der Begriff des "gescheiterten Staates" von den Politik-Wissenschaften erst vor rund 30 Jahren definiert wurde. Und: dass es seit rund 40 Jahren wechselnde "heiße Kriegsgeschehen" im Lande gibt, das scheint man auf dem "alten Kontinent" Europa gleichfalls lieber nicht wahrnehmen zu wollen.

So geht es hier in erster Linie um verwaltungstechnische Reaktionen zwischen deutscher EU-Präsidentschaft und türkischen, griechischen, süd-, ost- und mitteleuropäischen Nationalinteressen. 

 

Afghanistan gehört inzwischen zu den völlig vergessenen Kriegen. Ein weiterer "Kollateralschaden verdrängter Geschichte". Dass man einen solchen Krieg alleine mit Hämmern und Nägeln niemals gewinnen konnte und "der Westen" zwangsläufig auf diese Art niemals das erforderliche Vertrauen dort bei den Menschen gewinnen konnte - dies vermag man kaum noch auszusprechen. Die verwaltungstechnische Abwicklung eines nicht gewonnen Krieges von europäischer Seite erzeugt so einmal mehr einen "blinden Fleck". Es erfüllt einen, der dort war und immer wieder auf erforderliche Veränderungen hingewiesen hat mit Scham. Und mit Zorn. 

"Im Westen nichts Neues" also. 

Es fragt sich aber auch: wie viele "blinde Flecken" und wie viel "schlechtes Theater" darum halten immer fragilere Staaten und ihre immer weiter fragmentierten Gesellschaften aus, bevor sie sich bewegen?

In welche Richtung auch immer.

 

 

 

 

25.01.2020

 

"Partizipation" erfordert mehrere Bewegungsrichtungen: a) "Top-down" gilt es, den "Willen zur Mitsprache" zu fördern. Die an den Hebeln für Entscheidungsprozesse Sitzenden fordern also die bisher als "Konsumenten" und "Verbraucher" entsprechend per se als "passive Elemente" deklarierten Mehrheiten der Menschen an einem jeweiligen Ort zu "Teilhabe" und "Teilnahme" auf. b) "Bottom-up" erfordert die Bereitschaft zu strukturierter und konstruktiver Zusammenarbeit. Dafür bedarf es der Bereitstellung einer "Grundsicherheit" und dem damit verbundenen "Vertrauensaufbau" bei und mit den Menschen, die ihre passive Rolle als "Konsumenten" nicht mehr hinnehmen wollen. c) Die Steuerung und Moderation zu einvernehmlichen Prozessen der Lösungsfindung bedeutet im Wesentlichen, dass die "Mitsprache" bei beiden Bewegungsrichtungen "bottom-up" wie "top-down" gewünscht ist und gefördert wird. Die Zielrichtung dafür ist eine "Mitte", die als gemeinsame Schnittmenge der jeweiligen Interessen für sich erst einmal gefunden und mühsam ausgehandelt werden muss. 
Ein "mühsamer Prozess" der Entscheidungsfindung, der aber durchaus auch "Spaß und andere Motivationsfaktoren" für sich wecken kann. Und der als Weg zum Ziel natürlich eben auch per se beides ist: Weg und Ziel. Und beides für sich auch nur als "Teillösung" beanspruchen kann. 
Dies jedoch durchaus exemplarisch und beispiel- oder modellhaft. 

Insbesondere bei Verfahren der Raumplanung, also der Stadt- und Regionalplanung. Auch hier einmal mehr auf verschiedenen "Maßstabsebenen". Die Themen Klimawandel, Resilienz und Klimaanpassung auch im Ausbau von Infrastrukturen aller Art und somit dann auch der Zukunftsfähigkeit von kulturellem und zivilisatorischem Erbe spielen da eine essentielle Rolle. 
 

Ein solcher gemeinsamer Prozess der Entscheidungsfindung definiert per se Artikel 20.2:
"Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus." und Artikel 21.1
im deutschen Grundgesetz:
"Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit" für sich neu. 

Die Rolle der "Moderation" wird vom parlamentarischen Gesetzgebungsverfahren ins Alltagsgeschäft der Bürger versenkt. Diese Rolle der Moderation erfährt als "Mediation von unten" aber auch eine erhöhte Anerkennung. Die Bürger, die im Zuge der "Politik-Verdrossenheit" vielfach als "Wutbürger" nicht mehr als "weiche Faktoren" in vielen Entscheidungsprozessen wahrgenommen werden wollen sind dabei genauso gefordert wie die Parteien als Hauptverantwortliche in politischen Willensbildungs- und parlamentarischen Gesetzgebungsverfahren. 

 

"Partizipation" erfordert also zur Bewältigung vieler Fragen von "Zukunftsfähigkeit von Staat und politischer Kultur in globalen Netzwerken" auf allen Ebenen und in allen Teilbereichen des Rechtsstaates und des gleichfalls darin immanenten Föderalstaates zu allererst eine Bewegung aufeinander zu. "Volk und Parteien" müssen einander besser zuhören lernen. Dafür bedarf es erst einmal der Anerkennung von Übersetzern und deren Programmen. Programme aber auch, die Verdrossenheit und Unverständnis von beiden Seiten zu kanalisieren vermögen. Die somit aber auch als Brückenbauer, die tiefe Abgründe negativer Kommunikation zwischen Sendern und Empfängern auf beiden Seiten überwinden wollen zu allererst einmal institutionalisierte Anerkennung und Legitimation erfahren müssen. 

 

 

24.01.2020

 

"Wertschätzung" ist eine realistische Größe eines WIR, das dem oft unverstandenen Anderen und der Fremden darin mit Respekt gegenübertritt. Dieser "Respekt" ist dabei nur bedingt direkt abhängig vom eigenen Wissens- und Erfahrungsschatz. Sein Um- und Erfassungsvermögen, der Raum, den der Respekt also umgreift, ist wesentlich beeinflusst durch frühes Erfahrungswissen, das Vertrauen auf- und weiter gebaut hat. Auf der anderen Seite der Skala gibt es auch frühes, dann bald immer weiter wachsendes Misstrauen, das den Aufbau von tragfähig konnotiertem Erfahrungswissen immer mehr zerstört hat. Das menschliche Bewusste und Unbewusste schafft sich so seine Räume. Handlungs- und Spielräume, die die Art, wie WIR der Fremden und dem Anderen gegenübertreten bestimmen. 

"Neugier" ist dabei ein ganz wesentliches Thema. Das "Interesse" am Anderen und dem Fremden als "Dazwischen-Sein" schließt letztlich mich selbst mit meinem Erfahrungswissen ein. ICH bin bedingt durch den anderen und deren DA SEIN. Ohne ihn bin ich nicht wirklich da in dem Moment unserer Begegnung. Ohne sie gibt es auch kein Bild von ihr in meinem Bewusstsein. Meiner Seele.

 

Wie sehr dies standardisierten Allgemeinplätzen und Vorurteilen nationalistischen, religiösen und anderen Ursprungs widersprechen kann, zeigt sich beispielhaft an einer Umfrage in einigen muslimischen Ländern. Diese Erhebung hat zu Tage gefördert, dass die Bevölkerung des Iran vier Jahrzehnte nach der Revolution der Mullahs dort die am weitesten säkularisierte Bevölkerung ist. "Leben im real existierenden Islamismus - In den vier Jahrzehnten nach der Revolution 1979 hat sich der Iran verändert: Die traditionell religiöse Bevölkerung ist heute die säkularisierteste im Nahen Osten." Das verblüfft viele Menschen, die die eigene Realität fernab der Regierungswirklichkeit im eigenen Lande nicht zu übertragen wissen auf andere Länder. Und andere Menschen. Auch wenn diese vielfach und immer wieder als "der Feind" deklariert werden. Die zudem kaum wahrhaben, wie ähnlich die Systeme der Unterdrückung überall sind. Wie die Machthaber überall eigentlich ihre jeweilige Machtdoktrin instrumentalisieren. Auf verschiedenen "Maßstabsebenen", mit entsprechend verschiedenartigen Ausprägungen. Sei es nun die Religion, das "Marktkonforme" in der Demokratie, sei es sonst ein irgendwie manifestierter Staatsdünkel. Eine einseitig ausgelegte Erzählung, die das Herrschen der Herrschenden festigen soll. Überall entfremdet das viele Menschen von ihren in Machterhaltung und Besitzstandswahrung erstarrten Regierungen. Im Iran, in den meisten europäischen Ländern, in den US und sonst wo. Perspektiv- und alternativlose Herr- und Frauschaften, die den Schatten ihrer Machtausübung lieber verbergen. 

Es deckt sich aber weitläufig mit allem, was ich erlebt habe mit persischen, oder aus dem Iran stammenden Freunden und Kollegen. Und mit vielen anderen sehr frei denkenden und handelnden Menschen. Nicht nur dort. Die härtesten und zugleich auch subtilsten Formen der Unterdrückung fordern auch die klügsten Formen des Widerstands. Bis dann die Unterdrückung sich selbst abschafft. 

Hoffentlich. 

 

 

23.01.2020

 

"Zuversicht" und "Sicherheit" auch des eigenen Selbst werden in erster Linie durch "Selbst-Abgrenzung" des eigenen Ich, des eigenen Wissens, der eigenen Erfahrung erzeugt. Der Akt des Gewinnens von "Sicherheit" wird jedoch zum zunehmend passiv erlittenen Verlust, wenn Wissen und Erfahrung des "Selbst-abgrenzenden Ich" nicht mehr geteilt werden. Wenn Bezugspersonen und -rahmen aus welchen Gründen auch immer verschwinden. Reflektionsebenen und Projektionsflächen werden so zu fragmentierten und immer weniger les- und erkennbaren Zeichen.

Der aus allen Versuchen, wieder im Job Fuß zu fassen heraus gefallene, bald obdachlose Freund, die schlaflos in ihrer Wohnung verschanzte Flüchtende mit den beiden kleinen Söhnen auf der anderen Seite des Ozeans: ein WIR findet so kaum noch zueinander. Dennoch ist das WIR die einzige Chance, UNS wieder Zuversicht und Sicherheit zu geben. Ein WIR findet sich nicht in der alles und alle ab-,aus- und eingrenzenden "Schattenwelt der Konkurrenz" sondern allein im Willen zur Kooperation. In der aggressiv bis regressiv agierenden Verdrängungssemantik des stetigen Post-, besser: Intra-Traumatischen, das da die dünne Decke der Zivilisation noch blickdicht erhält, ist für das WIR so kein Platz. 

 

Christoph Schlingensief erzählt davon und von vielem mehr in einem Interview mit Katrin Bauerfeind im Jahr 2008. Als er im August 2010 starb, war ich in San Francisco bei der Geburt meines ersten Sohnes. Christophs Tod hat mich zuerst in tiefe Trauer gestürzt. Andererseits: so einer bleibt.
Das zeigt dieses Interview mehr als alles andere.

"Wenn Gott 'n Künstler ist, dann hat er da schon einige Versäumnisse."
Vielleicht. Vielleicht sind's aber vielmehr unsere eigenen Versäumnisse, die wir als 
Straßenfeger, Künstler, Kopf-,Hand-,Fußwerker am Bau und im Büro, Krankenschwestern und -pfleger und an so vielen Stellen mehr bearbeiten müssen. Danke.

 

 

 

22.01.2020

 

"Maßstabsebene" ist da ein weiterer Begriff, der sicher weiter gehender Erläuterungen bedarf. Auch etwa im Wechselspiel mit Themen wie "Beratungsresistenz". Denn auch solche Phänomene spielen sich auf verschiedenen Ebenen ab. Auf der persönlichen wie auf der Ebene von Gruppen, Gemeinschaften und Staaten und deren Gesellschaften. Und eben auch von Generationen. Von kommunizierenden oder eben nicht im positiven Sinne miteinander kommunizierenden Mengen oder Punkten, also einzelnen Elementen. "Individuen" also in diesem Falle, wenn wir menschliche Gesellschaften und den Umgang darin untereinander hier nehmen.
Fokussieren wir jetzt einmal den Blick auf die Generationen.

Karl Mannheims 1928 geprägte Begrifflichkeit der "gemeinsamen Generationserlebnisse“ steht dem ständigen Wechsel von Generation X, Y, Z und anderen medialen Klassifizierungsversuchen von Altersgruppen eigentlich im Wege. Natürlich muss jede Generation ihre eigenen Erfahrungen sammeln. "Selbstbestimmtheit" ist da per se auch gegenüber "Fremdbestimmtheit" sicher ein entscheidender Punkt. Wichtig dabei ist jedoch, neben allen Brüchen auch die Kontinuitäten im Wandel aufzuzeigen. Den Austausch von Erfahrungen zwischen den Generationen zu fördern. Das bedeutet dann auch, dass eine Erzählung nicht nur die abgrenzenden Unterschiede aufzeigt, sondern vielmehr auf das Finden von Gemeinsamkeiten abzielt. Dann finden sich irgendwann erstaunliche Schnittmengen zwischen ganz verschiedenen Altersgruppen und ihren Lebensentwürfen. Ihren Wünschen und Sehnsüchten genauso wie den Realitäten, mit denen sie konfrontiert waren oder sind. Abgesehen davon: wir werden alle älter. Unsere Lebenserwartung steigt. Für einen alternden Menschen, der viele "Generationserlebnisse" mitten drin und später auch eher von draußen betrachtet hat ist nichts wichtiger als Gegenmittel gegen Demenz und Alzheimer und andere gravierenden Alterserkrankungen als diese Erfahrung mit den Nachgeborenen teilen zu können:
"Es geht weiter. Und es wird gut sein."

 

 

21.01.2020

 

"Beratungsresistenz" ist eigentlich so etwas wie die "kleine demokratische Schwester" der "Ignoranz unter stetiger Strafandrohung" der oligarchischen Herrschaftsformen bis hin zur offenen Tyrannis. Nur bei den oligarchischen Frauschaftsformen wird dann nicht mehr nur gemeuchelt, sondern dort werden auf offener Bühne die Widersacher diskret und trickreich gemetzelt.

Da aber alle für sich "demokratischen Charakter" beanspruchen und darauf vertrauen, dass ihre eigenen Meucheleien a) niemals herauskommen oder b) sofort mit dem Fingerzeig auf andere Tathergänge und per se - den Feind hinweisen, spielt c)"Beratungsresistenz" heutztage in "demokratischen Prozessen" eine weitaus größere Rolle, als einem lieb sein kann. 

Die ewige Gegenwart der Kakophonie des alltäglichen Geschwätzes bildet da das Rauschen, hinter dem alles verschwindet. Erfahrungen aus fehlerhaften Verfahrensweisen der Vergangenheit können und dürfen nicht sein, weil a) die Vergangenheit per se im Besitz der Gestalter des Rauschens ist und b) diese Fehler das Grundrauschen zu sehr stören könnten. C) Der Feind könnte von dieser Schwäche profitieren. Und der sitzt überall. Auch im eigenen Nacken. 
Fehljustierungen am Volksempfänger, also Momente, in denen die Kakophonie allzu schräg und bisweilen gar ohrenbetäubend daherkommt, müssen sogleich durch neue  Stakkatos  - crescendi sforzandi bis hin zu fortissimi ausgeglichen und überspielt werden. Auch durchaus einem "gesunden Menschenverstand" entspringende Wohlklänge werden dann eingestreut. Im Amoklauf jedoch des stolpernden Grundrauschens greift dann die "Beratungsresistenz" der Lauscher der statistisch-empirischen Werte am Volksempfänger. Die beamteten Erfüllungsgehilfen des demokratischen Prozesses sind ja auch nur Menschen. Und sie horchen halt auch weg, wenn's ihnen zu viel wird. Hoch dotiert. Aber die hinter der Drehtür verborgene 
"Ignoranz unter stetiger Strafandrohung" in der "freien Wirtschaft" verspricht ja noch viel mehr. Insofern ist "Beratungsresistenz" auch eine große Zukunft versprechende "Zier demokratischer Bescheidenheit".

 

 

 

20.01.2020

 

 

 

 

"Ein Baum, der den Himmel berühren will, muss seine Wurzeln in den Boden hinein verlängern.
Je mehr er nach oben strebt, umso weiter muss er nach unten wachsen.

Um also im Leben aufzusteigen, müssen wir bodenständig, demütig & dankbar sein.

 

Guten Morgen".

 

Das hat mir einer meiner wichtigsten Partner und Freunde in Kabul geschickt, nachdem ich 
am Vorabend einmal mehr eher (ver-) zweifelt war nach einem weiteren frustrierenden Verhandlungsverlauf. 

 

(De-)mut erfordert viel mehr Mut.
Über den Tellerrand hinauszuschauen. Und darüber hinaus zu gehen. Und mehr.

Den Krieg zu beenden und Frieden zu erkämpfen erfordert zu allererst diese (De-) Mut.
"De-Mut" - als Übersetzung für "humbleness" hat auch nichts mit "Erniedrigung" , im Englischen "humiliation" zu tun. "De-courage" wäre eine bessere Übersetzung. Um zur "De-courage" zu kommen erfordert es erst einmal, überhaupt Mut zu entwickeln. Und zu zeigen. Die ängstliche Deckung der Machtpolitik von Militärstrategen zu verlassen. Sich auf die Erinnerungen der Vorfahren einzulassen. Diese mit Stolz und Ehre würdigen. Ohne diese "De-Mut" werden die Kriege in Libyen, im Jemen, in Syrien und an anderen Orten im Nahen und Mittleren Osten ewig andauern. Und sie werden zum Scheitern nicht nur dieser Staaten führen.

 

Vergesst niemals Afghanistan und sein Volk!

Überstrapaziert niemals die Leidensfähigkeit stolzer und ehrenhafter Völker!

 

 

 

19.01.2020

 

Von Weißen Elefanten, Hämmern und Nägeln

 

In „Anleitung zum Unglücklichsein“ beschreibt Paul Watzlawick eine schöne Szene:

Ein Mann steht an einer Straßenecke und klatscht in die Hände. Ein anderer Mann kommt vorbei und fragt ihn, warum er das tue. Er antwortet:

„Ich vertreibe die Elefanten!“

Der andere Mann sieht sich um und sieht dann wieder den Klatschenden an:

„Aber hier sind doch gar keine Elefanten!“

Der immer noch Klatschende antwortet:

„Na eben!“

 

„Wenn das einzige Werkzeug, das man hat ein Hammer ist, dann muss jedes Problem ein Nagel sein.“

 

Weiße Elefanten sind so ungefähr das, was Rufer in der Wüste sehen. Die Kassandra, deren Warnungen ungehört bleiben ist so eine Ruferin in der Wüste. Der Fluch des Apollon verdunkelt das Licht.

 

In Zeiten, in denen ein Schritt durch eine flache Pfütze schon den Verlust eines Beines nach sich ziehen kann, wimmelt es nur noch von weißen Elefanten. Wenn der Fehltritt in das dunkle Nass einem schon nicht den Verstand, sondern „nur“ ein Bein raubt, dann sollte da noch Anlass auf Hoffnung bestehen.

Wenn auch die Pfützen nicht mehr gesehen werden, weil man Angst hat, dass der Fehltritt den Job kosten könne, dann ist die Wüste nicht mehr fern.

 

Bäche und Flüsse verrinnen und trocknen aus. Der Fluch des Apollon kann dann ewig dauern.

 

 

18.01.2020

 

Nach vielen Dingen, die ich angestoßen und angefragt und gewollt habe im alten Jahrzehnt, führe ich nun eine Seite hier als "mein Tagebuch in den 20er Jahren des 21. Jahrhunderts" weiter. "Freude schöner Götterfunken" aus Beethovens Neunter und die "Melancholie der grenzenlosen Traurigkeit" der Smashing Pumpkins treffen sich dort. Die Zehnte Sinfonie ist ja seit dem Bonner Wiener der Schrecken eines jeden Komponisten. Eine Schallmauer für Gehörlose. Hier wie dort.
Ob mein Gemüt da bei diesen täglichen Befindlichkeitsaufnahmen alleine ist - das weiß ich nicht. Das tut auch kaum was zur Sache. Die Kartografien verwundeter Seelen mögen manche Wahlverwandtschaften zeigen. Kann und wird manche(r) vielleicht entdecken. 

Das Ganze werde ich auf Deutsch und Englisch verfassen. Italienisch und Farsi, besser Dari, die ich als Sprachen genauso liebe - das kriege ich zeitlich nicht hin. Letztlich ist so ein Tagebuch auch ein Vertrauter. So etwas wie ein Gebet. Etwas Vertrautes. Tief Vertrautes. Und ein Gebet dient dazu, die Seele rein für den Tag zu machen. Den Schmutz, den der Schaum der Tage nicht wegwaschen kann.